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Urteil
Frau terrorisierte Grindr-Nutzer: 13 Monate Haft
Eine Französin muss in England ins Gefängnis, weil sie mehreren schwulen Männern das Leben zur Hölle gemacht hatte.

Bei der Online-Dating-App Grindr trifft man manchmal auch auf Personen, die es nicht gut mit einem meinen
- 4. März 2020, 14:21h 2 Min.
Ein Amtsgericht im Süden Londons hat am Montag die 31-jährige Yannick G. zu einer Haftstrafe von 13 Monaten verurteilt, weil sie mehrere Grindr-Nutzer gestalkt hatte. Die französische Staatsbürgerin hatte sich zuvor in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. Eine Grund dafür, warum sie homosexuellen Männern nachgestellt hatte, nannte sie nicht.
Laut Staatsanwalt John McNamara soll G. 2017 unter dem Pseudonym "Steven St. Pier" Kontakt mit einem Mann aufgenommen haben – sie habe sich dabei als schwuler Mann ausgegeben. Das Opfer habe persönliche Daten wie die Telefonnummer, E-Mail-Adressen sowie Nacktbilder ausgetauscht. Er habe ihr auch seinen Lebenslauf geschickt, weil sein Gegenüber ihm einen Job in Aussicht gestellt hatte. Als der Mann Verdacht schöpfte und den Kontakt abbrach, habe sie ihn monatelang belästigt. Sie habe seine Nacktbilder an seinen Stiefvater und Freunde gesandt, sei ihm durch die Stadt gefolgt und habe ihrem Opfer Fotos von ihm in der U-Bahn geschickt, die sie offenbar heimlich aufgenommen hatte.
Ein anderes Opfer erwischte es 2018 noch schlimmer: Die Angeklagte habe bei der Polizei anonym Anzeige gegen dessen damaligen Lebenspartner gestellt und angegeben, dass dieser Kinder sexuell missbraucht habe. Dann habe sie sich als Vorgesetzter des Opfers ausgegeben und gegenüber der Polizei erklärt, dass der Mann Kinderpornografie auf seinem Computer gespeichert habe. Außerdem habe sie sich auf Datingseiten als das Opfer ausgegeben und Männer, die auf der Suche nach Sex waren, zu jeder Tageszeit zu dessen Haus geschickt. Zudem stalkte sie die Männer fortlaufend auf der Straße.
Richter: Täterin war offenbar "voller Neid"
Richter Silas Reid erklärte bei seiner Urteilsbegründung laut "Independent": "Es ist schwer zu verstehen, warum Sie das getan haben. Mir fällt als Grund nur ein, dass sie voller Neid waren und einfach Lust auf Rache hatten."
G. war kurz vor ihre Festnahme nach Frankreich geflohen. Ihr Heimatland lieferte sie aber im Januar nach Großbritannien aus. Während des Prozesses sagte ihr Anwalt, dass seine Mandantin ihre Taten bereue. Sie sehe ein, dass diese "fies, grausam und dumm" gewesen seien.
Ein ähnlicher Fall hatte sich auch in Bremen ereignet: Dort begann im Januar der Amtsgerichts-Prozess gegen einen Mann, der mutmaßlich aus Hass auf Homosexuelle mehrere schwule Männer gemobbt und regelrecht terrorisiert haben soll (queer.de berichtete). Das Amtgericht übergab den Fall schließlich an das Landgericht, nachdem eine Gutachterin den Mann als möglicherweise psychisch krank diagnostiziert hatte – der 31-Jährige befindet sich seither in einer Nervenklinik (queer.de berichtete). (dk)














