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Katholische Kirche

Magazin des Bistums Essen: Gleiches Recht auch für Homosexuelle?

Im offiziellen Bistumsmagazin werben ein Kirchenmitarbeiter, ein Sexualtherapeut und ein katholischer Professor für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren.


Das Magazin "Bene" wird im Bistum von Bischof Franz-Josef Overbeck herausgegeben, von dem zuletzt versöhnlichere Töne gegenüber Schwulen und Lesben zu hören waren (Bild: Bistum Essen (2x))

Drei Experten hadern mit der Sexualmoral der katholischen Kirche, insbesondere gegenüber Homosexuellen – und sie tun das offen in ganzseitigen Texten in "Bene", dem offiziellen Magazin des Bistums Essen, das allen Katholiken der Region zugeschickt wird. In der Publikation wird kritisiert, dass gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche nicht gesegnet werden dürfen – übrigens im Gegensatz zu Tieren oder sogar Autos, denen Priester den Ritus gewähren dürfen.

Der erste Sachverständige ist Rainer Teuber, der seit 1994 beim Domkapitel des Bistums arbeitet. Der offen schwule Katholik beklagt in dem Magazin, dass er sich wegen der Ausgrenzung Homosexueller in der Kirche als "Christ zweiter Klasse" fühle. Er und sein Mann hätten für die Segnung ihrer Beziehung auf einen evangelischen Pfarrer zurückgreifen müssen, weil sich katholische Priester schlicht weigerten.


Zwei Seiten des dreiseitigen Artikels im Magazin "Bene"

Sexualtherapeut Carsten Müller bedauert als zweiter Experte, wie die kirchliche Sexualmoral selbst tiefgläubige Katholiken wahnsinnig mache. "Wenn eine Institution wie die Kirche Menschen daran hindert, ihre Identität auszuleben oder öffentlich zu machen, entstehen Druck und eine innere Zerissenheit", konstatiert er.

Klar für die Segnung homosexueller Paare plädiert Ansgar Wucherpfennig von der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Wegen seiner LGBTI-freundlichen Haltung hatte der Vatikan Wucherpfennig 2018 eigentlich als Rektor feuern wollen (queer.de berichtete). Nach scharfen Protesten gab der Heilige Stuhl nach fünf Wochen aber nach (queer.de berichtete).

"Offizielle kirchliche Anerkennung" gefordert

Wucherpfennig argumentiert in seinem "Bene"-Beitrag, dass die Bibel alleine nicht ausreiche, um das Verhältnis zu Homosexuellen zu beurteilen, sondern dass auch Ergebnisse der "heutigen Humanwissenschaften" berücksichtigt werden müssten. Segensfeiern für homosexuelle Paare bräuchten "eine offizielle kirchliche Anerkennung". Akzeptiere die Kirche Schwule und Lesben nicht, werde sie "zu einer Art Raumschiff Enterprise, losgelöst von allen irdischen Wirklichkeiten".

BENE hat mit Menschen gesprochen, die mit der Sexualmoral der Kirche hadern. Warum sie das tun und was sie jetzt fordern, sagen sie uns in aller Offenheit. Die kompletten Statements lesen unter bene.mg/moral

Gepostet von BENE am Dienstag, 3. März 2020
Facebook / BENE

Derartige Debatten finden im katholischen Umfeld nicht nur Freunde: Im österreichischen Onlinemagazin kath.net wird in Kommentaren etwa gemutmaßt, dass hinter den Forderungen eine ominöse "Homolobby" stecke, die angeblich die Grundsätze der katholischen Kirche beschädigen möchte.

Das Bistum Essen wird von Bischof Franz-Josef Overbeck geleitet, der einen erstaunlichen Wandel in der Frage zum Umgang mit sexuellen Minderheiten hingelegt hat. 2010 sagte Overbeck noch offen bei der ARD-Talkshow "Anne Will", dass Homosexualität der Natur widerspreche (queer.de berichtete). Vergangenes Jahr stellte er dagegen das priesterliche Schwulenverbot in Frage (queer.de berichtete). Daraufhin outete sich ein Priester aus Hamm und wurde – zumindest bislang – noch nicht gefeuert (queer.de berichtete).

Erst am Dienstag würdigte Overbeck außerdem den Aids-Hilfe-Aktivisten Markus Willeke, der am 29. Februar verstorben war (queer.de berichtete). Dabei veröffentlichte das Bistum auf seiner Website ein Foto Willekes, das ihn mit einer Regenbogenflagge zeigt. (dk)



#1 ursus
  • 05.03.2020, 15:03h
  • Es ist doch vielsagend, wenn die Frage nach "gleichem Recht" aufgeworfen wird, in der Diskussion aber keine einzige Stimme sich wirklich für gleiches Recht ausspricht.

    Am erschreckendsten ist aber natürlich, dass eine der größten und einflussreichsten Organisationen unseres Landes im Jahr 2020 immer noch behaupten darf, über gleiche Rechte für alle dürfe man ergebnisoffen diskutieren.

    Da schwadronieren gerade alle darüber, dass es angeblich keine Bürger_innen zweiter Klasse geben dürfe, und gleichzeitig kommt die RKK mit ihrer unverhohlenen Zweiklassenideologie völlig ungeschoren davon.

    Wir leben in einer unfassbar verlogenen Gesellschaft.
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#2 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 05.03.2020, 15:55h
  • Antwort auf #1 von ursus
  • Danke für diesen Kommentar!

    "Gleiches Recht für alle?" als FRAGE aufzuwerfen, ist wirklich unfassbar vorgestrig.

    Genauso vorgestrig, weil genauso "christlich", verhalten sich ja auch CDU und CSU. Die meisten Abgeordneten fühlten sich ja auch bei der Ehe-für-Alle-Abstimmung "völlig überrumpelt" und hätten gerne nochmal 150 Jahre Diskussion gehabt (immerhin forderte bereits Karl Heinrich Ulrichs 1867 erstmals öffentlich die Straflosigkeit homosexueller Handlungen - bis zu diesem einen Aspekt rechtlicher Gleichstellung, der "Ehe für Alle", dauerte es also tatsächlich genau 150 Jahre).

    Und weil die "christlichen" Politiker so große Freude daran empfinden, darüber "ergebnisoffen" zu diskutieren, ob wir nun wirklich auch gleiche Rechte haben sollten oder vielleicht doch auch eher nicht, weigern sie sich natürlich auch, Art. 3 GG entsprechend zu ergänzen. Da sei Gott vor.

    Sollen wir dann also erst 2167 damit rechnen dürfen, dass wir wenigstens in der Politik tatsächlich gleichgestellt werden? Dann eben nach dreihundertjähriger Diskussion darüber, ob wir tatsächlich vollwertige Menschen mit voller Menschenwürde sind, oder eben vielleicht doch nur Menschen zweiter Klasse?

    In der Katholischen Kirche, so scheint mir, ist wohl eher das Jahr 4867 anzupeilen. Obwohl: ob dann 3000 Jahre Diskussion genug waren?

    Bis dahin ist dann allerdings wegen des Klimawandels die "halbe Welt" untergegangen. Mit 7 Meter höherem Meeresspiegel und allen Schikanen.

    Und wer wird schuld daran sein, zumindest in den Augen christlicher Verschwörungsfanatiker?

    Wir natürlich.

    derzaunfink.wordpress.com/2014/12/04/schwule-weltverschworun
    g-es-ist-alles-wahr/


    Es bleibt zum Verzweifeln.
    ODER wir kämpfen gegen diese Bigotterie an, und zwar ganz massiv. Auf jeden Fall jedoch sinnvoll, weil es ihnen Macht und Geld entzieht:

    www.kirchenaustritt.de/
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#3 NuminexEhemaliges Profil
#4 Ralph
  • 05.03.2020, 17:06h
  • Aus jedem Karnickelzüchterverein, der einem sagt, nein, du darfst bei uns nicht voll mitmachen, weil du schwul bist, träte man aus und ginge in einen anderen, der sich nicht so dreckig anstellt. Wer absolut nicht vom Christentum lassen kann, dem steht es frei, einer liberaleren Kirche beizutreten und sich dort segnen zu lassen. Aber man möge doch bitte endlich aufhören, sich selbst und anderen vorzumachen, es gebe eine realistische Aussicht, die kath. Kirche werde innerhalb der nächsten hundertausend Jahre zu Anstand und Vernunft finden, wenn man nur lange und oft und laut genug darum bettele. Da kann man auch warten, bis der Ku-Klux-Klan einen Arbeitskreis zur Förderung der Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen gründet. Im Übrigen gibt es genug schwule kath. Pfarrer, die in der Sakristei oder in einer abgeschlossenen Kapelle schwule und lesbische Paare trauen - nur dokumentieren können sie es nicht.
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#5 Homonklin_NZAnonym
  • 05.03.2020, 17:27h
  • Antwort auf #1 von ursus
  • Ja, das verstecken die ja hinter ihrem Absolutheitsanspruch an die Definitionshoheit davon, welche Art Ordnung die Vorderste sei. Da kommt das Grundgesetz oder die Verfassung von Deutschland erst irgendwo in den weiteren Rängen, und die sehen das, was da drin steht, als "weltliche", aber nicht "göttliche" Sammlung von Werten und Regeln. Die sie nicht alle unterstützen. Daher haben die auch ihre eigene Rechtsinstanz und können zum Beispiel vielfache Kindergrapscher decken, ohne dass da die Staatsanwaltschaft drauf Zugriff bekäme.

    Verlogen ist die Gesellschaft in mehreren Ebenen, es gibt auch diese sozialen Menschenwertklassen, also Menschenwürde in Güteklassen unterteilt, mit Menschenrecht light, frag mal Leute mit Einschränkungen oder die Hartz-Fraktion. Es mag zwar nicht so schlimm erscheinen, wenn einer wegen Unterstützungsbedarf nur eine geringe Ersparnissumme haben darf, oder wenn er sich nicht aus eigener Arbeit ernähren kann, evtl. auch gezwungen werden kann, in ein Heim zu gehen ( Teilhabegesetz und Reform) , ist aber ebenso eine Beschneidung dieser "alle sollen gleiche Rechte und Möglichkeiten haben"-Idee, wie die Auflagen für Hartz-Menschen oder eben die zweite Klasse für uns LGBTIQ*s.

    Fraglich, ob wir diese Akzeptanz bei der RKK überhaupt brauchen, wenn man deren Einfluss in der Politik oder Gesetzgebung wirklich durch umgesetzte Säkularität beenden würde. Man muss diesen Mythenspinnern gelegentlich zeigen, wo ihr Platz ist. Würde sich die FSM oder die Aluhut-Anhängerschaft ähnlich aufspielen, wie es die Bibelaner tun, das würde unser Staat kaum ernstnehmen. Warum also grade diesen Fantastenkonzern?
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#6 Religioten-WatchAnonym
  • 05.03.2020, 17:40h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • "Aus jedem Karnickelzüchterverein, der einem sagt, nein, du darfst bei uns nicht voll mitmachen, weil du schwul bist, träte man aus und ginge in einen anderen"

    Mehr noch: Man würde den Karnickelzüchterverein verklagen und Recht bekommen! Nicht jedoch bei Religiotenvereinen, die in Deutschland unverschämte Sonderrechte genießen und über das weltliche Gesetz gestellt werden, weil sie über genügend religiotische Lobbyist_innen im deutschen Parlament verfügen.

    Es bleibt allen Einzelnen wenig übrig zu tun, aber ein kleiner Schritt ist möglich:
    www.kirchenaustritt.de
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#7 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 05.03.2020, 17:56h
  • Antwort auf #5 von Homonklin_NZ
  • "Warum also grade diesen Fantastenkonzern?"

    Gute Frage.
    Solange jedoch die "C"-Parteien regieren, die sich mittlerweile als "einzig verbliebene Volksparteien" gerieren (und das z.B. trotz des Hamburg-Ergebnisses von sage und schreibe 11,2%), wird allein schon die (In-)Fragestellung quasi nicht zugelassen. Immerhin glauben diese Parteien doch tatsächlich, sie würden eine wie auch immer geartete "deutsche Leitkultur" am ehesten repräsentieren.

    Es wird Zeit - HÖCHSTE Zeit - für eine ECHTE Trennung von Staat und Religion. KEINE Erhebung von Kirchensteuern mehr durch den Staat, KEINE sonstigen finanziellen Zuwendungen mehr, die selbst aus den Kirchen Ausgetretene durch ihre Steuern mit-zwangsfinanzieren. Solange die Kirchen auch nur irgendwem vorschreiben wollen, anders zu leben, als es ein rein auf Vernunft und Menschenrechten basierender Staat tun würde; solange die Kirchen auch nur irgendwem Rechte und Würde aberkennen, haben sie in einem modernen Staat des 21. Jahrhunderts, der sich noch dazu nur allzu oft als weltweit leuchtendes Vorbild für Fortschrittlichkeit präsentiert, nichts, aber auch gar nichts zu suchen.

    Aber, ich MUSS es wiederholen, das kann nur was werden, wenn die "C"-Parteien 'raus sind. Dafür kann jede_r für uns mit sorgen.
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 05.03.2020, 17:56h
  • Antwort auf #1 von ursus
  • "Wir leben in einer unfassbar verlogenen Gesellschaft."

    Ja, natürlich.

    Aber es könnte gerade mit dem einstmals Opus-Dei-affinen Bischof von Essen alles schlimmer gekommen sein.

    Weil der oberste Dienstherr in Rom mittlerweile gewechselt hat, reiht sich auch die kath. Kirche in die demokratische Gesellschaft ein anstatt ihre Werte grundsätzlich zu bekämpfen.

    Natürlich nur als Nachhut des Fortschritts und nicht als Vorhut.

    Aber immerhin nicht als frommer Arm der AfD.

    Länder wie Spanien oder Frankreich zeigen, dass auch das ein Variante wäre.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 05.03.2020, 19:02h
  • Antwort auf #7 von RuferInDerWueste
  • "Es wird Zeit - HÖCHSTE Zeit - für eine ECHTE Trennung von Staat und Religion. KEINE Erhebung von Kirchensteuern mehr durch den Staat, "

    Ja, das aber ein (un-)frommer Wunsch.

    Eher wird in unserem durch und durch frommen Gemeinwesen Moscheensteuer staatlicherseits erhoben werden.

    Nebenbei: Die betreffenden Organisationen werden dannmit ihren lauthals vertretenen Meinungen genauso repräsentativ für die 'Muslime' sein wie ihre Kollegen für die 'Christen'.

    Nämlich gar nicht.

    Aber das schert in unserer Göring-Eckardt- und Merkel-Republik keinen.
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#10 LorenProfil
  • 05.03.2020, 19:47hGreifswald
  • Antwort auf #1 von ursus
  • Strukturell betrachtet stimme ich da zu, möchte aber ergänzen, dass die Gesellschaft von Individuen gebildet wird. Und nach meinem Geschmack viel zu viele Individuen haben sowas wie einen "blinden Fleck" in der eigenen Wahrnehmung und Beurteilung von Tatbeständen, je nachdem, wer für diese Verantwortung trägt und je nach eigener religiöser, aber auch politischer bzw. allgemein weltanschaulicher Warte und empfundener Zugehörigkeit.
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