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Schweiz

Spitzen-Schwinger outet sich als schwul

Curdin Orlik zählt zu den besten Sportlern bei der in der Schweiz beliebte Variante des Freistilringens.


Orlik bei einem Besuch in Bern (Bild: curdinorlik / instagram)

Der 27-jährige Schwinger Curdin Orlik hat sich im Rahmen eines umfangreichen Porträts im Magazin des "Tages-Anzeiger" als schwul geoutet – laut "20 Minuten" der "erste aktive männliche Topsportler in der Schweiz überhaupt, der offen zu seiner Liebe zu Männern steht."

In dem Beitrag sagte er: "Ich will frei sein. Viel zu lange habe ich verdrängt, wer ich wirklich bin." Lange habe er für den Schritt gebraucht, der bereits im Dezember in ersten Gesprächen mit dem "Tagesanzeiger"-Journalisten vorbereitet wurde und am Wochenende auch einen TV-Auftritt umfasst.

Orlik gehört dem Nordostschweizer Schwingverband an und hat 35 Kränze und fünf Kranzfestsiege errungen. Er ist der ältere Bruder von Armon Orlik (24), ebenfalls ein erfolgreicher Schwinger. Und Curdin ist Vater eines 2016 geborenen Sohnes aus einer früheren Beziehung zu einer Frau. Das Coming-out geschehe auch für seinen Sohn: "Ich will ihn auf gar keinen Fall anlügen."

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Der Diplom-Landwirt aus Rubingen wuchs mit drei Brüdern in einem katholischen Elternhaus auf. "Ich wusste schon immer, dass ich schwul bin, sicher seit ich zwölf war. Aber ich dachte: Das ist falsch, das kann nicht sein." In der Schule habe er bei Schwulenwitzen mitgelacht, um nicht aufzufallen. Mit Kollegen unterwegs schaute er Frauen hinterher: "Ich konnte nicht zulassen, dass ich anders bin. Ich wollte unbedingt eine Freundin."

Das komplette Schweigen zu dem Thema – auch in der Familie wurde ein schwuler Onkel nicht thematisiert – habe ihn belastet und selbst schweigen lassen, so Orlik. "Ich hätte mir gewünscht, bereits als Kind zu erfahren, dass es viele verschiedene Lebensformen gibt und dass jede in Ordnung ist. Aber so war es nicht. In der Familie, in der Schule, in meinem ganzen Umfeld war Schwulsein etwas Verschwommenes, Unsichtbares." Diese "Verklemmtheit und Sprachlosigkeit" wolle er nun durchbrechen.

Er habe zunächst an einen beiläufigen Satz in einem Interview gedacht, sich dann aber für eine ausführliche Lösung entschieden, damit er danach mehr Ruhe habe und insgesamt mehr Verständnis geweckt werde. Das sensible Zeitungsporträt, dass auch die ihn unterstützende Familie zu Wort kommen lässt, ist entsprechend aufklärend und lesenswert geraten.

Lob von Pink Cross

Das Coming-out habe Signalwirkung weit über den Schwingsport hinaus und zeige, dass Schwule heute in der Gesellschaft breit akzeptiert sind, kommentierte die Organisation Pink Cross, die Orlik in einer Pressemitteilung "herzlich willkommen in der Community" hieß. "Wir freuen uns, gemeinsam mit dir für gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen zu dürfen!"

Twitter / pinkcross_ch

Die Organisation zeigte sich überzeugt davon, dass Orlik von seinen Kollegen und Fans Respekt erhalte und sein Coming-out positiv aufgenommen werde. "Auch ist zu hoffen, dass sein Coming-out eine Signalwirkung auf weitere Sportarten hat und LGBTIQ-Sportler*innen ermutigt, öffentlich zu sich zu stehen." Das Coming-out in dem Traditionssport zeige: "Uns findet man überall – und richtig gut sind wir dann, wenn wir zu uns stehen können und akzeptiert werden." (nb)



#1 YannickAnonym
  • 06.03.2020, 18:55h
  • Schön, dass er dieses unwürdige Versteckspiel und diese Selbstverleugnung beendet.

    Nichts ist besser als Freiheit. Keine Angst mehr vor Enttarnung, nicht ständig aufpassen, etc.

    Erst danach weiß man, was man vorher verpasst hat und was man sich selbst angetan hat.
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#2 NuminexEhemaliges Profil
  • 06.03.2020, 19:05h
  • Es wäre so schön, wenn man hier mal vegleichbares von einem deutschen AKTIVEN Sportler lesen dürfte.
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#3 lindener1966Profil
  • 06.03.2020, 21:09hHannover
  • Da bekomme ich gleich ganz rote Bäckchen, uiuiui ;-). Guter Mann! Wünsche Ihm alles gute. So ein Sportler Outing vermisse ich mal in Deutschland.
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#4 AngetanAnonym
  • 06.03.2020, 21:09h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • "Erst danach weiß man, was man vorher verpasst hat und was man sich selbst angetan hat."

    Richtig, aber auch wieder nicht (richtig):
    Man hat NICHT "sich selbst etwas angetan", es wurde einem VON DER GESELLSCHAFT etwas angetan - naemlich die Angst vor "gesellschaftlichen" Reaktionen auferlegt/eingeimpft/"was-weiss-ich-fuer-ein-Begriff-richtig-ist"! Allein deshalb hat man "sich selbst etwas angetan", bzw. gerade eben NICHT!
    Wenn Homosexualitaet "normal" waere, braeuchte es solche coming outs nicht, dann muesste man nicht darueber reden, oder "sich erklaeren".
    Und wie im Artikel steht steht, war seine Angst ALLEIN (oder zumindest wohl zum groessten Teil) damit begruendet, dass er in einem "christlichen" Haushalt aufwuchs, in dem es halt getreu der "christlichen" Linie "unnormal" war homosexuell zu sein.
    Also letztendlich auch mal wieder aufrgund der ach so naechstenlieblichen "christlich"-katholischen Kirche.
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#5 AlexAnonym
  • 07.03.2020, 03:13h
  • Bin ich der Einzige, der bei der Überschrift erst 'Swinger' gelesen hat?

    "Schwinger" hab ich bis heute noch nie gehört oder gelesen.
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#6 zundermxeAnonym
  • 07.03.2020, 08:58h
  • Ne riesige Sache.
    Freu mich für ihn, dass er den Mut und die Energie hat sich mit keinem weiteren Zwischenschritt zufrieden zu geben.
    Für sich selbst und viele andere ein tolles Signal.
    Respekt und lieben Gruß in die Schweiz.
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#7 Roman BolligerAnonym
#10 FingersingerAnonym