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"Hinschauen, zuhören, kümmern"

Bayern: CSU-Ministerin Trautner will sich mehr um LGBTI kümmern

Seit Monaten hagelt es Kritik am Umgang der Staatsregierung mit queeren Menschen. Auch nach Ansicht der neuen Ressortchefin muss sich etwas ändern. Von einem Aktionsplan gegen Homophobie hält sie aber nichts.


Carolina Trautner (CSU) ist seit Februar Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales (Bild: StMAS)

Nach der Kritik von Experten und Opposition sieht auch die bayerische Staatsregierung beim Schutz von LGBTI Handlungsbedarf. "Die oberste Prämisse ist, dass jeder hier so leben kann, wie er oder sie das möchte", sagte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Niemand dürfe im Freistaat wegen seiner Gesinnung oder seiner sexuellen Orientierung ausgegrenzt oder benachteiligt werden. "Das ist selbstverständlich."

Trautner betonte, dass ihr Haus seit der Anhörung von Experten im Landtag im November bereits an dem Thema dran sei. Gleichwohl sei ihre Priorität – passend zu ihrem generellen Motto als Ministerin "hinschauen, zuhören, kümmern" – nicht die Erstellung eines Aktionsplans für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Bayern ist das einzige Bundesland ohne eine entsprechenden Leitfaden. "Ich bin eher die Pragmatikerin. Bevor ich mich monatelang hinsetze und einen Aktionsplan entwickle, der noch keinem Menschen geholfen hat, würde ich jetzt prioritär versuchen, Unterstützungsangebote zu schaffen, die gleich wirken", betonte Trautner

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Neue Beratungsangebote angekündigt

Als Beispiele nannte Trautner Beratungsangebote auch außerhalb der Ballungszentren. Mit einem Online-Angebot und einer Telefonberatung gerade für queere Männer könne schnell geholfen werden. "Das gilt für Stadt und Land ganz genauso. Auch bei speziellen Beratungsangeboten für Jugendliche gebe es Handlungsbedarf. "Natürlich ist es wichtig, gerade bei jungen Menschen, dass es Angebote gibt, dass sich niemand alleingelassen fühlt." Gleiches gelte für die Bereiche mit Berührungspunkten zu anderen Ministerien – etwa für mehr Sensibilität für das Thema an den Schulen.

Wie lange es dauern werde, bis die Angebote in der Praxis verfügbar seien, konnte Trautner noch nicht sagen. "Mir ist wichtig, dass es gescheit aufgesetzt wird, dass es Hand und Fuß hat und dass ich dann wirklich alle Aspekte genau beleuchtet habe", sagte sie. Das Thema werde jetzt umgesetzt, "das nehmen wir ernst". Trotz der Kritik von Experten an der unzureichenden Beratungsstruktur in Bayern sieht Trautner den Freistaat nicht gänzlich unvorbereitet: "Wir fangen ja jetzt nicht bei null an. Es gibt ja schon Beratungsangebote".

Trautner: CSU muss mit der Zeit gehen

Dass die Staatsregierung mit mehr Angeboten für LGBTI konservativere Teile der Bevölkerung und damit auch der eigenen Wählerschaft von CSU und Freien Wählern überfordere, glaubt Trautner nicht. Als Ministerin sei sie aber auch nicht nur für ein Zielpublikum zuständig, sondern für alle Menschen in Bayern. "Wenn sich der Bedarf entwickelt, dann muss man auch mit der Zeit mal die eigenen Anschauungen hinterfragen und fragen, ist das noch zeitgemäß?" Eine Gesellschaft sei nicht starr, sondern verändere sich laufend.

Für die CSU gebe es aber auch immer die Prämisse, bei jeder Veränderung "immer alle mitnehmen" zu wollen, ohne die Gesellschaft zu überfordern. "Wir müssen immer dieser Balance gerecht werden, was manchmal gar nicht so ganz einfach ist", sagte Trautner. Die Abwägung sei eine Riesenherausforderung und ein gewisses Kunststück. "Aber das ist unsere Aufgabe." (cw/dpa)



#1 FinnAnonym
  • 07.03.2020, 08:29h
  • "Hinschauen, zuhören, kümmern"

    Das ist das gleiche Politiker-Blabla wie "Wir haben verstanden" nach verlorenen Wahlen, "Unter Bauchschmerzen zugestimmt" bei unpopulären Maßnahmen, etc.

    Nur folgen solchen Worten nie Taten.

    Wir wollen kein Gelaber und keine Beruhigungspillen mehr, sondern Taten.

    Das, was man uns seit Jahrzehnten vorenthält: volle rechtliche Gleichstellung.

    Die momentan drängendsten und wichtigsten Punkte (es gibt aber noch mehr):

    - Aufnahme der Merkmale "geschlechtliche Identität" und "sexuelle Identität" in Art. 3 GG

    - ein Schutz aller Opfer vor angeblichen Konversionstherapien und nicht nur eines Teils der Opfer (so, wie es die Wissenschaft seit langem fordert)

    - Abschaffung der Ausnahmen im AGG, das Kirchen und anderen "Tendenzbetrieben" die Diskriminierung von LGBTI explizit erlaubt (und damit die Idee eines Anti-Diskriminierungs-Gesetzes pervertiert)

    - Abschaffung der Diskriminierung von lesbischen Familien gegenüber schwulen und heterosexullen Familien im Abstammungsrecht

    - Verbesserung der rechtlichen Situation Trans- und Intersexueller
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#2 NuminexEhemaliges Profil
  • 07.03.2020, 09:27h
  • Also jemand, der seit Monaten untätig ist, spricht von "...bevor ich mich monatelang hinsetze..." und wenn es nach ebenso langer Kritik von allen Seiten der Opposition und Aktivistengruppen um konkrete Handlungen geht, spricht sie im Konjunktiv "...würde ich jetzt prioritär versuchen...".

    Für welchen logisch denkenden Menschen hört sich das an, als wäre die Person pragmatisch, wie sie sich selbst attestiert und seit wann ist alles so "selbstverständlich" im Freistaat, wenn es gleichzeitig "einen Handlungsbedarf" gibt? Mein Ratschlag wäre, sich einmal selbst zuzuhören, Frau Trautner.

    ABER der absolute Hammerschlag ins Gesicht eines jeden LGBT+ ist, dass die zuständige Ressortchefin erst "...mit der Zeit mal die eigenen Anschauungen hinterfragen..." muss.

    Weshalb kann man dieses Thema nicht auskoppeln und an jemandem geben, der erstens der Community angehört (es gibt einige schwule CSU Abgeordnete) und zweitens ab Tag 1 bereits weiß, wo der Schuh drückt???
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#3 WadimAnonym
  • 07.03.2020, 10:06h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Das WICHTIGSTE hast du aber außer acht gelassen, lieber Finn:

    das LGBTI-Thema muss ein fester Bestandteil der Programmen für die Schule, fürs Lehramt, die Berufsausbildung von Pflegepersonal und natürlich für die Deutschkurse für Geflüchtete werden.
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#4 Ralph
  • 07.03.2020, 11:41h
  • Wer "alle mitnehmen" und "die Gesellschaft nicht überfordern" will, richtet sich nach den religiösen und politischen Extremisten, denn nur die sind es, die sich nicht "mitnehmen" lassen wollen und die sich "überfordert" fühlen. Wie lange soll es jetzt fünfzig Jahre nach Beendigung der nationalsozialistischen Verfolgung schwuler Männer noch dauern, bis die Ministerin die Zeit für reif hält, nicht länger auf die Feinde von Menschenwürde und Grundrechten Rücksicht zu nehmen, sondern Würde und Rechte von Schwulen, Lesben, transidentischen und zwischengeschlechtlichen Menschen durchzusetzen - auch gegen Nazis, Hardcore-Katholiken, Radikalmuslime und Evangelikale?
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#5 IndigoAnonym
  • 07.03.2020, 13:33h
  • "Niemand dürfe im Freistaat wegen seiner Gesinnung oder seiner sexuellen Orientierung ausgegrenzt oder benachteiligt werden. "

    Was ich mich immer frage: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wieso wird das ständig und überall zusammen in einen Topf geworfen?

    Das, was da scheinbar so nett gemeint ist, beinhaltet doch das Vorurteil, dass man sich dafür in irgendeiner Form entscheidet. (Von wegen "man kann das therapieren.")

    Ich kann mich dafür entscheiden, irgendeiner Religion anzugehören - oder auch nicht -, und auch, mich einer Partei anzuschließen, um meiner "Gesinnung" Ausdruck zu verleihen. Was ich mir nicht aussuchen kann, ist, wo, durch wen und als was ich geboren werde. Ich bin schwarz oder weiß, schwul oder hetero, Mann oder Frau (oder irgendwas zwischen all diesen Dingen.) Das ist einfach so.

    Und während man niemanden wegen seiner sexuellen Orientierung, seiner geschlechtlichen Identität oder seiner Hautfarbe oder Herkunft ausgrenzen oder benachteiligen sollte (oder im Grunde auch gar nicht kann, weil das eben keine Entscheidung ist), kann man eine Gesinnung und auch eine Religion durchaus hinterfragen. Vielleicht sollte Frau Trautner mit ihrer "Gesinnung" anfangen.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 07.03.2020, 15:29h
  • "Hinschauen, zuhören, kümmern"

    "Von einem Aktionsplan gegen Homophobie hält sie aber nichts."

    Das muss man erst mal hinkriegen:
    sich in einem Statement selbst zu widersprechen und die eigene Aussage ad absurdum zu führen.

    Merkt die diesen Widerspruch wirklich nicht oder hält die nur uns für so dumm, dass wir darauf reinfallen?!

    Sie will sich angeblich "kümmern", will aber nichts gegen Homophobie unternehmen.
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#7 BePrideAnonym
#8 TaktikAnonym
  • 07.03.2020, 17:49h
  • Antwort auf #6 von Carsten AC
  • Die weiß ganz genau um den Widerspruch.

    Aber das ist Kalkül:
    nächsten Sonntag sind in Bayern Kommunalwahlen und da drohen der CSU gerade in den Großstädten (z.B. in München, Augsburg, Regensburg, Nürnberg) dramatische Verluste.

    Und dann gibt man sich halt ein bisschen liberal, um gerade in den urbanen Gegenden noch ein paar Stimmen mehr zu retten.

    Aber gleichzeitig behauptet man dann, nichts gegen Homophobie unternehmen zu wollen, weil man es sich ja auch nicht mit den ländlichen Gegenden verscherzen will.

    Ich kann nur hoffen, dass diese Taktik nicht aufgeht. Denn wer nichts gegen Homohass unternehmen will, braucht auch nicht den Kümmerer zu spielen und braucht auch nicht rumzulabern ohne dass dem Taten folgen.
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#9 IndigoAnonym
#10 Nk231Anonym