Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35675

Diskriminierung von Regenbogenfamilien

Zwei Mütter in die Geburtsurkunde!

Trotz Ehe für alle haben homosexuelle Eltern nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle. Sie müssen den Weg der Stiefkindadoption gehen. Dagegen wehren sich die Akkermanns aus dem Kreis Hildesheim.


Symbolbild: Im Abstammungsrecht werden Regenbogenfamilien diskriminiert

Im Alltag sind Kinder mit zwei Müttern nichts Ungewöhnliches. Beim Babyschwimmen trifft man ein lesbisches Paar genauso wie beim Abholen im Kindergarten. Das neue Mädchen in der Gruppe habe eine Mama und eine Mutti, erzählt ein Kind ganz selbstverständlich. Seit 2001 können sich homosexuelle Paare als Lebensgemeinschaft eintragen lassen, im Oktober 2017 wurde die Ehe für alle geöffnet. Jedoch ist die Eintragung von zwei Müttern in einer Geburtsurkunde nicht möglich – Verena Akkermann (47) und Gesa Teichert-Akkermann (44) aus Schellerten (Kreis Hildesheim) haben dies vergeblich beim örtlichen Standesamt versucht und danach Klage am Amtsgericht Hildesheim eingereicht.

"Unserem Kind wird ein zweites Elternteil, die Mutter, vorenthalten", sagt Gesa Teichert-Akkermann. Verena hat sie im Studium in Marburg kennengelernt, seit 23 Jahren sind die Frauen ein Paar, seit rund sieben Jahren versuchen sie, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Nun hat es mithilfe einer Embryonenspende endlich geklappt – Mitte Februar kam ihre Tochter per geplantem Kaiserschnitt zur Welt. Verena Akkermann steht derzeit nur das mitunter langwierige Verfahren der Stiefkindadoption offen, doch dies sei unwürdig, betonen beide.

"Meine Frau ist vom ersten Moment an eine der beiden Mütter", sagt Gesa Teichert-Akkermann. Gemeinsam hätten sie sich für das Kind entschieden, den Transfer des Embryos erlebt, den ersten Herzschlag auf dem Ultraschall gesehen, das Kinderzimmer gestrichen. "Die Idee der Stiefmutter ist absurd." In heterosexuellen Beziehungen werde vor dem Ausstellen der Geburtsurkunde auch nicht überprüft, ob der Ehepartner der biologische Vater eines Kindes sei. "Regenbogenfamilien werden diskriminiert", sagt Verena Akkermann.

Notfalls durch alle Gerichtsinstanzen gehen

Über eine Reform des Abstammungsrechtes diskutiert der Bundestag schon seit einigen Jahren. Die Grünen-Fraktion legte einen Gesetzentwurf vor, im März 2019 kündigte die damalige Justizministerin Katarina Barley (SPD) an, sie wolle lesbischen Paaren die Mit-Mutterschaft ermöglichen (queer.de berichtete). "Eigentlich sind sich viele einig, dass die jetzige Situation nicht geht", sagt Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). Im Moment herrsche aber Stillstand, zudem werde mit der zum 1. Juli geplanten Reform der Stiefkindadoption die Situation für lesbische Paare noch verschärft (queer.de berichtete). Dann soll es unter anderem eine verpflichtende Beratung bei Adoptionsvermittlungsstellen geben.

Wie viele Kinder betroffen sind, ist unklar. Laut dem Mikrozensus 2018, der auf freiwilligen Angaben basiert, leben knapp 15.000 Mädchen und Jungen unter 18 Jahren in gleichgeschlechtlichen Paarfamilien.

Die Akkermanns wollen notfalls durch alle Gerichtsinstanzen gehen. Die ersten Schreiben an die Behörden haben die Referentin der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Leiterin eines Gymnasiums in Salzgitter noch selber formuliert. Inzwischen werden sie von feministischen Juristinnen unterstützt. Gemeinsam planen sie nun die strategische Prozessführung. Noch kurz vor der Geburt wandelten sie ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe um und stießen im Standesamt mit alkoholfreiem Fruchtsekt an.

Gemeinsame Mutterschaft Sache der Politik

Allerdings urteilte der Karlsruher Bundesgerichtshof bereits im Herbst 2018, dass verheiratete Lesben auch nach Einführung der Ehe für alle nicht automatisch gemeinsam Eltern werden können (queer.de berichtete). Nach Auffassung der obersten Familienrichter kann es die gemeinsame Mutterschaft nur durch eine Reform des Abstammungsrechts geben.

Das Bundesjustizministerium veröffentlichte im März 2019 einen sogenannten Diskussionsteilentwurf zur Reform des Abstammungsrechts. Derzeit würden Stellungnahmen ausgewertet, sagt Ministeriumssprecher Marius Leber. "Ein Terminplan für den zu erarbeitenden vollständigen Gesetzentwurf steht derzeit leider noch nicht fest."

Auch wegen des Rückhalts ihrer Familien will das Paar aus Schellerten die rechtliche Unsicherheit in Kauf nehmen. "Meine Eltern wissen, dass Verena die Mutter ist", sagt Gesa Teichert-Akkermann, die aufgrund einer seltenen Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen ist. Vom Staat wird sie jedoch als Alleinerziehende behandelt.

Ihre genetische Herkunft soll der Tochter übrigens nicht vorenthalten bleiben. Die Angaben zu den zunächst anonymen Spendern sind bei einem Notar hinterlegt. Bei Embryonenspenden stellen Eltern nach erfolgreichen Kinderwunschbehandlungen befruchtete Eizellen zur Verfügung, die übrig geblieben sind. Die Akkermanns wünschen sich, dass ihr Kind schon vor seinem 18. Geburtstag zu den genetischen Eltern Kontakt aufnehmen kann.



#1 ArmutszeugnisAnonym
  • 08.03.2020, 09:49h
  • Es ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung, dass fast 3 Jahre nach dem Parlamentsbeschluss zur Eheöffnung diese Diskriminierung immer noch nicht abgeschafft wurde.

    Das wäre nur eine kleine Änderung im Abstammungsrecht, aber nicht mal das bekommen Union und SPD hin.

    Bzw.: die Union will das gar nicht, weil sie so viel Diskriminierung wie möglich erhalten wollen. Und die SPD schluckt ja auch in diesem Punkt alles, was die Union ihnen vorsetzt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Julian SAnonym
  • 08.03.2020, 13:41h
  • Antwort auf #1 von Armutszeugnis
  • Das dürfte nun wirklich niemanden mehr wundern.

    Union und SPD haben schon seit Jahren die Tendenz, Deutschland ins Koma zu regieren. Aber seitdem ihre Umfragewerte kontinuierlich fallen, wird es immer schlimmer.

    Die sitzen nur noch ihre Restlaufzeit aus und haben Angst, überhaupt noch irgendwas zu tun, weil sie Angst vor vorgezogenen Neuwahlen haben. Aber glauben die wirklich, dass sie mit diesem Verhalten bei den nächsten regulären Wahlen besser abschneiden würden?

    Also wieso schaden die nicht nur ihren Parteien, sondern auch dem Land und den Bürgern dann weiterhin mit ihrer Untätigkeit?

    Meine einzige Erklärung:
    die wissen ganz genau, dass sie so oder so weg vom Fenster sind. Egal ob Neuwahlen in diesem Jahr oder bei den regulären Wahlen nächstes Jahr. Also wollen die noch so lange wie möglich auf ihren Stühlen kleben, um noch die Diäten und die zusätzlichen Pensionsansprüche so lange wie möglich zu sammeln.

    Mir fällt keine andere logische Erklärung dafür ein, warum man an einer komplett ins Koma gefallenen Regierung, die nichts mehr hinbekommt weiterhin festhalten will. Obwohl man damit nicht nur der eigenen Partei, sondern auch dem Land und Bürgern massiven Schaden zufügt und die AfD immer stärker macht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 GerritAnonym
  • 08.03.2020, 14:42h
  • "Notfalls durch alls Gerichtsinstanzen gehen"

    Ich danke den beiden für ihr Engagement.

    Aber wieso müssen wir überhaupt immer für jedes noch so kleine Detail und jede noch so kleine Gesetzeslücke jahrelang durch alle Instanzen kämpfen?

    Wieso kann die Politik nicht auch mal im 21. Jahrhundert ankommen und von sich aus aufhören, einen Teil ihrer Bürger zu diskriminieren?!

    Wieso muss man die immer per Gericht zu etwas zwingen, was in einem demokratischen Rechtsstaat eigentlich selbstverständlich sein sollte?!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FinnAnonym
  • 08.03.2020, 15:58h
  • Antwort auf #3 von Gerrit
  • >>>>> Aber wieso müssen wir überhaupt immer für jedes noch so kleine Detail und jede noch so kleine Gesetzeslücke jahrelang durch alle Instanzen kämpfen? <<<<<

    Das musst Du unsere Bundesregierung, also CDU, CSU und SPD, fragen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 BePrideAnonym
  • 08.03.2020, 16:42h
  • Antwort auf #1 von Armutszeugnis
  • Antwort auf #3 von Gerrit

    Es wäre eine einfache Gesetzesänderung nötig wie bei der Eheöffnung. Sollten die Eltern überhaupt jetzt noch durch alle Instanzen gehen müssen, wäre ihnen erst recht zu danken, wenn sie dem Bundesverfassungsgericht die wortwörtliche Interpretation des Art. 3 Abs. 3 GG abringen könnten, dieses sich nicht immer noch hinter einem Rechtsverständnis versteckt und sich dafür entschuldigt, dass es nicht selbst schon vor einem Jahrzehnt für die Öffnung der Ehe gesorgt hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 EisenprinzAnonym
  • 08.03.2020, 17:41h
  • Ich möchte keine automatische Eintragung beider lesbischer Mütter. Wenn eine Reform, dann bitte gleich und nur die Mehrelternschaft.
    Gäbe es eine automatische Mehrelternschaft lesbischer Paare, dann diskriminiert das wiederum die Väter.
    Denn der ist dann von Anfang an außen vor. Das mag bei Samenspendern nicht schlimm sein.
    Aber Väter (egal ob Homo oder Hetero) möchten vielleicht auch ein paar Rechte an ihrem Nachwuchs. Und das ginge bei einer solchen Reform, wie in dem Artikel (und wie von den Grünen) gewünscht nicht. Das wäre dann zwar eine Beseitigung einer diskriminierden Regelung von Frauen, aber gleichzeitig eine Schlechterstellung der Väter.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 VicvonderElbeProfil
  • 08.03.2020, 19:07hHamburg
  • Eigentlich ist die jetzige Regelung verfassungswidrig. Laut Grudgesetz sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Nun wird aber die Ehepartnerin der Gebärenden nicht als Elternteil in die Geburtsurkunde eingetragen. Ausschließlich aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit. Wenn das keine Benachteiligung ist dann weiß ich auch nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 SandraAnonym
  • 09.03.2020, 08:50h
  • Antwort auf #6 von Eisenprinz
  • Welche Väter?

    In den meisten Fällen ist der "Vater" nur als Erzeuger notwendig und hat mit dem kind später nichts mehr zu tun.
    Eine bekannte von mir hat sich zum beispiel mit ihrer Frau für eine unbekannte Spende entschieden, und selbst dann als das Kind geboren wurde und das Krankenhaus in dem die Befruchtung durchgeführt wurde dem in Deutschland sagte das sie haben keinen Namen eines Spenders da das einer der Punkte ist die eine anonyme Spende ausmacht haben sie einfach nur die Gebärende mutter eingetragen und den Vater raus gelassen weil unbekannt.
    Das hätten sie auch gemacht wenn sie durch Geschlechtsverkehr mit einem Unbekannten Schwanger geworden wäre, aber dadurch das es Unterlagen der Befruchtung gab hat das Krankenhaus nachgefragt (und das zuerst sogar ganz selbstverständlich, ohne die Mütter zu fragen. Wäre sie mit einem Mann verheiratet gewesen wäre dieser automatisch als Väter eingetragen worden egal ob der Erzeuger unbekannt oder bekannt gewesen wäre.

    Noch kurz zwei Anmerkungen:
    1.Die Männer die für eine andere Familie Samen spenden müssen vorher wissen ob sie soetwas wie eine Vater Rolle für das Kind übernehmen wollen und müssen das mit dem Paar auch klären schließlich gehören sie nicht in die Beziehung der beiden, und im allgemeinen geht es ja darum den beiden Frauen das Kind zu ermöglichen und nicht Vater zu werden. + Glücklicherweise gibt es inzwischen genug Leute die für andere Spenden auch wen in Deutschland das System noch nicht so fortschrittlich ist das man auf Anfrage einfach auf die Warteliste gesetzt wird.

    2. Der Erzeuger eines Kindes ist nicht automatisch Vater du musst schon ein Vater sein um diesen Titel zu verlieren, einfach ein Kind in die Welt zu setzen ist nicht genug. Und wie bereits gesagt der spender will meist auch nicht der Vater sein das ist das Grundprinzip der Spermaspende, klar Ausnahmen gibt es aber wie bereits gesagt das müssen die beteiligten unter sich klären will er nämlich Vater sein und das Paar will es nicht müssen sie nun mal jemand anders fragen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 WindheimerAnonym
#10 EisenprinzAnonym
  • 09.03.2020, 16:32h
  • Antwort auf #8 von Sandra
  • @Sandra:

    Du beziehst dich in deinen Ausführungen nur auf lesbische Paare, die mittels Samenspende ein Kind bekommen möchten und siehst dabei einzig die weibliche Sichtweise.
    Hierzu schrieb ich bereits, dass in solchen Fällen es ja kein Problem wäre, wenn die Co-Mutter von Anfang an als zweiter Elternteil eingetragen wäre.

    Was ist aber mit all den Männern - insbesondere schwule Männer, die nicht bloß Samenspender, sondern eine aktive Vaterrolle einnehmen möchten? Die blieben bei einer solchen Neuregelung auf der Strecke. Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung - seitens Bekannten und eigener Erfahrungen. Ich hätte selbst gerne Kinder gehabt, aber 90% der lesbischen Paare wollten nicht, dass ich als biologischer Vater mitmische. Die wollten ein Kind nur für sich, ohne Vater. Oder halt nur soviel Kontakt, wie es ihnen Recht ist. Für schwule Männer ist es ungemein schwer, eine Frau/ein Paar zu finden, die eine aktive Vaterschaft zulässt.

    Und nebenbei zur (anonymen) Samenspende: Ich kenne selbst ein paar lesbische Paare, die sich ihren Kinderwunsch so erfüllt haben. Während die Kinder klein waren, war das ja alles kein Problem. Da hieß es dann eben: "Ich hab keinen Vater, aber dafür halt zwei Mütter." Groß nachgefragt wurde da seitens der Kinder nicht.
    Mittlerweile kommen besagte Kinder aber in die Pubertät und stellen ihren Müttern nun zunehend Fragen wie: "Wer ist mein Vater?" "Wo komm ich her?" ganz schön ins Straucheln. Denn sie können ihren Kindern keine Antwort geben. Für die Kinder ist das schlimm, quälend schlimm. Zunehmend Probleme - psychisch und im Verhältns zu ihren Müttern. Viele Fragen, aber keine Antworten zur Herkunft.
    Meines Erachtens machen es sich viele Paare (auch Heteropaare, die auf sowas zurückgreifen) viel zu wenig Gedanken über die Folgen solcher Methoden. Im Kleinkind- und Kindesalter alles kein Problem. Aber lasst die Kinder mal groß und erwachsen werden. Dann tauchen zwangsläufig Fragen zum Vater auf. Egal wie liebevoll sich die Mütter um ihre Kinder kümmern mögen.
  • Antworten » | Direktlink »