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#MeToo

Skandal um Sherry Pie: Wird "RuPaul's Drag Race" gecancelt?

Eine Teilnehmerin der zwölften Staffel der TV-Show hat mehr als ein halbes Dutzend Männer getäuscht und sexuell ausgebeutet. Dragqueen Sherry Pie ist deshalb offiziell disqualifiziert worden. Was passiert jetzt?


Dragqueen Sherry Pie, hier auf dem Pressefoto der Show, zeigt sich reumütig: "Das alles ist mir furchtbar peinlich und ich ekele mich vor mir selbst" (Bild: VH-1)

Noch bevor die ersten zwei Episoden der zwölften Season von "RuPauls Drag Race" am Freitag in den USA ausgestrahlt wurden, waren sie ein Skandal. Denn nur wenige Stunden vor der TV-Premiere hatte das Onlineportal Buzzfeed enthüllt, dass eine der teilnehmenden Queens, Sherry Pie, über Jahre mehr als ein halbes Dutzend Männer per Catfishing getäuscht und sie dabei zu sexuell aufgeladenen Handlungen vor der Kamera überredet hat. Catfishing bedeutet, online eine andere als die eigene Identität anzunehmen, und gilt als Betrug.

Die Anschuldigung: Sherry Pie, bürgerlicher Name Joey Gugliemelli, hatte sich gegenüber männlichen Mitstudenten an seiner New Yorker Universität und Kollegen in einer Theatergruppe in Nebraska online als Assistent einer New Yorker Casting-Agentin und direkt als diese Agentin ausgegeben. Zweck des Betrugs war, die Männer dazu zu bringen, Bewerbungsvideos für ein nicht existierendes Filmprojekt über muskulöse Männer namens "Bulk" und eine frei erfundene Musical-Version des Tim Burton-Films "A Nightmare before Christmas" zu produzieren.

In diesen durch die Männer selbstgedrehten Videos posierten sich in knapper Sportbegleitung, sprachen über den Geruch ihrer Achselhöhlen, einer berichtet, Gugliemelli hätte ihn per Email dazu überredet, vor der Kamera zu masturbieren. Einige der Männer waren zu der Zeit mit Gugliemelli befreundet.

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"Ich habe mich noch nie selbst geliebt"

Klingt unglaublich? Der Täter hat zugegeben, dass die Geschichte stimmt. Eine Minute bevor das US-Online-Portal die Geschichte veröffentlichte, stellte Gugliemelli eine Entschuldigung auf sein Sherry-Pie-Facebook-Profil. Darin schreibt er unter anderem: "Es tut mir leid, soviel Schmerz und Trauma verursacht zu haben. Das alles ist mir furchtbar peinlich und ich ekele mich vor mir selbst. Ich weiß, was ich getan habe, war falsch und sehr verletzend. […] Ich habe erst bei den Aufnahmen zu 'Drag Race' wirklich verstanden, wie wichtig auch unsere geistige Gesundheit ist und wie sehr man auf sich selbst achten muss. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Ich glaube, ich habe mich noch nie selbst geliebt. Ich habe mir Hilfe gesucht und bin seit meiner Rückkehr nach New York in Behandlung. […] Alles was ich tun kann, ist mich bei den Schwestern der Staffel 12 zu entschuldigen wie auch bei der Produktionsfirma und beim Sender."

This is Joey, I want to start by saying how sorry I am that I caused such trauma and pain and how horribly embarrassed…

Gepostet von Sherry Pie am Donnerstag, 5. März 2020
Facebook / Sherry Pie | Sherry Pies Entschuldigung auf Facebook

Die Entschuldigung half Sherry Pie nicht. World of Wonder, die Produktionsfirma von "RuPaul's Drag Race", und VH1, der Sender auf dem die Show in den USA ausgestrahlt wird, gaben noch am Wochenende über eine Sprecherin bekannt: "Wegen der aktuellen Erkenntnisse, ist Sherry Pie von RuPaul's Drag Race disqualifiziert worden. Aus Respekt für die harte Arbeit aller anderen Queens werden wir die Staffel allerdings trotzdem so ausstrahlen, wie sie gedreht worden ist. Sherry Pie wird nicht Teil des großen Finales sein, das im Laufe des Frühlings noch gedreht wird." Sie würde allerdings in vielen anderen Episoden auftauchen. Das hat es in der Geschichte der Show noch nie gegeben.

Wird die ganze Staffel neu gedreht?


Kein Vorbild für die Community: Sherry Pie im Regenbogenkleid (Bild: sherrypienyc / instagram)

Ob die Staffel wirklich vollständig ausgestrahlt wird, steht derzeit in den Sternen. Queere Medien in den USA haben schon am Wochenende dazu aufgerufen, die Staffel neu zu drehen oder ganz und gar abzusagen. Alles Andere sei im Zeitalter von #MeToo unvorstellbar. Das könnte, aus rein wirtschaftlichen Gründen, schwierig für Produktionsfirma und Sender werden. "Drag Race" ist längst ein viele Millionen teures Projekt; an dem hinter und vor den Kulissen Hunderte von Jobs hängen.

Aber es gibt sehr, sehr gute Argumente dafür, die Staffel doch zu canceln: Zeigt der Sender die Episoden, in denen Sherry Pie als ganz normale Teilnehmerin auftritt, normalisiert er damit nebenbei auch den Umgang mit sexuell übergriffigen Personen. Daniel Lynn Evans, eines von Gugliemellis Opfern, sagte dazu: "Ich würde gern sagen, dass unser Privatleben von unserem Berufsleben zu trennen ist. Aber das geht hier nicht, das hier ist etwas anderes: wohlüberlegtes, übergriffiges und kriminelles Verhalten. Wir können jungen LGBTQI gegenüber nicht so tun, als wäre irgendetwas daran ok, und wir können auch nicht einfach so weitermachen."

Direktlink | Offizieller Trailer zur zwölften Staffel von "RuPaul's Drag Race"



#1 Leon 4Anonym
  • 09.03.2020, 15:13h
  • Oh, die arme schämt sich, fühlt sich schlecht, badet im selbstmitleid und bereut das sie ihren "Schwestern" die Show kaputt gemacht hat....

    Doof das die Tante bei ihrer pseudo-entschuldigung ne Entschuldigung an die Opfer vergessen hat, aber man muss ja auch die wahren geschädigten - sprich sich selbst - in dem Fokus rücken.... oO

    Womöglich hat sie sich selbst "nie geliebt", nachvollziehbar wenn das jetzt auch sonst niemand mehr tun sollte....!
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#2 mesonightAnonym
  • 09.03.2020, 15:19h
  • mhm, also was war denn jetzt daran sooo schlimm? ich meine, sie hat ja niemanden vergewaltigt oder um geld gebracht. bis auf den einen fall, in dem sie jemanden zum masturbieren aufgefordert haben soll, kann ich jetzt nichts erkennen das diese harte strafe nach sich ziehen soll.
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#3 Leon 4Anonym
  • 09.03.2020, 15:35h
  • Antwort auf #2 von mesonight
  • ? Is egtl "me too" in Reinform, nur das sie im Gegensatz zu den anderen Fällen nicht wirklich in einer machtposition war sondern diese erlogen hat.... Quasi ihre Stellung ausgenutzt um leuten, die in der Industrie Fuss fassen wollten, mit lügen und falschen Tatsachen zu oben genannten Handlungen zu bringen....

    Es geht bei "me too" ja primär um den strukturellen Sexismus und nicht "nur" um "klassische" Vergewaltigungen..... Diese "Gefälligkeit für Job" und "wenn ich das nicht mache wird er/sie dafür sorgen das ich nie Fuss fassen werde" Mentalität halt.... Klar ist das strafrechtlich vllt gar nicht relevant, sind viele bekannte Fälle nicht, moralisch verwerflich jedoch sicherlich und daher auch absolut gerechtfertigt so jemanden nicht auch noch eine Plattform zu geben....
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#4 mesonightAnonym
  • 09.03.2020, 16:21h
  • Antwort auf #3 von Leon 4
  • ja, das verstehe ich, aber sie hat den männern ja keinen job direkt versprochen. im grunde hat sie sich einfach "nur" an den männern aufgegeilt die ihr die videos geschickt haben, sicher ist das nicht ok, keine frage. aber ich finde es wird mir ein bisschen sehr streng ge- bzw. verurteilt, denn als dragqueen wird sie so schnell sicher nichts mehr verdienen.
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#5 Leon 4Anonym
  • 09.03.2020, 17:06h
  • Antwort auf #4 von mesonight
  • Ich zitiere den Artikel...

    "hatte sich gegenüber männlichen Mitstudenten an seiner New Yorker Universität und Kollegen in einer Theatergruppe in Nebraska online als Assistent einer New Yorker Casting-Agentin und direkt als diese Agentin ausgegeben. Zweck des Betrugs war, die Männer dazu zu bringen, Bewerbungsvideos für ein nicht existierendes Filmprojekt über muskulöse Männer namens "Bulk" und eine frei erfundene Musical-Version des Tim Burton-Films "A Nightmare before Christmas" zu produzieren."

    ....und gehe auf dein comment wie folgt ein: hä???
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#6 OnlinerAnonym
  • 09.03.2020, 22:43h
  • Antwort auf #4 von mesonight
  • Da kann ich dir nur beipflichten: im Internet gibt sich jeder als wer anderes aus und sei es nur wenn man beim eigenen Alter (oder anderen "Daten" des eigenen Körpers) optimistisch rundet ;-)

    Das ist wirklich jedem im Internet wohlbekannt. Und wenn man Nachrichten von jemand erhält, der vorgibt irgendwer bestimmtes zu sein, dann muss man das im Internet immer (!) zuerst verifizieren. Würde man ja beim Online-Banking, Anweisungen vom Boss etc. auch niemals einfach glauben.

    Daher ganz unabhängig vom aktuellen Fall: informiert euch über Sicherheit im Internet und seid ein klein wenig misstrauisch, wenn der Assistent einer Agentin euch per E-Mail auffordert euch beim Masturbieren mit Gesicht zu filmen...
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#7 audeasAnonym
  • 10.03.2020, 06:59h
  • Bereits im Meet the Queens Video kam sie super unsympathisch rüber und jetzt weiß ich auch warum. Mein Beileid den Opfern und allen Betroffenen.
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#8 flussengelAnonym
  • 10.03.2020, 12:49h
  • Antwort auf #6 von Onliner
  • Deinem Kommentar möchte ich aufs Entschiedenste widersprechen!

    Es ist überhaupt nicht ok und sollte auch nicht normal sein, dass 1 andere Menschen derart manipuliert und ihr Vertrauen missbraucht. Belügen und belogen werden ist halt nicht das gleiche.

    Was Du da tust, ist, die Opfer für ihr Verhalten zu beschämen und den Grund für die von ihnen als entwürdigended wahrgenommene Erfahrung bei ihnen selbst abzulegen. Klassisches Victim Blaming also. Finde ich sau uncool und lasse Dich das hiermit wissen, vor allem um Mitleser_innen wissen zu lassen, dass Aussagen wie Deine nicht unwidersprochen bleiben.
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#9 Homonklin_NZAnonym
  • 10.03.2020, 16:58h
  • ""Wir können jungen LGBTQI gegenüber nicht so tun, als wäre irgendetwas daran ok, und wir können auch nicht einfach so weitermachen.""

    Sehe ich auch so, das wäre Hofieren von Betrug und charakterarmem Verhalten. Es gibt schon genug kriminell angehauchten Missbrauch diverser Stufen übers Internet und im RL sowieso, das muss man nicht auch noch als Kavaliersdelikt herunter spielen.

    Etwas erstaunt hat mich das mit den Achselhöhlen dann doch.
    Weil doch heute fast niemand mehr natürlich riechen möchte, nur noch möglichst chemisch und künstlich, bis zum Hustenreiz.
    Könnte auch sein, es ging um die Nuance des Rosenwassers. weiß man nicht.
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#10 stromboliProfil
  • 11.03.2020, 08:35hberlin
  • Antwort auf #8 von flussengel
  • "Belügen und belogen werden ist halt nicht das gleiche."

    Da haben wir es wieder, das scharren an der oberfläche statt sich mit der struktur selbst zu beschäftigen.
    Ein gesellschaftskonstrukt in der zwischenmenschliches aufbauend auf ausbeutung durch marktwert&körper als ware definiert wird, kann nicht durch die > täter- opferbeziehung < erklärt sein.
    Da sind beide, täter wie opfer, teil der selben erbärmlichen anstrengung.
    Das mensch als objekt überhaupt so verdinglicht wird, sollte uns alle , täter-opfer wie "zuschauende" gleichermaßen gegen dieses ausbeutende und sich selbstausbeudende wenden lassen, statt hier auf der erhabenen höhe der phrasendrescherei sich selbst aus der verantwortung zu entlasten.
    Es gibt eben keine "unschuldigen" in solchen übergriffigkeitsszenarien.
    Es gibt nur auf vorteilsnahme und schnellen gewinn bedachte hütchenspieler_Innen, bei denen von vornherein fest steht, wer verlierer sein wird...
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