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Antrag im Bundestag

Schluss mit der Sonderbehandlung bei der Blutspende!

Homo- und bisexuelle Männer sowie trans Menschen dürfen ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben, wenn sie in Deutschland Blut spenden wollen. FDP und Grüne fordern im Bundestag ein Ende der Diskriminierung.


Schwule, bisexuelle und trans Blutspender müssen mindestens zwölf Monate enthaltsam leben (Bild: DRK-Blutspendedienste)

Die Grünen dringen auf ein Ende der Sonderbehandlung schwuler und bisexueller Männer sowie von trans Menschen bei der Blutspende. Die Bundestagsfraktion beschloss am Dienstagnachmittag einen Antrag (PDF), der eine Überarbeitung der entsprechenden Richtlinie der Bundesärztekammer fordert. Die "grobe Diskriminierung" sei "sachlich nicht zu begründen", sagte der Grünen-Experte Sven Lehmann der Nachrichtenagentur AFP.

Konkret geht es um die sogenannte "Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten", die von der Bundesärztekammer und dem Paul-Ehrlich-Institut erstellt wird. Darin sind Regeln festgelegt, unter welchen Bedingungen welche Personengruppen Blut spenden dürfen.

Menschen müssen demnach seit 2017 ein Jahr lang von der Blutspende zurückgestellt werden, wenn ihr "Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko" zum Beispiel für HIV berge. Aufgezählt werden anschließend Heterosexuelle mit häufig wechselnden Partnern, Prostituierte, "Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM)" und "transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten" (queer.de berichtete).

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"Nicht akzeptabel, diskriminierend und völlig unverständlich"

In dem Antrag, den die Grünen in den Bundestag einbringen wollen, heißt es: "Eine Frist von zwölf Monaten ohne Sex für eine Blutspende ist sachlich unbegründet." Bei der Blutspende könne zwar das individuelle Risikoverhalten eine Gefährdung darstellen, nicht aber die sexuelle Identität. "Deswegen kann auch allein das individuelle Risikoverhalten Kriterium sein, ob jemand als Blutspender/in in Frage kommt."

Die gesonderte Nennung von "transsexuellen Personen mit sexuellem Risikoverhalten" sei "nicht akzeptabel, diskriminierend und völlig unverständlich", so der Antrag der Grünen. "Wer Blut spendet, übernimmt Verantwortung sowohl für seine Spende als auch für die Gesellschaft. Verantwortungsvolles Handeln gilt es zu ermöglichen und nicht pauschal abzuweisen."

Lehmann betonte, als Voraussetzung für eine Blutspende ein Jahr lang auf Sex verzichten zu müssen, sei völlig lebensfremd. "Niemand würde auf die Idee kommen, dies von heterosexuellen Menschen zu verlangen."

FDP-Antrag schon 2019 eingebracht

Die FDP-Bundestagsfraktion hatte bereits am 15. November einen Antrag (PDF) auf Abschaffung des Blutspendeverbots für homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen in den Deutschen Bundestag eingebracht (queer.de berichtete). Der Antrag soll in den nächsten Wochen im Plenum des Bundestags beraten werden.

"Der Ausschluss homo-, bi- und transsexueller Menschen von lebensrettenden Blutspenden ist völlig überzogen", erklärte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg am Dienstag in einer Pressemitteilung. "Die Voraussetzung von zwölf Monaten Enthaltsamkeit ist medizinisch unnötig und lebensfremd. Statt haltloser Vorurteile sollte nur das tatsächliche Risikoverhalten möglicher Blutspender entscheidend sein", so der Liberalen-Sprecher für LSBTI. "Unter dem Verbot leiden vor allem die, die dringend auf eine Blutspende angewiesen sind."

Bislang wird nur in sechs der 28 EU-Staaten (Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien) bei der Zulassung zur Blutspende nicht mehr nach der sexuellen Orientierung, sondern nach dem persönlichen Risikoverhalten unterteilt. (cw/AFP)



#1 DominikAnonym
  • 11.03.2020, 08:16h
  • Ich bin auch dafür, dass man nur das sexuelle Risikoverhalten in Betracht zieht, unabhängig von der Frage der sexuellen Identität. Allerdings denke ich, dass bei manchen Gruppen auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten eine gewisse Rolle spielt, wie z.B. Hormonpräparate, die viele Transsexuelle einnehmen. Hat ja alles auch Einfluss auf das Blutbild.
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#2 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 11.03.2020, 09:01h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • Kannst Du näher begründen, weshalb die regelmäßige Einnahme von Medikamenten nur "bei manchen Gruppen" eine Rolle spielen soll?

    Kannst Du im speziellen näher begründen, weshalb die Einnahme von Hormonpräparaten ausgerechnet bei Transsexuellen ein besonderes Risiko darstellen soll, jedoch nicht bei anderen Menschen, die Hormonpräparate sei es aus medizinischen Gründen, sei es zur Verhütung einnehmen? Hast Du Angst davor, bei einer lebensrettenden Bluttransfusion Blut des "falschen Geschlechts" zu bekommen? Würdest Du deshalb lieber auf Blut des "falschen Geschlechts" verzichten?

    Ich bin gespannt auf Deine detaillierteren Ausführungen. Würde nichts schaden, wenn sie mit Fakten untermauert wären.
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#3 LunaAnonym
  • 11.03.2020, 09:35h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • Das würde z.B. für Testosterorblocker wie Androcur gelten, da wird dann aber wegen des speziellen Medikaments ausgeschlossen und nicht eine Personengruppe unter generellverdacht gestellt. Präparate für Hormonersatztherapie (Estradiol, Testosteron) sind aber i.d.R. bioidentisch also kein Ausschluss für eine Blutspende
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#4 TrollwatchAnonym
  • 11.03.2020, 13:33h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • "...wie z.B. Hormonpräparate, die viele Transsexuelle einnehmen. Hat ja alles auch Einfluss auf das Blutbild."

    Ja, es hat Einfluss auf das Blutbild: Indem es das Blutbild in den weiblichen oder den männlichen Bereich verschiebt, was die Mengenverhältnisse der einzelnen Komponenten betrifft. So, wie bei Cismenschen Hormone auch Einfluss auf das Blutbild haben. Den gleichen Einfluss.

    Ansonsten haben Transmenschen das Gleiche im Blut, was auch alle Cismenschen im Blut haben: Hormone. Östrogene und Testosterone in unterschiedlichen Mengenverhältnissen.
    Sie sind bio-identisch und unterscheiden sich nicht. Cis- und Transfrauen haben die gleichen Blutinhaltstoffe und Hormone. Cis- und Transmänner haben die gleichen Blutinhaltstoffe und Hormone.

    Und über Intermenschen und ihren Hormonhaushalt haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen.

    Was ist Dein persönliches Problem?

    Hast Du Angst vor weiblichem Blut? Hast Du Angst vor Östrogenen? (Die hast Du selber: Deine Nebennierenrinde produziert Östrogene).

    Oder willst Du hier die Desinformation verbreiten, dass Transmenschen ein "anderes" Blut haben, als Cismenschen? Dass das Blut von Transmenschen womöglich gar "schädlich" für Cismenschen ist?

    Dann belege das jetzt mal mit labor-trächtigen Fakten. Erklär doch mal.
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#5 Leon 4Anonym
  • 11.03.2020, 13:53h
  • Antwort auf #4 von Trollwatch
  • Nennt sich "Trollwatch", trollt aber selbst auf dem niedersten Niveau.... Wie typisch!

    Kommentator 1 hat ganz offensichtlich weder Angst noch ist irgendetwas vergleichbares aus seinem Text zu lesen. Es wurde nur eine eindeutig als Vermutung bezeichnete Theorie dargelegt warum die Regelung ist wie sie ist... Die Formulierung ist ja eindeutig "fragend" gewählt....

    Aber das ist dir ja wohl egal, bei deinen kleinlichen "ich bin empört und erwarte Rechtfertigung" Anfall geht's ja auch nur darum das du mal wieder ganz doll betroffen sein kannst, ne....

    "trollwatch".... Kannste dir nicht ausdenken ey
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#6 Homonklin_NZAnonym
  • 11.03.2020, 15:45h
  • In D ist das mit den Hormonen oder Medikamenten eh hinfällig, denn solche Sekundärwirkungen sind oft schon in der generellen und dauerhaften Ausschlusskategorie angeführt, also bei der Menschengruppe, die überhaupt nicht Blut spenden dürfen.
    Ob jetzt eine Trans*-Person Hormone einnimmt, oder andere Leute, ist dann ziemlich einerlei.
    Nach Behandlung mit aus menschlichen Hypophysen gewonnenen Hormonen ist Blutspende wohl nicht möglich.

    Einige Erkrankungen oder auch überstandene viral und, oder bakteriell übertragene Krankheiten, wie Malaria, West-Nil-Virus, Zika u.Ä. und einer langen Liste von Verschiedenem, da bestehen auch temporäre Ausschlusskriterien. Alkoholkranke müssen wenigstens 1 Jahr trocken sein.

    Mann will wohl mit den ganzen Sex-Kriterien sicher gehen, dass sich Hepatitis A, B, C und HiV, diverse andere das Immunsystem angreifende Krankheiten, die dann eventuell vom Partner kommen könnten, Blutkrankheiten und die Blutqualität betreffende Probleme nicht im Spenderblut mit kommen. Da gibt es auch noch Restriktionen für weitere Sex-Kategorien.
    Etwa Sexarbeiter*Innen und Leute, die erst kürzlich eine neue Beziehung begonnen haben, oder wo der Partner aus einem Epidemiegebiet stammt.

    Empfänger haben einen Anspruch an einwandfreies Blut.

    Warum man da aber Unterschiede macht, zwischen Heterosexuellen, die nicht wechselnden Sexualverkehr haben, und Homosexuellen, Bisexuellen, Trans*identen, die das auch nicht machen, ist nicht zu verstehen. es ist eher so, als würde man Nicht-Heterosexuellen generell fluktuierenden Mehrpersonen-Sex unterstellen, und glauben, Heterosexualität allein sei der sichere Hafen sexueller Unschuld, die Elite der Blutspendebefähigten.

    Das ist nicht statthaft, und enstammt wohl einer obsoleten, moralischen Ästhetik des Wunschglaubens.
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#7 DominikAnonym
  • 11.03.2020, 16:29h
  • Antwort auf #5 von Leon 4
  • Danke für die Klarstellung. Ja, es war fragend gemeint, und ich verstehe auch nicht, warum man sich immer gleich angegriffen fühlt.

    Ich bin kein Mediziner, kein Immunologe und habe auch nicht so getan, als sei ich es. Die Frage, wer Blut spenden kann und wer dafür eher nicht in Frage kommt, wird am Ende zum Glück nicht ideologisch, sondern wissenschaftlich beantwortet werden. Von der Organspende her kennt man es ja auch, dass bestimmte Risikogruppen aus rein medizinischer Sicht nicht in Frage kommen können, deshalb frage ich.
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#8 TrollwatchAnonym
  • 11.03.2020, 17:39h
  • Antwort auf #7 von Dominik
  • "Die Frage, wer Blut spenden kann und wer dafür eher nicht in Frage kommt, wird am Ende zum Glück nicht ideologisch, sondern wissenschaftlich beantwortet werden."

    Sie IST bereits wissenschaftlich beantwortet. Du musst die wissenschaftlichen Arbeiten dazu nur googlen. Transmenschen werden NICHT wegen ihrer Hormone (die jeder Mensch in dieser Form hat) von der Blutspende ausgeschlossen. Sondern weil man ihnen aus Gründen der Diskriminierung willkürlich ein "risikohaftes" Sexualverhalten unterstellt.

    Werden Cismenschen von der Blutspende ausgeschlossen, weil sie Hormone im Blut haben?!

    Ich hoffe, Du hast auch etwas von dem Geschriebenen verstanden und Dir sind Deine faktenfreien double standards bei der Bewertung klar geworden. Absurder und irrationaler geht es nicht mehr.
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#9 dellbronx51069Anonym
  • 11.03.2020, 18:38h
  • Ohne mich dem hier tobenden Zickenkrieg anschliessen zu wollen, die Jaulerei des DRK : wir haben nicht genug Blutspender ist unter den derzeitigen Bedingungen völlig absurd.
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#10 FJReutherProfil
  • 11.03.2020, 20:14hOffingen
  • Obwohl ich den Antrag inhaltlich gut und richtig finde, handelt es sich um einen Schaufensterantrag der Grünen, der keine Chance auf parlamentarische Umsetzung hat. Schade das man sich nicht scheut, so ein wichtiges Thema so sinnlos einzubringen. Die haben es ja noch nicht mal geschafft, sich mit der FDP zu diesem Thema zusammenzutun.
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