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ProSieben

Die Rückkehr der Heidi

"Queen of Drags" bekommt eine zweite Staffel. Und alles soll anders werden. Ist das eine gute Idee? Und warum protestiert eigentlich keiner? Eine Bestandsaufnahme.


Die alte Jury von "Queen of Drags" ist auch die neue (v.l.n.r.): Heidi Klum, ihr Schwager Bill Kaulitz und Conchita Wurst (Bild: ProSieben / ​Martin Ehleben)

Heidi Klum, so lautete eine Breaking News am Mittwoch, geht es schlecht. Sehr schlecht. So schlecht, dass sie nicht an einer Aufzeichnung von "America's Got Talent" teilnehmen konnte, wo sie eigentlich in der Jury sitzt. Ihre neue Kollegin, die Schauspielerin Sofia Vergara, scherzte, das läge sicher an dem Essen, das sie Heidi am Dienstag erst persönlich gekocht und dann geschickt hätte. Frau Klum hat in Zeiten von Corona also eine Lebensmittelvergiftung. Ist das lustig? Vielleicht. Aber auch ein bisschen egal. Sie wird wieder gesund.

Was sie schon deswegen werden muss, um erneut in der Jury in der von ihr produzierten Show "Queen of Drags" sitzen zu können. Dass der Quoten-Tiefflieger eine zweite Staffel bekommt, hatte ProSieben schon am Montag offiziell bekannt gegeben. Dann wurde Heidi schlecht. Es gibt da sicher keinen Zusammenhang.

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"Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischee"

Es gibt, überraschenderdings, aber auch keine Proteste. Dabei waren im Juni letzten Jahres scheinbar noch alle in der deutschen Drag-Community (bis auf die Teilnehmer*innen der Show) ganz grundsätzlich empört. Den Berliner Szene-Lieblingen Margot Schlönzke und Ryan Stecken schwante, noch bevor sie auch nur eine Minute "Queen of Drags" gesehen hatten, Schlimmstes: "Es geht nicht mehr darum, eine gute, qualitativ hochwertige, informative oder aufklärerisch wirkende Sendung mit Niveau zu machen, wie es das Original (gemeint war "RuPaul's Drag Race"; A.d.R.) bietet, es geht vielmehr um das Keifen, das persönliche Drama, die bloße Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischees. Qualität wird geopfert, um die Quote durch Bedienen des gesellschaftlichen Voyeurismus zu retten." Das unterschrieben in einer Online-Petition gegen die Show, die Schlönzke und Stecken unter Bedienen des gesellschaftlichen Voyeurismus auch in vielen heteronormativen Boulevard-Medien breit traten, dann über 23.000 Leute (queer.de berichtete). Ob Heidi da auch schlecht war, ist nicht bekannt.


Siegerin der ersten Staffel: Yoncé Banks (Bild: ProSieben)

Wurde dann aber alles doch nicht ganz so heiß gegessen wie es gekocht wurde. Erst wurden Conchita Wurst und der Kaulitz-Bruder, mit dem Heidi nicht verheiratet ist, als weitere Jury-Mitglieder und Dragexpert*innen bekannt gegeben, und als Bambi Mercury am Ende der ersten Folge von "Queen of Drags" queere Fahnen über ihrer Krone schwenkend auf der Bühne stand, waren sich alle weitestgehend einig: Das war ein sehr hübscher Moment. Was irgendwie für die gesamte Show galt. Heidi war nicht ganz so Stulle wie gedacht, Kaulitz begeisterungsfähiger als erwartet und Conchita gemäß ihrer Mutterrolle würdevoll und an den richtigen Stellen aufmunternd oder sarkastisch. Und mit Yoncé Banks gewann nach ein paar Wochen der kleinste (und langweiligste) gemeinsame Nenner. No big deal.

Das waren auch die Quoten nicht. Nach all der Aufregung und Vorabpromotion schalteten die erste Folge, 1,5 Millionen Zuschauer*innen ein. Bei der letzten taten das weit unter einer Million. Was auch für den Privatsender ProSieben ein miserabler Wert ist. Warum die Show dann eine zweite Staffel bekommt? Na, wegen der Heidi. Und weil sie als Produzentin jetzt alles anders machen will.

Auf der ganzen Welt werden Kandidat*innen gesucht

Was ProSieben-Chef Daniel Rosemann im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de so formulierte: "Ja, es geht weiter. Wir suchen gerade auf der ganzen Welt nach tollen Drags, die für die nächste Staffel in Frage kommen. […] Die Bandbreite dieser Kunstform ist so groß, da haben wir mit der ersten Staffel noch gar nicht alles abgebildet." Ja, stimmt.

Und auch darüber, was Heidi denkt, weiß er Bescheid: "'Queen of Drags' ist eine Herzenssache von Heidi, dass ich manchmal fast schon Angst hatte, dass 'GNTM' aus Heidis Herz verdrängt wird. Das ist natürlich nicht so." Nun könnte die Heidi viel schlimmere Sachen aus ihrem Herzen verdrängen als "Germany's Next Top Model", eine Show, die hauptsächlich Unterwäschemodels für Provinzunternehmen und Dschungelcamp-Teilnehmerinnen hervorbringt, aber das sieht ProSieben sicher anders. Die schönen Quoten!

Weiterhin wurde bekannt gegeben, die zweite Staffel solle weniger krawallig werden und die Showauftritte länger. Das ist ja toll! Wir lassen Künstler, die ihr Geld mit Auftritten vor Publikum verdienen, jetzt also länger vor Publikum auftreten. Eine gute und zutiefst offensichtliche Idee. Wann genau die zweite Staffel von "Queen of Drags" produziert wird, ist nicht bekannt. Wann sie ausgestrahlt wird ebenso wenig. Wer mitmacht, auch nicht. Aber, das es eine Rückkehr der Heidi geben wird, soviel wissen wir jetzt. Dann ist ja gut.



#1 IckewaAnonym
  • 13.03.2020, 02:43h
  • ... und als die Show dann doch nicht die erwartete Katastrophe war, fing Schlönzke sogar an, sich anzubiedern. Im selben Teich zu angeln, wäre ja doch ganz schön!

    Und Stecken? Würde NIE bei einer Castingshow im Privatfernsehen mitmachen ...

    Richtig authentisch die beiden!
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#2 ahmadAnonym
  • 13.03.2020, 07:56h
  • für solche Sendungen gibt es in Deutschland nur einen sehr kleinen markt und das ist eigentlich sehr uninteressant für Absatzmarkt.
    So etwas schaut man sich einmal an und nie wieder. die Jury besteht zudem aus Leuten, die viele Menschen negativ asozieren. Heidi Klum ist bei vielen sehr beliebt aber auch bei vielen sehr unbeliebt. Sie war jahrelang die unbeliebteste Deutsche in umfragen. Und BILL KAULITZ ? ich frage mich wann der sich endlich outen wird. Ich glaube immer noch dass der schwul ist
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#3 PetterAnonym
  • 13.03.2020, 10:34h
  • "Und warum protestiert eigentlich keiner?"

    Vermutlich ganz einfach deshalb, weil es weit wichtigere Dinge gibt, gegen die man protestieren sollte.

    Jeder Teilnehmer von "Queen of Drags" macht da freiwillig mit. Und jeder Zuschauer guckt das freiwillig. So what?

    Wogegen es tatsächlich viel mehr Protest geben sollte, ist dass die Regierung nur einen Teil der Opfer von Konversions"therapien" schützen will. Oder dass nach wie vor Zwangs-OPs an Intersexuellen nicht verboten sind, dass Trans-Menschen sich nicht ihr Geschlecht frei wählen können, etc.

    Und auch außerhalb von LGBTI-Themen gibt es genug, was mehr Protest vertragen könnte:

    Z.B. dass Deutschland nach wie vor viel zu wenig tut, um seinen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel zu leisten.

    Oder dass aufgrund der Privatisierungen und des jahrelangen Sparens im Gesundheitswesen jetzt zu wenig Intensiv-Betten, zu wenig Beatmungs-Plätze und zu wenig Pflegepersonal vorhanden ist, was vermutlich dazu führen wird, dass in der Corona-Pandemie mehr Menschen in Deutschland sterben werden, als nötig wäre.

    Das alles (und noch einiges mehr) wären Dinge, wo es viel mehr Protest geben sollte.

    Aber doch nicht für eine Fernsehshow, die in 2 Jahren eh jeder vergessen hat.
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#4 FattseckAnonym
  • 13.03.2020, 10:44h
  • "Und warum protestiert eigentlich keiner?"
    Weil weder das Format noch die Akteurinnen beiderseits des Jurytisches so viel Aufmerksamkeit verdienen würden, wie dieser Artikel von Schulz suggeriert.
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#5 EuropäerAnonym
  • 13.03.2020, 12:37h
  • Geil! Freue mich schon auf die 2. Staffel. Das ist für unsere Queere Sichtbarkeit nur gut!

    ... und an unsere lieben "Berger Verschnitte" der LGBTIQ Community - euch zwingt kein Mensch einzuschalten!
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#6 Leon 4Anonym
  • 13.03.2020, 13:01h
  • Antwort auf #5 von Europäer
  • Davon abgesehen kann man durchaus davon ausgehen das pro 7 aus Staffel 1 gelernt und noch an der ein oder anderen schraube gedreht hat.... Damals ham se im voraus ja auch geschrien nur um dann festzustellen das die Show zwar jetzt nicht der reißer schlechthin ist, die Kandidaten aber auch nicht vorgeführt oder das ganze als freakshow inszeniert würde....
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#7 OlliAnonym
  • 13.03.2020, 16:49h
  • Vielleicht protestiert keiner, weil dieses Format genauso lächerlich, schrottig, klischeebeladen und menschenverachtend wie ihr heterosexuelles Pendant mit spindeldürren Weibern, die sich überschätzen und völlig frei von Selbstkritik sind.

    Kurz: wenn interessiert dieses blödsinnige Format? Alleine Bill Kaulitz ist unerträglich und dieses angebliche Supermodel hat eine Stimme, der man eine alte Kreissäge vorziehen kann.

    Ich frage mich, warum sich Schwule, auch echt begabte witzige Drag Queens immer wieder für die Heteros zum Affen machen.
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#8 EuropäerAnonym
  • 13.03.2020, 22:24h
  • Antwort auf #7 von Olli
  • Ganz offensichtlich interessiert es DICH - weshalb sonst hättest Du Dir denn dann extra Zeit genommen den Artikel zu lesen, sowie selbigen zu kommentieren?
    Die Show selbst hast Du offenkundig niemals angeschaut, ansonsten wärst Du nicht auf die Idee gekommen so einen Quark hier zu schreiben.

    Die Sendung ist nicht so gut wie "RuPaul's Drag Race", aber sie war grundsätzlich ordentlich gemacht, mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Feinsinn, für die Thematik.

    GNTM wird, nur am Rande erwähnt, ständig kritisiert. Das Publikum hat dementsprechend wahrgenommen, dass es Unterschiede gibt. Soviel zum Thema.
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#9 saltgay_nlProfil
  • 14.03.2020, 14:22hZutphen
  • ProSieben ist eben Fernsehen für Leute deren kulturelles Niveau sich auf der Ebene der BLÖD-Zeitung bewegt, nur dass man nicht soviel anstregenden Text lesen muss. Da macht nun diese merkwürdige Sendung keine Ausnahme.

    Ich gebe zu, dass ich eine masochistische Ader habe und mir manchmal so einen Schrott ansehe um am Ende dann mit der Wahrheit konfrontiert zu werden: ja das Volk, welche uns die CDU/CSU/FDP/AfD/SPD als "Mandatsträger" immer wieder beschert, das ist eben so doof und will gar nicht etwas anderes.

    Meine Hoffnung liegt eher darin, dass die Jugendlichen heute sich für diesen Scheiß nicht mehr interessieren. Juhtjuber, die irgendwelche Parfums, Kotzmetika bewerben oder peinliche Möchtegernrapper, gruselige Komiker haben keinen politischen Einfluss. Es besteht also die Möglichkeit dieser Generation bewusst zu machen, dass es sich lohnt dieses System umzudrehen. Fridays for future sind zwar etwas pubertär, aber gehen schon in die richtige Richtung.

    Die Erwachsenengeneration aber ist vollständig verdummt, glaubt jeden Scheiß wie früher im Mittelalter und schreit nach dem Führer, weil sie unfähig und unwillig ist Verantwortung zu übernehmen. Das war auch haargenau die Intention damals, als während der Kohl-Dynastie die privaten Medien zugelassen wurden. Das Kapital hat ganze Arbeit geleistet.
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#10 EuropäerAnonym
  • 14.03.2020, 20:44h
  • Antwort auf #9 von saltgay_nl
  • Soviel Selbsthass in einem Post. Ich schaue normalerweise nur ARTE, 3sat, oder die Dritten, da dort öfter gute Arthousefilme gezeigt werden, oder Sendungen, mit Inhalten, die mich interesiieren. Aber ProSieben mit der BILD Zeitung, oder RTL 2 gleichzustellen ... sorry. Geht nicht.

    War damals selbst sehr kritisch, als ich hörte, die Show solle von der Klum moderiert werden. Das Ergebnis war jedoch zufriedenstellend. Es gibt Lust nach oben, aber grundsätzlich war die Show gut.

    Auch RPDR, Dragula ... sind kurzweilige Unterhaltung. Nichts weiter. Die Hetze gegen "Queen of Drags" ist in meinen Augen schlichtweg Selbsthass und die Unfähigkeit Vielfalt innerhalb der Community anzuerkennen. besonders peinlich ist es, über die Show herzuziehen, ohne wenigstens mal eine Folge angeschaut zu haben.
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