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ProSieben
Die Rückkehr der Heidi
"Queen of Drags" bekommt eine zweite Staffel. Und alles soll anders werden. Ist das eine gute Idee? Und warum protestiert eigentlich keiner? Eine Bestandsaufnahme.

Die alte Jury von "Queen of Drags" ist auch die neue (v.l.n.r.): Heidi Klum, ihr Schwager Bill Kaulitz und Conchita Wurst (Bild: ProSieben / Martin Ehleben)
- Von Paul Schulz
13. März 2020, 00:35h 4 Min.
Heidi Klum, so lautete eine Breaking News am Mittwoch, geht es schlecht. Sehr schlecht. So schlecht, dass sie nicht an einer Aufzeichnung von "America's Got Talent" teilnehmen konnte, wo sie eigentlich in der Jury sitzt. Ihre neue Kollegin, die Schauspielerin Sofia Vergara, scherzte, das läge sicher an dem Essen, das sie Heidi am Dienstag erst persönlich gekocht und dann geschickt hätte. Frau Klum hat in Zeiten von Corona also eine Lebensmittelvergiftung. Ist das lustig? Vielleicht. Aber auch ein bisschen egal. Sie wird wieder gesund.
Was sie schon deswegen werden muss, um erneut in der Jury in der von ihr produzierten Show "Queen of Drags" sitzen zu können. Dass der Quoten-Tiefflieger eine zweite Staffel bekommt, hatte ProSieben schon am Montag offiziell bekannt gegeben. Dann wurde Heidi schlecht. Es gibt da sicher keinen Zusammenhang.
"Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischee"
Es gibt, überraschenderdings, aber auch keine Proteste. Dabei waren im Juni letzten Jahres scheinbar noch alle in der deutschen Drag-Community (bis auf die Teilnehmer*innen der Show) ganz grundsätzlich empört. Den Berliner Szene-Lieblingen Margot Schlönzke und Ryan Stecken schwante, noch bevor sie auch nur eine Minute "Queen of Drags" gesehen hatten, Schlimmstes: "Es geht nicht mehr darum, eine gute, qualitativ hochwertige, informative oder aufklärerisch wirkende Sendung mit Niveau zu machen, wie es das Original (gemeint war "RuPaul's Drag Race"; A.d.R.) bietet, es geht vielmehr um das Keifen, das persönliche Drama, die bloße Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischees. Qualität wird geopfert, um die Quote durch Bedienen des gesellschaftlichen Voyeurismus zu retten." Das unterschrieben in einer Online-Petition gegen die Show, die Schlönzke und Stecken unter Bedienen des gesellschaftlichen Voyeurismus auch in vielen heteronormativen Boulevard-Medien breit traten, dann über 23.000 Leute (queer.de berichtete). Ob Heidi da auch schlecht war, ist nicht bekannt.

Siegerin der ersten Staffel: Yoncé Banks (Bild: ProSieben)
Wurde dann aber alles doch nicht ganz so heiß gegessen wie es gekocht wurde. Erst wurden Conchita Wurst und der Kaulitz-Bruder, mit dem Heidi nicht verheiratet ist, als weitere Jury-Mitglieder und Dragexpert*innen bekannt gegeben, und als Bambi Mercury am Ende der ersten Folge von "Queen of Drags" queere Fahnen über ihrer Krone schwenkend auf der Bühne stand, waren sich alle weitestgehend einig: Das war ein sehr hübscher Moment. Was irgendwie für die gesamte Show galt. Heidi war nicht ganz so Stulle wie gedacht, Kaulitz begeisterungsfähiger als erwartet und Conchita gemäß ihrer Mutterrolle würdevoll und an den richtigen Stellen aufmunternd oder sarkastisch. Und mit Yoncé Banks gewann nach ein paar Wochen der kleinste (und langweiligste) gemeinsame Nenner. No big deal.
Das waren auch die Quoten nicht. Nach all der Aufregung und Vorabpromotion schalteten die erste Folge, 1,5 Millionen Zuschauer*innen ein. Bei der letzten taten das weit unter einer Million. Was auch für den Privatsender ProSieben ein miserabler Wert ist. Warum die Show dann eine zweite Staffel bekommt? Na, wegen der Heidi. Und weil sie als Produzentin jetzt alles anders machen will.
Auf der ganzen Welt werden Kandidat*innen gesucht
Was ProSieben-Chef Daniel Rosemann im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de so formulierte: "Ja, es geht weiter. Wir suchen gerade auf der ganzen Welt nach tollen Drags, die für die nächste Staffel in Frage kommen. […] Die Bandbreite dieser Kunstform ist so groß, da haben wir mit der ersten Staffel noch gar nicht alles abgebildet." Ja, stimmt.
Und auch darüber, was Heidi denkt, weiß er Bescheid: "'Queen of Drags' ist eine Herzenssache von Heidi, dass ich manchmal fast schon Angst hatte, dass 'GNTM' aus Heidis Herz verdrängt wird. Das ist natürlich nicht so." Nun könnte die Heidi viel schlimmere Sachen aus ihrem Herzen verdrängen als "Germany's Next Top Model", eine Show, die hauptsächlich Unterwäschemodels für Provinzunternehmen und Dschungelcamp-Teilnehmerinnen hervorbringt, aber das sieht ProSieben sicher anders. Die schönen Quoten!
Weiterhin wurde bekannt gegeben, die zweite Staffel solle weniger krawallig werden und die Showauftritte länger. Das ist ja toll! Wir lassen Künstler, die ihr Geld mit Auftritten vor Publikum verdienen, jetzt also länger vor Publikum auftreten. Eine gute und zutiefst offensichtliche Idee. Wann genau die zweite Staffel von "Queen of Drags" produziert wird, ist nicht bekannt. Wann sie ausgestrahlt wird ebenso wenig. Wer mitmacht, auch nicht. Aber, das es eine Rückkehr der Heidi geben wird, soviel wissen wir jetzt. Dann ist ja gut.
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Und Stecken? Würde NIE bei einer Castingshow im Privatfernsehen mitmachen ...
Richtig authentisch die beiden!