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Medienkritik

"Also normale Leute? Oder nur Homosexuelle?"

Ist der schwule TV-Star Jaecki Schwarz ein böser, alter, weißer Mann, der Fragen stellt, die man 2020 nicht mal denken sollte? Anmerkungen zur jüngsten MDR-Talkshow "Riverboat", in der es um erotische Männerunterwäsche ging.


Jaecki Schwarz, 74, war am 6. März in der MDR-Talkshow "Riverboat" zu Gast (Bild: Screenshot MDR)

Um die Frage im Teaser gleich mal zu beantworten: Nö. Dass einige Medienvertreter das jetzt behaupten, liegt nur daran, dass sich erwachsene Menschen im Spätprogramm des größten, deutschen dritten Programms, des MDR, speziell seiner Sendung "Riverboat", am Samstag der letzten Woche, nicht ohne minutenweise offenbar komplett den Verstand zu verlieren über erotische Unterwäsche für Männer austauschen können. Das fiel auch Moderatorin Kim Fisher zwischendurch auf. Zitat: "Ich werd bekloppt."

Verständlich, schließlich hatte Schlagerstar Howard Carpendale da gerade über das Fassungsvermögen eines der Männermieder den unvergesslichen Satz "Da fällt ein toter Vogel nicht aus dem Nest" geäußert. Da kann einem schon mal kurz schwummerig werden.

Schuld an der ganzen Misere waren Claudia und Jörn Wonneberger, wie könnte es auch anders sein. "Die Wonnebergers" sind ein "Designer-Ehepaar" das "in der Nähe" einer größeren Stadt im Sendegebiet des MDR Unterwäsche für Männer entwirft, mit der ihre Käufer vermutlich in jedem deutschen Swingerclub in der Nähe einer Autobahnabfahrt der King sind. So schwarze Sachen, die ein rot umrandetes Loch im Schritt haben und leuchten, als wären sie aus Hartschalenplastik. Zusammen mit etwas, das aussah wie ein extrem knapp sitzendes, sehr betrunkenes Ringerjersey, und einem silbernen Minirock für Männer war das alles im Studio an atmenden Modellen ("Die sind in einem Alter, da kann man alles tragen") oder einfach in den Händen der Talkrunde herumgereicht worden.

"Hier. Für dich, Matthias"

Zum Beispiel von Jaecki Schwarz. Als der das Teil mit dem Loch im Schritt mit den Worten: "Hier. Für dich, Matthias" grinsend an den links von ihm sitzenden ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg, den Herrn Platzeck, weiterreichte, war es das zweite Mal ums Publikum geschehen, das kurz lachen musste. Das erste Mal war 30 Sekunden vorher gewesen, als Schwarz, nachdem Herr Wonneberger ihm angeboten hatte, er könnte auch einen der Schlüpfer mitnehmen, antwortete: "Danke, aber lass mal. So große Ohren habe ich gar nicht."

Platzeck wollte, wohl wie immer auch wirtschaftspolitisch interessiert, noch wissen, "Wie verkauft sich das denn?" Frau Wonneberger wusste: "Sehr, sehr gut. Die Leute sind mutig." Woraufhin Jaecki Schwarz kurz nachfragte: "Also normale Leute? Oder nur Homosexuelle?" Womit er das Publikum ein drittes Mal enorm erheiterte, aber auch Kommentatoren auf die emanzipatorische Palme brachte.

Die schreiben jetzt Dinge wie: "Eine Frage, die im 21. Jahrhundert in keinster Weise mehr gedacht noch gestellt werden sollte" (Thüringen24). Echt? Nicht mal von 74-jährigen künstlerisch wertvollen, hoch ironischen Opis, die selber schwul sind und in einer Situation, in der sich Heteros gerade benehmen wie aufgescheuchte Nonnen circa 1861? Und die selbst von der Moderatorin mit "Entschuldigen Sie unser infatiles Gekreische" kommentiert wird?

Oder in der Co-Moderator Axel Bulthaupt, der mit seinem Partner in Leipzig lebt, einen der Slips mit spitzen Fingern hochhaltend, irgendwie im Ernst fragt: "Ist das auch pflegeleicht? … Da kommt jetzt die Hausfrau bei mir durch. Ich mein, wie wäscht man sowas denn?"

Wer will denn da "normal" sein?

Wer will denn da "normal" sein, heißt: sexnegativ, spießig und pubertär? Schwarz offenbar nicht. Besonders, wenn die Antwort der Designerin auf seine Frage ein etwas geplättetes, aber dafür komplett verkrampftes "Doch, das ist dann schon auch jeder Sexualität entsprechend" ist. "Das können alle Männer tragen, von 16 bis 100", behauptet ihr Mann noch. "Haben Sie das mal an einem Hundertjährigen ausprobiert?", hält sich Schwarz, einen weiteren Lacher des Publikums erntend, nun überhaupt nicht mehr zurück.

Und warum auch? Eine halbe Stunde vorher hatte er über seinen 74. Geburtstag im Februar und die damit verbundene Planung für seine Beerdigung gesagt: "Man nimmt jetzt keine Vorbestellungen mehr an." Und Gefangene macht man offensichtlich auch keine. Gut so.



#1 saltgay_nlProfil
  • 15.03.2020, 08:46hZutphen
  • Das ist typisch für MDR-Thüringen. Grenzdebile Unterhaltung. "Riverboat" besitzt ein geistiges Niveau auf CDU/CSU/FDP/AfD-Höhe, also etwas für Leute, die gerade den Förderschulabschluss geschafft haben.

    Mit diesem Scheiß belästigt dieser CSU-Rundfunk, Reiter lässt grüßen, den normalen Bürger und nutzt schamlos die sentimentale Empfänglichkeit der Bürger aus. Natürlich ist für den Thüringer das Kaffeetrinken am Samstagnachmittag wichtiger, auch können ruhig im Kyffhäuserkreis Arbeitslosenquoten von 30% grassieren (bereits manipuliert zum Positiven) , Hauptsache der Sturm auf das Rathaus in Wasungen am 11.11. findet statt und die schöne Sendung "Riverboat" mit dem Barklimperer am Klavier wird im Fernsehen gezeigt. Dabei wird das "wirtschaftliche Voranschreiten" Thüringens durch Präsentation der Besitzerin der Thüringer Bratwurstbude in Menteroda-Schacht vor dem Publikum ausgebreitet, weil sie einen neuen Arbeitsplatz mit schönem Minijob geschaffen hat für ihre darbende Cousine.

    Diese Unterhosenshow passt hervorragend in die Vorstellungswelt der Thüringer Unions- und Alternativpolitiker. Da würde selbst Bernhard Grinsebacke, als abgehalfterter Ministerpräsident wieder munter werden, wenn er versuchen könnte mit dieser Reizwäsche einen jüngeren Lover aufzureißen.

    Spaß beiseite, doch genau so sind die Bürger seit 30 Jahren erfolgreich verarscht worden. Nehmen wir den "Innovationspreis des Kyffhäuserkreises". Mit Riesenpomp fand die Preisverleihung im "Business Innovation Center" statt. Der 2. Preis ging an die Firma "Strickmoden Schadeberg" aus Bad Frankenhausen. Für die anwesenden Damen betonte der CDU-Landrat würde man auch im Anschluss an die Feierstunde eine Modenschau stattfinden lassen. Das stellt für die Macher von Riverboat eine geradezu wirtschaftliche Erektion dar.

    Diese Form von Wirtschaftspolitik und deren Vermarktung ist entweder bodenloser Zynismus, weil man der Bevölkerung einen IQ von 30 zumisst, oder aber Ausdruck einer geistigen Haltung für die "Pepita" noch ein zu großes Karo darstellt.
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#2 pöjikhuAnonym
  • 15.03.2020, 08:58h
  • von der Funke Mediengruppe, die hinter dem BILD-Zeitungsverschnitt "Thüringen24" steckt sollte man nichts erwarten...
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#3 BildvorAnonym
  • 15.03.2020, 09:49h
  • Warum sollte es hier eine Ausnahme geben, nur weil der diskriminierende 70+, selber schwul und irgendwie ja witzig ist? Wir brauchen Vorbilder, die einfach diese diskriminierende Scheiße sein lassen, nicht das Gegenteil und schon gar nicht mit den üblichen Ausflüchten!
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#4 TheDadProfil
#5 zundermxeAnonym
  • 15.03.2020, 10:14h
  • Griff ans Gemächt oder Hand aufs Herz - wie immer wer die Aufrichtigkeit seiner Aussage persönlich passend verbildlichen möchte - was hätte der gute Jaecki sonst fragen sollen?
    Die Normalen durch Heten oder etwa durch cis-heterosexuell ersetzen?
    Um dann gleich noch homosexuell durch etwa queer politisch korrekter auszudrücken?

    So wie ich mich in meinem vertrauten Umfeld nicht für jedes Wort hinterfragen lassen muss oder die Befürchtung haben muss, dass ein kritischer Geist versucht aus jedem situativen und persönlichen Kontext heraus mir etwas zu unterstellen, so sehe ich auch einen deutlichen Unterschied darin, ob ein Schwuler diese Frage in einer Unterhaltungssendung stellt oder ob die gleiche Frage bspw von Herrn XY in einer politischen Debatte käme.

    Geht in die gleiche Richtung, wenn ein Farbiger den anderen Nigga nennt oder ein Jude einen Judenwitz erzählt. Wieso sollte ich mich darüber aufregen, wenn es passend und für die anderen verständlich ist?

    Das Getöse entsteht nicht selten von außen indem interpretiert, bewertet, belehrt und unterstellt wird.
    Natürlich könnte zur Abwechslung auch mal 5 eine gerade Zahl sein und wem nur beste Absichten unterstellt werden. Wenn man denn schon meint ständig unterstellen zu müssen.
    Passend und angemessen reagieren - nicht der reinen Wortwahl nach - sondern auf die Situation und dem Gegenüber bezogen.
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#6 ahmadAnonym
  • 15.03.2020, 10:18h
  • naja das sind so Elemente des Sprachgebrauchs die die Mehrheitsgesellschaft nicht los wird.

    Genauso wie mit dem Begriff AUSLÄNDER. im Alltag bezeichnen fast alle Menschen Menschen mit Migrationshintergrund als Ausländer.

    Wobei ich finde, dass der Begriff Migrationshintergrund echt schlimm ist.

    Aber auch schwulen freunden passiert es manchmal, dass die sagen, ,,ist der Typ über den du redest eine hete/Normal oder schwul ?
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#7 Yeoj_Profil
  • 15.03.2020, 11:12hFFM
  • Ah, sehr schöner Artikel - und ich bin wirklich auf den Teaser reingefallen und dachte, jetzt kommt wieder die Keule mit der Aufschrift "sich politisch korrekt empören". Ich teile den Humor des guten Jaeckis in diesem Falle zu 100%. :-)
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#8 TheDadProfil
  • 15.03.2020, 11:15hHannover
  • Antwort auf #1 von saltgay_nl
  • ""Das ist typisch für MDR-Thüringen. Grenzdebile Unterhaltung. "Riverboat" besitzt ein geistiges Niveau auf CDU/CSU/FDP/AfD-Höhe, also etwas für Leute, die gerade den Förderschulabschluss geschafft haben.""..

    Das "geistige Niveau" einer solchen Aussage liegt dann offenbar noch tiefer..

    Denn die meisten Absolventen eines "Förderschulabschlusses" sind für die Bauernfängereien von ""CDU/CSU/FDP/AfD"" einfach zu schlau..
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#9 SqueezerAnonym
  • 15.03.2020, 12:37h
  • Antwort auf #7 von Yeoj_
  • Meine Güte nochmal - kann man denn in diesem Land überhaupt nichts mehr sagen, ohne dass es gleich einen Shitstorm hagelt?! Er als Schwuler wird doch bestimmt nicht die Absicht gehabt haben, die Homosexuellen zu diskriminieren! Kommt doch alle nur mal wieder runter und seht es mit ein bisschen Humor. Wer glaubt, wenn alle Menschen nur noch politisch korrekt reden, wird es keinen Hass und keine Diskriminierung mehr geben, den wird die Realität irgendwann einholen und unsanft aufwecken.
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#10 Homonklin_NZAnonym
  • 15.03.2020, 13:17h
  • Das Problem mit dem als "normal" Wahrgenommenen ist ja, dass es das gar nirgends gibt. Also als theoretisches Modellkonzept in Gauß' Überlegungen vielleicht, aber in der Wirklichkeit nicht zutreffend. Oder wie ein asexueller Kollege das so öfter mal sagt, normal sei, dass jede*R anders ist.

    Ich kenne zwar niemand von all diesen Personen, aber vielleicht ein Publikum nicht immer wieder mit diesen unpassenden Begriffen neu zu befüttern, könnte, wie auch im Fall von "Ausländer", was man in Deutschland nach der 4. oder 5. Generation immer noch ist, auch irgendwann dazu hin führen, dass es breitenwirksam zu einer lebensrealen Betrachtungsweise führt.

    ""Entschuldigen Sie unser infatiles Gekreische"" Hat die das wirklich so gesagt?
    Weil Fatil so eine Ermittlungsgruppe für Vernetzungen der armenischen Mafia in Deutschland war, und infatil dann ... ach so, das mit der deutschen Sprache ist eh so ein Kreuz, ich habe sie auch nie richtig gerallt.
    Dann gibt es noch was Esoterisches dazu:
    "Fatil ist also eine Art Zentrum (Hausebene) der Seele die außerhalb und im Innen einer Seele liegt, und welches die Seele immer je nach ihrem BW ( vermutlich Bewusstsein, nicht Bundeswehr ) erreichen kann."

    jenseits-de.com/g/forums/allgem/archiv/messages1/12034.html

    Infatil, das sind da wohl die Ungläubigen dann ;)

    Und das bei erotischer Unterwäsche. Das zieht einem glatt die Shiny Adidas Süper Tiger Basketball-Shorts aus. Wrrroarrr.
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