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Heimkino

"End of the Century": Déjà-vu beim Sexdate

Ocho genießt sein frisches Singleleben in Barcelona und trifft auf Javi. Irgendwoher kennen sich die beiden, oder? Es entsteht ein charmantes, beschwingtes Drama über die Erinnerung an vergangene Zeiten und die Frage: Was wäre, wenn?


Ocho und Javi scheinen sich irgendwoher zu kennen
  • Von Fabian Schäfer
    16. März 2020, 05:31h, noch kein Kommentar

Zwölf Minuten lang hören wir den Straßenlärm Barcelonas, die Kaffeemaschine in Ochos Apartment, das Meeresrauschen am Stadtstrand. Zwölf Minuten, in denen sich Ocho (Juan Barberini), der in der Stadt Urlaub macht, und Javi (Ramon Pujol) immer wieder über den Weg laufen. Kein Wort, bis Ocho ihn noch einmal sieht und ihm von seinem Balkon aus zuruft. Wer braucht Dating-Apps, wenn man den süßen Typen auch so ansprechen kann – und der auch noch ohne zu zögern nach oben kommt.

"Ganz langsam", sagt Javi zwar, als Ocho seine Hände unter dessen T-Shirt schiebt, aber nur ein paar Augenblicke später zieht der sein Shirt freiwillig aus. Es folgt eine etwas unbeholfene, ziemlich mechanisch wirkende Sexszene. Ein Sexdate, wie viele, und es endet natürlich nicht mit einem Kuss, die Zeit ist vorbei, sondern mit einer verstohlenen Umarmung.

Doch die zwei begegnen sich wieder. Sie gehen auf den Markt und ins Museum, sie verstehen sich gut. Über den Dächern der Stadt quatschen sie. Ocho kriegt das Gefühl nicht los, dass die zwei sich kennen, sagt er. Und Javi, ganz selbstverständlich, entgegnet: Klar, tun wir auch. Ocho erschrickt. Da gibt's wohl einiges aufzuholen.

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Plötzlich holt sie die Vergangenheit ein – und können sich nicht dagegen wehren


Pro-Fun Media hat "End of the Century" mit deutschen Untertiteln fürs Heimkino veröffentlicht

Regisseur und Drehbuchautor Lucio Castro erzählt ab dann in Rückblenden, die zeigen, woher sich Ocho und Javi kennen. "End of the Century" entwickelt sich zu einem charmanten Drama, das viel darüber sagt, wie uns die Vergangenheit prägt, und wie sehr wir Pläne über den Haufen werfen, um genau das Gegenteil zu tun. Bei den beiden stellt sich unweigerlich die Frage: Was wäre, wenn? Wenn sich die eine, kurze Begegnung damals, vor Jahren, anders entwickelt hätte?

Das Debütwerk des Argentiniers Castro profitiert vor allem von der ungeheuren Dynamik, die die zwei Darsteller miteinander entwickeln. Ramon Pujol als Javi, der jetzt mit Mann und Kind in Berlin wohnt, und Juan Barberini als Ocho, der in New York lebende Dichter, der nach 20-jähriger Beziehung erst drei Wochen als Single durchs Leben geht – beide harmonieren in ihren Rollen ganz wunderbar. Gemeinsam bringen sie zum Ausdruck, wie plötzlich einen die Vergangenheit einholt, und wie wenig man sich dagegen wehren kann.

Ein Gedankenexperiment, das uns sofort abholt

Dazu kommen einige sehr frische erzählerische Details und die Kamera von Bernat Mestres, welche die zwei Männer in ihrem Gespräch über den Dächern Barcelonas konstant in einer einzigen Einstellung filmt – ohne dass es langweilig wird. Da lässt sich auch über die ein oder andere narrative Schwäche hinwegsehen. Dass sich aber in den zwei Zeitebenen gar nicht einmal die Mühe gegeben wurde, wenigstens ein bisschen was am Aussehen der zwei zu verändern, ist dagegen bedauerlich.

Trotzdem: "Was wäre, wenn" ist natürlich ein Gedankenexperiment, das wir alle schon einmal in der ein oder anderen Form durchgespielt haben, weshalb uns "End of the Century" sofort abholt. Die Geschichte drumherum ist nicht vorhersehbar, und die aufgeheizte Atmosphäre, die Spannungen der zwei Männer, bravourös eingefangen. Ein Erstlingswerk, das Lust auf mehr macht.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

End of the Century. Romantik-Drama. Argentinien 2019. Regie: Lucio Castro. Darsteller: Juan Barberini, Ramón Pujol, Mía Maestro, Helen Celia Castro-Wood. Laufzeit: 84 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional).FSK 12. Pro-Fun Media
Galerie:
End of the Century
10 Bilder