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"Fuck! Fuck! Fuck!"

Wenn das Original queerer als das Remake ist

Vox zeigt ab Mittwochabend ein Remake des Kultfilms "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" aus dem Jahr 1994 als zehnteilige Serie. Man hätte so viel mehr daraus machen können...


Die Free-TV-Premiere von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" ist ab dem 18. März immer mittwochs um 20.15 Uhr auf Vox zu sehen (Bild: TVNOW / MGM Television Entertainment Inc. / Universal Television LLC.)
  • Von Patrick Heidmann
    18. März 2020, 12:21h, noch kein Kommentar

"Fuck! Fuck! Fuck! Mit einem von Verschlafen und Fluchen dominierten Vormittag begann 1994 der Kinohit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" – und so fängt nun auch die gleichnamige Fernsehserie an, die ab dem 18. März jeden Mittwoch mit einer Doppelfolge auf Vox zu sehen ist. Ein echtes Remake in Episodenform ist es nun allerdings nicht, das uns erwartet, obwohl es auch in der Neuauflage um einen Freundeskreis in London geht, dem – der Titel sagt es – vier Hochzeiten und ein Todesfall ins Haus stehen. Eher dient der Film als allgemeine Inspiration, auf die hier immer verwiesen wird.

Statt Hugh Grant ist es also Nathalie Emmanuel (bekannt u.a. aus "Game of Thrones"), der wir in der Eröffnungsszene dabei zu sehen, wie sie als Maya viel zu spät aus den Federn kommt und schimpfend ihren Tag startet. Die Redenschreiberin hat eine Affäre mit ihrem Boss, einem New Yorker Politiker, der sie per Textnachricht vor der Ankunft seiner Ehefrau warnt. Wenig später ist sie aber ohnehin auf dem Weg nach London, wohin es ihren College-Freundeskreis schon vor Jahren verschlagen hat. Die verwöhnte Ainsley (Rebecca Rittenhouse) ist Inneneinrichterin und schmiedet Hochzeitspläne, Banker Craig (Brandon Mychal Smith) zieht mit seiner Freundin zusammen und erfährt von der Existenz seiner Tochter und Lateinlehrer Duffy (John Reynolds) träumt nicht nur von einem Leben als Romanautor, sondern auch seit vielen Jahren von Maya. Die verguckt sich gleich nach der Landung in London bei der Koffersuche in den schneidigen Kash (Nikesh Patel), der eigentlich gerne Schauspieler geworden wäre. Und er stellt sich bald als Ainsleys Lebensgefährte heraus, was nur die erste von vielen Verwicklungen ist, die in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" schnell ihren Lauf nehmen.

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Schwankend zwischen Kitsch und Comedy

Kreiert wurde die Serie von Mindy Kaling und Matt Warburton, die gemeinsam schon für die Sitcom "The Mindy Project" verantworteten und ihr Händchen für Humor hinreichend unter Beweis gestellt haben. Auch die Mitstreiter*innen, die sie sich ins Boot holten, verstehen etwas von kurzweiliger Unterhaltung: zu den Autor*innen gehören der schwule Comedy-Schreiber Chris Schleicher, Charlie Grandy (dessen Serie "Champions" über einen queeren indisch-stämmigen Teenager bei uns nie zu sehen war) oder Tracey Whigfield ("Great News") – und die ersten beiden Folgen inszenierte Charles McDougall, der früher schon bei "Queer as Folk", "Sex and the City" oder "The Good Wife" hinter der Kamera stand. Sogar Richard Curtis, der einst den gleichnamigen Kinofilm schrieb, war als Executive Producer beteiligt.

Angesichts so viel Talents hinter den Kulissen ist es bedauerlich, dass "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" kein großer Wurf geworden ist. Mit aller Macht beruft sich die zwischen Kitsch und Comedy schwankende Serie sowohl auf ihre berühmte (und übrigens immer noch absolut sehenswerte) Vorlage als auch auf das Genre der romantischen Komödie. Andie MacDowell – damals die große Liebe von Hugh Grant – hat ebenso einen Gastauftritt wie Dermot Mulroney ("Die Hochzeit meines besten Freundes"), und vom jahrelangen, stillen Schwärmen für eine alte Freundin über amouröse Zufallsbegegnungen bis hin zu geschriebenen, aber nicht abgeschickten Briefen oder drolligen Verwandten kommt wirklich jedes aus vergleichbaren Geschichten bekannte Element vor. Sogar für eine "Tatsächlich… Liebe"-Hommage war Platz. Nur die wichtigste Zutat fehlt leider: echter, leichtfüßiger Charme. Alles ist ein bisschen zu gewollt und zu glatt, auch die attraktiven Darsteller*innen in ihren selten wirklich glaubwürdigen Rollen. Da helfen auch ein paar zündende Gags und clevere Dialoge pro Folge nur bedingt.

Der schwule beste Freund nur blasse Nebenfigur

Selbst dem vielleicht schönsten Element der Kinoversion von vor 26 Jahren wird das Update von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" nicht wirklich gerecht. Genau wie damals fehlt auch hier das Genre-Klischee des schwulen besten Freundes nicht. Doch wo im Film die rührende Beziehung von Gareth und Matthew geradezu zum emotionalen Zentrum der Geschichte wurde, bleibt Ainsleys Mitarbeiter Tony 2 (Nathan Stewart-Jarrett, der in "Angels in America" auch schon am Broadway zu sehen war) tatsächlich eher eine blasse Nebenfigur.

Immerhin: im Verlauf der insgesamt zehn Folgen nimmt er zusehends mehr Raum ein und darf schließlich sogar seine eigene, nicht uninteressante Liebesgeschichte erleben. Aber solange muss man erst einmal dranbleiben!