Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35733

Heimkino

Zehn queere Filme, für die ihr jetzt Zeit habt

Egal ob in Selbst-Quarantäne, mit der Wahlfamilie in der WG oder per Videoschalte mit Freunden – mit diesen zehn modernen Klassikern des Queer Cinema lässt sich das Leben in den eigenen vier Wänden aushalten.


Einer unserer queeren Filmtipps für die Heimquarantäne ist "God's Own Country" über eine schwule Liebe auf einer abgelegenen Schaffarm (Bild: Edition Salzgeber)

Das Leben als Filmfestival. Es wird momentan darum gebeten, dass wir uns nur mit wenigen Menschen umgeben und hauptsächlich Zuhause aufhalten. Das Leben sollte nur zwischen Sofa, Kühlschrank, Balkon und Badewanne stattfinden. Für die eher introvertierten Queerlinge unter uns ist das ohnehin der wünschenswerte, sehr unterhaltsame Normalzustand, auch wenn gerade nicht Corona ist. Es können gerade alle viel von ihnen darüber lernen, wie man ein schönes Leben in den eigenen vier Wänden führt und was man da alles so machen kann. Film-Marathons zum Beispiel. Hier sind zehn moderne Klassiker des Queer Cinema, die man (auch immer wieder) mal sehen kann.

Colette

Als Wash Westmorelands herrlicher Historienschinken vor etwas mehr als zwei Jahren ins Kino kam, ging er beim queeren Publikum ein bisschen unter, weil er von "Moonlight" überrollt wurde. Was schon deswegen schade war, weil Keira Knightley in der Titelrolle so großartig ist. "Colette" ist die Geschichte davon, wie die heute noch berühmteste Schriftstellerin Frankreichs zu sich selbst und ihrer literarischen Stimme fand. Und wie ihr Ehemann sie dabei – und dabei, mit Frauen zu schlafen – sehr gestört hat. Westmoreland taucht das nicht in gedankliches Sepia, sondern in hübsche Poptöne, die das frühe feministische Drama hier für ein sehr heutiges Publikum aufbereiten. Inklusive wirklich emanzipierter Liebeszenen. Das ist sehr schön und sehr vergnüglich. (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "Colette"

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Salmonberries

Das Problem bei den lesbischen Klassikern ist, dass frau immer denkt: "Die kann ich immer noch sehen." Das mag stimmen, aber gibt es ein besseres "immer noch" als den Moment, wo Zeitvertreib quasi der einzige Tagesplan ist? k.d. langs Filmdebüt von 1991 ist immer noch (ha!) sehr interessant, sehr merkwürdig und total schön. Ein butches Findelkind in Alaska geht in einer Stadt namens Kotzebue in die Bibliothek, um herauszufinden, wo sie herkommt, und verliebt sich dabei in Rosel Zech. Die spielt eine ostdeutsche Büchernärrin, die das Schicksal ans Ende der Welt verschlagen hat. Percy Adlons Streifen ist auch 30 Jahre nach seiner Entstehung wunderbar zart, zu recht sehr verliebt in seine Protagonistinnen und guckt Alaska aus einem sehr liebevollen Blickwinkel an. So viel Weltflucht muss sein.

Direktlink | Trailer zu "Salmonberries"


Freeheld

"Freeheld" wurde dem geneigten Publikum vor vier Jahren als Romanze verkauft, und genau das war das Problem. Denn der Film ist ein Justizdrama, das an Ellen Pages Stacie und Julianne Moores Hester eher als Bausteinen in einem Kampf um Bürgerrechte denn als Paar interessiert ist. Zumal die beiden Stars auch kein wirklich gelungenes abgeben. Das macht aber nichts, denn Steve Carrell und Michael Shannon sorgen in den wichtigen Momenten für etwas aktivistische Albernheit und gelungene, emotionale Tiefe. Um zu lernen, wie zwei amerikanische Frauen die Welt der US-Polizei grundlegend veränderten und dabei Gutes für ganz viele andere LGBTI taten, kann die Zuschauerin (und hoffentlich viele andere Zuschauer) schon mal zwei Stunden herumbringen. Ein spannende, ab und zu liebevolle Geschichtsstunde. (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "Freeheld"

Girl

Der belgische Film war eine der ganz großartigen Überraschungen der letzten Jahre. Lara will Balletttänzerin werden. Unter Vorbehalt wird sie an einer Ballettschule angenommen. Denn Lara lebt zwar noch im Körper eines Jungen, möchte das aber gern ändern und eine äußerliche Geschlechtsanpassung vornehmen. Doch der Leistungsdruck beim Tanzen ist enorm und sie setzt ihre OP aufs Spiel. Regisseur Lukas Dhont hat einen vielschichtigen Film über Träume und Identität gemacht, der von einem großartigen Auge für Tanz und Körper bestimmt ist. Man kann – und sollte – sich darüber streiten, ob Victor Polster als Lana vertretbar ist oder ob man die Rolle nur mit einer trans Schauspielerin hätte besetzen dürfen. Viele Zuschauer*innen hat der Film auch so tief berührt und mitgenommen, weil Polster unbestreitbares, geschlechterübergreifendes Talent hat. (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "Girl"

Other People

Man kann auf Netflix, gerade als queerer Filmnarr, echte Entdeckungen machen. Dieses autobiografische Indiedrama ist eine davon. Regisseur und Autor Chris Kelly erzählt in "Other People", wie er, weil seine Mutter Joanna sich dazu entschließt ihre Krebsbehandlung abzubrechen und in Würde zu sterben, für ein Jahr zurück "nach Hause" zieht und dabei lernt, als schwuler Sohn mit seiner Familie klarzukommen. Der Film ist sowas wie eine Komödie über Sex und den Tod. Viele hatten, als Kellys kleines Meisterwerk vor drei Jahren in die amerikanischen Kinos kam, sicher mit einer Oscarnominierung für Molly Shannon als Joanna und/oder den offen schwulen Jesse Plemons als Kellys Alter Ego Davis gerechnet. Und was die beiden hier als Mutter und Sohn abfackeln, ist auch schier atemberaubend in seinen Nuancen und Feinheiten. Am Ende hat man sehr gelacht, ziemlich geheult und gelernt, wie man sich mehr am Leben freut. Toller Film!

Direktlink | Trailer zu "Other People"

Coming Out

Warum sollten sich queere Mittzwanziger den ersten und einzigen schwulen Film der DDR-Geschichte angucken? Weil Regisseur Heiner Carow hierfür nicht umsonst 1990 den Silbernen Bären und den Teddy auf der Berlinale bekommen hat. "Coming Out" war, und ist, ein Film über jede Art von Außenseitertum, über Homophobie, Rassismus, Frauenfeinlichkeit, Antisemitismus und vieles mehr. Das hier hatte schon vor 31 Jahren, bevor es überhaupt das Wort gab, einen intersektionalen Ansatz, mit sehr leichter, feinfühliger Hand. Die Geschichte darüber, wie der Junglehrer Philip Klarmann er selbst wird, berührt immer noch mit ganzer Kraft. Und dann sind da natürlich so Sachen, wie diese Szene, in der Dagmar Manzel über Matthias Freihofs wunderschönem nackten Arsch saure Gurken isst und dabei lustvoll seufzt und sinnierend guckt, dass man sich vor Lachen am Boden wälzt. Wer wissen will, wie das (schwule) Leben im Osten so war und dabei die schönsten Sexszenen der deutschen Filmgeschichte sehen möchte, ist hier gut bedient. (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "Coming-Out"

God's Own Country

Kann man als Filmemacher die Folgen neoliberaler, europäischer Wirtschaftspolitik auch als große, wunderbare Liebesgeschichte zwischen zwei Schafhirten in Yorkshire erzählen? Regisseur und Drehbuchautor Francis Lee kann – und rollte mit seinem, mit Preisen zugeschütteten Indie vor drei Jahren den europäischen Filmmarkt von hinten auf. Josh O'Connor ("The Crown"s Prinz Charles) und Alec Secareanu verlieben sich in der kargen Landschaft von Lees Heimat so wild und zart und überzeugend ineinander, dass man das schon gesehen haben muss, um es zu glauben. Dadurch wirkt die immer präsente Sozialkritik des Films noch stärker, denn das hier passiert echten Menschen, mit echten Leben, mit denen das Publikum leidet, sich freut und denen es ihr letztendliches, vielleicht stilles, aber sehr großes Glück einfach nur gönnt. (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "God's Own Country"

Wild Nights with Emily

Emily Dickinson gilt als eine der wichtigsten Dichterinnen der Weltliteratur und als eine Frau, die den größten Teil ihres Lebens genial in ihrem Zimmer verbracht hat. Dass sie über Jahrzehnte eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit ihrer Jugendfreundin und späteren Schwägerin Susan Gilbert führte, wussten zu ihrer Lebzeit nur wenige. Auch nach Emilys Tod wurde die Beziehung vom literarischen Esteblishment verheimlicht, ihre erst nach ihrem Tod veröffentlichten Gedichte wurden vielfach umgeschrieben und Dickinsons Liebesbriefe an Susan mit männlichen Adressaten versehen. Das wollte Regisseurin Madeleine Olneks nicht so stehen lassen. Ihre Komödie "Wild Nights with Emily" zeigt eine literarisch lesbische Liebe, die sich auch durch Umschreiben über Jahrhunderte nicht unterdrücken lässt. Und es ist (siehe "Other People") der zweite Teil des "Molly Shannon ist die Größte"-Queer-Filmfestivals, wenn man es denn veranstalten will. Die Schauspielerin holt aus ihrer Emily jeden Funken Lebensfreude, den sie hergibt. Großes Kino! (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "Wild Nights with Emily"

Der Staat gegen Fritz Bauer

Regisseur Lars Kraume heimste für sein historisches Drama vor vier Jahren zu Recht einen Sack voll Preise ein. Der Film erzählt davon, dass es im Nachkriegsdeutschland schwieriger war, schwul zu sein als ein Nazi, und dass sich Fritz Bauer davon bei der Verfolgung der Gründerväter des Dritten Reiches als Staatsanwalt nicht stören ließ, obwohl es seine Kollegen sehr versucht haben. Bauer war Jude, schwul und links. Keine ganz einfache Kombination in den Fünfzigerjahren. Das wird durch ein Schauspielerensemble, wie es nicht oft welche gibt, angeführt von einem brillianten Burghart Klaußner als Bauer und Ronald Zehrfeld als seinem jungen Kollegen, auf beschwingte Füße gehoben und guckt sich fast zwei Stunden lang sehr charmant weg. (Ausführliche Filmkritik auf queer.de)

Direktlink | Trailer zu "Der Staat gegen Fritz Bauer"

The Untold Tales of Armistead Maupin

Armistead Maupin ist mit "Stadtgeschichten" längst zum Übervater der queeren Literaturgeschichte der letzten 50 Jahre geworden und eine Ikone. Eine vergnügte, lebendige, sexy Ikone, die sich in dieser feinen, kleinen Dokumentation über sein Leben mal so richtig feiern lässt. Amanda Palmer, Kate Bornstein, Neil Gaiman, Laura Linney und eine ganze Horde anderer Weltstars lobhudeln, dass es nur so kracht, wir bekommen spannende Geschichten aus den letzten fünf Jahrzehnten queerer Herstory und History serviert und vorgeführt, dass man mit Büchern sehr wohl die Welt verändern kann, wenn man sich dabei nicht so furchtbar ernst nimmt und immer schön weiter kifft, egal was passiert. Außerdem erfahren wir, warum "Frozen" und "Glee"-Schnuckel Jonathan Groff der einzig wahre Armistead wäre, sollte irgendwer mal auf die Idee kommen, hieraus einen Spielfilm zu machen. Jetzt auf Netflix. Angucken!

Direktlink | Trailer zu "The Untold Tales of Armistead Maupin"

Noch ein Hinweis für alle, die lieber kaufen als streamen: Die queeren Buchläden sind ein unersetzbarer Teil der Community in Deutschland und bieten während der Corona-Krise versandkostenfreie Lieferung bis zur Wohnungstür an. Kauft eure Blu-Rays und DVDs bitte dort, auch online, um sie zu unterstützen. Es darf gehamstert werden – zum Beispiel bei Eisenherz.

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnent*innen bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 schon altAnonym
  • 20.03.2020, 00:14h
  • Leider wird, wie so häufig Intersektionalität als ein Modewort dargestellt, welches es erst sei 5 Jahren gäbe. Konkret in der FIlmbeschreibung für 'Coming Out'. Der Begriff Intersektionalität ist 1989 von Kimberle Crenshaw geprägt worden und hat vor allem in Schwarzen (hetero als auch queer) aktivistischen Kreisen viel Anklang gefunden. Dass der Begriff bekannter geworden ist in Europa und Deutschland ist neuer, aber das liegt nicht an dem Begriff ;) Und natürlich hat es auch schon davor und auch während der 90er verschiedene Auseinandersetzung mit Mehrfachdiskriminierung und unterschiedlichen Formen von Diskriminierung gegeben und das ist super! Aber dabei müssen wir ja nicht einen so hilfreichen Begriff wie Intersektionalität ein bisschen ins Lächerliche ziehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 HomeOfficerAnonym
  • 20.03.2020, 07:57h
  • Wie kommt ihr darauf, dass ich jetzt mehr Zeit hätte, Filme zu schauen. Schön wär's. Aber ich muss ohne Unterlass weiter im HomeOffice arbeiten. Es ist für mich sogar noch deutlich mehr Arbeit geworden als vor der Krise. :-(
  • Antworten » | Direktlink »
#3 AuchAnonym
  • 20.03.2020, 08:22h
  • Antwort auf #2 von HomeOfficer
  • Die meisten haben trotzdem nach den Home Office oder am Wochenende Freizeit. Du wirst ja nicht 19 Stunden am Tag arbeiten?
    Die Freizeit kann man normalerweise frei gestalten, nur jetzt ist das mehr oder weniger auf die eigenen vier Wände beschränkt. Besuche sollen auch vermieden werden. Da findet jeder Zeit für gute Literatur. Wenn er denn möchte.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Leon 4Anonym
  • 20.03.2020, 09:39h
  • Antwort auf #3 von Auch
  • Siehste @ home office, jetzt weißt zum Glück bescheid... Und denk dran: jetzt wo du endlich die Definition von Freizeit kennst verwerfe die Empfehlungen des Artikels und wende dich "guter Literatur" zu (was auch immer das sein mag.... oO)
  • Antworten » | Direktlink »
#5 HomeOfficerAnonym
  • 20.03.2020, 13:56h
  • Antwort auf #3 von Auch
  • Es geht mir darum, dass im Moment gerne so getan wird, als hätten wir alle bezahlten Urlaub und nix als Stinklangeweile. Dem ist überhaupt nicht so! Viele von uns kämpfen derzeit mit dem wirtschaftlichen Überleben und das wird noch viel, viel schlimmer werden!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 MattAnonym
  • 01.04.2020, 17:52h
  • Zu "Other People": Jesse Plemons ist nicht offen schwul - er ist offen hetero, nämlich mit der Schauspielerin Kirsten Dunst liiert.
  • Antworten » | Direktlink »