Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35740

Drei Tüten Meth und eine Hochzeit

Das Ende einer politischen Karriere in Amerika

In einem Hotelzimmer in Miami wurden drei Männer aufgegriffen. Einer von ihnen ist ein nach einer Überdosis Crystal Meth kollabierter schwuler Sexworker. Ein anderer der Beinahe-Gouverneur und heterosexuelle Familienvater Andrew Gillum.


Andrew Gillum war zwischen 2014 und 2018 Bürgermeister von Tallahassee, der Hauptstadt von Florida. Bei der Wahl 2018 um das Gouverneursamt des US-Bundesstaats unterlag der Politiker der Demokratischen Partei nur knapp

Wir bleiben mal bei den Fakten: Andrew Gillum galt bislang als aufsteigender Star in der Demokratischen Partei der USA. 2018 war er bei der Wahl um das Amt des Gouverneurs des Bundesstaates Florida nur knapp dem republikanischen Gegner unterlegen. Hauptberuflich kommentiert er politische Ereignisse auf CNN und MSNBC – oder hat das zumindest bis letzte Woche getan. Er ist verheiratet, mit einer Frau, und hat drei Kinder.

Am Freitag der letzten Woche wurde der Notarzt zu einem Hotelzimmer in South Beach, dem schwulsten Teil von Miami, gerufen. Die Sanitäter fanden, als sie den Raum betraten, drei Männer vor – und wenig später drei Plastiktütchen mit einer weißen, körnigen Substanz. Bei der handelte es sich, so stellte sich nach Laboruntersuchungen heraus, um Crystal Meth.

Es war ein relativ klares, wenn auch aufgeregtes Bild: Einer der Männer im Zimmer versuchte, den nach einer Überdosis auf dem Bett kollabierten zweiten Mann wieder zu Bewusstsein zu bringen. Der dritte Mann übergab sich derweil im Bad und war mindestens so betrunken, dass er erst deutlich später überhaupt vernehmungsfähig war. Dieser Mann war Andrew Gillum. Der bewusstlose der drei Männer arbeitet als schwuler Sexworker. Festgenommen wurde niemand.

- Werbung - Video - BEAUTIFUL DESTINATION MALTA

"Ich gebe zu, zu viel getrunken zu haben"

Gillum war jedoch "unfähig, auf Fragen der Polizei zu antworten", und stand, neben Alkohol, wohl noch unter dem Einfluss einer anderen Substanz, sagte aber, er habe "sich nicht am Konsum von Drogen beteiligt". Und zwar noch am Morgen des gleichen Tages, in einem Statement gegenüber den Medien.

"Ich war letzte Nacht bei einer Hochzeitfeier, als der Notarzt gerufen werden musste, um einem meiner Freunde zu helfen. Ich gebe zu, zu viel getrunken zu haben, habe aber keine Methamphetamine genommen", heißt es in Gillums Aussage: "Ich entschuldige mich bei meinen Unterstützern in Florida für die Unruhe, die das in unsere Bewegung bringt. Für die fantastische Arbeit der Rettungssanitäter bin ich sehr dankbar. Ich werde die nächsten Wochen mit meiner Familie verbringen und bitte darum, meine Privatsphäre in dieser Zeit zu respektieren."

Am Sonntagabend veröffentlichte der Politiker eine weitere Pressemitteilung und gab bekannt, er werde sich wegen seines Alkoholmissbrauchs einer Therapie in einem Rehabilitations-Zentrum unterziehen: "Nach langen Gesprächen mit meiner Familie und gründlicher Selbstreflektion, habe ich mich dafür entschieden, mir Hilfe zu suchen", erklärte Gillum – und lieferte eine ausführliche Begründung: "Seit dem Ende meines Wahlkampfes bin ich einer Depression verfallen, die dazu geführt hat, dass ich Alkohol missbraucht habe. Mein Vater war Alkoholiker und ich wurde als Kind Zeuge seiner Erkrankung. Ich weiß um den Schaden, den sie anrichten kann, wenn sie unbehandelt bleibt." Ebenso sei ihm bewusst, dass Alkoholismus "oft nur ein Symptom für noch größere innere Kämpfe" sei, schrieb der Politiker. "Ich möchte an mir als Mensch arbeiten können, und heilen, um dann der Welt als vollständigere Person wieder gegenübertreten zu können. Das alles war und ist ein wichtiger Moment für mich."

Homophober Spott vom politischen Gegner

Das ist er leider auch für die Republikaner. Matt Gaetz, der für sie den Bundesstaat Florida im US-Repräsentantenhaus vertritt, twitterte über Gillum, seinen nun ehemaligen politischen Rivalen: "Wir alle sollten @AndrewGillums Privatsphäre respektieren, während er zu erklären versucht, warum er einer von drei Männern in einem Hotelzimmer mit drei Tüten Meth war und zu breit, um mit der Polizei zu sprechen. Ich weiß, was sie alle denken: Das ist in Zeiten von Covid-19 wirklich nicht sonderlich hygienisch." Und er fügte, in einem zweiten Tweet hinzu: "Nur einer von uns beiden nimmt Meth in Hotelzimmern mit anderen Jungs: Du!"

Für so etwas ist die Demokratische Partei der USA mitten im Präsidentschaftswahlkampf sicher nicht dankbar.

Aber, bleiben wir bei den Fakten: Ein verheirateter hetero Mann mit drei Kindern wird, mindestens sehr betrunken, in einem Hotelzimmer in Miami mit Drogen und einem bewusstlosen schwulen Sexworker aufgegriffen und redet danach darüber, ein vollständigerer Mensch zu werden, während die politische Konkurrenz ihn offen und homophob verspottet. So klingt das Ende von politischen Karrieren in Amerika.



#1 JarJarProfil
  • 20.03.2020, 08:20hKiel
  • Erinnert mich ein wenig an die Little Britain Sketche, wo der Politiker mit der Familie vor die Presse tritt und immer erklärt es sei ein ganz blödes Missverständnis dass er beim Sex mit em Typen erwischt wurde...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 JuIian SAnonym
  • 20.03.2020, 10:21h
  • Antwort auf #1 von JarJar
  • Solche Geschichten sorgen dafür, dass die Glaubwürdigkeit von Politikern immer weiter sinkt. Einfach zugeben, dass er schwul ist, sich mit nem Stricher mit Meth und Alk zugedröhnt hat, es ein Fehler war und er sich Hilfe suchen will, würde viel besser ankommen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 andreAnonym
  • 20.03.2020, 18:40h
  • Antwort auf #1 von JarJar
  • Mußte ich auch sofort dran denken. lach. Da gibts mehrere Sketche. Travis Dyson, der schwule Escort und Porno-Darsteller, der auch Massagen anbietet (nypost) sieht eigentlich ganz nett aus wenn man googlt. Da kann schon mal das Gedächtnis nachlassen. Für die Demokraten sicher unschön. Aber irgendwie doch menschlich was der Mann gemacht hat. Das zählt aber in der Politik nicht. Im Gegenteil. Da wird man sofort geteert und gefedert.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 perissoteronAnonym
  • 20.03.2020, 23:38h
  • In der Nachkriegs-BRD war es über Jahrzente Konsens, dass die Medien solche 'Vorfälle' möglichst diskret behandeln (anonymisiert oder verschweigen). Heutzutage gehen existenzbedrohende sexuelle Meldungen mit einer Geschwindigkeit um den Erdball, dass einem schwindlig wird..
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Leon 4Anonym
  • 21.03.2020, 08:03h
  • Antwort auf #4 von perissoteron
  • Ja genau, queer.de als berichtendes Medium ist schuld das es Menschen gibt die es eher ungeil finden wenn ihr gewählter Entscheidungsverantwortliche sich mit meth zudröhnt.... oO

    Sry, aber so ne Position und dann meth... Nope, is net....
  • Antworten » | Direktlink »
#6 VollmilchAnonym
  • 21.03.2020, 10:32h
  • Antwort auf #5 von Leon 4
  • Atme noch mal tief durch, überlege, dann kommentiere. Und weniger Denglish und gezwungener Jugendslang machen deine Kommentare eventuell lesbarer und verständlicher?

    Es ging perissoteron vielleicht weniger um den Bericht von queer.de als um die umgehende Veröffentlichung vor Ort und der umgehend erforderlichen Selbstgeisselung des Delinquenten?
    Und natürlich kommt sofort ein Steinigt ihn!.
    Es war zwar keiner außer den Dreien dabei, aber ein Urteil ist fix zur Hand.
    Da lief halt etwas aus dem Ruder.
    Und die spätere Reaktion des (noch verheirateten) Politikers in dieser medialen Welt irgendwie nachvollziehbar.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 TheDadProfil
  • 21.03.2020, 11:28hHannover
  • Antwort auf #2 von JuIian S
  • ""Solche Geschichten sorgen dafür, dass die Glaubwürdigkeit von Politikern immer weiter sinkt.""..

    Ein weiterer Aspekt :
    Wir erwarten von verheirateten Männern das sie Hetero sind..
    Stellt sich dann heraus, dies ist aber gar nicht der Fall, dann sind es nur unsere Erwartungshaltungen die zerstört werden, und nicht unbedingt die"Glaubwürdigkeit" von Politikern, welche bei Licht betrachtet nämlich gar nicht mit der unterstellten Heterosexualität korrelieren oder korrespondieren..

    Wenn ich mich so tief herablassen würde die "Glaubwürdigkeit von Politikern" an ihrem Privatleben zu messen, dann handelte ich exakt so, wie man es von der Gesellschaft gewohnt ist, man "moralisiert", weil man unterstellt bestimmte Vorgaben müßten erfüllt sein..
    Doch dazu besteht gar kein Anlass..
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TheDadProfil
  • 21.03.2020, 11:31hHannover
  • Und wieder wurde eine "hoffnungsvolle politische Karriere" durch die Heteronormativität beendet..

    Da kann man sich nur noch auf den Programm-Titel von Wolfgang Trepper und Mary Roos besinnen :

    "Nutten, Koks und frische Erdbeeren"..

    Who cares ?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Leon 4Anonym
  • 21.03.2020, 14:49h
  • Antwort auf #6 von Vollmilch
  • Uh, wenn mein denglish dich überfordert is des dein problem, pcks auf deine liste, mit irgendwas musst deinen pejorativen Habitus ja füllen.....

    "es waren nur die drei dabei"... Yo, und McGowan war auch allein mit Weinstein, so what... Als öffentliche Person in entscheidender Position nicht auf irgendwelchen methpartys abzuhängen versteht sich wohl von selbst, immerhin haben dir die Menschen ihr Vertrauen geschenkt, den Abstrich kein meth zu nehmen musst dann halt machen... Weiter entsteht Vertrauen durch glaubwürdigkeit, das diese kaputt geht wenn dein Verhalten mit dem von dir öffentlich präsentierten Bild kollidiert gibt's da logischerweise Risse in der Fassade....

    Und.... Ja, ihr habt vollkommen recht, in Zeiten des Internets verbreiten sich Nachrichten und Meldungen schneller und weiter als in der Zeit davor.... Willkommen im Neuland, du wirst geschockt sein wenn ich dir erkläre was ein elektronischer Brief ist....
  • Antworten » | Direktlink »
#10 VollmilchAnonym
  • 21.03.2020, 19:28h
  • Antwort auf #9 von Leon 4
  • Deine Kommentare können nicht überfordern! Vielleicht nur dich?
    Fällt dir Deutsch schwer?

    Jetzt wird auch noch der Bogen zu Weinstein gezogen? Von einer sexuellen Übergriffigkeit habe ich im Artikel nun gar nichts gelesen?

    Deine Urteile die du dir hier so anmaßt, werfen natürlich ein entsprechendes Bild auf DICH. So ein wenig wie die homophoben Krakeeler, von denen man dann meist viel später und kleinlaut vom Coming Out erfährt.
  • Antworten » | Direktlink »