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Interview

Gloria Gray ist Deutschlands erste trans Kreisrätin

Die parteilose Entertainerin zog für die FDP mit einem sensationellen Wahlergebnis in den Kreistag von Regen im Bayerischen Wald ein. Und sagt selbst: "Es war an der Zeit."


Gloria Gray, Jahrgang 1965, ist als Schauspielerin, Sängerin, Autorin, Unternehmerin, Fotomodell und Entertainerin bundesweit bekannt

Die Kommunalwahl in Regen im Bayerischen Wald am vergangenen Sonntag war eine historische. Ja, die CSU bleibt stärkste Fraktion im Kreistag, aber die Grünen haben stark hinzugewonnen, und mit sensationellen 7.688 Stimmen bzw. 13,66 Prozent der Stimmen zieht mit Gloria Gray erstmals eine trans Abgeordnete in einen deutschen Kreistag ein. Sie profitierte davon, dass die Wähler*innen in Bayern ihre Stimmen ganz gezielt einzelnen Bewerber*innen ihres Vertrauens geben können.

Dass sie als Parteilose auf der Wahlliste der FDP kandidieren wollte, hatte Gray im vergangenen Oktober bekanntgegeben (queer.de berichtete). Im Dezember wurde sie aufgestellt. Die Liberalen freuten sich über den "weit über die Region hinaus bekannten Neuzugang".

Bereits 2016 hatte Gray als unabhängige Kandidatin bei der Bürgermeisterwahl in Zwiesel kandidiert und mit 20,1 Prozent den dritten Platz und einen Achtungserfolg erzielt (queer.de berichtete). Die 54-Jährige, die sich mit Mitte zwanzig geschlechtsanpassenden Operationen unterzog, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Deutschen Schauspielakademie in München und arbeitet seitdem als Sängerin, Showmasterin, Fotomodell und Entertainerin. Im Jahr 2010 kehrte Gray in ihren Heimatort Zwiesel zurück.

Der bayerische Landkreis Regen hatte schon einmal queere Geschichte geschrieben: Von 2011 bis 2017 gab es dort mit dem SPD-Politiker Michael Adam einen offen schwulen Landrat (queer.de berichtete). Nach Sexdates im Dienstzimmer und einem Coming-out als alkoholkrank trat er nicht zur Wiederwahl an (queer.de berichtete).

Gloria Gray will im Regener Kreistag als "Botschafterin aus Überzeugung für die Heimat" arbeiten. Besonders wichtig sind ihr u.a. die Schaffung einer größeren Plattform für Kunst und Kultur in der Region, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Zwiesel und die Straßeninfrastruktur. Die Künstlerin gab queer.de nach ihrer Wahl ein kurzes Interview.


Grays Wahlplakat: "Denn es braucht Menschen, die etwas bewegen"

queer.de: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl in den Regener Kreistag! Wie fühlt es sich an, Deutschlands erste Kreisrätin "mit trans Hintergrund", wie Sie sagen, zu sein?

Gloria Gray: Vielen Dank der Nachfrage! Es fühlt sich sehr gut und richtig an – es war an der Zeit!

Hat Sie das positive Wahlergebnis überrascht? Wenn ja, warum? Wenn nicht, warum nicht?

Wenn man sich auf so einen Wahlkampf einlässt, rechnet man sich natürlich von vorn herein gewisse Chancen aus, aber dass das Ergebnis gleich so gut für mich ausfallen würde, damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet.

Warum haben Sie als Parteilose auf der FDP-Liste kandidiert?

Um zu kandidieren, muss man auf einer Liste sein, und da mir viele der liberalen FDP-Politiker sehr sympathisch sind und sich die Listenkollegen sehr aufgeschlossen und kollegial mir gegenüber verhielten, fühlte ich mich in unserem Kreis bei der FDP gut aufgehoben, als ich mich im Dezember aufstellen ließ. Was dann in Thüringen bei der Landtagswahl abging, konnte vorher keiner ahnen. Umso erstaunlicher ist mein persönliches Wahlergebnis für mich.

Der Frauenteil im Kreistag ist auf 30 Prozent angestiegen, die Grünen ziehen mit 60 Prozent Frauen ein, die FDP-Fraktion im Kreistag wird zu 100 Prozent aus Frauen bestehen, auch wenn die Fraktion nur zwei Abgeordnete hat. Glauben Sie, dass die politische Arbeit dadurch anders wird?

Spannende Frage, vielleicht. Das wird die Zukunft zeigen – fragen Sie mich doch bitte in einem Jahr nochmal. Ich weiß im Moment nur, dass ich mich mit all meinen weiblichen und männlichen Anteilen in das Amt und die Aufgaben hineinbegeben werde und dadurch auf viele interessante spannende und vielleicht sogar außergewöhnliche Resultate hoffe.

Ihre Heimat muss sich oft mit dem Vorurteil auseinander setzen, nicht besonders fortschrittlich zu sein. Stimmt das?

Ich weiß, dass dieses Klischee schon lange an den Menschen des Bayerischen Waldes haftet, denke aber, dass auch die Wahl von mir zur Kreisrätin bestens das Gegenteil bestätigt.

Mit ihrer Kandidatur sorgte Sie für überregionales Medieninteresse: Gloria Bavaria ??. Mit eurer Stimme wird Gloria Gray…

Gepostet von FDP Kreisverband Regen am Dienstag, 21. Januar 2020
Facebook / FDP Kreisverband Regen | Endlich "Glamour" im Kreistag



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#1 Martin Egon DöringerAnonym
#2 FinnAnonym
  • 21.03.2020, 15:33h
  • Herzlichen Glückwunsch.

    Ich hoffe, sie kann viel bewegen und zum Positiven verändern.

    Und dass es in Zukunft für Politiker, aber auch in jedem anderen Job, egal ist, ob man schwul, lesbisch, bi, trans, inter oder was auch immer ist...
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#3 WindheimerAnonym
  • 21.03.2020, 19:48h
  • Ich zweifle sehr, ob sie sich politisch engagiert oder ob es ihrer persönlichen Profilierung geschuldet ist.....und wenn Sie der Partei wegen Thüringen kritisch eingestellt sei, was sie ja andeutet., kann sie ja immer noch als Listenlose weiter Politik machen.
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#4 RyluriAnonym
#5 CanadianSarahAnonym