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Heimkino

Wenn sich zwei Lesben unbedingt ein Baby wünschen

In "Mom + Mom" müssen Karole und Ali absurde Hürden bewältigen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Die italienische Dramödie ist der passende Film für den Frühlingsanfang – federleicht, kurzweilig und warm.


Karole und Ali wünschen sich ein Kind – doch das ist leichter gesagt als getan (Bild: Pro-Fun Media)
  • Von Fabian Schäfer
    27. März 2020, 11:21h, noch kein Kommentar

Wo ist das Baby?! Im Kinderwagen ist es nicht. Die Kleine ist einfach weg. Karole (Linda Caridi) wird panisch, sie sucht die Umgebung ab, rennt über die Erde, die vor Trockenheit aufgeplatzt ist. Zum Glück bekommt sie von ein paar Frauen die Nummer von Maria, Mutter Gottes, bei der sie anrufen kann. Ach, was – alles nur ein Traum. Aber was für einer.

Das Baby – oder eigentlich das, was Karole und Alessia (Maria Roveran) nicht haben, aber sich so sehnlichst wünschen – bestimmt den Alltag des lesbischen Paares. Sie können an nichts anderes mehr denken, es verfolgt sie bis in ihre Träume.

Die zwei Italienerinnen sind glücklich, doch den Kinderwunsch können sie sich in ihrer Heimat nicht erfüllen. Die Lösung: künstliche Befruchtung durch In-vitro-Fertilisation (IVF) in Barcelona. Im Wartezimmer der Praxis weckt eine riesige, glänzend-silberne Schnuller-Skulptur Hoffnungen. Doch beim ersten Mal klappt's nicht. Ali bekommt ihre Tage.

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Was für eine Reaktion auf ein Coming-out!


Pro-Fun Media hat "Mom + Mom" mit deutschen Untertiteln fürs Heimkino veröffentlicht

"Mom + Mom" baut auf autobiografische Erfahrungen der Regisseurin Karole Di Tommaso auf, die auch das Drehbuch schrieb. Ihr Mix aus Komödie und Drama begleitet das junge Paar auf dem beschwerlichen Weg zum eigenen Kind.

Sie könnte daraus einen allzu politischen oder kritischen Film machen. Italien war immerhin das letzte westeuropäische Land, das 2016 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingeführt hat, ohne Adoptionsrecht. Macht die Regisseurin aber nicht, und sie tut gut daran. Die wenigen dahingehend kritischen Worte kommen ausgerechnet von Karoles Vater, der auf ihr offenbar spätes Coming-out fast achselzuckend reagiert. "Was ist das Problem? Die Hennen sind ja auch gerne zusammen. Den Hahn brauchen sie nur, um Eier zu legen." Was für eine Reaktion auf ein Coming-out! In Italien, auf dem Land. Und wenn's kein italienischer Hahn sein kann, muss eben ein spanischer herhalten.

"Mom + Mom" weckt die Sehnsucht nach Sonne

Stattdessen macht Karole Di Tommaso einen federleichten Sommerfilm daraus. Die Verzweiflung, als es auch beim zweiten Mal nicht klappt, die Nerven, die bei all den Kosten blank liegen, sprechen ohnehin für sich. Die Kritik am Staat muss da gar nicht ausgesprochen werden. Wie die zwei so langsam durchdrehen, ist Zeugnis dafür genug.

Eingetaucht ist das alles in warmen, orange-gelben Tönen, Großvaters knallroter alter Fiat streift durch die italienische Landschaft, die italienischer nicht sein könnte. Ein Film, der passenderweise zum Frühlingsanfang hierzulande auf DVD herauskommt – und der die Sehnsucht nach Sonne und Wärme (und einem Baby) weckt. Einzig für eine zart-erotische Szene im Pool der Fähre nach Spanien wechseln die Farben ins Kühl-Blaue.

Eine kurzweilige, süße Mischung aus Komödie und Drama

Einige fantastisch-träumerische Szenen lockern das Geschehen auf, behalten die ganze Zeit über ihre Mehrdeutigkeit. Die Kameraarbeit (Sara Purgatorio) beweist immer wieder kreative Kniffe, und der Soundtrack von Giulia Anania und Marta Venturini wechselt stimmig zwischen Elektro- und Gitarrenklängen.

Und doch ist "Mom + Mom" dann auf lange Sicht zu vorhersehbar und redundant. Alis Exfreund Andrea, der noch bei den beiden wohnt und dessen Zimmer auf Airbnb vermietet wird, um die IVF-Kasse zu füllen, wirkt oft deplatziert und statistenhaft, seine Rolle wenig ausgearbeitet oder nachvollziehbar. Manche komischen Ideen wirken bemüht bis eigenartig-klamaukig, etwa die "durchgedrehte" Chinesin, die zum Flughafen gefahren werden muss. Dass der Wohnungsschlüssel ausgerechnet abbricht, als Karole und Ali es eilig haben, nach Barcelona zu kommen – ein zu tiefer Griff in die alte Mottenkiste. Ja, sie klettern über den Balkon rein, so viel darf verraten werden.

Ein paar besser ausgearbeitete Nebenstränge hätten dem so allzu monothematischen Film gutgetan. Aber "Mom + Mom" bleibt insgesamt doch eine kurzweilige, süße Mischung aus Komödie und Drama mit einigen kreativen Ideen, getragen vor allem von zwei Darstellerinnen, bei denen die Chemie stimmt.

Direktlink | Deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Mom + Mom. Drama. Italien 2018. Regie: Karole Di Tommaso. Darsteller*innen: Linda Caridi, Maria Roveran, Andrea Tagliaferri, Silvia Gallerano, Stefano Sabelli, Anna Bellato, Giulio Maroncelli, Lilith Primavera. Laufzeit: 80 Minuten. Sprache: italienische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 0. Pro-Fun Media
Galerie:
Mom + Mom
10 Bilder