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"Making the Cut"

Warum es sich lohnt, bei Tim Gunn und Heidi Klum einzuschalten

Mit der neuen Design-Competition "Making the Cut" versucht Amazon Prime, an die früheren Glanzzeiten von "Project Runway" anzuknüpfen. Mit queeren Kandidat*innen und Juror*innen macht die Show viel Spaß.


Stets etwas skeptischer Experte für Mode und junge Männer: Designprofessor Tim Gunn (li.) moderiert zusammen mit Heidi Klum die neue Amazon-Eigenproduktion "Making the Cut" (Bild: Amazon Studios)

Man mag es ihrem eigenen Kleidungsstil nicht immer ansehen, aber Heidi Klum versteht durchaus etwas von Mode. Und vor allem von der Modebranche. Zumindest dem amerikanischen Fernsehpublikum ist das längst bekannt, schließlich wurde Klum dort mit der Sendung "Project Runway" zum Star, die Ende 2004 Premiere feierte (also rund ein Jahr, bevor "Germany's Next Topmodel" überhaupt an den Start ging). Hierzulande können wir uns seit Freitag auch davon überzeugen: Seit dem 27. März ist bei Amazon Prime die Design-Competition "Making the Cut" zu sehen, mit zwei neuen Folgen pro Woche.

An dieser Stelle muss nun wohl ein kleiner, erklärender Einschub erfolgen, denn den deutschen Zuschauer*innen wurde "Project Runway", wo Klum immerhin 16 Staffeln lang als Moderatorin und Jury-Mitglied tätig war, größtenteils vorenthalten. Kurzzeitig gab es mal ein paar Staffeln auf einem winzigen Kabelsender zu, dann eine Wiederholung bei Viva und auch Netflix zeigte die Show vorübergehend. Derzeit ist Staffel 12 bei TVNow zu sehen, während im US-TV gerade die 18. zu Ende ging.

Für alle Nicht-Eingeweihten deswegen kurz zusammengefasst: in der Sendung konkurrieren Modedesigner*innen gegeneinander, und zwar nicht – wie etwa beim "Great British Bake Off" – Amateure, sondern solche, die tatsächlich diesem Beruf nachgehen. Zu gewinnen gibt's am Ende einen ordentlichen Batzen Geld, eine Modestrecke in einem renommiertem Magazin und ähnliches.

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Eine Show als Vorreiterin in Sachen queerer Sichtbarkeit


Poster zur Serie: "Making the Cut" läuft seit 27. März auf Amazon Prime

Mit krawalligem Trash à la "America's Next Topmodel" hatte das nie viel zu tun, sondern war stets so ernsthaft und hochwertig umgesetzt, dass neben Klum erfolgreiche Modegrößen wie Michael Kors und Zac Posen in der Jury saßen, sich prominente Gäste die Klinke in die Hand drückten (Sarah Jessica Parker! Diane von Fürstenberg! Victoria Beckham! Cindy Crawford! RuPaul!) und es Preise regnete. Kein Wunder genießt Heidi Klum als Emmy- und Peabody-Award-Gewinnerin in den USA einen anderen Ruf als hierzulande…

Gemeinsam mit anderen Reality-TV-Formaten wie "American Idol" oder "Queer Eye For the Straight Guy", die zu Beginn des neuen Jahrtausends zu Quotenrennern wurden, trug nicht zuletzt auch "Project Runway" zu den großen Sprüngen in Sachen queerer Sichtbarkeit auf dem Bildschirm bei, die in den vergangenen 20 Jahren gemacht wurde. Staffel für Staffel gingen reihenweise LGBTI-Kandidat*innen in den Show an den Start, darunter auch Christian Siriano, der Gewinner der 4. Staffel, dessen Entwürfe heute auf jedem roten Teppich Hollywoods zu finden sind und der seit zwei Jahren selbst bei der Show mitwirkt.

Die Sendung, in der in Staffel 8 der Designer Mondo Guerra seine HIV-Infektion öffentlich machte, gilt bis heute als einer wichtigsten Fernsehmomente der letzten zehn Jahre. Und mit dem Designprofessor Tim Gunn, der den Teilnehmer*innen im Atelier als Mentor zur Seite stand, hatte Klum außerdem einen schwulen Mann als Mitstreiter, der mit Sachverstand, Eleganz und Emotionalität sowie seinem Motto "make it work!" schnell zum absoluten Fanfavoriten wurde (und seither allerlei Bücher veröffentlichte).

Das Comeback des Duos Klum und Gunn


In Paris knutscht Heidi Klum sogar ihren schwulen Co-Moderator Tim Gunn auf dem Runway (Bild: Amazon Studios)

Gemeinsam nahmen Klum und Gunn 2017 bei "Project Runway" den Hut – und wagen nun mit "Making the Cut" einen Neustart. Allzu groß sind die Unterschiede nicht: elf durchaus etablierte Kandidat*innen aus aller Welt designen Woche für Woche Outfits, um eine illustre Jury zu beindrucken. Das Preisgeld ist höher (eine Million Dollar!), die Locations internationaler (Paris! Tokio!) und der Fokus liegt sehr darauf, dass die Designer*innen ein Selbstverständnis als Marke entwickeln.

Was ganz im Sinne von Amazon sein dürfte, wo man nach jeder Folge den Gewinner-Look direkt kaufen kann. Ansonsten gibt es relativ wenig Vorgaben, so dass etwa auch Männer-Outfits entworfen werden dürfen und künstlich erzeugte Dramatik (etwa durch Teamarbeit oder Materialverknappung) kaum eine Rolle spielt.

Die private Seite der Designer*innen spielt ebenfalls eine untergeordnete Rolle, was ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Queerness – so vorhanden – mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit an den Tag zu legen. Oder eben auch nicht. Dafür gilt es hin und wieder unnötige Einspieler zu ertragen, in denen Klum und Gunn gemeinsam beim Fechten oder einem Besuch im Moulin Rouge zu sehen sind.

Naomi Campbell und Joseph Altuzarra in der Jury

Großen Anteil daran, dass "Making the Cut" zwar den früheren Glanzzeiten von "Project Runway" nicht das Wasser reichen kann, aber trotzdem beträchtlichen Spaß macht, haben in jedem Fall (ausgehend von den ersten sechs der Presse zur Verfügung gestellten Folgen) die neuen Juror*innen, neben dem schwulen Designer Joseph Altuzarra oder Nicole Ritchie allen voran Naomi Campbell, die – mal bitchy, mal leidenschaftlich emotional – allen anderen die Show stiehlt.

Und tatsächlich die Mode selbst! Denn was die Kandidat*innen, unter denen die Berlinerin Esther Perbrant mit ihrem Händchen fürs Androgyne und der avantgardistisch inspirierte Belgier Sander Bos erste Favorit*innen sind, von Folge zu Folge kreieren, kann sich größtenteils mehr als sehen lassen.