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Sachbuch

Der erste stolze Schwule

Im Männerschwarm Verlag ist die erste Monografie zum Werk des Journalisten und Schriftstellers Felix Rexhausen erschienen. Eine spannende Rückbesinnung auf einen wichtigen queeren Autor!


Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) weihte im Dezember 2015 den Kölner Felix-Rexhausen-Platz ein (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)
  • 1. April 2020, 12:12h, noch kein Kommentar

Felix Rexhausen (1932-1992) gehörte als Schriftsteller, Journalist und Satiriker zu den wenigen Störenfrieden, die schon zu Beginn der Sechzigerjahre dem Mief der Adenauer-Ära den Kampf ansagten. Seine undogmatische Vernunft war der Ideologie der Zeit in vielem voraus.

Besonders drastisch bewies er dies in seiner Radioglosse "Mit Bayern leben" (WDR 1963), in der er das Hinterwäldlerische des Franz-Josef-Strauß-Lands jener Jahre aufspießte. Die Glosse löste einen Medienskandal aus und verschaffte Rexhausen einen Job als Kolumnist beim "Spiegel". Sein Roman "Lavendelschwert. Dokumente einer seltsamen Revolution" (1966) wurde für kurze Zeit zum Kultbuch der sich gerade erst formierenden Schwulenbewegung. Neben seinem Kampf für die homosexuelle Emanzipation war Rexhausen auch Mitgründer der deutschen Sektion von Amnesty International.

Wie Rexhausen zur Hassfigur der Rechten wurde


Autor der Monografie "Mit Deutschland leben!" ist der Germanist Benedikt Wolf

2001 wurde der jährlich verliehene Medienpreis des Bundes lesbischer und schwuler JournalistInnen nach Felix Rexhausen benannt, 2015 ein Platz am Kölner Hauptbahnhof. Der Journalist habe zu Lebzeiten den Mut gehabt, "sich als bekennender Schwuler mit den Härtesten des Systems anzulegen und auch für Menschen einzutreten, die verfolgt und gefoltert werden", sagte der grüne Bezirksbürgermeister Andreas Hupke zur Einweihung über den 1992 gestorbenen Journalisten. Der rechte schwule Blogger David Berger hatte damals – im Verbund mit rechtsextremen und christlich-fundamentalistischen Kreisen – erfolglos versucht, mit falschen Pädophilie-Vorwürfen die Platzbenennung zu verhindern (queer.de berichtete).

Neben Hubert Fichte und Guido Bachmann gehörte Felix Rexhausen in den Sechzigerjahren zu den wenigen offen schwul auftretenden Autoren deutscher Sprache. Seine Mithomosexuellen forderte er damals auf: "Seid nicht verschreckt, verwürgt, niedergedrückt: Solche, die in geschlossenen Kreisen schwul sind und von der übrigen Gesellschaft 'Homophile' genannt sein wollen, sondern seid aufrecht und gerade, stolz und selbstbewußt die, die ihr, jeder in seiner Individualität, wirklich seid – nämlich so und so und so und außerdem schwul: Seid stolze Schwule!"

Der Germanist Benedikt Wolf legt mit dem Band "Mit Deutschland leben!" die erste Monografie zum Werk Rexhausens vor und entdeckt zahlreiche Aspekte in dessen zersetzenden Formspielen, die eine Rückbesinnung auf diesen heute fast vergessenen Autor überaus lohnend erscheinen lassen. (cw/pm)

Infos zum Buch

Benedikt Wolf: Mit Deutschland leben! Felix Rexhausens Literatur zwischen Zersetzung und Formspiel. 208 Seiten. Männerschwarm Verlag / Salzgeber Buchverlage. Berlin 2020. Taschenbuch: 24 € (ISBN 978-3-86300-295-4). E-Book: 17,99 €