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Interview

Warum Max Riemelt einen Pädosexuellen spielt

Ab heute im neuen "Salzgeber Club" als Video-on-Demand: Im Tabufilm "Kopfplatzen" nimmt der "Sense8"-Star die Perspektive eines potenziellen Täters ein. Ein Gespräch über seine wohl schwierigste Rolle.


Körper von kleinen Jungen erregen ihn: Max Riemelt spielt in "Kopfplatzen" den pädosexuellen Single Markus (Bild: Salzgeber)

Um das Publikum auch in diesen Zeiten mit neuen Filmen zu versorgen, hat der queere Filmverleih Salzgeber auf seiner Homepage den "Salzgeber Club" gestartet. Jede Woche, immer donnerstags, wird ab 2. April eine exklusive VoD-Premiere für das Heimkino präsentiert. Die Filme, die auf salzgeber.de gezeigt werden, wurden noch nicht als DVD oder Blu-ray veröffentlicht und sind digital für vier Wochen exklusiv zu sehen. Über den integrierten Vimeo-Player kann der Film gegen eine Gebühr digital ausgeliehen und ganz bequem von Zuhause angeschaut werden.

Zum Start präsentiert der Salzgeber Club "Kopfplatzen" der ursprünglich am 2. April in den deutschen Kinos starten sollte. In dem bewegenden Drama spielt Schauspiel-Star Max Riemelt ("Sense8", "Freier Fall") einen Pädosexuellen, der gegen die immer lauter werdenden Rufe in seinem Kopf ankämpft. Regisseur und Drehbuchautor Savaş Ceviz nimmt dabei bewusst die Perspektive eines potenziellen Täters ein, um dessen Innenleben zu ergründen. Max Riemelt verkörpert die intensive, mutige Rolle höchst eindrücklich, ohne die mögliche Täterschaft der Hauptfigur zu verharmlosen. Warum, erklärt er im folgenden Interview. (cw/pm)

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Poster zum Film: "Kopfplatzen" gibt es seit 2. April exklusiv auf salzgeber.de als Video-on-Demand

Wie kamst du zu dem Projekt und was hat dich daran gereizt?

Über die langjährige Freundschaft mit Savaş habe ich schon früh von der Idee zu dem Projekt erfahren und kenne den langwierigen Entstehungsprozess. Damit habe ich mich über einen größeren Zeitraum immer wieder mit dem Thema und dem Skript in den verschiedenen Entwicklungsphasen auseinandergesetzt, bis ich letztendlich die Rolle übernommen habe. Das war keine schnelle oder einfache Entscheidung.

Es ging für mich bei dem Projekt darum, eine Person zu spielen, die durch ihre Veranlagung total isoliert ist und der es auch durch die gesellschaftliche Tabuisierung des Themas und die damit verbundene Ausgrenzung schwerfällt, sich zu öffnen, Hilfe zu suchen und zu erhalten. Die Schwierigkeit bestand dabei vor allem darin, die Figur so zu gestalten, dass sie nicht von vornherein unsympathisch wirkt, und dadurch eine Brücke zu bauen, die es dem Zuschauer erlaubt, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen, ohne direkt zu urteilen. Dabei ging es nicht um eine Solidarisierung mit Betroffenen, die eine solche Veranlagung haben, sondern um einen Einblick in eine bestimmte Realität, ohne vorgefertigte Antworten oder Lösungen vorzugeben.

Hattest du Bedenken, eine pädosexuelle Figur zu spielen?

Manche Menschen ziehen keine Grenzen zwischen den Figuren und den Darstellern, die sie spielen. Dadurch besteht immer die Gefahr, mit der Person, die man verkörpert, undifferenziert verbunden zu werden. Die schauspielerische Herausforderung war, das Innenleben einer zwischen ihrer Neigung und ihrer moralischen Verantwortung zerrissenen Figur darzustellen. Fragen wie "Ist es besser, einen Mörder, einen Nazi oder einen Pädosexuellen zu spielen?" stellen sich für mich als Schauspieler dabei nicht, da ich immer wertfrei in eine Figur eintauchen können muss. Die moralische Einordnung bzw. Bewertung muss sich für den Einzelnen aus dem Kontext der Geschichte ergeben und nicht aus meinem Spiel.


Zerrissen zwischen Neigung und moralischer Verantwortung: Markus passt auf den achtjährigen Nachbarsjungen Arthur auf (Bild: Salzgeber)

Was war dir bei der Darstellung der Figur besonders wichtig?

Mir war es wichtig, der Verantwortung, die mit diesem Thema verbunden ist, gerecht zu werden, indem ich mich ernsthaft mit den daraus ergebenden Fragen auseinandergesetzt habe. Ich wollte den Zuschauern durch ein eher zurückgenommenes Spiel Raum für eigene Fragen und Gedanken lassen, um daraus eine individuelle Haltung zum Thema zu entwickeln.

Gab es am Set viele Gespräche zwischen dir, Regisseur Savaş Ceviz und dem jungen Arthur-Darsteller Oskar Netzel?

Da ich mit Savaş schon im Vorfeld viele Gespräche geführt habe, ging es während der Dreharbeiten um eine konzentrierte Arbeit, um den Film in der vorgegebenen Zeit umsetzen zu können. Oskar habe ich bereits im Casting kennengelernt. Dabei war schnell klar, dass er neben seiner schauspielerischen Begabung auch das Verständnis mitbrachte, um diese Rolle zu übernehmen. Seine Eltern haben ihn gut auf das Thema vorbereitet, begleitet und beschützt. Auch das war ein wichtiger Aspekt für mich: zu sehen, dass es hier nicht um die Verwirklichung eigener Träume der Eltern, sondern um die behutsame Unterstützung der Spielfreude von Oskar geht.

Vimeo / Salzgeber Club | Trailer zum Film und Link (oben rechts) zum Ausleihen

Infos zum Film

Kopfplatzen. Drama. Deutschland 2019. Regie: Savaş Ceviz. Darsteller: Max Riemelt, Oskar Netzel, Isabell Gerschke, Luise Heyer. Laufzeit: 99 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Salzgeber. Exklusiver VoD-Start am 2. April 2020 auf salzgeber.de