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Interview

Louis Hofmann: "Ich habe keine Angst vor Nacktheit"

In "Die Mitte der Welt" spielte er seine erste schwule Hauptrolle, die Netflix-Serie "Dark" machte ihn weltweit bekannt. Wir sprachen mit dem angesagten Jungstar Louis Hofmann über Ruhm, das Ausziehen vor der Kamera und neue Projekte.


Louis Hofmann als junger Klavierschüler in "Prélude"

Die Karriere von Louis Hofmann, 22, liest sich wie ein Märchen: European Shooting Star 2017, Auftritt in einem Oscar-Kandidaten sowie aktuell angesagter "Dark"-Darsteller.

Mit elf Jahren spielt der Kölner seine erste TV-Rolle in "Der verlorene Vater". Regisseurin Hermine Huntgeburth engagiert ihn gleich noch für "Tom Sawyer" und "Die Abenteuer des Huck Finn", was Louis den New Faces Award 2012 einbringt. Für seine Darstellung in "Freistatt" folgt drei Jahre später der Bayerische Filmpreis samt Deutschem Schauspielerpreis. Sein dänisches Kriegsdrama "Unter dem Sand" geht ins Oscar-Rennen, bei den Festivals von Tokio und Peking wird Hofmann als bester Darsteller gekürt.

Eine cooler Auftritt folgt in der Kiffer-Komödie "Lommbock", eine schwule Hauptrolle in "Die Mitte der Welt" von Jakob M. Erwa, der trotz freizügiger Männerliebe beim Filmfest Moskau Premiere feiert. Es folgen die Amazon-Serie "You are wanted" von Mathias Schweighöfer, die angesagte "Dark"-Zeitreise von Netflix sowie "Red Sparrow" mit Jennifer Lawrence und "The White Crow" von Ralph Fiennes.

Bevor er im vergangenen Jahr in "Prélude" einen sensiblen Klavierschüler gab, der am Leistungsdruck zerbricht, spielte er in "Deutschstunde" einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, der desertiert – und vom eigenen Vater verraten wird. Die Siegfried-Lenz-Adaption ist am Freitag fürs Heimkino erschienen.

Mit dem Schauspieler unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.


Louis Hofmann in "Die Mitte der Welt" (Bild: Martin Valentin Menke / Universum Film )

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Herr Hofmann, Ihr Regisseur Ralph Fiennes sagt: "Louis verfügt über eine sehr außergewöhnliche Sensibilität und präsentiert sich in einer gewissen Nacktheit. Zugleich ist er sehr stark und hat seinen eigenen Willen." Wie klingt das aus dem Mund eines zweifachen Oscar-Preisträgers?

Da kann man nicht meckern! Das ist ja schön! Könnten Sie das Zitat nochmals vorlesen? (lacht)

Die gewisse Nacktheit ist bei Ihnen nicht nur im übertragenen Sinn vielfach vorhanden, auch in "Prélude" ziehen sie wieder blank. Wie leicht lässt man die Hüllen fallen vor der Kamera?.

Ich habe keine Angst vor Nacktheit, wenn sie für die Geschichte und die Rolle sinnvoll und notwendig ist. Bei "Freistatt" ging es um die Bloßstellung der Figur. Bei "Die Mitte der Welt" war es wichtig, die Intimität der beiden Jungs zu zeigen. Bei "The White Crow" wurde damit eine klare Aussage zur Sexualität von Rudolf Nurejew gemacht. In "Prélude" macht das Ausziehen von David auf der Tanzfläche seine trotzige Rebellion sehr deutlich.

Das sagt sich so einfach, ist die Umsetzung tatsächlich so unkompliziert? Gibt es keine Hemmschwellen?

In diesen Szenen bin ich ja nicht Louis, sondern ich bin die Figur. Für mich ist es relativ leicht, mich von einer Rolle zu distanzieren.

Wie notwendig ist es, sich mit einer Rolle zu identifizieren?

Man muss sich immer mit einer Figur zumindest teilweise identifizieren und sie auch verteidigen können. Ich glaube, es gibt immer Schnittmengen. Man muss einfach nur die Türen in sich finden und öffnen. Jeder trägt irgendwo alles in sich, auch wenn er vielleicht den Zugang dazu nicht haben möchte. Die Kälte oder Wut eines sadistischen Psychopathen mag man in dessen Ausgeprägtheit nicht in sich haben, aber den Ansatz dazu kann man finden, ihn potenzieren und schließlich für sich annehmen.

Das klingt wiederum sehr einfach. Wie gelingt die Umsetzung ohne Schauspielschule, auf der die Techniken dafür gelernt werden?

Das gelingt mit einer Mischung aus Talent und Arbeit. Nur weil ich keine Schauspielschule besucht habe, bedeutet ja nicht, dass ich in elf Jahren in diesem Beruf nicht gelernt hätte, wie man sich Figuren erarbeitet. Wobei ich demnächst doch noch Sprechunterricht an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch nehmen werde.


Louis Hofmann in "Deutschstunde" (Bild: Wild Bunch Germany)

Ihre Projekte fallen durch Eigenwilligkeit auf. Haben Sie ein Trüffelschwein für Drehbücher?

Ich setzte bei meiner Auswahl auf Intuition. Entweder ich spüre beim Lesen eines Drehbuchs etwas – oder ich spüre eben nichts. Es muss einfach klick machen, ich muss auf die Figur extrem Lust haben oder vielleicht sogar Angst vor ihr haben.

Wie sieht die Klaviatur auf dem Karriereplan aus?

Es gibt Wünsche und so was. Letztes Jahr habe ich gemerkt, dass es für mich nicht so einfach ist, mit diesem ganzen Druck umzugehen. Und mit dieser Selbstverständlichkeit, mit der erwartet wird, dass ich etwas abliefere. Wie man in "Prélude" schön lernen kann, ist Druck nicht unbedingt der beste Weg und Menschen können darunter leiden. Für mich heißt das, dass ich Abstand genommen habe von konkreten Zukunftsplänen und mir mehr Zeit zu lassen.

Wer Druck ausweichen möchte, sollte besser nicht in einer angesagten Serie wie "Dark" auftreten?

Das hat natürlich zu meiner Erkenntnis beigetragen, dass ich alles tun muss, um mir selbst den Druck zu nehmen, wenn er schon von außen so kommt.

Spüren Sie den Hype von "Dark", wenn Sie bei Edeka einkaufen gehen und in der Schlange hinter Ihnen getuschelt wird? Elyas M' Barek wünscht sich eine Tarnkappe, wenn er ins Freibad geht…

Aber an dem Punkt von Elyas M'Barek bin ich ja überhaupt noch nicht und werde dessen Kultstatus wohl auch nie erreichen. Wenn mir Leute erzählen, dass sie "Dark" mögen und sich auf die nächste Staffel freuen, nehme ich das als schönes Kompliment. Unangenehm wirkt manchmal eher, wenn nur geglotzt wird und man plötzlich anfängt, sich selber zu beobachten und sich komisch vorkommt in seinem Verhalten.


Louis Hofmann in der Netflix-Serie "Dark" (Bild: Netflix)

Wie überraschend kam dieser der Erfolg von "Dark" für Sie?

Uns war allen klar, dass diese Geschichte ein großes Potenzial hat und sie etwas Besonderes bietet, was es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Dass "Dark" dann so durch die Decke ging, hat uns schon überwältigt.

Für "Netflix" sind die Quoten top secret. Erfahren Sie wenigstens, wie die Zuschauerzahlen aussehen?

Ich weiß auf jeden Fall von drei Leuten, dass sie "Dark" gesehen haben! Drei Zuschauer gibt es also mindestens.

Wie sehen die Geheimhaltungsklauseln in den Verträgen aus?

Die Verträge zur Geheimhaltung gibt es. Aber ich habe mir die Klauseln noch nie so genau durchgelesen. Ich weiß allerdings, dass man sich da besser nicht verplappern sollte! (lacht)



#1 qwertzuiopüAnonym
  • 03.04.2020, 15:32h
  • für den kann man tatsächlich bisschen ins schwärmen kommen.^^
    mitte der welt war nicht so meins, aber wohl vor allem, weil das buch schwer zu toppen ist.
    dark und er in dark ist beides supi.
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#2 ShyPiAnonym
  • 03.04.2020, 22:27h
  • Der Interviewer bestand so widerlich darauf, dass alles, was Louis erklärte, leicht zu kommen war und oh Gott, war es frustrierend. Aber es hat ein wunderschönes Gespräch ausgelöste. So sehr ich die unbeabsichtigte Erniedrigung hasse.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 03.04.2020, 23:31h
  • Wenn so euin junger, attraktiver Schauspieler dann auch noch tiefgängig rüberkommt, das hat schon was von Diamant im Wüstensand.

    Hoffentlich kriegt man da auch was auf DVD von "Dark". Klingt nach mehr.
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#4 Anna beerliAnonym
  • 22.05.2020, 23:10h
  • Man merkt, dass er keine Schauspielschule besucht hat- und das meine ich jetzt nicht positiv.
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#5 panzerAnonym
  • 29.05.2020, 10:40h
  • Louis Du bist einfach grossartig!!! Ich habe mir neulich die Filme "Freistatt" und "Die Mitte der Welt" angeschaut und bin überwältigt von Deiner noch so jungen Filmpersönlichkeit. Gewaltig und eindrücklich die Szenen in "Freistatt", wie hast Du das geschafft? So jung und schön und schon so berühmt, ich mag es Dir von Herzen gönnen! Dazu bist Du auch noch ein so hübscher, gut aussehender, sympatischer junger Mann, in den man sich gerade verlieben könnte. Mach weiter so - ich wünsche Dir noch eine lange und erfolgreiche Karriere. Wirst Du mir antworten, ich hätte eine grosse Freude - vielleicht Dich auch einmal zu treffen, wer weiss!
    mit lieben Grüssen,
    panzer.
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