Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35847

Knappe Blutkonserven

Brandbrief an Spahn: Stoppen Sie das Blutspendeverbot!

Um Leben in der Corona-Krise zu retten, fordert die FDP vom Bundesgesundheitsminister die sofortige Aufhebung des Blutspende-Verbots für schwule und bisexuelle Männer sowie für trans Menschen.


Diskriminierende und lebensfremde Vorschrift: Schwule, bisexuelle und trans Blutspender müssen mindestens zwölf Monate enthaltsam leben (Bild: sabin urcelay / Pixabay)

Die FDP hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufgefordert, sich angesichts der Corona-Pandemie für eine Aufhebung des weitgehenden Blutspendeverbots für homo- und bisexuelle Männer sowie trans Menschen stark zu machen. "Unter dem Blutspendeverbot leiden vor allem die, die nun dringend auf Spenderblut angewiesen sind", schrieben die FDP-Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg und Kathrin Helling-Plahr in einem am Samstag veröffentlichten Brief (PDF) an den Minister. Einen ähnlichen Brief schrieben die beiden Liberalen an die Bundesärztekammer.

Noch bis 2017 hatte in Deutschland ein pauschales Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer sowie für trans Menschen geherrscht, das mit dem erhöhten HIV-Risiko begründet worden war. Die Bundesärztekammer lockerte schließlich das Verbot – allerdings dürfen in dieser Gruppe nur Menschen spenden, die ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben. Das schließt sogar Männer ein, die mit ihrem eigenen Ehemann monogam leben.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

"Entscheidend für ein Infektionsrisiko ist nicht die sexuelle Identität"

"Die lebensfremde Voraussetzung von zwölf Monaten Enthaltsamkeit geht weit über medizinische Notwendigkeiten hinaus", kritisieren Helling-Plahr und Brandenburg diese Vorgabe in ihrem Brief an Spahn. "Entscheidend für ein Infektionsrisiko ist nicht die sexuelle Identität eines Menschen, sondern das tatsächliche Risikoverhalten, zum Beispiel durch ungeschützten Sexualverkehr mit häufig wechselnden Partner/innen."

Auch die separate Auflistung von trans Menschen "entbehrt einer medizinischen Begründung", so die beiden FDP-Abgeordneten. "Unter dem Blutspendeverbot leiden vor allem die, die nun dringend auf Spenderblut angewiesen sind". Im Kampf gegen die Corona-Pandemie könne "die Spende von Blut und Blutbestandteilen bedeutend sein", schrieben sie in dem Brief an Spahn. "Die Sicherstellung der Versorgung mit den überlebenswichtigen Blutpräparaten wird zu einer immer größeren Herausforderung."

Die Abgeordneten forderten Spahn auf, bei der Bundesärztekammer unverzüglich darauf hinzuwirken, "dass die medizinische Beurteilung zur sicheren Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen nicht mehr von der sexuellen Identität abhängig gemacht wird". Sie verwiesen darauf, dass die USA ihr Blutspendeverbot für homosexuelle Männer am 2. April bereits mit sofortiger Wirkung gelockert hätten (queer.de berichtete). Der eindringliche Appell von Helling-Plahr und Brandenburg: "Kein Corona-Patient soll sterben müssen, weil das pauschale Blutspendeverbot zu spät aufgehoben wurde."

Twitter / fdpbt | Tweet der FDP-Bundestagsfraktion

Bereits am Montag hatten die Jungen Liberalen (JuLis) eine Online-Petition zur Aufhebung des Blutspendeverbots gestartet (queer.de berichtete). Über 6.000 Menschen haben die Petition bislang unterzeichnet. (cw/AFP)

Wöchentliche Umfrage

» Wie gehst Du persönlich mit dem Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer sowie trans Menschen um?
    Ergebnis der Umfrage vom 06.04.2020 bis 13.04.2020


#1 EhewahnAnonym
  • 05.04.2020, 13:39h
  • "Das schließt sogar Männer ein, die mit ihrem eigenen Ehemann monogam leben."

    Für Infektionsrisiken ist das Vorliegen eines Trauscheins übrigens immer noch vollkommen irrelevant.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 BolloAnonym
  • 05.04.2020, 14:43h
  • Antwort auf #1 von Ehewahn
  • "Für Infektionsrisiken ist das Vorliegen eines Trauscheins übrigens immer noch vollkommen irrelevant".

    --------------------------------------------

    Natürlich ist es das. Allerdings stellt sich für mich die Frage: Wenn heterosexuelle Paare (egal ob mit oder ohne Trauschein), die sich gegenseitig Monogamie versprochen haben, problemlos Blut spenden können - warum dürfen das nicht auch schwule Paare, die sich gegenseitig versprochen haben, keinen Sex mit anderen Kerlen zu haben?

    Klar, man kann der Auffassung sein, schwule Männer seien alle treulose Huren - aber das träfe dann im Zweifelsfall auch auf Hetero-Männer zu.

    Also: warum differenzieren?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ralph
  • 05.04.2020, 14:58h
  • Antwort auf #1 von Ehewahn
  • In der Tat. Der Satzteil "mit dem eigenen Ehemann" ist unsinnig. Allerdings geht die ganze Diskission über Blutspenden schwuler Männer schon immer von einer völlig falschen Voraussetzung aus, nämlich der Annahme, dass dieses Verbot bzw. diese Beschränkung irgendwie auf den Schutz der Empfänger des gespendeten Blutes hinauslaufe. Das ist nicht der Fall. Es geht einzig und allein um die Verächtlichmachung schwuler Männer, deren Sexualverhalten haltlos promisk sein soll. Das Verbot hat mit Blutspenden nicht das Geringste zu tun, sondern dient der Aufrechterhaltung eines gesellschaftlichen Zerrbildes: hie der monogame brave Hetero, dort der promiske Schwule.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 MoKiAnonym
  • 05.04.2020, 15:19h
  • Ach, die FDP! Für LGBTI-Rechte setzt sie sich immer dann besonders ein, wenn sie in der Opposition sitzt. In Regierungsverantwortung bleibt davon nicht viel übrig, was dann selbstverständlich am Koalitionspartner liegt.

    Ich betrachte meine Blutspende als Geschenk, das ich anbiete. Wenn die Leute lieber sterben wollen, statt sich "schwules Blut" verabreichen zu lassen, dann bitte.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 05.04.2020, 15:33h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • Meine vollste Zustimmung Dir und "Ehewahn".

    Da steckt die gleiche Denke dahinter wie bei der zweiseitigen Medaille "Ehe für Alle":
    Einerseits haben wir nun zwar gleiche Rechte, und das ist absolut gut und richtig so. Andererseits aber dient das Ganze natürlich auch zur Einhegung besonders schwuler Sexualität. Der neue Wunsch-Standard ist immerhin der verheiratete, (monogame) Schwule. Dann angeblich endlich in der "Normalität" angekommen, darf er verächtlich auf alle herabsehen, die weiterhin unverheiratet und/oder promisk leben.

    Und so ist es auch nur logisch, dass die BZgA heutzutage zum Thema Corona schreiben kann:
    "Für dich und alle Singles da draußen bedeutet das leider im Moment: keinen Sex."

    www.facebook.com/liebesleben.de/photos/a.1114160685293977/29
    63189663724394/?type=3&theater


    Wir sind heute endgültig wieder da, wo wir bis in die 1950er Jahre waren: Sex ist nur noch in monogamen, idealerweise verheirateten Paarbeziehungen erlaubt. Alles andere ist pfuibäh.

    (P.S. Mir ist völlig klar, was Promiskuität in Zeiten von Corona bedeutet, und es ist nicht nötig, darüber jetzt eine Riesen-Diskussion loszutreten. Mir geht es hier um die generelle Idealisierung der Ehe inclusive automatisch angenommener Monogamie. Eigentlich waren wir über derart überkommene Moralvorstellungen schon mal ein gutes Stück hinaus.)
  • Antworten » | Direktlink »
#6 EhewahnAnonym
  • 05.04.2020, 15:38h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • "hie der monogame brave Hetero, dort der promiske Schwule."

    Und neuerdings: Hie der monogame verheiratete Homosexuelle, da der promiske Schwule. Letzterer wird nicht nur weiterhin mit "Gefahr" assoziiert, und zwar unabhängig von seinem konkreten Schutzverhalten, sondern die braven Schwulen finden es auch wichtig, sich moralisch abzugrenzen.
    Ich finde das nicht soo viel besser.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 05.04.2020, 15:43h
  • Antwort auf #4 von MoKi
  • "Ich betrachte meine Blutspende als Geschenk, das ich anbiete. Wenn die Leute lieber sterben wollen, statt sich "schwules Blut" verabreichen zu lassen, dann bitte."

    Du sprichst hier nur leider von zwei verschiedenen Klientels: zum einen die, die dringend eine Bluttransfusion brauchen - und zum anderen die, die entscheiden, wer Blut spenden darf und wer nicht. Als Patient_in in einer lebensbedrohlichen Notlage werde ich in der Regel nicht fragen, ob das Blut schwul ist oder nicht - es sei denn, ich bin irgendeinem religiösen Wahn verfallen.

    Aber den Entscheider_innen klebt buchstäblich Blut an den Händen, wenn sie es den Patient_innen nicht ermöglichen, dass genügend Blutkonserven vorhanden sind.

    Ich selbst war schon einmal dringend auf 2 Liter Blutkonserven angewiesen. Ich musste um jeden halben Liter davon flehen und betteln. Eigentlich hätte ich auch noch mehr bekommen müssen, aber mehr bekam ich nicht, mit dem Argument, Blut sei knapp und teuer. Dafür musste ich dann noch monatelang Eisen-Infusionen bekommen und extrem hoch dosierte Eisentabletten einnehmen, bis sich mein Hämoglobin-Wert wieder halbwegs normalisiert hatte.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 EhewahnAnonym
  • 05.04.2020, 15:49h
  • Antwort auf #2 von Bollo
  • "warum differenzieren?"

    Warum differenzieren zwischen Schwulen, die "monogam" leben und ungeschützt ficken (mit dem Risiko, dass der Partner eben doch nicht "monogam" ist, das aber aufgrund des Monogamieversprechens nicht zugeben kann) und promisken Schwulen, die das Risiko kennen und sich deswegen konsequent bei jedem Sex schützen (mit dem Risiko, dass dieser Schutz in sehr seltenen Fällen auch mal versagen kann)?

    Das Grundproblem dieser ganzen Diskussion ist es, über "Lebenswandel" zu reden statt über Schutzverhalten, und beides permanent miteinander zu verwechseln.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 PeerAnonym
#10 CarstenACAnonym
  • 05.04.2020, 19:21h
  • @Moki:

    Leider wahr. Die FDP ist bei LGBTI-Themen immer dann sehr geschäftig und fordert das Blaue vom Himmel, wenn sie in der Opposition sitzt.

    Aber sobald sie dann in der Regierung ist, gibt sie all das bereitwillig wieder auf.

    Wenn die Wähler drauf reingefallen sind und ihr Macht gegeben haben, braucht man sie erst mal 4 Jahre nicht mehr. Und bis dahin haben die meisten das alles wieder vergessen.

    Dieselbe Taktik fährt auch die SPD immer. Und bisher scheint es ja auch zu funktionieren. Solange man so immer an der Macht bleibt und seine Pöstchen behalten kann, gibt es ja auch keinen Grund was zu ändern.

    @Peer:

    Danke für die vielen Links.

    Mich macht es auch richtig wütend, wenn ich sehe, dass die Parteien, die seit Jahren im Gesundheitsressort sparen und es kaputt sparen, jetzt auch noch ausgerechnet bei einer Epidemie, wo sich die Folgen dieser Politik jeden Tag in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zeigen, mit steigenden Umfragewerten belohnt werden.

    Offenbar gilt:
    Das Volk will betrogen werden, also werde es betrogen.

    Und Jens Spahn ist da ganz vorne mit dabei... Aber auch er wird ja sogar noch von manschen Schwulen gelobt.
  • Antworten » | Direktlink »