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Freiheitskampf von zu Hause

Liberty! So unterstützt du Queers in anderen Ländern

Auch in Europa läuft es in Sachen LGBTI-Rechte nicht völlig rund. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern jedoch ist es viel besser. Zeit, den dortigen Queers zu helfen, ohne euch in Gefahr zu bringen.


LGBTI-Rechte kennen keine Grenzen. Und auch du kannst bei diesem Freiheitskampf mitwirken. Sogar ohne das Land verlassen zu müssen (Bild: Adrian Swancar / Unsplash)
  • 6. April 2020, 11:48h, noch kein Kommentar

194 Staaten gibt es auf der Erde. In 69 davon, 35,6 Prozent, ist Homosexualität strafbar. In sieben davon sogar mit der Todesstrafe. Und in noch viel mehr Ländern, wo es zwar keine offiziellen Verbote gibt, unterliegen queere Menschen tagtäglichen Repressalien, die man "im Westen" schon seit Jahrzehnten nicht mehr kennt.

Natürlich, wir wollen auf westliche LGBTI-Rechte keinen Deckel draufmachen und sagen "passt schon, alles bestens"; auch hier gibt es noch viel zu tun. Wohl aber wollen wir sagen, dass es Queers in anderen Ländern verdammt viel schlechter als uns geht. Und sie können jede Hilfe gebrauchen. Und wir wollen dich mit diesem Artikel ganz explizit ermutigen, diesen Menschen beizustehen. Denn queere Rechte kennen keine Ländergrenzen. Allerdings möchten wir auch nicht, dass sich jemand in unnötige Gefahr begibt. Die folgenden Dinge kannst du deshalb komplett hierzulande tun.

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1. Hilf online – vor Ort

Internet gibt es mittlerweile noch in entlegensten Gebieten des Globus. Aber: Oftmals ist das Netz in anderen, repressiveren Ländern für Traffic von außen (teilweise) abgeschottet, blockt also ausländische Zugriffsversuche ab. Oder es ist für die Locals scharf begrenzt, erlaubt nur den Zugriff auf bestimmte Seiten, die der dortigen Obrigkeit genehm sind – meist tritt beides zusammen auf.

Das erste, was du deshalb benötigst, ist ein VPN, ein Virtual Private Network. Da gibt es zig Anbieter, die Seite VPNOverview verschafft dir einen Überblick. Ein solches VPN ist letztlich ein digitaler Schleier. Du bist nicht mehr als jemand zu erkennen, der aus Deutschland surft, dein Gegenüber verbirgt so, dass es in einem Land sitzt, das das Internet überwacht.

Dann informierst du dich im Web über Mittel und Wege, wie sich Queers in diesen Ländern trotz Repressalien digital treffen und begibst dich dank VPN ebenfalls dorthin. Sei aber darauf gefasst, dass man dir nicht direkt vertrauen wird – die Menschen dort haben leidliche Erfahrungen mit Unterwanderungsversuchen durch Homophobe, teils sogar (halb-)staatliche Akteure.

Was du da tun kannst?

• Erkläre den Menschen, dass man sie in freieren Ländern nicht vergessen hat.
• Zeige ihnen Artikel, Videos – Medien – aus denen sie die langen Freiheitskämpfe in unseren Ländern nachvollziehen können – und die ihnen vielleicht als Anleitung dienen können.
• Erkläre ihnen, wie sie sich dort im Netz verschleiern können. VPNs sind nur die Basis, dazu gehört auch Passwortschutz, Wegwerf-eMail und mehr.
• Gib ihnen Rückhalt und moralischen Support. Du kannst dir kaum ausmalen, wie es sich anfühlt, sein Leben lang gezwungenermaßen "in the Closet" leben zu müssen.

2. Hilf mit Geld und Material

So hart und unfair es klingen mag, aber Widerstand gibt es nicht für umsonst. Und in vielen Ländern mit schlechten LGBTI-Rechten leben Queere unter ausnehmend prekären Verhältnissen. Weder haben Sie das Geld, um eigene Gruppierungen zu gründen und oftmals nicht einmal genug, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – nicht selten werden sie bei der Arbeitsplatzvergabe benachteiligt, werden nur bei Gerüchten entlassen, werden aus dem Elternhaus gejagt.

Wenn du mit den queeren Locals sprichst, sprich auch solche Themen an. Und frage einfach, ob du mit Geld und/oder Materialien helfen kannst. Bedenke auch die Währungsunterschiede. Was für dich summenmäßig vielleicht nur den Verzicht auf ein Auswärts-Abendessen bedeutet, kann in anderen Ländern eine queere Person durch den ganzen Monat bringen. Nutze dafür Zahlungsdienstleister. Wenn es gar nicht anders geht (Stichwort Tarnung), versende digitale Gutscheine von Amazon oder sonstigen globalen Internet-Kaufhäusern.

Doch falls Du "Hardware" jeglicher Art per Postweg senden willst, beachte unbedingt eine wichtige Regel:

Unter keinen Umständen darf die Sicherheit des Empfangenden gefährdet sein. Keine offensichtlichen LGBT-Dinge im Paket, der Zoll öffnet die!

Das kann soweit gehen, dass du ein Postfach mietest, damit du nicht deinen Namen angeben musst. Und vielleicht kann auch dein Empfänger Tarnmaßnahmen ergreifen – etwa, indem er das Paket "postlagernd" bekommt und nicht unter seinem Realnamen an seine Heimatadresse.

3. Hilf, dass die Leute nicht vergessen werden

Wir wissen es: Die Probleme, die man vor der Nase hat, egal wie gering sie sind, wirken wegen der kürzeren Distanz oftmals viel größer als entferntere Probleme – wann hast Du dir, bevor Du diesen Artikel angeklickt hast, zuletzt Gedanken über Queere in Russland, in Polen, Brasilien oder sonstigen Ländern gemacht, die im Gay Travel Index weit hinten rangieren?

Allerdings ist das keine Ausrede. Wir müssen hier bei uns, in unseren Szenen dafür sorgen, dass Queere in diesen Ländern nicht vergessen werden. Was du tun kannst? Du könntest schon bei der nächsten Demo ein Schild hochhalten, auf denen nur die (Tarn-)Namen von Menschen stehen, mit denen du in Kontakt stehst – keine Länder, keine groß ausgedruckten Gesichter. Vergiss nicht, dass die auch dort durch Zufall in die Nachrichten geraten und so zum Bumerang werden könnten.

Und motiviere ruhig andere Euro-Queere, es dir gleichzutun. Außer dem angesprochenen VPN und Kenntnissen in Englisch oder (besser) der lokalen Sprachen braucht es zunächst mal nichts.

4. Hilf hier

Schon die reine Statistik sagt, dass unter den hunderttausenden Menschen, die in den vergangenen Jahren hierzulande Asyl bekamen, nicht nur Heteros sein können. Tatsächlich sind es tausende, die nunmehr endlich in Freiheit leben können – theoretisch. Denn praktisch:

• …stecken sie oft in Flüchtlingsheimen, wo sie keine Chance haben, sich zu outen und eine heile Haut zu behalten,
• …haben sie oftmals die Angst so verinnerlicht, dass sie immer noch fürchten, sich zu outen,
• …wurde ihr Leben gerade total auf den Kopf gestellt und sie wissen in einem fremden Land niemanden, an den sie sich in queeren Dingen wenden können.

Nein, du sollst nicht mit einer Regenbogenflagge zur nächsten Flüchtlingsunterkunft marschieren und hoffen, dass dir jemand entgegengelaufen kommt. Das geht besser und effektiver. Wende dich dazu an das Netzwerk Queer Refugees Deutschland. Die haben eine Liste mit Treffpunkten, Netzwerken und Beratungsstellen.

Kontaktiere die und frag, wie Du helfen kannst – die meisten freuen sich über jede helfende Hand, jeden Cent. Denn es geht erst einmal darum, Menschen, die ihr Leben lang unterdrückt wurden, die Gewalt erfuhren, in ein Leben, in ein Land einzuführen, in dem in Sachen LGBTI zwar nicht alles perfekt ist – aber immer noch ungleich besser als es da war, wo sie herkamen. Und dazu genügt es oftmals auch schon, einen queeren Menschen das nächste Mal mitzunehmen, wenn Du und deine Freunde essen geht. Denn was diese Menschen vor allem brauchen, ist das Gefühl, sich ohne Angst und Sorge mit Gleichgesinnten austauschen zu dürfen. (ak)