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Aus für Kölle Aloha?
Ralf König: Köln nicht mehr "der geilste Arsch der Welt"
Zu wenig Farbe, zu eng, zu viele Fußgängerampeln – und dann auch noch Taubenkacke: Die Liebe des schwulen Kultautors zu seiner adoptierten Heimatstadt wird auf eine harte Probe gestellt.

Ralf König gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen Comiczeichnern und -autoren (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)
- 6. April 2020, 09:31h 3 Min.
Seit drei Jahrzehnten lebt Ralf König inzwischen in Köln. Mit der aktuellen Lage der Domstadt hadert der Autor von Kultcomics wie "Konrad und Paul", "Der bewegte Mann" oder zuletzt "Stell dich nicht an, Mann!" und "Stehaufmännchen" jedoch sehr.
Gegenüber dem Kölner Boulevardblatt "Express" sagte der 59-Jährige, dass er in der Millionen-Stadt am Rhein zwar seine Freunde habe und die Lebensphilosophie "Et kütt wie et kütt" ("Es kommt, wie es kommt") möge, ebenso wie das "räumlich Überschaubare" und den selbst für innerdeutsche Einwanderer oft schwer verständlichen Kölschen Karneval. Er schränkte jedoch ein: "Ich hab hier Wurzeln geschlagen, aber trotzdem ist Köln nicht mehr der geilste Arsch der Welt."
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Was ihm an Köln nicht gefällt? "Es gibt schon hässlich verbaute Ecken mit Müll und Taubenkacke, und es wird nicht besser. Nun gibt's ein riesiges Wandgemälde an einem Haus an den Ringen, da ist wieder mal der Dom zu sehen. Sehr groß, grau und hässlich, da hätte es bestimmt farbenfrohere Motive gegeben", so König. "Und die Stadt ist extrem eng gebaut, nicht für eine Million Leute. Dazu steht man dauernd an Fußgängerampeln, jede noch so schmale Querstraße hat eine verdammte Ampel!"
Keine Flucht nach Berlin geplant
Köln muss aber offenbar nicht befürchten, den Comiczeichner an die andere schwule Metropole Berlin zu verlieren, obwohl dort sein Freund lebt. Er sei bereits Ende der Neunzigerjahre eineinhalb Jahre in der Bundeshauptstadt gewesen und "dann reumütig zurückgekommen". Berlin sei ihm damals "zu gewaltig" und zu groß gewesen. "Also das andere Extrem. Aber vor allem sind in Köln meine Freunde", erklärte der Comiczeichner.
In dem Interview ging König auch auf Rassismusvorwürfe gegen ihn ein. Letztes Jahr hatten ihm LGBTI-Aktivisten vorgeworfen, in einem Wandgemälde in Brüssel Figuren zu zeigen, die auf "transphoben und rassistischen Vorurteilen" beruhten (queer.de berichtete).

Dieses Wandgemälde in Brüssel sehen manche als problematisch an (Bild: Rainbow House)
Eine Drag-Figur wird etwa von manchen empörten Personen als trans Frau wahrgenommen und wegen Bartstoppeln und Körperbehaarung kritisiert; dies wies König im "Express" zurück: "Es ist keine traurige Transfrau, sondern eine debile Trümmertunte!"
Als problematischer wird eine lesbische schwarze Frau mit dicken und sehr roten Lippen angesehen. Hier gestand König ein: "Dicken roten Lippenstift würde ich einer schwarzen Figur nicht mehr so unbedarft verpassen."
Er beklagte jedoch auch, dass die Kunst wegen der "bigotten amerikanischen Prüderie", die sich wegen "Facebook & Co. auch bei uns langsam einschleicht", unfreier geworden sei. "Vieles ist politisch überkorrekt, und einige Zeitgenossen sind durch derberen Humor und Satire schnell beleidigt." (dk)















