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Aus für Kölle Aloha?

Ralf König: Köln nicht mehr "der geilste Arsch der Welt"

Zu wenig Farbe, zu eng, zu viele Fußgängerampeln – und dann auch noch Taubenkacke: Die Liebe des schwulen Kultautors zu seiner adoptierten Heimatstadt wird auf eine harte Probe gestellt.


Ralf König gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen Comiczeichnern und -autoren (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

Seit drei Jahrzehnten lebt Ralf König inzwischen in Köln. Mit der aktuellen Lage der Domstadt hadert der Autor von Kultcomics wie "Konrad und Paul", "Der bewegte Mann" oder zuletzt "Stell dich nicht an, Mann!" und "Stehaufmännchen" jedoch sehr.

Gegenüber dem Kölner Boulevardblatt "Express" sagte der 59-Jährige, dass er in der Millionen-Stadt am Rhein zwar seine Freunde habe und die Lebensphilosophie "Et kütt wie et kütt" ("Es kommt, wie es kommt") möge, ebenso wie das "räumlich Überschaubare" und den selbst für innerdeutsche Einwanderer oft schwer verständlichen Kölschen Karneval. Er schränkte jedoch ein: "Ich hab hier Wurzeln geschlagen, aber trotzdem ist Köln nicht mehr der geilste Arsch der Welt."

Direktlink | In den Neunzigern schrieben die schwulen Künstler Stephan Runge und Claus Vinçon die schwule Hymne Kölns

Was ihm an Köln nicht gefällt? "Es gibt schon hässlich verbaute Ecken mit Müll und Taubenkacke, und es wird nicht besser. Nun gibt's ein riesiges Wandgemälde an einem Haus an den Ringen, da ist wieder mal der Dom zu sehen. Sehr groß, grau und hässlich, da hätte es bestimmt farbenfrohere Motive gegeben", so König. "Und die Stadt ist extrem eng gebaut, nicht für eine Million Leute. Dazu steht man dauernd an Fußgängerampeln, jede noch so schmale Querstraße hat eine verdammte Ampel!"

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Keine Flucht nach Berlin geplant

Köln muss aber offenbar nicht befürchten, den Comiczeichner an die andere schwule Metropole Berlin zu verlieren, obwohl dort sein Freund lebt. Er sei bereits Ende der Neunzigerjahre eineinhalb Jahre in der Bundeshauptstadt gewesen und "dann reumütig zurückgekommen". Berlin sei ihm damals "zu gewaltig" und zu groß gewesen. "Also das andere Extrem. Aber vor allem sind in Köln meine Freunde", erklärte der Comiczeichner.

In dem Interview ging König auch auf Rassismusvorwürfe gegen ihn ein. Letztes Jahr hatten ihm LGBTI-Aktivisten vorgeworfen, in einem Wandgemälde in Brüssel Figuren zu zeigen, die auf "transphoben und rassistischen Vorurteilen" beruhten (queer.de berichtete).


Dieses Wandgemälde in Brüssel sehen manche als problematisch an (Bild: Rainbow House)

Eine Drag-Figur wird etwa von manchen empörten Personen als trans Frau wahrgenommen und wegen Bartstoppeln und Körperbehaarung kritisiert; dies wies König im "Express" zurück: "Es ist keine traurige Transfrau, sondern eine debile Trümmertunte!"

Als problematischer wird eine lesbische schwarze Frau mit dicken und sehr roten Lippen angesehen. Hier gestand König ein: "Dicken roten Lippenstift würde ich einer schwarzen Figur nicht mehr so unbedarft verpassen."

Er beklagte jedoch auch, dass die Kunst wegen der "bigotten amerikanischen Prüderie", die sich wegen "Facebook & Co. auch bei uns langsam einschleicht", unfreier geworden sei. "Vieles ist politisch überkorrekt, und einige Zeitgenossen sind durch derberen Humor und Satire schnell beleidigt." (dk)



#1 FliegenAnonym
#2 TünnesAnonym
  • 06.04.2020, 12:53h
  • "der Welt" war sowieso schon immer eine Übertreibung. Allenfalls "in NRW" wäre villeicht richtig.
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#3 AndreasKAProfil
#4 56James35Anonym
  • 06.04.2020, 13:51h
  • Ich stimme Ralf König völlig zu. Als Franzose fuhr ich oft nach Köln. Jetzt ist die Stadt nicht mehr so attraktiv : zuerst ist Köln eine der teuersten Städte Deutschlands, zweitens hat diese Großstadt heute eigentlich nicht viel zu bieten. Eine Touristenstadt, mehr ist Köln nicht. Außerdem war es in den 80er Jahren viel leichter, auf der Straße Schwule zu treffen (am HBF z.B). Köln ist eine Stadt für reiche Schwule und für den Schwulenbusiness.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 06.04.2020, 14:05h
  • Antwort auf #2 von Tünnes
  • Übrigens wurde Kölle schon in Reiseberichten des 18. Jahrhunderts als Dreckloch beschrieben.

    Nach meiner Einschätzung ist die Stadt Köln im Jahr 2020 so sauber wie nie zuvor.

    Was im Vergleich zu Städten wie Münster natürlich nicht viel heißt.

    Aber: Was heißt das schon?
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#6 FinnAnonym
  • 06.04.2020, 14:36h
  • Ich kann seine Kritik am Stadtbild von Köln verstehen. Aber so ist Köln ja schon seit Jahrzehnten.

    Wie sagen die Kölner so schön:
    "Den meisten Schaden am Stadtbild hat nicht der Krieg angerichtet, sondern die Stadtplaner nach dem Krieg."

    Früher muss Köln wohl mehr sehr schön gewesen sein, aber dann hat der Zweite Weltkrieg viel vernichtet und die Stadtplaner haben der Stadt dann den Rest gegeben...

    Dennoch mag ich Köln. Ich mag die freie und tolerante Atmosphäre nach dem Motto "Jedem Dierchen sein Pläsierchen."

    Und auch diese Stadt hat ihre schönen Ecken. Obwohl viel von Krieg und Stadtplanern zerstört wurde, hat die Stadt immer noch ihre schönen Ecken und ihren Charme.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Freiheit der KunstAnonym
  • 06.04.2020, 15:22h
  • -----------------------------------------
    Er beklagte jedoch auch, dass die Kunst wegen der "bigotten amerikanischen Prüderie", die sich wegen "Facebook & Co. auch bei uns langsam einschleicht", unfreier geworden sei. "Vieles ist politisch überkorrekt, und einige Zeitgenossen sind durch derberen Humor und Satire schnell beleidigt."
    ------------------------------------------

    Dem muss ich mich vollkommen anschließen:
    es erfüllt mich mit größter Sorge, wie schon seit Jahren Freiheitsrechte gerade auch im Bereich der Kunst und Satire immer weiter eingeschränkt werden.

    Da wird immer damit argumentiert, dass etwas gegen guten Geschmack verstoße, etc. Aber Geschmack ist eben subjektiv und von Mensch zu Mensch verschieden.

    Man muss bei Kunst, Karikatur, Satire, etc. immer unterschieden:

    1. Geht es gegen einzelne Individuen oder gegen eine ganze Gruppe von Menschen?

    Denn es ist ein Unterschied, ob man einen "Ostfriesenwitz" macht, wo vermeintliche Unbedarftheit der dörflichen Bevölkerung aufs Korn genommen wird, oder ob ich einen einzelnen Ostfriesen als dumm bezeichnen würde.

    2. Wenn es gegen ein Individuum geht: ist das eine Person des öffentlichen Lebens (Politiker, Sportler, Schauspieler, Musiker, o.ä.) oder nicht?

    Denn ein Politiker oder andere Promis müssen eher Spott ertragen als jemand anderes (siehe z.B. die Birnen-Karikaturen über Helmut Kohl).

    3. Wird jemand herabgewürdigt oder werden z.B. Klischees verwendet, um damit zu spielen. Oder wird vielleicht sogar zu Gewalt aufgerufen?

    Wenn z.B. ein Hasssänger singt, man müsse Schwule vergasen, hat das nichts mehr mit künstlerischer Freiheit zu tun, weil andere in ihrer Freiheit eingeschränkt werden.

    Der Witz "Treffen sich zwei Jäger - beide tot." wäre aber OK, weil er kein Gewaltaufruf gegen Jäger ist, sondern damit spielt, dass Jäger schießen und dann mit der Doppeldeutigkeit des Worts "treffen" spielt.

    Fazit:

    Ich kann nur generell raten, Freiheitsrechte (zu denen auch die Freiheit der Kunst und Satire zählt) nicht zu sehr einzuschränken.

    Wie alle Freiheitsrechte haben auch die ihre Grenzen dort, wo andere in ihrer Freiheit eingeschränkt werden (deswegen fällt ja auch ein Mordaufruf oder Verleumdung nicht unter freier Rede). Wo Persönlichkeitsrechte eines Indiviuums leiden, kann man nicht mehr von Freiheit anderer sprechen.

    Aber ansonsten sollte man das möglichst offen auflegen. Denn wenn man erst mal anfängt, einzuschränken, werden die Begehrlichkeiten und die Zensur-Kriterien immer umfangreicher.
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#8 tchantchesProfil
  • 06.04.2020, 18:55hSonstwo
  • Köln-Bashing ist wohl gerade in. Nach der Heidenreich jetzt halt König. Sonst noch jemand?
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#9 Homonklin_NZAnonym
  • 07.04.2020, 01:32h
  • Antwort auf #3 von AndreasKA
  • Bielefeld?

    Mir wurde immer erzählt, das gäbe es gar nirgends. ;/

    Er könnte Kiel verschönern. All diese hässlichen Graffittis und all die hässlichen Aldi-Wände.

    Oder Monnem. Noch so ne graue Mausestadt. Außer dem Connex ist das dröge und grau. Grau in grau.

    Oder Cottbus. Ach nee, lieber nicht. Zu viele Penisköppe da.

    Wie wärs mit Brodowin? Da stört kaum einer. Außer die Zeit vergeht, das macht dann Lärm.

    Bautzen könnt ich noch empfehlen. Ohne Fautzen hauts'n.
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#10 reirtfhAnonym
  • 07.04.2020, 01:52h
  • Es gibt Heteros, die sich jahrelang beschweren, dass man selber kein vollgepumpter Bodybuilder mit Türsteherqualitäten und großem Mundwerk ist.

    Und plötzlich kommt Corona. Und nun freuen sich die gleichen Leute auf einmal, dass es auch die leisen, die sensiblen und die fürsorglichen gibt. Genau die, die jetzt helfen.

    Das sind die Altenpfleger, die Krankenpfleger und die Ärzte. Mal hereto, mal homo. Aber immer gut geübt im Ungang mit den Menschen.

    Liebe Heteros, könnt ihr euch irgendwann mal merken, dass die Welt aus beidem besteht und beides braucht. Nämlich den harten und den zarten. Und all den Zwischentönen. zwischendrin.
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