Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35865

Netflix-Serie

"Haus des Geldes": Kontroverse um Trans-Figur

Die Netflix-Erfolgsserie hat erstmals eine transsexuelle Figur – vielen stößt jedoch die Wahl der Schauspielerin sauer auf. Artikel enthält kleine Spoiler.


"Haus des Geldes" begeistert derzeit Netflix-Nutzer in der ganzen Welt (Bild: Netflix)

Erst am Freitag hat Netflix die vierte Staffel der spanischen Krimiserie "Haus des Geldes" freigeschaltet – und für eine Überraschung gesorgt: In Folge fünf wird in einer Rückblende gezeigt, dass Julia alias Manila (dargestellt von Goya-Preisträgerin Belén Cuesta) eine Transfrau ist. Die Figur ist seit der siebten Folge der dritten Staffel dabei.

In sozialen Netzwerken gibt es jetzt Kritik, dass für die Rolle keine trans Schauspielerin ausgewählt wurde. "Wie kann es sein, dass 2020 eine Cis-Schauspielerin noch eine Trans-Rolle übernehmen kann", fragte etwa Twitter-Nutzerin Patricia. Eine andere empörte sich: "Gibt es etwa keine trans Schauspielerin in ganz Spanien oder darüber hinaus, die die Rolle der Manila übernehmen kann?" Auf Englisch beklagte ein Nutzer: "Alle haben sich so gefreut über die neue Figur Manila in 'Haus des Geldes'. Ich werde es also einfach sagen: Transfiguren sollten von trans Schauspielern und Schauspielerinnen dargestellt werden."

Twitter / dagb25

Twitter / nanodelchuy

Twitter / exmpious

Cuesta: "Eine Cisfrau kann eine Transfrau spielen"

Die Schauspielerin verteidigte sich: Gegenüber der Zeitung "El Español" sagte Cuesta, sie verstehe, dass viele transsexuelle Schauspielerinnen Hürden überwinden müssten, um im TV- und Film-Geschäft Fuß zu fassen. "Ich unterstütze sie sehr", so die 36-Jährige. Allerdings sollte auch sie eine Transfrau darstellen dürfen: "Eine Cisfrau kann eine Transfrau und eine Transfrau kann eine Cisfrau spielen."


Schauspielerin Belén Cuesta im Jahr 2017 bei einem Filmfestival in Málaga (Bild: FOTOS RTVA / flickr)

Die 2017 in einer anders geschnittenen Version im Privatsender Antena 3 gestartete Serie "Haus des Geldes" (Originaltitel: "La casa de papel", wörtlich: "Das Papierhaus") gehört zu größten internationalen TV-Erfolgen der letzten Jahre: In Deutschland ist die spanische Produktion gerade die meistgestreamte Sendung auf Netflix. Nach eigenen Angaben ist die Serie die erfolgreichste nicht-englischsprachige Produktion, die das amerikanische Portal jemals gezeigt habe.

In den letzten Jahren gab es vermehrt Kritik daran, dass cissexuelle Schauspieler*innen transsexuelle Rollen übernehmen. Dies führte sogar 2018 dazu, dass ein Multimillionendollar-Projekt abgesagt wurde: Konkret ging es darum, dass Scarlett Johansson, die derzeit nach Einnahmen erfolgreichste Schauspielerin der Welt, für den Film "Rub & Tug" in die Rolle eines Transmannes schlüpfen wollte (queer.de berichtete). Nach scharfen Attacken zog sich der Star aus Filmen wie "Avengers: Endgame", "Marriage Story" und "Jojo Rabbit" schließlich von dem Filmprojekt zurück (queer.de berichtete). Das Trans-Biopic, das auf wahren Ereignissen beruht, wurde bis heute nicht gedreht. (dk)



#1 Still_IthProfil
  • 08.04.2020, 17:03hGießen
  • "[...] sie verstehe, dass viele transsexuelle Schauspielerinnen Hürden überwinden müssten, um im TV- und Film-Geschäft Fuß zu fassen. "Ich unterstütze sie sehr", so die 36-Jährige."

    Solche "gefühlten" Support-Statements glaub ich persönlich ja erst, wenn ich von so 3-5 Betroffenen, in dem Fall Trans*-Schauspieler*innen, ausführliche Berichte darüber gesehen habe, wie diese Unterstützung denn konkret ausgesehen hat, und dass sie mit persönlichen Abstrichen verbunden war.
    Das mal weitergedacht würde heißen, dass sie als eine der seltenen, tatsächlichen Supporterinnen, natürlich eine ganze Menge trans*-Schauspielerinnen kenne würde. Und mit denen über die Rolle gesprochen hätte. Und an dem Punkt könnte sie dann ja auch einfach mal auf die Zeitungsartikel verweisen, in denen diese 2-3 trans*-Frauen sich in Interviews ausführlich dazu geäußert haben, wie diese Gespräche verlaufen sind.

    Die meisten Cissen empfinden sich überhaupt schon als unglaubliche Trans*-Supporter, wenn sie irgendwo mal ausgedrückt haben, dass sie unsereins jetzt zumindest nicht unbedingt gleich tot sehen wollen (daher der "gefühlte" Support"). So wie die Ex-Kollegin, die natürlich fand, dass sie ja auch Schwule supportet - nur brauchen die ja bitte nicht raushängen lassen, dass sie schwul sind.

    Wennste solchen selbstattestierten, gefühlten Supporter*innen dann verklickerst, dass "ja, aber das Nötigste, um zu gucken, ob man nicht doch in dem Geschlecht leben und bleiben könnte, sollte in jedem Fall ja schon versucht werden" letztlich eine Forderung nach Konversionstherapie darstellt und selbstverständlich transfeindlich ist, sind sie dann tödlich beleidigt. Denn statt sie für sowas zu kritisieren, könnteste dich ja schon erstmal darin üben, dankbar zu sein. Immerhin sind sie Supporter.
    Finden sie.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 anonymerNickAnonym
  • 08.04.2020, 17:19h
  • Die Logik hinter dieser ist doch folgende:
    Eine Cis-Frau darf keine Trans-Frau spielen.
    Wenn man dieser Logik folgt, dann dürften Trans-Frauen keine CIA-Frauen spielen und homosexuelle dürften keine heterosexuellen Rollen spielen.
    Egal wie rum man das dreht, es ist Sexismus. Das sollte man ablehnen. Allein die Qualität der Darsteller*innen zählt!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SchauspielereiAnonym
  • 08.04.2020, 18:05h
  • "Wie kann es sein, dass 2020 eine Cis-Schauspielerin noch eine Trans-Rolle übernehmen kann"

    Ganz einfach:
    weil es eben keine Dokumentation, sondern eine fiktionale Serie ist. Das was die machen, nennt man Schauspielen. Oder fordert auch irgendwer, der Mörder im Krimi solle nur von echten Mördern gespielt werden?

    Und was macht man mit Aliens? Oder Rittern? Wer soll die spielen?

    ###

    "Ich werde es also einfach sagen: Transfiguren sollten von trans Schauspielern und Schauspielerinnen dargestellt werden."

    Gilt das dann auch umgekehrt?
    Dass Trans-Schauspieler keine Nicht-Trans-Rollen spielen dürfen?

    Denn dann müsste das ja in beide Richtungen gelten.

    Manche Leute haben immer noch nicht kapiert, was Schauspiel bedeutet. Eben in eine andere Rolle zu schlüpfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Uwe MehringerAnonym
#5 NielsAnonym
  • 08.04.2020, 19:20h
  • Also bis einschließlich der 3. Staffel habe ich die Serie gesehen ( die 4. noch nicht).
    Die Frau ist also seit der 3. Staffel dabei? An das Gesicht kann ich mich nicht mal mehr erinnern. Scheint keine interessante oder gar tragende Rolle zu spielen.

    Trotzdem diese Diskussion, nur weil eine
    Cis Frau das tut was sie beruflich macht, ihrer Arbeit als Schauspielerin nachzugehen?

    Und immerhin, die Rolle wird von einer Frau verkörpert. Ich habe einige Filme/ Serien gesehen in denen Cis Männer Transfrauen gespielt haben. Da finde ich eine Frau besser besetzt...egal ob Cis oder Trans.
    Wirklich stören tut mich aber alles nicht, wer auch immer wen spielt. Schauspieler sind ja dafür da in Rollen zu schlüpfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Leon 4Anonym
  • 08.04.2020, 19:33h
  • Antwort auf #1 von Ith_
  • Wow... Okay, also alle die nicht mit Taten aktiv werden sondern "nur" generell Befürworter sind, sind - eben weil nicht durch Taten aktiv - eigentlich keine Befürworter??

    Weischt.... Es sind nicht Millionen heten auf die Straße gegangen um für die Ehe für alle zu demonstrieren, aber Millionen heten haben ganz grundsätzlich die Einstellung gehabt das "jupp, klar"... Und ich denke schon das die mehrheitliche Zustimmung der Gesellschaft enorm wichtig dafür war dass es dann schlussendlich soweit gekommen ist!

    Und sry.... Ja, klar, für cis rollen werden trans abgelehnt weil trans, für trans Rollen wird ne cis genommen... Ist scheiße, sollte nicht so sein, es sollte so sein das die Person, die die Rolle am besten verkörpert, diese auch bekommt... Jetzt aber aufgrund der Diskriminierung alles abzuschießen was einen selbst egtl für weite Teile der Gesellschaft erst sichtbar und somit vertraut macht ist ganz ehrlich sicher der falsche Weg.... Ich für meinen Teil weiß noch wie latte es mir war das der schwule Charakter aus dawsons creek oder willow aus buffy von heten verkörpert wurden, es waren (und bei buffy immer noch) "reale", gut geschriebene Charaktere mit Story-Arc die eben nicht nur "der schwule/die lesbe" waren.... Ich als schwuler teen hatte Freude an "echter darstellung", millionen anderer teens waren plötzlich Fan von Serien mit queeren Charakteren.... Des war alles so 2000 rum, jetzt sind die teens von damals alle in den dreißigern und ich würde sagen mehrheitlich nicht homophob....

    Kritik ist wichtig und do your thing ey, mich würde dein Kommentar aber eher abschrecken... Und btw glaube ich der Darstellerin auch dass sie keinerlei böse Intentionen hatte sondern sich als kaufstrebende?) Schauspielerin einfach dachte "geil, ne Rolle in einer der aktuell beliebtesten und best bewerteten Serien... Nehm ich!".... Würden wohl die meisten machen!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 RuferInDerWueste
  • 08.04.2020, 20:42h
  • Antwort auf #1 von Ith_
  • "Die meisten Cissen"

    Nur mal so ganz nebenbei bemerkt...
    wie würdest Du Dich eigentlich fühlen, wenn Andere unentwegt "Die meisten Transen" schreiben würden?

    Du erwartest, zu Recht, Respekt - denn den sollte jeder Mensch gleich bekommen, versagst diesen Respekt selbst aber Anderen.

    Glaubst Du ernsthaft, so wird ein tragbarer Schuh draus?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TheDadProfil
  • 08.04.2020, 21:40hHannover
  • Antwort auf #1 von Ith_
  • ""Solche "gefühlten" Support-Statements glaub ich persönlich ja erst, wenn ich von so 3-5 Betroffenen, in dem Fall Trans*-Schauspieler*innen, ausführliche Berichte darüber gesehen habe, wie diese Unterstützung denn konkret ausgesehen hat, und dass sie mit persönlichen Abstrichen verbunden war.""..

    ""persönliche Abstriche"" ?

    Wozu genau ?

    Sich für andere Menschen einzusetzen soll also Deiner Meinung nach mit "persönlichen Nachteilen" verbunden sein, sonst ist dieses Engagement irgendwie nicht "echt genug" ?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TheDadProfil
  • 08.04.2020, 21:47hHannover
  • Antwort auf #6 von Leon 4
  • ""Und sry.... Ja, klar, für cis rollen werden trans abgelehnt weil trans, für trans Rollen wird ne cis genommen... Ist scheiße, sollte nicht so sein,""..

    Vollständig außer Acht gelassen wird hier auch das sich Rollen in Serien durchaus auch dynamisch entwickeln, und Hintergrund erst Dutzende Folgen später geschrieben, und in Rückblenden dann erzählt werden, was zu Anfang als die Figur in der Serie auftauchte noch gar nicht klar war..

    Es ist durchaus vorstellbar dass es auch hier so war, und man für eine Charakterisierung die die Rolle erst im Lauf der Zeit entwickelt hat, am Anfang noch gar nicht an eine Trans*-Figur gedacht hatte, und so dann auch nicht entsprechend gecastet hat..
  • Antworten » | Direktlink »
#10 AuthentizitätAnonym
  • 08.04.2020, 23:15h
  • Antwort auf #5 von Niels
  • "Schauspieler sind ja dafür da in Rollen zu schlüpfen."

    Prinzipiell kann man da nicht widersprechen. Ich erwarte von gutem Schauspiel aber mehr als das.

    Jede Rolle sollte schon vom Drehbuch her stimmig angelegt sein und dann möglichst authentisch dargestellt werden (sofern jedenfalls Realismus angestrebt wird). Sie sollte keine Klischees oder gar platte Vorurteile reproduzieren. Sie sollte idealerweise "Tiefe" und Komplexität aufweisen.

    Ein nur kurzer Blick in die Geschichte des Films reicht aus, um zu erkennen, wie unfassbar häufig sowohl Drehbuchschreibende als auch Schauspielende an solchen Erwartungen grandios gescheitert sind, sobald es um queere und dabei insbesondere um trans Rollen ging. Kann man das leugnen? Ist da etwa keine Skepsis angebracht?

    Und auch wenn sich das Verständnis queeren Lebens inzwischen zumindest in Teilen der Filmbranche sehr vergrößert hat, gehört doch eigentlich nicht viel Fantasie dazu, um sich vorzustellen, weshalb es (bei gleicher schauspielerischer Begabung) trans Schauspieler_innen leichter fallen und eher gelingen wird, eine trans Rolle authentisch, einfühlsam, realistisch und komplex darzustellen als cis Schauspieler_innen, die sich ein Verständnis der Rolle sozusagen erst aus einer größeren Distanz und aus einer Außenperspektive erarbeiten müssen. Diese können dabei nicht so direkt auf den biografischen Fundus zurückgreifen, der in gutes Schauspiel immer einfließt, wie jene es können. Das ist ein Unterschied, den man meiner Meinung nach nicht unterschätzen sollte. Und ehrlich gesagt wundert es mich, dass man auf diesen Unterschied überhaupt hinweisen muss oder dass Einige davon ausgehen, ihn leugnen zu können.

    Das alles wäre nur in dem Fall völlig bedeutungslos, wenn die trans Biografie des Filmcharakters keinen noch so minimalen spezifischen Einfluss auf die Rolle hätte. Das kann man natürlich auch machen, es ist aber nicht immer realistisch.
  • Antworten » | Direktlink »