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Ratgeber

Liebe Erzieher*innen, bitte ignoriert dieses Buch!

Der neue Ratgeber "Transgender und Intergeschlechtlichkeit bei Kita-Kindern" von Inga Becker-Hebly enthält Lücken und verharmlost von Eltern angeordnete Operationen an intergeschlechtlichen Kindern.

  • Von Katja Anton Cronauer
    14. April 2020, 16:09h, 9 Kommentare

Das Buch "Transgender und Intergeschlechtlichkeit bei Kita-Kindern" ist in der Reihe "Die schnelle Hilfe" bei Cornelsen erschienen. Es ist auch als Hörbuch erhältlich

Der Ratgeber "Transgender und Intergeschlechtlichkeit bei Kita-Kindern" von Inga Becker-Heft ist klein und handlich. Ich erwarte von dem Heft, das sich an Erzieher*innen und Eltern richtet, schnelle, leicht verständliche Aufklärung.

Die bekomme ich auch – und zum Teil sehr informativ und richtig. Doch als ich von der dritten Option "divers" lese (Seite 10) und – wie so oft – keinen Hinweis darauf finde, dass es im Rahmen des Personenstandsgesetzes auch möglich ist, den Geschlechtseintrag komplett streichen zu lassen, frage ich mich, welche Lücken diese "schnelle Hilfe" noch so aufweisen wird.

Auf Seite 20 steht dann auch prompt, dass intergeschlechtliche Menschen (ob bei nur manchen oder vielen wird nicht gesagt) "über eventuell stattgefundene operative Maßnahmen im Kindesalter ihr Leben lang traurig waren". Auf Seite 21 wird hinzugefügt, dass "sich eine Operation im Kindesalter nachträglich auch wie eine Kastration oder ein Missbrauch anfühlen kann" und dass "sich mögliche psychische Folgen einer frühen Operation, der man als Kind nicht selbst zustimmen konnte, nur erahnen" ließen.

Aha. Schon mal ein paar der vielen Erfahrungsberichte intergeschlechtlicher Menschen gelesen? Statt "traurig" wäre "traumatisiert" besser. Und was ist mit den physischen Problemen, die auf solche Operationen, oft lebenslang, folgen? Die werden besser nicht erwähnt.

Operationen an Kindern nicht völlig ausgeschlossen

Dann schreibt Becker-Hebly ganz richtig: "Die absolute Mehrzahl von intergeschlechtlichen Kindern braucht kurz- oder langfristig keine medizinische Behandlung" (Seite 34). Optimistisch wie ich bin, hoffe ich, dass nun doch noch darauf eingegangen wird, dass in all diesen Fällen von Operationen an Kindern absolut abzusehen ist. Doch schon im nächsten Absatz folgt: "Manche Eltern wünschen sich dennoch eine medizinische oder chirurgische Angleichung des Geschlechtsmerkmals" (Seite 34). In diesen Fällen empfiehlt Becker-Hebly lediglich "psychosoziale Expert*innen zur Unterstützung einzubeziehen" (Seite 34). Damit diese den Eltern diese Kindeswohl-gefährdende Operationen ausreden? Dazu steht leider nichts weiter da.

Eine sehr fragwürdige schnelle Hilfe. Da die Literatur und Leseempfehlungen am Ende des Büchleins eine sehr gute Auswahl darstellen, kann ich mich nur fragen, ob Becker-Hebly diese selbst gelesen hat.

Infos zum Buch

Inga Becker-Hebly: Transgender und Intergeschlechtlichkeit bei Kita-Kindern. Die schnelle Hilfe. Ratgeber. 48 Seiten. Cornelsen Verlag. Berlon 2020. Taschenbuch: 7,99 € (ISBN 978-3-589-16649-7). Hörbuch; 8,33 €


#1 Leon 4Anonym
  • 14.04.2020, 17:11h
  • ?? Da steht im Zitat sogar dass Frau Diplom-Psychologin mit Fachbereich Forschung Becker-Hebley mitteilt dass solche Operationen für die Betroffenen oft negative Auswirkungen haben und Frau Anton Cronauer hängt sich daran auf dass da "traurig" anstatt "traumatisch" steht...

    Ja ne, is klar.....
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#2 TrollwatchAnonym
#3 zundermxeAnonym
  • 14.04.2020, 18:04h
  • Zum Artikel kann ich mangels tiefer gehender Kenntnisse nicht viel sagen.

    Hätte aber mal eine Frage weil es mich einerseits persönlich interessiert und andererseits meine Nichte junge Erzieherin und Mutter ist:
    Welches Buch ist gerade auf aktuellen Stand und könnte Erzieher*innen als Lektüre empfohlen werden?
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#4 trans naysayerAnonym
  • 14.04.2020, 19:49h
  • Antwort auf #3 von zundermxe
  • "Welches Buch ist gerade auf aktuellen Stand und könnte Erzieher*innen als Lektüre empfohlen werden?"

    Vielleicht können die intersexuellen Menschen in Deutschland Dir weiter helfen und Deine Frage beantworten:

    Intersexuelle Menschen e.V.
    Bundesverband

    www.im-ev.de/
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#5 Katja Anton CronauerAnonym
#6 NochEinTrollwächterAnonym
  • 14.04.2020, 22:47h
  • Antwort auf #1 von Leon 4
  • Wie kommst du angesichts eines weiblich-männlichen Doppelvornamens zu der Zuweisung "Frau"? Ist das eine absichtliche Respektlosigkeit oder fehlt dir sogar das bisschen Phantasie, um selbst darauf zu kommen, was ein solcher Name wohl ausdrücken soll? So oder so, es spricht nicht für dich.
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#7 JadugharProfil
#8 Still_Ith
  • 15.04.2020, 21:41h
  • Antwort auf #2 von Trollwatch
  • Sein Markenzeichen eben, kein Artikel zu Leuten, die er verachtet, die diese Ignoranz nicht auch bitte jedes Mal zu spüren bekommen sollen, wenn sie den Fehler machen, bis zu den Kommentaren runterzuscrollen, die sie betreffen ^^
    Oder auch die Dosis Erziehung bzw. soziale Abwertung für diejenigen, die gegen Solidarität jetzt grundsätzlich nix einzuwenden hätten, an der Stelle aber lernen, dass sie dafür jedes Mal einen drüberbekommen, bis sie's lassen.

    Und als Betroffene*r geht ja bekanntlich eh nichts über die konstante Erinnerung daran, dass du diese Kategorie Mensch dritter Klasse bist, mit der man es machen darf.
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#9 Still_Ith
  • 15.04.2020, 22:48h
  • Antwort auf #3 von zundermxe
  • #5 beipflichtend, wobei 2018 dir natürlich zu alt sein kann, aber "Murat spielt Prinzessin..." wurde doch generell recht positiv aufgenommen?
    Gut genug jedenfalls, dass CDU/CSU und AfD Sturm dagegen gelaufen sind ^^

    www.queerformat.de/wp-content/uploads/mat_kita_QF-Kita-Handr
    eichung-2018.pdf


    Eine Garantie, dass nicht irgendwo was Problematisches drin sein könnte, werd ich aber nicht abgeben, komplett durchgearbeitet hab ich sie im Detail nicht. Von dem her, was ich mir angesehen habe, erscheint's weitestgehend vernünftig und darauf ausgerichtet, den Kindern Freiräume zu schaffen und in der individuellen Entwicklung bestmöglich zu unterstützen. Einige Erklärungen sind auf jeden Fall drin, bei denen's auf Aktualität weniger ankommt, z.B. Erfahrungsberichte oder auch ein genereller Überblick Orientierung/Identität wie auf S. 26/27.

    Wobei, naja, gut, da hätten wir's eigentlich schon... das mit dem "biologischen Geschlecht", was da als Spaltenbeschreibung vorkommt, würd ich als trans*-Person in der Formulierung inzwischen eher nur noch als Verständnisbrücke nutzen, bei Leuten, denen das Thema komplett neu ist. Um die Idee zu begreifen, isses vllt als Zwischenschritt nötig, in unserer dya-cis-heteronormativen Welt, an deren Kategorie die Menschen ja gewöhnt sind. Aber mir kommt's inzwischen regelmäßig hoch, wenn ich mal wieder von Trans*-Männern lesen darf, bei denen im nächsten Satz dann erstmal nachgeschoben wird, dass das ja "biologische Frauen" seien. Um bloß nochmal klarzustellen, dass die "richtige", also die "biologische" Wahrheit natürlich die ist, die transfeindliche Cissen automatisch immer ins Recht setzt, wenn sie uns misgendern, aka dass erstmal nicht wir zu bestimmen haben, was unser "wahres" Geschlecht ist.

    Und selbst wenn du's auf "primäre + sekundäre Geschlechtsmerkmale" runterbrechen willst, leb ich nun beispielsweise auch mit "biologisch" gemischten Merkmalen, obwohl nicht inter (ergo dya), sondern trans*.

    Als Hilfestellung, um in die Themen reinzukommen, dürfte's erstmal taugen, schätze ich.
    Es ist halt generell nicht leicht, einen optimalen Ratgeber in einer Welt zu schreiben, in der's jetzt z.B. sowas wie mich erstmal gar nicht geben sollte, theoretisch. Und ich schätze, vor dem Hintergrund muss man Literatur in dem Bereich halt auch betrachten - gerade, wenn es erstmal um konkrete Tipps im Handeln gehen soll. Das ist halt so eine Ironie bei der Emanzipation von wenig- bis gar-nicht-Akzeptiertem... dass du die Leute erstmal in einer Welt abholen musst, in der es dich nicht geben darf.
    Alles, was eins sich darüber hinaus entwickelt, ist Arbeit, btw auch für Leute, die davon selbst betroffen sind.

    Ach, und an der Stelle @Katja Anton Cronauer, mal ein Danke an dich, dass du dich durch das im Artikel beschriebene Werk durchgequält hast.
    Ich find sowas immer recht mutig bzw. haarig, das zu tun, weil man nie so richtig weiß, was eine*n darin erwartet.

    Was die angedeutete Schönrederei bzgl. der bedauernswerten Eltern angeht, deren Scham bzw. Befindlichkeiten irgendwie als kostbarer angesehen werden denn die körperliche und in der Folge auch psychische Gesundheit ihrer Kinder, kann ich dir nur zustimmen, dass das ne Warnung verdient.
    Wär wahrscheinlich so'n Punkt gewesen, an dem ich das Ding in die Ecke geworfen hätte, sofern Leihgabe. Ne Wertung zugunsten der elterlichen Befindlichkeit > Kindeswohl riech ich da nämlich auch heraus, u sowas sollte heutzutage eigentlich ein selbstverständliches No-Go sein.
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