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Homophobie

US-Polizisten locken Grindr-Nutzer in eine Falle

Noch immer setzen homophobe US-Sheriffs Lockvögel auf Schwule an, um diese dann festnehmen und in den Medien an den Pranger stellen zu können. Jetzt wurde ein neuer Fall aus dem ländlichen Georgia bekannt.


Vorsicht bei Grindr-Nutzung in den USA: Am anderen Ende könnten verdeckte Beamte stecken

Die Polizei im Norden Georgias macht offenbar gezielt Jagd auf schwule Nutzer von Online-Dating-Seiten. Das berichtet das regionale queere Magazin "Project Q". So hätten die Beamten im ländlichen Bezirk Dawson Anfang März neun Männer festgenommen und mindestens einen von ihnen "aggressiv verfolgt".

Eine Lokalzeitung hatte (auch online) über die Festnahmen berichtet und dabei den vollen Namen und Polizeibilder der 23 bis 50 Jahre alten Verdächtigen veröffentlicht – teilweise wurde sogar der Arbeitgeber der Beschuldigten in dem Artikel erwähnt. Die Männer werden von den Behörden unter anderem der Zuhälterei beschuldigt, teilweise auch der Strafvereitelung, des Besitzes von Cannabis oder ähnlichen Vergehen. Manchen wurde auch das schwerwiegende Delikt Drogenhandel vorgeworfen.

Undercover-Polizist: "Ich will kiffen und ficken"

"Project Q" berichtet detailliert von einem Verdächtigen, der von einem verdeckten Ermittler auf Grindr angeschrieben und in ein Hotel nach Dawsonville zum Sex eingeladen worden sei. Der Ermittler habe den Benutzernamen "Charlie[looking for]420" benutzt. "420" ist ein Codewort für Cannabis-Konsumenten. Der Beamte habe dem "Project Q"-Bericht zufolge ein Gespräch über Marihuana mit seinem Opfer begonnen. Der schwule Mann habe erklärt, dass er ein Konsument sei, dann habe der Beamte gefragt, ob er auch etwas habe könne ("Teilst du mit mir?"). Er habe sogar angeboten, die Papers zu stellen. "Ich will kiffen und ficken", habe er geschrieben. "Daran ist nicht falsch", habe sein Opfer geantwortet.

Im Haftbefehl habe der Beamte später geschrieben, dass der Mann ihn "zu einem Akt von Prostitution im Tausch für Marihuana" aufgefordert habe, so "Project Q". Dies sei aber laut Chat-Protokollen nicht wahr. Marihuana ist in einem großen Teil von Georgia entkriminalisiert, allerdings nicht im Bezirk Dawson.

Homophobe Taktik "völlig aus der Zeit gefallen"

Greg Nevins vom LGBTI-Juristenverband Lambda Legal erklärte gegenüber "Project Q", dass insbesondere der Vorwurf der Zuhälterei haltlos sei. Außerdem wies er auf eine veränderte Taktik von homophoben Behörden hin: "Früher haben sie versucht, Cruising in Parks zu verhindern, angeblich um Kinder zu schützen", so Nevins. Mit Online-Dating sei dies aber nicht mehr möglich, wenn sich die Nutzer hinter verschlossenen Türen treffen. Die Aktion der Polizei sei völlig aus der Zeit gefallen.

Bezirkssheriff Jeff Johnson stritt gegenüber der britischen "Daily Mail" Vorwürfe der Homophobie ab. "Die Schlussfolgerung, dass diese Männer wegen ihrer Sexualität anvisiert wurden, ist einfach falsch." Der Artikel in "Project Q" zeige nicht das ganze Bild, so Johnson, ohne weitere Details zu nennen. Er sehe auch kein Problem damit, dass die Identität aller Verdächtigen vor einer Verurteilung veröffentlicht wird – man mache eben alle Festnahmen öffentlich.


Bezirkssheriff Jeff Johnson hält die Festnahme der Grindr-Nutzer für rechtmäßig (Bild: Dawson County Sheriff's Office)

Die Lockvogelermittlungen gegen schwule Männer sorgen bereits seit Jahrzehnten in den USA für Aufregung. Letztes Jahr nahmen verdeckte Ermittler in der Bundeshauptstadt Washington beispielsweise 26 Männer wegen Cruisings in einem unter Afro-Amerikanern populären Park fest (queer.de berichtete).

Das bekannteste Opfer dieser Polizeitaktik war der Popsänger George Michael: 1998 wurde der damals ungeoutete Brite in einem Park in Los Angeles von einem Zivilpolizisten erst geködert und anschließend festgenommen. Da auch er an den medialen Pranger gestellt wurde, bedeutete die Festnahme praktisch ein Outing. Der Popstar wurde am Ende zu einer Geldstrafe in Höhe von 810 Dollar, 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer psychologischen Beratung verurteilt.

Michael veröffentlichte als Protest gegen das Polizeiverhalten ein halbes Jahr nach dem Vorfall den Song "Outside", der insbesondere in Europa erfolgreich war. Im Musikvideo sind Verhaftungen wegen "unsittlichen Verhaltens" und zwei sich küssende Polizisten zu sehen. Der Polizist, der Michael festgenommen hatte, sah sich durch das Video verspottet und verklagte Michael auf zehn Millionen Dollar – ohne Erfolg. (dk)



#1 FinnAnonym
  • 15.04.2020, 16:09h
  • Was sind das denn für Zustände?

    Das ist ja wie in schlimmsten Diktaturen...

    Was ist denn illegal daran, wenn sich Schwule daten? Werden Heteros, die solche Apps nutzen, genauso verfolgt? Und die dann auch noch öffentlich an den Pranger zu stellen, kennt man sonst nur von Bananenrepubliken...

    Es wird sowas von Zeit für einen politischen Wechsel, wo dann hoffentlich solchen Praktiken ein Riegel vorgeschoben wird.
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#2 Leon 4Anonym
  • 15.04.2020, 17:10h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Ich wette die Nordkoreaner und Somalianer (?? Somalier??) haben da ne latent andere Meinung @ "schlimmer als Diktatur".... oO

    Sind solche Aktionen nicht als solches schlimm genug? Muss man immer noch ne Art Superlativ dranhängen damit auch jeder weiß wie ganz doll schlimm man das alles findet.....?

    Shit, schon allein das dort in inländischen Medien berichtet und kritisiert wird steht doch schon völlig im Gegensatz zu irgendeiner "Diktatur".....
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#3 LevinAnonym
  • 15.04.2020, 18:16h
  • Antwort auf #2 von Leon 4
  • Also wirklich, das ist ja echt ne zielführende Antwort. Da wird ein mieses System, zu Recht wie ich finde, kritisiert und das einzige was dir einfällt ist das es ja doof ist superlative dafür zu benutzen. Wen interessieren den die Superlativen wenn die Zustände dort unsere Art zu Leben mit solchen Methoden angreifen. Schämen müssen sie sich ! Von den USA erwarte ich aber in vielerlei Dingen nicht's mehr.
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#4 FinnAnonym
  • 15.04.2020, 18:36h
  • Antwort auf #2 von Leon 4
  • 1.
    Du willst mir jetzt aber nicht vorschreiben, welche Meinung ich haben darf und was ich davon äußern darf, oder?

    2.
    Wenn Du mich schon zitierst, solltest Du das auch korrekt machen und mir Aussagen (auch noch als Zitat markiert) unterschieben, die ich gar nicht gemacht habe.

    Ich sprach nicht davon, dass das "schlimmer als Diktatur" sei, sondern; "Das ist ja wie in schlimmsten Diktaturen..."

    Meines war eine Gleichstellung, Du unterstellst mir, dass ich Diktaturen weniger schlimm fände.

    Und ich habe auch nicht die USA als Diktatur bezeichnet, zumal es auch dort genug Leute gibt, die sich auch darüber aufregen. Ich habe nur gesagt, dass dieses Verhalten von diesen Personen "wie in schlimmsten Diktaturen" ist.

    Das ist ganz schlechter Stil, anderen Dinge (auch noch als wörtliches Zitat) zu unterstellen, die sie gar nicht gesagt haben. Aber so kennen wir Dich ja.

    3.
    Ja, wenn man Menschen, die sich verabreden und vielleicht auch (EINVERNEHMLICHEN !!!) Sex haben:
    - in die Falle lockt,
    - dann festnimmt (obwohl sie keine Straftat begangen haben),
    - in den Medien an den Pranger stellt

    dann ist das für mich tatsächlich etwas, was ich sonst von keinem demokratischen Rechtsstaat kenne, sondern solche Meldungen lese ich sonst nur aus Diktaturen.

    Also ist das für mich einen Vergleich wert.

    Wenn Du der Meinung bist, dass solche Maßnahmen in den USA weniger schlimm sind als in irgendwelchen Diktaturen, dann kannst Du gerne argumentieren, warum Du das so siehst.

    Aber höre endlich auf, anderen immer den Mund verbieten zu wollen.
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#5 RelationenAnonym
  • 15.04.2020, 18:58h
  • Antwort auf #2 von Leon 4
  • Sorry, aber Du hast ein wenig die Relationen verschoben.

    Hast Du den Artikel überhaupt gelesen?

    Staatliche Stellen locken gezielt Schwule in die Falle, nehmen sie dann fest und stellen sie in öffentlichen Medien bloß.

    Schon mal an die Konsequenzen gedacht?

    Wie viele Opfer dieser Staatswillkür werden dadurch ihre Jobs verlieren, werden Freunde und Angehörige verlieren, werden von Nachbarn dumm angeguckt oder gemobbt, etc. Und wie viele werden sich vielleicht sogar deshalb das Leben nehmen?

    Statt das zu kritisieren, ist das einzige, was Dir dazu einfällt, andere Nutzer wegen ihrer Wortwahl zu kritisieren...

    DAS zeigt, dass Dir jede Relation abhanden gekommen ist.

    Und im übrigen finde ich den Vergleich gar nicht so unpassend. Denn auch ich kenne solche Methoden sonst nur aus Diktaturen. Früher gab es solche rosa Listen bei den Nazis. Heute findet man sowas in manchen afrikanischen und asiatischen Diktaturen. Aber sowas habe ich tatsächlich noch nie aus einer echten Demokratie gehört.
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#6 TheDadProfil
  • 15.04.2020, 19:16hHannover
  • Antwort auf #5 von Relationen
  • ""Denn auch ich kenne solche Methoden sonst nur aus Diktaturen. Früher gab es solche rosa Listen bei den Nazis.""..

    Die von den bundesdeutschen Behörden weiter genutzt, und auch weiter geführt wurden..
    Übrigens auch in der DDR..

    ""Heute findet man sowas in manchen afrikanischen und asiatischen Diktaturen. Aber sowas habe ich tatsächlich noch nie aus einer echten Demokratie gehört.""..

    Der Artikel beweist das Gegenteil..

    Solche "Verhaltensweisen" der Behörden waren auch in allen anderen europäischen Staaten präsent, in GB bis zur Aufhebung der "Clause28" im Jahr 2003..
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Halb-BriteAnonym
  • 15.04.2020, 20:54h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • "Übrigens auch in der DDR.."

    Was einer von zahlreichen Gründen ist, weshalb auch die DDR nicht als Demokratie bezeichnet werden konnte.

    --------------------

    "Solche "Verhaltensweisen" der Behörden waren auch in allen anderen europäischen Staaten präsent, in GB bis zur Aufhebung der "Clause28" im Jahr 2003.."

    Sorry, aber es gab auch 2003 in GB keine rosa Listen in öffentlichen Medien. Wer hat Dir denn den Blödsinn weisgemacht?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TimonAnonym
  • 15.04.2020, 22:07h
  • Da werden Schwule an den öffentlichen Pranger gestellt und zum Freiwild erklärt. Egal wohin die umziehen, das wird jeder künftige Nachbar, jeder künftige Kollege, jeder künftige Arbeitgeber bei einer Suche nach dieser Person im Internet finden.

    Und was ist die größte Sorge mancher Kommentatoren hier?

    Ob die Wortwahl der Kritiker angemessen ist oder nicht.

    Habt ihr keine anderen Sorgen, als dass man GLBT-Hasser vielleicht nicht mild genug behandelt?

    Bei solchen Leuten braucht man keine GLBT-Hasser mehr.
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#9 Homonklin_NZAnonym
  • 16.04.2020, 00:28h
  • Antwort auf #8 von Timon
  • Wenn es so immer noch ist, ist es in den USA etwas einfacher, seinen Namen ändern zu lassen.

    Aber das ändert nichts am Unrecht dieser Entrapment-Law. Ich dachte etwa, das wäre längst abgeschafft, sogar bei Vice und Drug Forces. Anscheinend wird da jetzt die Drogenkontrolle vorgeschützt, um Schwule in die Falle zu locken, die kiffen, um es natürlich hinterher so darzustellen, als nehme man Kiffer fest, die zufällig Schwule sind.
    Durchschaubar und shabby.

    Wenn man genau hinguckt, sitzen wahrscheinlich so einige Religioten und konservative Ewiggestrige hinter den homophoben Sheriffs und Gemeindeverwaltungen da.
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#10 Julian SAnonym
  • 16.04.2020, 10:59h
  • Antwort auf #9 von Homonklin_NZ
  • Wobei ich es schon krass fände, wenn man seinen Namen ändern müsste, obwohl man nichts falsches getan hat und nur weil man wegen seiner Identität an den Pranger gestellt wird.

    Der Name ist ja auch Teil von einem selbst und der eigenen Identität. Ich würde nicht meinen Namen ändern wollen - erst recht nicht deswegen. Zumal es ja hoffentlich auch Leute gibt, die einen dann nicht fallen lassen und die dann auch den neuen Namen nutzen müssten.

    Stattdessen sollte man lieber diese skandalösen Vorgänge beenden.
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