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Studie
Asexuelle und trans Menschen sind während der Coronakrise besonders einsam
Die Folgen der Corona-Pandemie treffen laut einer deutschen Studie manche Gruppen härter als andere.

Zu Hause bleiben zu müssen, Familienmitglieder und Freunde nur noch digital sehen zu dürfen, die heißersehnte Urlaubsreise nicht antreten zu können – die Corona-Pandemie führt zu starken Einschränkungen des Alltags (Bild: daniMU / flickr)
- 16. April 2020, 09:05h 3 Min.
Menschen ohne Partner*in leiden unter der Coronakrise stärker als Personen in einer Beziehung – besonders einsam fühlen sich auch asexuelle und trans Menschen. Das sind einige der Ergebnisse einer Untersuchung der Fachhochschule Münster und der Berliner Universitätsklinik Charité, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Die Forscher unter Führung von Dr. Wolfram Herrmann vom Fachbereich Gesundheit der FH Münster hatten einen Fragebogen ausgewertet, der einen Schwerpunkt auf lesbische, schwule, bisexuelle und trans Menschen richtete.
"Besonders einsam fühlen sich Menschen, die keinen Partner oder keine Partner haben und/oder allein wohnen – völlig unabhängig von der sexuellen Orientierung", erklärte Herrmann. Verstärkt werde dies durch die Tatsache, dass viele Menschen derzeit im Homeoffice arbeiten. "Nicht ins Büro gehen zu können bedeutet auch, weniger persönlichen Kontakt mit anderen Menschen haben zu dürfen. Wir alle agieren derzeit überwiegend digital, damit kommen die einen besser und die anderen schlechter zurecht." Einsamkeit sei ein wichtiger Einflussfaktor auf Depressivität, so der Experte für das öffentliche Gesundheitswesen. "Es ist deshalb ganz wichtig, besonders diejenigen zu erreichen, die allein leben. Hier ist die Gefahr am größten, ernsthafte psychische Probleme zu bekommen."
Unterschiede "für uns völlig überraschend"
Diese Ergebnisse seien nicht besonders überraschend, in einem anderen Punkt sehe das jedoch anders aus: "Wir haben herausgefunden, dass sich asexuelle und trans Menschen deutlich einsamer fühlen als andere." Während nur ungefähr 15 Prozent der cis- und heterosexuellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer angaben, sich einsam zu fühlen, waren es bei den asexuellen und trans Menschen zirka 50 Prozent. "Dieser Unterschied ist sehr gravierend und für uns völlig überraschend." Warum das so sei, bleibe unklar.
"Es gibt viele Beratungsstellen, natürlich auch für asexuelle und trans Menschen. Wegen des Coronavirus sind derzeit auch diese Anlaufstellen geschlossen, und ich befürchte, es gibt wenige digitale Beratungsangebote", so der Wissenschaftler. Das sei grundsätzlich aber auch gar nicht so einfach, weil Kontakt von Angesicht zu Angesicht wichtig sei. "Im Prinzip fehlt also derzeit die Möglichkeit, sich persönlich bei Menschen Hilfe zu holen". Hilfsangebote, die während der Coronakrise angeboten werden, sind unter anderem auf der #QueerCoronaSupport-Seite auf queer.de abrufbar.

Prof. Dr. med. Wolfram Herrmann lehrt und forscht an der Fachhochschule im westfälischen Münster (Bild: FH Münster / Wilfried Gerharz)
Struktur im Alltag schaffen
Ein weiterer Teil der Studie beschäftigt sich mit der Lebenszufriedenheit, die trotz Coronakrise insgesamt gar nicht so schlecht sei, so Herrmann. Aber: "Diejenigen, die sich einsamer fühlen, haben auch eine deutlich geringere Lebenszufriedenheit." Ob und wie sich das wieder ändere, hänge maßgeblich mit dem Verlauf der Coronakrise zusammen. "Um die Lebenszufriedenheit zu steigern, wäre es wichtig, dass Menschen wieder arbeiten gehen dürfen." Weil aber das in nächster Zeit nur beschränkt möglich sei, sei es wichtig, Struktur im Alltag zu schaffen. "Das kann vieles sein: ein kleiner Spaziergang jeden Morgen, ein regelmäßiges Mittagessen mit Freunden per Skype, ein Online-Workout jeden Nachmittag. Vielen Menschen hilft es, ein bisschen Alltag in die heimischen vier Wände zu holen, und das bedeutet auch: digital an Veranstaltungen teilnehmen und sich online mit Freunden und Familienmitgliedern verabreden."
In der Studie konnten die Wissenschaftler auch zeigen, dass die Kontakte mit Freunden und Arbeitskollegen abnehmen, während Kontakte zur Familie zunehmen – vor allem per Telefon und Videotelefonie. "Das passiert aber nicht so stark, wie die persönliche Gespräche weniger werden", sagt Herrmann.
An der Studie haben insgesamt über 2.600 Menschen teilgenommen. Sie kommen aus allen Bundesländern und sind nach Angaben der Wissenschaftler hinsichtlich ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität bunt gemischt. (pm/dk)














