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Dickenphobie

Kein Sex mit Männern, die "keine Fetten" wollen!

Die große Angst, in der Heimquarantäne "dick" zu werden, offenbart ein generelles Problem mit Dickenphobie in der schwulen Community. Eine Studie dazu und ein paar Ideen, wie wir das ändern können.


Keine Angst vor Hüftgold, bitte! (Bild: Michal Jarmoluk / Pixabay)

Na, hat dir heute schon jemand gesagt, dass du zu fett bist? Oder hast du dir heute schon dein Spiegelbild angeguckt und dich hässlich gefunden, weil du nicht aussiehst wie ein 23-Jähriger, der jeden Tag in die Muckibude rennt? Nicht? Was ist denn mit dir los? Bist du überhaupt richtig schwul? Weil: Schwule Männer machen sowas zu einem erstaunlich großen Anteil ständig.

Der aktuellste Beweis: die Angst davor, nach der Heimquarantäne, in der ja auch Fitnessstudios geschlossen sind, "fett" zu sein, generell Gewicht zugelegt zu haben oder nicht mehr der Körpernorm der schwulen Szene zu entsprechen. Ausführlich dokumentiert in allen sozialen Medien deiner Wahl. Ein bisschen unverständlich ist das schon, schließlich fühlt sich davon, dass Menschen Bilder von dicken Männern, Elefanten oder Harry Potters aufgeblasener, fliegender Tante posten und darunter schreiben, "Ich nach der Heimquarantäne" wirklich niemand besser.

Der Postende schreibt eigentlich: "Ich habe Angst davor dick zu sein. Angst, deswegen nicht mehr geliebt zu werden. Kann mir nicht vorstellen, mit so einem Körper begehrt zu werden oder guten Sex zu haben." Und hat wahrscheinlich deswegen ein eher angestrengtes Verhältnis zu Essen jeder Art. Und findet, Dicke sind generell total lustig, weil absurd, oder? Derjenige mit einem höheren BMI, der das sieht, bekommt von ihm gesagt: "Du hast einen Körper, der generell zum Brüllen ist und vor dem ich Angst hätte, müsste ich ihn selber haben."

"Nur sportliche Männer, bitte"

Wer sein Fat-Shaming direkter mag, ist bei Grindr. Planetromeo, Hornet und jeder anderen Datingplattform für Männer, die Sex mit Männern haben, gut aufgehoben. "Keine Fetten", oder höflicher "Nur sportliche Männer, bitte" in sein Profil zu schreiben, um potentielle Partner für Geschlechtsverkehr anzusprechen, gilt auch bei Menschen als völlig okay., die mit "keine Asiaten" oder "keine Türken" ein echtes Problem hätten. Dabei ist es genauso bescheuert und genauso ausgrenzend.

Dickeren Männern auch in der freien Wildbahn ungefragt Tipps zu Bewegung oder Ernährung zu geben oder zu kommentieren, was, wie oft oder welche Mengen Menschen, die nicht schlank sind, essen, ist der absolute Normalzustand in der schwulen Szene. Genauso wie sich stundenlang darüber zu unterhalten, wie man bestimmte Formen von Gewicht, nämlich Muskeln, aufbaut. Was dazu führt, dass schwule Männer ihre Körper zu einem Anteil falsch finden, der nur noch von heterosexuellen Frauen übertroffen wird und dreimal größer ist als der bei heterosexuellen Männern. Warum machen wir sowas miteinander?


Stolz, dick und schwul: Auch dieser Pride-Teilnehmer braucht keine ungefragten Ernährungstipps (Bild: Enrico / flickr)

Eine Studie, die vor einiger Zeit im Wissenschaftsjournal "Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity" veröffentlicht wurde, beschäftigt sich mit dieser schwulen "Antifat Bias". Unter dem Titel "Fat chance! Experiences and expectations of antifat bias in the gay male community" finden sich einige sehr unschöne Ergebnisse. 215 schwule Männer zwischen 18 Jahren und 78 Jahren wurden unter anderem gefragt, ob sie in der letzten Zeit wegen ihres Gewichts offen diskriminiert worden seien. Ein Drittel bejahte das. Obwohl 90 Prozent der Befragten nach dem üblichen Body Mass Index nicht übergewichtig waren. Die häufigsten Erfahrungen dieser Art von Diskriminierung passierten im Umgang mit potentiellen Partnern für Liebe oder Sex. Wie romantisch.

Diskriminierung wird ganz selbstverständlich erwartet

In einer weiterführenden Studie wurde überprüft, inwieweit schwule Männer diese Diskriminierung schon erwarten oder als selbstverständlichen Teil ihrer Umwelt wahrnehmen. Dafür wurde den Studien-Teilnehmern eine Situation gezeigt, in der ein dicker Mann einen anderen Mann, der nicht dick ist, anspricht. Sie wurden gefragt welche Reaktion sie von dem "attraktiveren" Mann erwarten. Ergebnis: Ein übergroßer Anteil schwuler Männer rechnete damit, dass "der dicke Mann einfach ignoriert wird", "er unhöflich behandelt wird" oder "das der attraktive Mann und seine Freunde sich hinterher über den dicken Mann lustig machen".

Ist das nicht nett? Nö. Und ja, man könnte jetzt sagen, dass die Teilnehmerzahl der Studien nicht zu belastbaren Ergebnissen führen kann, weil sie zu klein ist. Aber entsprechen die Ergebnisse nicht einfach auch unser aller Erfahrung? Die schwule Szene ist schließlich so körperfeindlich, dass wir Unterkategorien wie "Bär" oder "Otter" brauchen, um Körper zu beschreiben, die nicht schlank, haarlos und/oder jung sind. Und damit Männer mit diesen Körpern Orte haben, egal ob im wahren Leben oder virtuell, an denen sie vor Diskriminierung aufgrund ihrer Körperlichkeit einigermaßen geschützt sind.


Schön oder nicht schön? Das liegt im Auge des Betrachters (Bild: torbakhopper / flickr)

Wer was dagegen tun will, kann damit anfangen sich klarzumachen, dass schlank oder muskulös zu sein, ein Privileg ist. Besuche im Fitnessstudio, Eiweißpulver und eine bestimmte Form von Ernährung muss man sich nicht nur finanziell und zeitlich leisten können, man muss auch gesund sein und in einen bestimmten Gen-Pool haben, um einen bestimmten Körper überhaupt bekommen zu können.

Dann ist da die Frage, warum allgemein angenommen wird, Kerle mit etwas mehr Masse auf den Hüften würden sich so nicht wohl fühlen oder hässlich finden, weswegen man ihnen helfen müsste, ihre Körper zu verändern. Wer das glaubt, dem sei gesagt: Das passiert nur in deinem eigenen Kopf, nicht in dem dickerer Männer. Du überträgst einfach nur deine eigene Fettphobie auf den Körper eines anderen Menschen und benutzt den dann als Austragungsort für deine eigenen Ängste. Das kannst du einfach mal lassen.

Sind fünf Kilo mehr oder weniger wirklich ein Problem?

Wer wissen will, ob und wie dicke schwule Männer befriedigenden Sex haben, sollte sie einfach fragen. Es könnte sein, dass einige von uns nach den Antworten weniger ins Fitnessstudio müssen, weil sie einiges über Zärtlichkeit, Ausdauer, Kink, erogene Zonen oder Techniken lernen, die mit der üblichen "Tiefer, schneller, mehr!"-Sexualität, für das sich viele ihren Fitnessstudiokörper erst zugelegt haben, nichts zu tun haben. Dafür aber deutlich befriedigender sind als auf Ketamin 15 Kerle pro Nacht zu ficken.

Und hört auf, mit Männern zu schlafen, die "keine Fetten" in ihrem Profil stehen haben! Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das miese Liebhaber sind, deren Vorstellungskraft zum Thema Sexualität nicht ausreicht, um sich Sex mit jemandem auch nur vorzustellen, der anders gebaut ist als sie selbst. Was kein besonders ermutigendes Zeichen für phantasievollen, geilen Sex ist.

Die Angst vor körperlichen Veränderungen in der Heimquarantäne könnte mensch dadurch ersetzen, sich über sein generelles Verhältnis zu seinem eigenen Körper Gedanken zu machen. Sind fünf Kilo mehr oder weniger wirklich ein Problem? Oder zehn? Würdest du dich oder deinen festen Partner weniger lieben, wenn mehr von ihm oder dir da wäre? Wenn ja, warum ist das so? Macht das Sinn? Und, wenn nicht, können wir mit der Dickendiskriminierung bitte einfach aufhören? Danke.



#1 ElfolfProfil
  • 17.04.2020, 06:15hHamburg
  • Ein schöner und, leider auch, seltener Artikel. Die meisten werden die Erfahrung machen, dass man spätestens mit Mitte Dreißig seinen Körper nicht mehr so leicht unter Kontrolle hält. Natürlich spielt sich Sex auch im Kopf ab. Dort sind Bilder des Ideals abgespeichert, von dem der potentielle Partner nicht allzuweit abweichen sollte. Was dem einen zu dick, ist dem anderen zu dünn oder zu jung, zu haarig oder zu glatt, zu feminin oder zu maskulin. Man kann nicht aus seiner Haut, weder, was das Wunschbild, noch, was die eigene Figur angeht. Wer in irgendeiner Richtung vom Ideal abweicht, hat es schwerer einen Partner zu finden, es ist aber nicht ausgeschlossen. Wir dürfen nicht übersehen, dass ein Teil der Community einfach nur oberflächlich denkt, bis sie selbst älter werden. Dann ändern sich auch die Ansprüche.
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#2 EdeltraudAnonym
  • 17.04.2020, 07:38h
  • Dann sollte man den schwulen Sex am besten einstellen, das ist Sex mit Männern, die keine Frauen wollen und das ist diskriminierend.

    Leute, man sollte schon zwischen Sex und sozialem Alltagsumgang unterscheiden. Wenn mich etwas nicht erregt, dann vögele ich es auch nicht. Ich respektiere es aber als Mitmenschen.
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#3 dasESAnonym
  • 17.04.2020, 08:16h
  • Antwort auf #2 von Edeltraud
  • Antwort vom versachlichten Gegenüber:
    Lass einfach stecken. Habe kein Interesse von dir wertgeschätzt zu werden.
    Brauche nicht noch einen in meinem Leben, der mich so wertvoll findet und mir sowohl meine Sexualität abspricht als auch dauernd erwähnt wie scheisse doch mein äußeres ist.
    Hiermit also ein gepflegtes fuck off!
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#4 EdeltraudAnonym
  • 17.04.2020, 08:32h
  • Antwort auf #3 von dasES
  • Musst Du ja auch nicht.

    Mich wundert nur, wo das Anspruchsdenken herkommt, dass jeder auf einen scharf zu sein hat?

    Wenn man zwischen Ficken und alltäglichem sozialen Umgang nicht unterscheiden kann, dann stimmt etwas nicht. Kein sexuelles Interesse an jemandem zu haben ist etwas, was sich nicht bewusst steuern lässt. Ansonsten könnte man in der Tat verlangen, dass alle Schwulen in Zukunft gefälligst Sex mit Frauen haben sollten, weil eine Verweigerung desselben diskriminierend ist.
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#5 JohannbAnonym
  • 17.04.2020, 09:20h
  • Danke für diesen Artikel in dieser Zeit. Gerade jetzt führt es einem vor Augen: wer nicht genügend Muskeln hat und ein busserl Fett hat, der kann sich das Fitnesstudio nicht leisten. Kann aber auch einfach sein, dass er genetisch halt eher der Dürre oder der Volumige ist. Ein schlankes Gesicht, breite Schultern, kleine, unterste Rippe für einenen Dreiecksoberkörper. Und dann ist es auch so, dass man sich die Zeit leisten können muss, die man für Sport für einen Fitnesskörper braucht. Ein paar Muskeln gehen immer, aber für nen trainierten Körper brauchst halt ab 30 schon ein paar Stunden pro Woche. Wer z.b. selbstständig kennt die Situationen zu genüge. Dann muss ja auch noch das eigene Leben organisiert sein (Putzkräfte kriegt man halt nur an mit ÖVM erreichbaren Orten und nen Koch, Gärtner, Automechaniker, Behördenmanagerin kann sich auch ned jeder leisten).
    Da können wohl nur Leute mitreden, die sich auch ohne Quarantäne nicht die Zeit in den Bauch treten.
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#6 CatweazleAnonym
  • 17.04.2020, 09:45h
  • Ich mag's, wenn Männer einen kleinen Bauch haben, und extreme Muskeln törnen mich eher ab. Jeder Jeck ist eben anders.
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#7 WadimAnonym
  • 17.04.2020, 09:50h
  • Wenn ich oral befriedigt werde, spielt für mich das Übergewicht des Partners keine Rolle.
    Anal penetriert von einem molligen Mann werden, ist für mich sogar erregend. Wenn einer wegen seinem Übergewicht kein hoch kriegen kann, könnte auch kein Problem sein: außer eines Schwanzes gibt es zärtliche Hände, Finger und Zunge. Eine gute Persönlichkeit des Partners ist auch wichtig.
    ICH persönlich hätte gerne 5 Kilo losgeworden.
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#8 Pinguin
  • 17.04.2020, 09:57h
  • Ein sehr richtiger und nötiger Artikel. Leider.

    Für mich muss das "Gesamtpaket" Mann stimmen. Dazu zählen Empathie, emotionaler Tiefgang und noch viele weitere Dinge. Die äußere Verpackung ist dann nur das i-Tüpfelchen.

    Natürlich kann und darf jeder das lieben was er für richtig und geil hält. Aber es schadet ja nicht, sich mal etwas Selbstreflexion zu gönnen und etwas genauer über seine Vorlieben und Männergeschmack nachzudenken.

    Wie im Artikel schon richtig stand ist es ein Privileg. Ein Körper kann und wird sich verändern, wir alle sind nicht vor Alter und Krankheit gefeit. Etwas mehr Entspanntheit und Tolereanz würde uns allen gut tun. Dann müssen wir vor Alter und Krankheit keine Angst mehr haben.

    Bleibt gesund!
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#9 Pink FlamingoAnonym
  • 17.04.2020, 10:07h
  • Antwort auf #6 von Catweazle
  • Richtig. Ich gestehe, dass ich schon immer auf schmalbrüstige, schlanke Männer mit kleinen Knackarsch stehe. Schwanzlänge hat mich nie interessiert. Aber noch wichtiger finde ich Gesichter. Ich bin immerschon fasziniert von schöne Augen und sinnliche Lippen.
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#10 IckeAnonym
  • 17.04.2020, 10:08h
  • Die größte Krankheit der Menschheit ist nicht Krebs oder Corona, es ist die Fettleibigkeit. Überall werden die Menschen immer fetter und fetter, natürlich sollte man sich wohl in seiner Haut fühlen und 5 Kilo zu viel auf den Rippen stören nicht und können durchaus ihren Reiz haben. Nur wird aus 5 Kilo dann gerne 5,dann 10 und man wird älter und es geht nicht mehr so fix weg wie mit 20 und es baut sich ein Teufelskreis auf. Ja es ist ein schwieriges Thema, natürlich hat niemand andere und schon gar nicht Fremde zu kritisieren, aber zu fett ist auch nicht gut und gesund und durch kaputte Knie und verstopfte Arterien belastet man dann auch die Krankenkassen, was dann die Allgemeinheit wieder zahlen muss.
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