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Nach Gerücht über Schwulen in neuer Serie

Türkei: Homo-Hasser rufen zu Netflix-Boykott auf

Weil der amerikanische Streamigdienst in einer eigenproduzierten türkischen Serie angeblich einen schwule Figur eingebaut hat, wird Netflix als "Feind des Islams" diffamiert.


Die achtteilige Serie "Love 101" geht während des Ramadans an den Start (Bild: Netflix)

Kommende Woche soll die türkische Teenie-Serie "Love 101" weltweit bei Netflix an den Start gehen. Nach Angaben von Reuters gibt es in der Türkei gegen den Streamingdienst derzeit einen Shitstorm, weil das Gerücht verbreitet wurde, dass in der achtteiligen Serie eine schwule Figur vorkommen soll. Obwohl dieses Gerücht laut der Istanbuler Tageszeitung "Hürriyet" falsch sei, schaltete sich die Rundfunkaufsichtsbehörde ein. Die Serie spielt Ende der Neunzigerjahre und handelt davon, wie Schüler ihren einsamen Lehrer verkuppeln wollen.

Die Meldung von der schwulen Figur wurde von dem inzwischen gelöschten Twitter-Konto "@love101netflix" verbreitet. Demnach soll einer der Schüler schwul sein. Dies wurde vor allem kritisiert, weil Serienstart der 24. April ist – und damit einen Tag, nachdem der islamische Fastenmonat Ramadan beginnt.


Auch hierzulande wird die Serie im Original oder in einer deutschen Synchronfassung ab dem 24. April zu sehen sein (Bild: netflix.de)

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TV-Aufsichtsbehörde will Homosexualität nicht "tolerieren"

"Wir werden keine Sendungen tolerieren, die den nationalen und spirituellen Werten unserer Gesellschaft zuwiderlaufen", erklärte Ebubekir Sahin, der Chef des Obersten Rates für Radio und Fernsehen (RTÜK), diese Woche gegenüber der regierungstreuen türkischen Zeitung "Yeni Akit". Der RTÜK ist die oberste Regulierungsbehörde für privaten Rundfunk. Netflix hat sich bislang nicht zu den "Vorwürfen" geäußert, warnte aber pauschal vor "Fehlinformationen".

In sozialen Netzwerken gab es viele Hassbotschaften gegen den amerikanischen Streamingdienst. Viele rufen zu einem Boykott auf. Netflix wurde unter anderem vorgeworfen, "Unmoral zu normalisieren" und ein "Feind des Islams" zu sein.

Homosexualität ist in der Türkei zwar seit 1858 legal – Deutschland schaffte sein Homo-Verbot 111 Jahre später teilweise ab. Allerdings hat sich in der Türkei insbesondere in den letzten Jahren die Stimmung gegenüber sexuellen Minderheiten verschärft. Dazu trägt auch die Regierung des Autokraten Recep Tayyip Erdoğan bei, der immer wieder gegen Schwule und Lesben Stimmung macht (queer.de berichtete). Letztes Jahr echauffierte sich auch der Chef der obersten staatlichen Religionsbehörde über CSDs und erklärte, die Akzeptanz von Homosexuellen widerspreche der Schöpfung (queer.de berichtete). (dk)



#1 myysteryAnonym
  • 17.04.2020, 10:34h
  • Mit der Beleidigung "Feind des Islam" wird Netflix wohl gerade noch leben können. Es sei denn, Erdogan ist schon so weit und es gibt inzwischen genügend fundamentalistische Türken, die auf so einen Quatsch anspringen.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 17.04.2020, 11:02h
  • Antwort auf #1 von myystery
  • "Es sei denn, Erdogan ist schon so weit und es gibt inzwischen genügend fundamentalistische Türken, die auf so einen Quatsch anspringen."

    Auf Populismus springen überall viele an.

    Es gibt aber neue Untersuchungen (z. B. vom Meinungsforschungsinstitut KONDA), die zeigen, dass gerade jungen Türken die Nation wichtiger ist als Religion.

    Auch das hat in der Türkei der eine lange Tradition.
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#3 NickAnonym
  • 17.04.2020, 11:13h
  • Man kann nur hoffen das sich die jungen Türken von Erdoan nicht blenden lassen und es sich eher um einen Generationskonflikt handelt. Die alten Konservativen die an islamischen Werten festhalten und die jungen, sekulären Türken, die offen lgbti gegenüber stehen.

    Damit meine ich natürlich nicht die Radikalen oder gar Islamisten, die vor allem unter den Jungen zu finden sind.
    Aber ich kann mir vorstellen das es in Istanbul und anderen Städten, sehr viele junge Leute gibt die freiheitliche Gedanken haben und eine moderne Gesellschaft wollen.
    Diese tun mir leid dort leben zu müssen. Man kann nur hoffen das diese Leute mehr werden und es zu einem ( unblutigem) Umsturz kommt und die Türkei ein demokratischer, säkularer Staat wird.
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#4 ErsoyAnonym
  • 17.04.2020, 11:39h
  • Es war immer schon ein Zeichen totalitärer Gesinnung, dass man alles, was einem nicht passt, zensieren will.
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#5 Uwe MehringerAnonym
  • 17.04.2020, 11:52h
  • In eurem Bericht ist ein schwerwiegender Fehler
    Der Paragraph 175 wurde zwar 1969 reformiert, aber nicht abgeschafft. Schwule wurden weiter legal diskriminiert.
    Erst 1994 wurde er gestrichen.
    Bis dahin wurden auch weiter Homosexuelle verurteilt.
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#6 einfachnurlolAnonym
#7 TheDadProfil
  • 19.04.2020, 11:33hHannover
  • "" "Wir werden keine Sendungen tolerieren, die den nationalen und spirituellen Werten unserer Gesellschaft zuwiderlaufen", erklärte Ebubekir Sahin, der Chef des Obersten Rates für Radio und Fernsehen (RTÜK), diese Woche gegenüber der regierungstreuen türkischen Zeitung "Yeni Akit". Der RTÜK ist die oberste Regulierungsbehörde für privaten Rundfunk.""..

    Ein solche Institution, würde man denken, kontrolliert die privaten TV und Radio-Anstalten daraufhin, ob sie sich als Medien an "allgemeine Regeln der Gesellschaft" halten,..

    Hier geriert sich diese Institution als "Schutz-Mechanismus" des Islam, und schlimmer noch, es assoziiert die Gesellschaft der Türkei bereits mit diesem Islam, grad so als gäbe es in der Türkei gar keine anderen Menschen als Muslime..
    Und schlimmer noch, als gäbe es unter diesen muslimischen Menschen gar keine LGBTTIQ*-Menschen..

    Ungeachtet dieser Einstellung weiß man aber vom Gegenteil..

    Damit ist diese Institution nichts weiter als ein Instrument der Islamisierung der Türkei durch seinen Präsidenten Erdogan..
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#8 TheDadProfil
  • 19.04.2020, 11:47hHannover
  • Antwort auf #3 von Nick
  • ""Damit meine ich natürlich nicht die Radikalen oder gar Islamisten, die vor allem unter den Jungen zu finden sind.""..

    Diese Einschätzung ist einfach falsch, denn sie suggeriert die "Gefährlichkeit" von Jungen Menschen..
    Radikalität und auch Islamismus ist aber KEINE Eigenschaft die sich nur bei jungen Menschen finden läßt..

    Diese Einschätzung ist dann auch Teil einer "Fake-Kultur" die von Populisten dazu genutzt wird auf die angebliche Gefährlichkeit so genannter "unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge" zu verweisen, die "uns" in Europa ja angeblich "überrennen" würden..

    Aus der Geschichte wissen wir von tausenden jüdischen Familien die ihre Kinder allein z.B. nach England schickten um deren Überleben zu sichern..
    Dort wurden sie dann sehr oft von den einheimischen Familien adoptiert..

    Die BRD hat gerade 47 solcher Flüchtlingskinder aus Griechenland einfliegen lassen..

    47 Kinder und Jugendliche aus mehreren Lagern auf den griechischen Inseln Chios, Samos und Lesbos...

    "" "Ein großer Erfolg und ein Zeichen von Solidarität, dass das trotz der Corona-Krise funktioniert", sagte zuvor EU-Migrationskommissarin Ylva Johansson.""..

    Eine Farce und vor allem eine Art "Leuchtturm-Projekt", denn in diesen Lagern stecken Hunderte Kinder und Jugendliche fest, die von ihren Eltern nach Europa geschickt wurden um deren Überleben zu sichern..
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#9 goddamn liberalAnonym
#10 TheDadProfil
  • 20.04.2020, 08:20hHannover
  • Antwort auf #9 von goddamn liberal
  • ""Mit der Türkei hat das zumindest wenig zu tun.""..

    Das Problem der Verteilung von Flüchtlingen in der EU bleibt originär mit der Türkei verbunden, denn die arbeitet ja immer noch als "Bollwerk" gegen "unkontrollierte Zuwanderung" anstatt sich auf ein Regelwerk zu einigen wie man innerhalb der EU die angekommenen Flüchtlinge aus Griechenland und auch aus Italien auf die anderen Länder umverteilt..

    Ein Teil dieses Problems ist dann auch, das man den Populisten und ihrer Schreckensvision des "unbegleiteten jugendlichen" längst auf den Leim gegangen ist..
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