Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35919

Am Wochenende auf arte

Operntunten in ihrem Element

Rosa von Praunheims neuer Dokumentarfilm "Operndiven – Operntunten" widmet sich einem der präsentesten Klischees: Schwule Opernfans plaudern über ihre Liebe zu den großen Diven und Dramen – und geben Cruisingtipps für Bayreuth.


Singen in der Doku: Tobias Bonn (li.) und Christoph Marti (re.) auf der Bühne der Komischen Oper Berlin in der Operette "Roxy und ihr Wunderteam" (Bild: Lorenz Haarmann / arte)

Das große Leiden, die schier unendliche Tragik, das zwangsläufige Sterben, personifiziert in einer starken und vor allem lauten Diva, nicht zu vergessen die Kleider, der Pomp und Prunk, die meist edlen, anmutigen Operntempel, der obligatorische Champagner in der Pause: Es gibt viele klischeehaft-augenscheinliche Gründe, weshalb Schwule der Oper besonders zugewandt sind (wahrscheinlich nicht zufällig gelten viele dieser Gründe auch für den ESC).

Diesem Klischee, das sich erst kürzlich sogar in einem eigenen schwulen Opernführer manifestiert hat, widmet Kultregisseur Rosa von Praunheim seinen neuesten Dokumentarfilm. Inspiriert von seinem Jugendfreund, dem Regisseur Werner Schroeter (1945-2010), befragt er Operntunten und Operndiven nach ihrer Leidenschaft.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Die Siegfried-Wagner-Gedächtnisklappe in Bayreuth

"Welt"-Feuilleton-Redakteur Tilman Krause schwärmt von seiner Zeit in Paris – und erinnert sich ans Cruising. "Oper und Sex, das gehörte für die Schwulen zusammen." Wir sehen ihn beim Opernhören in einer typischen Intellektuellen-Wohnung, sehen ihn Edda Moser interviewen. "Die homophilen Männer", diese treuesten Fans, seien "wie Engel" um sie herumgeschwirrt. Eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht.


Auch Filmemacher und Opernregisseur Axel Ranisch kommt zu Wort. Er bezeichnet sich selbst als "Opernnerd" (Bild: Lorenz Haarmann / arte)

Für den Musikwissenschaftler Kevin Clarke war die Oper schon immer ein Ausflug in eine andere Welt. Eine Welt, in der er – in der Pause oder vor der Vorstellung – andere Männer anlächeln konnte. Opern in einem Akt, also ohne Pause, steht er deshalb augenzwinkernd kritisch gegenüber.

Und auch er weist auf die ausgeprägte Klappenkultur hin, die mit der Hochkultur Hand in Hand ging: Am Fuße des Grünen Hügels in Bayreuth sei eine öffentliche Toilette Eingeweihten sogar als Siegfried-Wagner-Gedächtnisklappe bekannt gewesen, namensgebend war der schwule Sohn Richard Wagners, der "Schutzpatron der Schwulen", wie sich Kevin Clarke erinnert.

"Die Oper verwandelt Schmerz in Schönheit"

Überhaupt, Wagner. Manche lassen sich von ihm begeistern, andere verbinden eine Hassliebe. Wagner ist Träumen, sagt der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, ein Rettungsanker für viele Schwule. Nichts sei so weit entfernt vom wahren Leben wie eine Wagner-Oper. Kein Wunder, dass auch der bayerische Märchenkönig Ludwig II. seine Märchenschlösser mit Wagners germanischen Sagenmotiven ausschmücken ließ.


Offen schwuler Intendant der Komischen Oper Berlin: Barry Kosky (Bild: Lorenz Haarmann / arte)

"Operndiven – Operntunten" ist eine niedrigschwellige Doku für Opernfans wie solche, die es werden wollen – trotz der vielen Talking Heads, Die Auswahl der Gesprächspartner*innen ist wenig überraschend, und vielleicht hätte die ein oder andere nicht-intellektuelle Stimme gutgetan. Was die Operntunten jedoch erzählen, zeugt von einer tiefen Leidenschaft, ist persönlich und kurzweilig.

Natürlich lässt Rosa von Praunheim in seiner knapp einstündigen Fernsehdoku auch die Diven selbst sprechen wie singen. Wir sehen historische Aufnahmen, aber auch aktuelle Interviews, neben Edda Moser auch mit Sophie Koch und Nadine Secunde, die von einem schwulen Freund erzählt, der die Affinität der schwulen Liebe zur Oper einmal so ausgedrückt hat: "Die Oper verwandelt Schmerz in Schönheit." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Sendetermine

Die Erstaustrahlung von "Operndiven – Operntunten" ist am Sonntag, den 19. April 2020 um 23.05 Uhr auf arte. Wiederholungen am Donnerstag, 23. April um 5.00 Uhr sowie am Montag, 27. April um 01.25 Uhr. Online kann der Film vom 18. April bis 19. Mai auf arte.tv angeschaut werden.