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Kommentare zu:
"Nicht jeder mit Penis ist ein Bub"


#1 FredericAnonym
  • 18.04.2020, 18:38h
  • Ich hab mir tatsächlich das Buch als PDF heruntergeladen. Ich finde die Zeichnungen ziemlich lieblos und die Herangehensweise an die Thematik eher unschön. Aber gut, muss jeder selbst wissen. Ich würde dieses Buch eher nicht kaufen / verschenken.
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#2 Still_IthProfil
  • 19.04.2020, 02:19hHessen
  • Ich hab mir die Leseprobe angesehen, und mindestens jeder zweite Satz strotzt vor problematischen Subtilitäten, bei denen ich sehr, seehr stark bezweifle, dass auch nur eine trans*-Person zum Sensitivity-Reading herangezogen wurde, die in sowas wie Trans*-Emanzipation involviert wäre.

    Würd mich #1 also anschließen: Nicht wirklich schön.
    "Nicht problematisierend" find ich, muss ich sagen, auch eine Einschätzung bzw. nen Prädikat, das die Leseprobe absolut überhaupt nicht verdient. Alles daran schreit schon sehr nach ner voyeuristischen Betrachtungsweise.

    Tut mir ehrlich leid drum, klang in der Zusammenfassung vielversprechend. Aber würd ich so weder Erzieher*innen noch Eltern oder gar betroffenen Kindern empfehlen.

    Angefangen schon mit dem verallgemeinernden Maskulinum in "Nicht jedeR(!!!) mit Penis ist ein Bub" ist daran einfach so Vieles problematisch, dass es nen paar DinA4-Seiten bräuchte für bloß die ersten zwei Seiten. Da isses mir ehrlich gesagt gerade zu spät für. Und eigentlich hab ich da auch einfach keine Lust drauf.

    Zusammenfassen würde ich meinen Eindruck als: Eine Cis-Person eignet sich hier die Trans*-Perspektive an und ermächtigt sich sozusagen damit in die Marginalisiertenrolle hinein, um aus dieser heraus sehr viel Legitimierung zu verteilen für Ansichten, Ausdrücke und Formulierungen, die in sich zutiefst transfeindlich sind. Den Lesenden vermittelt das: Ah, da schreibt ja ein Transmädchen, und das hat so überhaupt kein Problem damit, als Bub/Junge bezeichnet zu werden, na das beruhigt mich jetzt aber, da hab ich ja ein schönes Vorbild dafür, dass ich das von realen Trans*-Personen wohl auch erwarten kann, oder? So viel Verständnis und Rücksichtnahme für Deadnaming, Misgendern, Rollenklischees - es ist wahrlich ein Traum!

    Ja, allerdings. Ein Traum für Cissen. Die so weitermachen und weiterdenken wollen wie immer - bloß eben mit dem bestätigenden Schulterklopfen, dass das wirklich voll und ganz okay ist.
    Nur ist es genau das im Real-Life leider gerade nicht.

    Das ist eben genau die Art von "nicht-problematisierender" Transsexualität, wie die "nicht-problematisierende" Homosexualität von Dumbledore, für die ich viel Lob dafür gesehen habe, dass sie so unglaublich selbstverständlich ist, dass man nirgendwo in den Filmen oder Büchern etwas davon erfährt oder sieht. Ja, solche Schwulen wollen die Leute - wo das Outing außerhalb der Leinwand stattfindet, und sich auf eine so subtile Andeutung beim Blick in einen Spiegel beschränkt, dass man hinters Schwulsein nichtmal kommt, wenn man davon vorher nichts wusste.
    Und solches Transsein, in dem das Trans*-Mädchen es vollkommen normal findet, dass die Mutter in der Jungenabteilung die Klamotten einkauft und das auch weiter tun möchte, und die vollkommene Ignoranz ihres Trans*-Seins so gar nicht antagonisiert, sondern als gottgegebene Selbstverständlichkeit brav hinnimmt, das wünschen sich eben Cis-Personen.
    Die Trans*-Person als ewig anleitende, einzig verantwortungsvolle und verantwort-tragende Person gegenüber dem stets naiven, uninformierten und unreflektierten Umfeld, stets in der Pflicht, psychologisch jeden nur erdenklichen Mist kompensieren zu müssen als Gegenleistung dafür, existieren zu dürfen - und das am besten schon im Alter von 5-7 Jahren. Weil man mehr von Cis-Personen schließlich nicht erwarten kann, nicht wahr? Wikipedia aufzurufen, um dort nachzulesen, was Transsexualität ist, und/oder danach gar noch selbstständig Energie in die eigene Bildung diesbezüglich zu investieren, bloß weil es einen Menschen in der eigenen Familie betrifft - das wär wirklich viel verlangt, eindeutig, ZU viel. Sowas kann man von einer Person, die nicht selbst trans* ist, einfach nicht erwarten.

    Wenn Trans*-Sein nur dann nicht problematisch ist, wenn es brav und still bleibt,
    dann sehe ich für meinen Teil gerade darin schon den Kern des Problems.
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#3 JannesAnonym
  • 19.04.2020, 03:53h
  • Was für ein cooles Buch. Die kaltschnäuzige Geschichte überrascht angesichts ihres trockenen Humors und der vielschichtigen Ironie mit ihrem feinsinnigen Tiefgang. Und eines möchte ich als Transmann mal sagen: Kaum wo findet sich noch so viel an Schubladenklischee wie ausgerechnet in der Trans-Szene. Davon ist dieses Buch ganz weit weg. Ich würde sogar sagen, es kämpft auch dagegen an. Finde ich gut. Ein genialer Rundumschlag.
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#4 zeldanaAnonym
  • 19.04.2020, 04:13h
  • Antwort auf #1 von Frederic
  • Verstehe ich gar nicht. Was ist unschön an der Herangehensweise? Eine Geschichte über ein Kind zu erzählen, das seine Identität selbst definieren möchte? Die Illustrationen müssen bestimmt nicht gefallen, aber sie sind nun mal im Skizzen-Stil, da finde ich die Bezeichnung lieblos seltsam. Vor allem, wo so viel Detail und Humor drin steckt, ob man die Zeichnungen nun schön findet oder nicht.
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#5 Still_IthProfil
  • 19.04.2020, 10:57hHessen
  • Ich hab die Transfeindlichkeit mal in gewöhnliche Kindesmissshandlung umgeschrieben. Vielleicht wird's da für Menschen, die Transfeindlichkeit nicht als Gewalt betrachten, ein klein wenig deutlicher, was so die Probleme sind.

    Wobei, andererseits, in einer Zeit, in der Menschenhass und Glorifizierung von Gewalt zunehmend Normalität werden, verlass ich mich nicht mal darauf. Aber bitte sehr, für die interessierte Cis-Person, als satirisch zugespitzter Ausschnitt:

    -----

    Nicht jedes Kind mag Schläge.

    Jenny ist einem Irrtum auf die Spur gekommen. Mit der Erkenntnis, dass vielleicht einfach nicht jedes Kind Schläge nicht mag, wacht sie eines morgens auf. Weiter nachlesen könnt ihr das hier:

    >>Jenny hat eine neue Erkenntnis: Geschlagen werden ist doof.

    Aber blaue Flecken zu haben ist ganz normal, behauptet der Papa.
    Die Erziehung bestimmt man doch nicht als Kind, sagt die Mama.
    Bei mir haben sie früher den Kochlöffel genommen, du bekommst nur den Gürtel!, poltert der Opa.
    Aber keine blauen Flecken haben ist schöner, sagt Jenny. Geschlagen werden find ich nicht mehr gut.
    Wie lieb!, ruft die Oma.
    Das ist gar nicht lieb, sagt ihr der Papa. Du bist ja verwirrt!
    Schweig, herrscht der Opa. Dein Blag, DAS ist verwirrt!
    Ich bin kein Blag, sagt Jenny.

    Am nächsten Tag steht Mama mit der Zigarette in Jennys Zimmer.
    Jenny macht das Fenster auf, der Rauch gefällt ihr nicht.
    Was wird denn das hier?, fragt die Mama.
    Die Luft ist blöd so, sagt Jenny.
    Was ist daran blöd?, fragt die Mama.
    Das ist unangenehm, wie mit dem Schlagen!, ruft Jenny.
    Na, angenehmer hab ich es auch nicht, sagt die Mama.
    Aber du darfst das Fenster aufmachen, schimpft Jenny.
    Ich bin auch erwachsen, als Kind macht man das nicht, sagt die Mama.
    Warum nicht?
    Jennifer merkt, wie ganz viel Wut aus ihrem Herzen in ihren Kopf steigt.
    Du sagst doch immer, es muss gerecht sein, aber du kriegst nur die Zigarettenluft und darfst sogar das Fenster aufmachen, und ich krieg noch die Schläge.
    Weil das eben so ist, wenn man nicht erwachsen ist, Jenny!, ruft die Mama.
    Aber geschlagen werden ist doof!, ruft Jennifer zurück.
    Die Mama presst die Lippen aufeinander. Plötzlich schaut sie nicht mehr böse aus, sondern traurig. Jennifer weiß nicht, warum sie gar nichts mehr sagen will. Sie nimmt Mamas Gesicht in die Hände und legt ihre Stirn gegen ihre.
    Du kannst doch die Katze schlagen. Oder das Baby, das bald kommt.
    Aber das Kind im Haus bist eben gerade du.
    Jenny kann die Mama nicht traurig machen, es geht einfach nicht. So sitzt Jenny wieder ohne sich da. Sie streichelt Mamas Gesicht.<<

    -------------

    Vielleicht für einige deutlicher so? Ich kann's euch auch noch auf Homofeindlichkeit umschreiben, wenn die Empathie für ein Mädchen nicht reicht.

    Es ist halt eine Lektion in Transfeindlichkeit und der Erziehung zu Co-Abhängigkeit. Ganz einfach das. Aber ich bin sicher, das Kind wird sehr daran wachsen, dass die einzigen Verbündeten seine Mitschüler*innen sind, und keinesfalls z.B. die Lehrenden in der Schule ^^
    Und sicherlich werden wir ein Einsehen haben, mit wie viel Geduld und Nachsicht das Kind die Eltern dazu erziehen wird, mit der Gewalt aufzuhören - selbstverständlich nur in dem Rahmen, den sie zu ertragen bereit sind. Also wahrscheinlich eher ein bisschen als so richtig. Aber auch wenn es eher bei einem bisschen weniger bleibt: Wir werden alle dieses wohlige Gefühl davon behalten: Gut, dass es ein Kind ist. Und gar nicht mehr tun kann als lieb und nett bitten, und im Zweifelsfalle ohne sich da sitzen. Denn dass irgendjemand anders traurig ist als Jenny, das geht halt einfach gar nicht.
    Sollte an der Stelle, an der Jenny das einsieht, auch jeder einsehen.

    Besonders als LGBT*IQA wissen wir ja sowieso: Licht und Liebe mussten zur Emanzipation von jeher reichen. Die Polizei hat schließlich auch nicht aufgehört, Lesben ins Höllenloch zu werfen, weil irgendwer nen Stein geworfen hätte. Sondern, logisch, weil alle immer brav genickt haben, geduldet und "bitte" gesagt.
    Deswegen hat Frau Merkel die Homo-Ehe ja auch zugelassen, weil die LSU so nett darum gebeten hat. Und nicht etwa wegen einer so aggressiven Partei wie der Grünen, die vor der Wahl klargestellt hätte, dass ohne Ehe für alle Koalitionsverhandlungen gar nicht erst zur Debatte stehen.
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#6 Selber EindruckAnonym
  • 19.04.2020, 11:49h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Den Eindruck hatte ich leider auch. Schade. Hatte mir nach der Beschreibung im Artikel mehr erhofft. Es bleibt zu hoffen, dass die Familie in der Geschichte irgendwann nach Ende der Leseprobe zumindest einsehen (und offen zugeben), wie mies sie sich verhalten haben, und sich entschuldigen.

    Auch wenn das der Fall ist, würde ich das Buch ganz besonders keinem trans Kind empfehlen. Ich (auch trans) fand die Leseprobe nur bedrückend.
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#7 TheDadProfil
  • 19.04.2020, 12:16hHannover
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • ""Zusammenfassen würde ich meinen Eindruck als: Eine Cis-Person eignet sich hier die Trans*-Perspektive an und ermächtigt sich sozusagen damit in die Marginalisiertenrolle hinein""..

    Sich eine Zusammenfassung zu "meinen" bevor man sich über die Person kundig gemacht hat, geht dann auch mal schief..

    Auf der Seite des Verlages heißt es dann dazu :

    ""Franz Orghandl wurde 1980 in Wien geboren und verbrachte ihre Kindheit zwischen dem 5. Bezirk, der grünen Steiermark und dem südlichsten Zipfel Italiens. Sie arbeitet als Autorin und Übersetzerin.at.""..

    Und offensichtlich fällt man hier einem beliebtem Irrtum anheim wenn man "Franz" als Kurzform ausschließlich als "Männernamen" assoziiert..

    Ich will hier jetzt gar nicht weiter auf das schmale Brett des MIssgendern hinaus, jedoch anmerken das der "Cis-Vorwurf" einfach ins Wanken gerät, wenn man anderen Menschen, zumal unbekannten Menschen, einfach unterstellt Cis zu sein, obwohl man gar nichts über sie weiß..

    Die dann ja als einzige sich einem Feld bewegen würden, welches sie mangels eigener Kompetenzen überhaupt nicht schreiten dürfen ?

    Ist "Franz" also eine Cis-Frau ?
    Ist sie eine Non-binäre Person ?
    Ist sie gar selbst Trans*, und hat in diesem Buch ihre eigenen Kindheitserlebnisse mit verarbeitet ?

    ""und mindestens jeder zweite Satz strotzt vor problematischen Subtilitäten, bei denen ich sehr, seehr stark bezweifle, dass auch nur eine trans*-Person zum Sensitivity-Reading herangezogen wurde,""..

    Würdest Du dann noch erklären um welche Sätze es dort ginge ?
    Um die des Kindes, oder die der es umgebenden Erwachsenen, die hier dann eine "sensitivierung" erfahren müßten, also eine Art "umschreiben in trans*-sprech" ?

    Und wenn es um die Erwachsenen geht, was sollte das ?
    Wie könnte man dort dann noch aufzeigen wie scheiße die Gesellschaft damit umgeht, wenn man sowas wie eine "konsequente sprache" verwendetete ?
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#8 TheDadProfil
  • 19.04.2020, 12:18hHannover
  • Antwort auf #6 von Selber Eindruck
  • ""Es bleibt zu hoffen, dass die Familie in der Geschichte irgendwann nach Ende der Leseprobe zumindest einsehen (und offen zugeben), wie mies sie sich verhalten haben, und sich entschuldigen.""..

    Anstatt sich ein Happyend herbei zu spekulieren könnte man das Buch dann auch lesen..

    Wie könnte man annehmen das eine Leseprobe schon den Ausgang der Geschichte verriete ?
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#9 Nk231Anonym
  • 19.04.2020, 13:20h
  • Humorvoll geschrieben :'-)
    Mir gefällt's. Es ist schon ne starke Sache, dieses Thema humorvoll als Buch zu schreiben, gerade weil damit so viele Gesellschaftsprobleme, Stigma, und Ausgrenzung verbunden sind - leider. Und das Thema mit Humor als Buch anzubieten gefällt mir, weil Lachen und Schmunzeln dafür sorgt, sich zu öffnen. Das Buch sorgt also ganz leicht dafür, sich dem Thema zu öffnen.
    Hoffentlich gerät dieses Buch in viele Hände und möge es ein Umdenken auslösen :-)
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#10 Still_IthProfil
  • 19.04.2020, 13:40hHessen
  • Ok, irgendwie fand ich es als Schreibübung gerade lustig, und dann hab ich versehentlich doch dran rumanalysiert, also... hier für euch noch die Version in homofeindlich. Viel Spaß damit ^^

    Absätze danach könnt ihr auch gern ignorieren, muss ich nochmal überarbeiten, gibt's dann als Artikel aufm Blog.

    --------------
    Nicht jeder Junge liebt Mädchen.
    Leo ist einer Verwechslung auf die Spur gekommen. Mit der Erkenntnis, dass er auf Jungs steht, wacht er eines morgens auf. Weiter nachlesen könnt ihr das hier:

    >>Leo hat eine neue Vorliebe: Er steht jetzt auf Jungs.

    Aber das tut man doch nicht!, behauptet der Papa.
    In wen man sich verliebt, verändert man nicht!, sagt die Mama.
    Das wäre ja schwul!, poltert der Opa.
    Das macht nichts, sagt Leo. Dann bin ich eben jetzt schwul.
    Wie lieb!, ruft die Oma.
    Das ist gar nicht lieb, sagt ihr der Papa. Du bist ja verwirrt!
    Schweig!, herrscht der Opa. Dein Bub, der ist verwirrt!
    Ich stehe eben auf Jungs, sagt Leo.

    Am nächsten Tag steht Leo in seinem Zimmer. All die Poster von Sängerinnen und Schauspielerinnen hat er von den Wänden genommen und auf dem Boden ausgebreitet, und keine dieser Frauen gefällt ihm.

    Die Mama kommt, um zum Frühstück zu rufen.
    Wie siehts denn hier aus?, fragt sie.

    Ihr habt mir blöde Poster geschenkt, sagt Leo.
    Was ist daran blöd?, fragt die Mama.
    Das sind alles Frauen!, ruft Leo. Keine Skiläufer, keine Gewichtheber, kein einziger Junge! Ich hab kein einziges Bild von einem Schauspieler!
    Na, ich auch nicht, sagt die Mama.
    Aber du darfst Männer gut finden, schimpft Leo.
    Bei Jungs geht das eben nicht, sagt die Mama.
    Warum nicht?
    Leo merkt, wie ganz viel Wut aus seinem Herzen in seinen Kopf steigt.
    Du sagst doch immer, es muss gerecht sein, aber du darfst den Papa lieben, und das ist ein Mann.
    Weil Jungs sich eben in Mädchen verlieben, Leo, und nicht in andere Jungs!, ruft die Mama.
    Aber ich stehe nicht auf Mädchen!, ruft Leo zurück.
    Die Mama presst die Lippen aufeinander. Plötzlich schaut sie nicht mehr böse aus, sondern traurig. Leo weiß nicht, warum er gar nichts mehr sagen will. Er nimmt Mamas Gesicht in die Hände, und legt seine Stirn gegen ihre.
    Du kannst doch der Katze sagen, dass sie sich in Mädchen verlieben soll, oder dem Baby, das bald kommt.
    Aber du bist ein Junge, und deswegen ist das bei dir so, Leo.
    Leo kann die Mama nicht traurig machen, es geht einfach nicht. So sitzt Leo wieder ohne sich da. Er beschließt, er liebt jetzt wieder Mädchen. Er streichelt Mamas Gesicht.<<

    -----------------

    Na, ok, ich weiß nicht. Am Abschnittsende angekommen, find ich es gar nicht so lustig. Möchte aber nochmal betonen, dass an der Stelle, an der ich hier "er liebt jetzt wieder Mädchen" gesetzt habe, zu Jenny im Original auch wieder männliche Pronomina verwendet werden, und danach in der Folge der fremd zugewiesene, männliche Name. Konversion erfolgreich, demnach, zumindest vorläufig, unter Beibehaltung der Eigenwahrnehmungs-Perspektive. Und für die folgende Szene wäre Leo dann halt auch erstmal wieder hetero, denn Jenny verliert ihren anfangs selbstgewählten Namen auch erstmal wieder, ebenso wie ihre durch weibliche Pronomina ausgedrückte weibliche Selbstwahrnehmung.

    Falls irgendetwas daran stärker aufstoßen sollte als das Original, könnte das möglicherweise daran liegen, dass unsere Gesellschaft bzgl. der Nicht-Akzeptanz von Homofeindlichkeit ein Stück weiter sein könnte als bei Transfeindlichkeit. Ich persönlich dachte mir das zwar schon vorher, aber der "geht gar nicht"-Faktor kommt selbst mir beim Homo-Beispiel nen Ticken krasser vor.
    Eigentlich ist er das aber nicht, vom inneren Wert her kommt sich das ziemlich gleich.

    Weiß ja nicht, wie's euch geht. Bei den letzten übernommenen Sätzen tut's mir weh, es zu lesen.
    Dass Homosexualität hier nicht problematisiert würde - ich weiß nicht. Ich würd eher sagen, Homofeindlichkeit wird nicht problematisiert.
    Besser so ein Vorbild als gar keins?

    --------------

    Um das an der Stelle klarzustellen, ich schreib nichts davon, weil ich irgendwen hassen würde, der*die da involviert ist, und auch meine Kritik am Gütesiegel "nicht-problematisierend" ist nicht so gehässig gemeint, wie sie vielleicht ankommt. Andererseits tue ich mich schon schwer, nachzuvollziehen, wie man über solche temporären Konversionserfolge, die da auf den ersten Seiten schon komplett un-problematisiert daherkommen, nicht zumindest irgendwie stolpern kann, auch als Cis-Ally und nicht bloß als selbst betroffener Mensch.
    Ich tu mich auch schwer, über dieses Buch bzw. das, was ich bislang davon gesehen habe, wütend zu sein, aber nicht, weil es keine Wut verdient, sondern eher aus Resignation heraus, weil's halt leider normal ist. Kunst findet in schöner Regelmäßigkeit auf diese voyeuristische Weise ÜBER uns statt, und wenn überhaupt mal eine Ownvoice-Stimme eingeholt wird, um Problematisches abzuklären, bzw. eher FALLS das passiert, denn selbstverständlich ist es nicht, dann nimmt man für solches Feedback vorzugsweise Leute, die wenig zu kritisieren finden und ziemlich viel nicken, ergo möglichst bequem sind.
    Jetzt ist das veröffentlicht, da können ich und andere sich die Finger wund schreiben, das kommt jetzt so erstmal auf den Markt, bekommt Werbung. Wird besonders bei Leuten, die's mit der Akzeptanz nicht so haben, wahrscheinlich auch sehr viel besser ankommen als wenn weniger verständnisvoll und nachsichtig damit umgegangen würde, dass trans*-Sein erstmal grundsätzlich alles andere als okay ist. Wenn Jenny doch mal wieder dazu zurückkehrt, sich Jenny zu nennen, das lernen wir hier schon auf den ersten Seiten, wird das eigentlich Sturheit sein, und nicht in dem Sinne etwas, was man nicht prinzipiell auch ändern könnte.

    Das Bild, das entsteht, ist also in erster Linie das: Dass es eben KEINESWEGS selbstverständlich ist, dass Jennys Trans*-Sein in Ordnung sein könnte, unabänderlich sein könnte, geschweige denn, dass sie ein Recht darauf haben könnte, dass Erwachsene anständig mit diesem Trans*-Sein umgehen. Diese Selbstverständlichkeit von Nicht-Anerkennung als Standard bekommt nicht nur Jenny im Buch um die Ohren gehauen, zwischen den Zeilen ist das auch die Message bei dem Tonfall, in dem auf Jennys Wut herabgeblickt wird als etwas, das irgendwie kindlich-niedlich ist, flüchtig, tendentiell nicht ernstzunehmen und mit Köpfchentätscheln zu erledigen. Rücksichtnahme dagegen ist selbstverständlich etwas, das Jenny den Eltern entgegenzubringen hat, nicht etwa umgekehrt. Und das ist eine derartige, parteische Einflussnahme, dass mir an der Stelle kein anderer Schluss bleibt als der: Das wird wohl ein erwachsener Mensch geschrieben haben, und wahrscheinlich einer, der kindliches Leid ganz extrem in Ordnung findet.

    Lob gibt es auf der Meta-Ebene für Jennys Ertragen, aka, je mehr du als gewalt-erlebendes Kind mit gerade den Menschen kuschelst, die dir wehtun, desto braver bist du, positiver bist du, desto mehr bist du in Ordnung... und in dieser Phantasiewelt werden sie dich genau dafür am Ende auch akzeptieren.
    Mal abgesehen davon, dass der letzte Punkt in der Realität so nicht funktioniert: Wessen Leid hier wichtig und schlimm ist, ist sehr klar vordefiniert, und das von Jenny ist es nicht. Jennys Gefühl wandert mal vom Kopf ins Herz oder umgekehrt, ein Sturm im Wasserglas und dann isses eben auch einfach mal wieder weg, weil wichtig war's eh nicht.

    Gut, könnte man nun sagen, die Kritik an der Transfeindlichkeit liegt ja jetzt vielleicht auf der Meta-Ebene. Wenn wir Jenny am Ende genug mögen, werden wir ja Mitgefühl mit ihr entwickeln, nicht wahr? Also werden wir am Ende vielleicht zu dem Schluss gekommen sein, dass Jenny schon irgendwie ein Mensch ist, und es nicht schön ist, schlecht mit ihr umzugehen. Und rückblickend werden wir vielleicht sagen: Oooh, jetzt hat sie sich soo sehr angestrengt, jetzt ist sie sooo lieb gewesen und so geduldig geblieben, jetzt DARF sie das. Ob wir das der nächsten Trans*-Person auch erlauben, das werden wir dann entscheiden, wenn diese Person wenigstens genauso nett zu uns ist.

    Ich meine, von welchem Niveau der Akzeptanz reden wir hier? Soll es wirklich eine Revolution sein, dass wir als erwachsene Lesende am Ende des Buchs gelernt haben, dass auch ein Trans*-Kind ein menschliches Wesen ist, statt, sagen wir, Abfall? Sind wir echt so tief unten, dass wir ein Buch lang ein charakterliches Vorzeigestück brauchen, um zu beweisen, dass Jenny trotz ihres Trans*-Seins kein Monstrum ist? Und wenn DAS die Moral sein soll, wieso dann bitte ein Kinderbuch? Weil die Trans*-Person da so schön abhängig ist, wie wir sie im RL gern hätten, statt laut, psychisch angeknackst und unangenehm, weil unpassend in unsere Normalität? Um die Vorbildfunktion für lesende Kinder kann's ja dann wohl nicht gehen, oder? Wenn wir eigentlich hier nur ein Stück weit üben wollen, als Erwachsene, dass wir Jenny nicht unter allen Umständen eklig finden brauchen. Wobei, wir könnten natürlich schon, denn glücklicherweise ist Jenny so erschaffen, dass sie uns das nicht übelnehmen würde.

    Ob so ein Umgang mit der eigenen Ausgrenzung unbedingt "gesund" ist, psychisch betrachtet, wage ich für meinen Teil ernsthaft in Frage zu stellen. Aber als Kinderbuch gewinnt gerade das Vorbildcharakter. Ein Vorbild, das für ein Trans*-Kind, meiner Einschätzung nach, an der Stelle einfach nur desaströs wäre.

    Allein schon, weil es um Jennys Gefühle gar nicht geht (ja, siehe oben, wieso sollte es auch, sind ja Kindergefühle, also eigentlich per se schon gar nicht richtig ernstzunehmen, ne?).
    Einblicke in Gefühle gibt es grundsätzlich allerdings schon: Bezüglich der Mutter bekommen wir die. Für die Traurigkeit der Mutter wird Empathie erzeugt. Klar, Jenny wird zur Heldin, weil diese Sympathie von ihr ausgeht, und wir die miterleben dürfen, live und direkt aus ihrer Perspektive. Von Jennys Seite her fühlen wir mit der traurigen Mutter mit. Wir beobachten aus Jennys Augen und haben gerade gelernt: Mein Trans*-Sein macht Mama traurig. Sehr schöne Moral an der Stelle.
    Die Meta-Ebene dazu wäre: Wir sollen anfangen, Jenny zu mögen, weil sie Gefühle hat (oh, sie ist trans*, aber immer noch menschlich genug, um Mitgefühl zu haben! Lasst die Sektkorken knallen!) und sich so schön aufopfert (wow, sie ist nicht bloß ein Mensch, sie ist übermenschlich, eine Heilige regelrecht!! Wenn das mal keine Trans*-Emanzipation ist!).
    In dem Sinne: Schon die Meta-Ebene ist problematisch. Ohne sie ist's nicht besser: Die einzigen Gefühle, die sich dem Lesenden erschließen, und die nach-empfunden werden, sind die der traurigen Mutter. Wie es Jenny geht, dass es Jenny schlecht gehen könnte, bleibt uns glücklicherweise erspart. Praktisch, nicht wahr? Da sehen wir die Welt also aus den Augen einer Trans*-Person und werden gerade diskriminiert, aber negative Gefühle, das lässt der Autor uns darüber wissen, entwickeln wir hier erstmal nicht. Ein Sturm im Wasserglas mit mal kurz aufkochender Wut von Kopf zu Herz oder umgekehrt, aber das haben wir auch sofort wieder vergessen.

    Folgerichtig wird Jenny nun auch nicht etwa traurig, wenn die Mama aus dem Raum ist. Stattdessen erleben wir Pseudo-Trans*-Mitlesende aus ihrer Perspektive, wie sich das Thema viel leichter lösen lässt: Gut, dann lassen wir das mit dem neuen Namen jetzt halt wieder - soo wichtig war's eigentlich ja eh nicht. Geht in Ordnung! Und wenn wir dabei schon sind, verwenden wir aus Jennys Perspektive heraus für uns selbst jetzt auch einfach mal wieder männliche Pronomina.

    Leute: That's not how it works!

    Das ist spätestens der Punkt, an dem ich mir denke, dass da überhaupt keine entscheidunggebende Trans*-Person beteiligt gewesen sein KANN.
    Auf sowas würdest du als betroffener Mensch gar nicht erst kommen, geschweige denn, dass du das als Vorbild für deine jungen Fellows setzen würdest. Sowas ist einfach nur gefährlich.
    Und aus solchen Gründen wär es echt nett, wenn's irgendnen moralischen Anspruch gäbe, von Verlagsseite aus, solche "Vorbild"-Bücher, gerade für Kinder, gar nicht erst zu entwickeln ohne jemanden, der*die sensibilisiert ist für solche potentiell schädlichen Dinge.

    Ja, wie im ersten Beitrag schon erwähnt, da könnte man Seiten drüber schreiben. Aber glaubt mal nicht, dass das witzig wäre, auch für mich, sich bis ins letzte Detail reinzuziehen, wie selbstverständlich es ist, dass sowas wie echte Akzeptanz so vollkommen undenkbar ist, und das bis zu einer ziemlich tiefen Bewusstseinsebene. Oder gar ein Recht drauf, so zu sein, bei dem es sehr wohl ein Problem sein sollte, wenn das nicht anerkannt wird. Es sollte erlaubt sein, wütend zu werden, wenn dieses Recht verwehrt wird, und nicht als Sturm im Wasserglas, der mal kurz vom Herz in den Kopf steigt und dann wieder weg ist, weil so richtig schlimm war's ja eigentlich nicht. Auf einer gewissen Ebene ist vieles, was da passiert, dem ganzen Thema gegenüber einfach nur respektlos.
    Leider ist es gerade dadurch ganz extrem normal, alles. Mich enttäuscht es. Und wer kann Enttäuschung als Normalität schon toll finden. Deswegen mach ich meistens auch von vornherein eher einen ziemlich großen Bogen um sowas. Wirklich positive Überraschungen gibt's selten.

    PS: Nach dem Überfliegen einiger Kommentare vermute ich mal, dass das direkte Übertragen auf die Homofeindlichkeit vielleicht echt etwas ist, das einige hier dringend brauchen, um Trans*-Konversion irgendwie zu begreifen. Traurig.
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#11 Still_IthProfil
#12 Nk231Anonym
  • 19.04.2020, 14:47h
  • Antwort auf #11 von Ith_
  • Ich verstehe, was du meinst.

    Lass mich mal ein Beispiel bringen:
    Vor paar Jahren war ich in einem Ort und suchte nach einem Geburtstagsgeschenk. Ich kam an einem Laden vorbei, der Bücher über Sternzeichen verkaufte. Diese Bücher waren lustig geschrieben. Ich nahm verschiedene aus dem Regal und las sie durch. Über fast alle konnte ich mich schief lachen, nur nicht über das, was über mein eigenes Sternzeichen geschrieben wurde.
    Weshalb war das so? Weil über mein Sternzeichen zu viel Stigma dargestellt wurde, was eben nicht auf alle mit diesem Sternzeichen zutrifft. Und bei diesem Buch fiel das Stigma deutlich größer aus als bei den anderen.
    Ich konnte also über das Buch über mein eigenes Sternzeichen nicht so beherzt lachen und stellte es zurück ins Regal. Dann kaufte ich das Buch, was ich schenken wollte und ging nach Hause. Auf dem Weg nach Hause kam ich ins Nachdenken. Und dann wurde mir klar, dass ich das nicht so persönlich nehmen musste, weil diese Bücher alle von einem Autor geschrieben wurden. Das bedeutet also, dass auch diese Bücher eine gewisse individuelle Sichtweise darstellen, wenn auch nicht unbedingt absichtlich. Kurz gesagt: offensichtlich hatte der Autor nicht gerade viel Sympathie für dieses eine Sternzeichen übrig und dementsprechend fiel dann das Buch aus. Ein anderer Autor hätte das Buch vielleicht völlig anders geschrieben. Hätte ich diese Bücher geschrieben, wäre ein anderes Sternzeichen nicht so super-lustig geschrieben gewesen.

    Und genauso ist es auch hier: das Buch wurde so geschrieben wie es sich die Autorin vorgestellt hat und deshalb ist die Möglichkeit immer vorhanden, dass es manchen gefällt und manchen nicht. Aber das ist ja nicht schlimm.

    Ein weiteres Beispiel:
    Ich hab mal für mich selbst einen bekannten Roman gekauft, weil die Protagonisten interessant waren und es auch verfilmt wurde. Ich begann zu lesen und fand eine homophobe Stelle. Ich erkannte, dass das eine versteckte Homophobie des Autors war und nicht nur das eines Protagonisten. So landete das Buch nach nur einer Stunde im Mülleimer.

    Das eine ist also eine individuelle Sichtweise, die nicht schädlich ist und das andere ist versteckte Homophobie, was ich als kritisch empfinde.

    An diesem Buch hier im Artikel kann ich nichts transfreindliches erkennen.
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#13 TransmeropolitanAnonym
  • 19.04.2020, 15:25h
  • Kann die genannte Kritik Null nachempfinden. Finde das Buch Super und kann mich sehr damit identifizieren. Bin sogar sehr berührt gewesen. Die angewandte Sprache ist direkt, ehrlich und sensibel.
    Buch ist gekauft. Auch weil ich denke das es helfen wird meiner Tochter zu erklären warum ihre Mama nen Schniedel hat.

    Das ewige rumgemecker nervt. Schreibt doch euer eigenes Kinderbuch und illustriert es. Dann wollen wir doch Mal sehen wie es euch gelingt. Ich bin sehr Dankbar für dieses Werk.
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#14 JulimaAnonym
  • 19.04.2020, 18:48h
  • Ich habe dieses Buch schon vor einigen Wochen gelesen. Und ich habe mir sofort gedacht, da werden sich einige aufregen. Warum? Weil Ironie und das Darstellen einer in verschiedenste Richtungen diskriminierenden Welt einfach zuviel für viele Leser ist. Oft gerade für die, die froh sein sollten, dass das mal einfach so Matter of Factly behandelt wird und nicht steril mit der Pinzette vorgelegt, als ob es diejenigen gäbe, die sich nie die Finger schmutzig machen. Unsere Welt ist diskriminierend, wir sind diskriminierend. Davon kann sich niemand freisprechen. Und diese Wahrheit traut sich dieses Buch trotz des polarisierenden Themas beim Erzählen voll mitzutragen. Jennifer hat ihre Vorurteile, die anderen haben sie. Fehler werden gemacht. Die Frage ist, wie man damit umgeht und was man tatsächlich daraus lernt. Nicht, ob man sämtliche Regeln der Political Correctness aufzählen kann, die ohnehin auch nichts anderes als Definitionssache sein können. Entweder man will nichts, als sich als wahrhaft unumstößliches Opfer wichtig machen, oder man kapiert, dass wir alle alles sind, wenn auch zu verschiedenen Anteilen. Die Geschichte hat sich eben nicht zur Aufgabe gemacht, eine heile Welt darzustellen oder den Weg dorthin zu zeichnen. Warum auch? Wozu erzählen, wenn die Regeln feststehen? Warum die Realität beschneiden, oder sich an Vordefinitionen binden? Es wurde hier nicht genau eure persönliche Geschichte erzählt? Das Kind hat es nicht schwer genug? Der Vater ist trotzdem zu gemein?
    Ich bin eine Trans-Frau, die entschieden hat, gut mit ihrem Körper leben zu können. Ich weiß, dass das selten ist. Ich weiß auch, dass mir deshalb viele meine Transidentität schlicht absprechen. Das sind dann die Leute, die spekulieren, ob die Autorin des Buches anhand ihrer eigenen Identität das Recht habe, diese Geschichte zu erzählen. Übergriffiger und respektloser, ja, fantasieloser und diskriminierender geht es ja wohl nicht. Ihr, die ich da anspreche, seid genau das, was ihr selbst verurteilen wollt. Dann mal viel Glück mit `nem Happy End!
    Mein Fazit: wunderschöne und intelligent-humorvolle Geschichte. Emanzipation steht hier im Vordergrund und nicht irgendwelche Schubladen, auf die jemand ein Monopol zu haben glaubt. Denn ja, Jennifers Transidentität ist austauschbar, weil es eben nicht um ein Label geht, sondern dass man selbst herausfinden muss und bestimmen darf, wer man ist.
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#15 Roda834Anonym
  • 19.04.2020, 19:28h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • "Sensitivity-Reading" und "Trans*emanzipation" - das ist ein Kinderbuch und kein politisches Manifest! Und wäre es eines, kannst du auch nicht erwarten, dass es sich an das haltet, was du für richtig ansiehst!
    Versteht die Welt eigentlich noch, was Kunst und Literatur ist? Wenn du dir ein Lehrstück nach deinen Regeln gewünscht hast, ist das natürlich blöd gelaufen, mein Beileid. Das sollten Erzieher*innen selbstredend nicht verwenden, wo bliebe denn da um Himmelswillen der Faschismus?

    "Nicht jedeR(!!!) mit Penis ist ein Bub" - Oh mein Gott, die Kinder haben nicht gegendert. Voll unrealistisch und auch echt unsensibel von denen.

    Genau, da haben sich "Cissen" verschworen, um weiter Transmenschen fertigzumachen und vor allem fertigmachen zu dürfen. Dafür wurde dieses Buch geschrieben. Gut, dass du das mal aufgedeckt hast, Sherlock. Und wie einwandfrei du auch die Herangehens - und Erzählweise verstanden hast. Die Autor*in hat es vor lauter Aneignung einfach nicht geschafft, zu gendern und Klischees zu erkennen. Oder die kennt die Menschen und Welt von heute nicht. Zwanzig mal pro Seite 20 ist ihr das einfach mal so passiert, dem unsensiblen Ding. Soweit kommt es also mit Ausgehpenis und ohne Sensitivity-Reading!

    Aber jetzt mal im Ernst: Sich soviel mit der Materie zu beschäftigen, aber entweder nicht zu wissen oder nicht zu akzeptieren, dass auch Trans-Identitäten (Oh ja, Plural, denn da gibt es mehr als das, was du anscheinend für dich definiert hast) in ihrer Ausformung nur eine Annäherung an das sein können, als was sich der einzelne Mensch fühlt, ist echt mal unsensibel. Oder meinst du, deine Cissen sagen allesamt über sich: Boa, bin ich aber eine Frau oder Alter Schwede, die Definition Mann blickt mir aus dem Spiegel entgegen? Das ist ja das Mutige an dem Buch, dass es sich hier um ein Kind handelt, das KEIN Riesenproblem damit hat, einen Penis zu haben oder Jungsklamotten zu tragen. Es ist schlicht unglücklich damit, weil es nicht richtig passt und beginnt, etwas dagegen zu tun. Es fühlt sich als Mädchen, hat aber eben keine einzementierte Vorstellung, was das automatisch alles zu bedeuten haben muss. Dass so eine Geschichte eindeutig notwendig ist, zeigen Reaktionen wie deine.
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#16 RonjaAnonym
  • 19.04.2020, 19:57h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Dein Kampf für Trans-Rechte in allen Ehren, aber ich glaube du verstehst da ganz grundsätzlich etwas falsch. Anscheinend hast du dir ein Buch gewünscht, das alle Probleme aufzeigt und von Grund auf den richtigen Umgang damit erschließt und darlegt. Aber das ist doch kein Ratgeber oder eine belehrende Deklaration, sondern eine literarische Geschichte! Die erzählt doch eben nicht, wie alles sein soll, sondern von einer Reise in unserer alles anderen als perfekten oder auch statischen Welt... Ok, das Transmädchen ist dir nicht "trans" genug, der Konflikt zu oberflächlich. Ich kann nur sagen, wie ich das beim Lesen aufgenommen und auch noch im Nachhinein verstanden habe. Jennifer ist einfach ein Beispiel. Die Autorin will damit den Punkt machen, dass Selbstwahrnehmung individuell und persönlich ist und man sich sozusagen selbst den passenden Schuh suchen und zu ihm stehen muss. Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass eine Geschichte über ein Transmädchen nicht ausschließlich für die Transwelt und die ihr (angeblich) gegenüberstehenden Ciswelt geschrieben sein muss? Ich finde, dieses Buch schreit förmlich: Wir sind alle wir! Und dass das gut und schlecht und schön und hässlich ist. Es entzieht sich den Wertungen und Stellungnahmen, die du dir vielleicht wünscht, um auch den moralisch Falschdenkenden und Unbelehrbaren Raum zu geben, weil sie eben unter uns sind.Es unterschlägt nicht, was angeblich nicht sein soll, weil es eben ist. Es erzählt eine Geschichte, keine moralische Wahrheit. Was du verurteilst, wird in diesem Buch nicht geleugnet. Du prangerst eine Themenverfehlung an, aber das Thema gehört dir nicht, sondern der Geschichte.
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#17 Selber EindruckAnonym
  • 19.04.2020, 20:02h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Geld herbeispekulieren kann ich leider nicht. Wenn mir jemand die Vollversion bezahlen will, nehme ich das dankend an.

    Ansonsten: Ich kann aufgrund einer Leseprobe durchaus spekulieren, was ich mir für den Rest erhoffe. Da mich die paar Seiten definitiv nicht überzeugt haben, aus denselben Gründen wie Ith_, hoffe ich natürlich, dass der Rest besser ist (und habe gleichzeitig aufgrund dessen was ich bereits gelesen habe meine Zweifel daran). Sehe nicht, was daran komisch oder falsch ist.
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#18 Lara BlueAnonym
  • 19.04.2020, 20:45h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Äh - Buch nicht gelesen, oder? Würd ich mal machen, bevor ich hier vom Hundersten ins Tausende komme XD Die Lehrerin IST auf Jennifers Seite, die Mutter bald mehr und mehr. Die Mutter der Freundin auch. Der Penis-Satz ist ein Zitat von einem der Kinder und deshalb nicht gegendert. Auch behauptet niemand, dass das Verhalten der Eltern in Ordnung ist. Oder, dass sich niemand informieren soll! In der Geschichte fordern sogar mehrere Personen dazu auf. Du willst dich doch einfach nur wichtig machen, schreibst hier ewig was daher und hast die Geschichte weder gelesen noch verstanden. Dass du mir das mal nicht so deinen Erzieher*innen weiterempfiehlst!
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#19 Nk231Anonym
  • 19.04.2020, 21:23h
  • Antwort auf #10 von Ith_
  • Das mit dem Homofeindlickeit Vergleich zum Original stimmt zwar, aber ich denke, da verstehst du die Message dahinter nicht?
    Denn was die Eltern im Originalbuch äußern wird ja nicht als Vorbild dargestellt, sondern wird als unwissend auf lustige Weise entlarvt - das kannst du doch bestimmt erkennen, oder? Und was das Trans*Mädchen mit den Eltern und dem Umfeld durchmacht, wird auch deutlich.
    Dass man darüber lacht, ist ja kein Auslachen, sondern ein darüber lachen, weil klar wird, was die Gesellschaft falsch macht und welche Bedürfnisse Trans* haben. Es ist also ein pro-Trans* Lachen.

    Lese die Leseprobe nochmal aus dieser Sichtweise heraus durch und vielleicht stellst du dann fest, dass das Buch eigentlich eine Geschichte einer Trans* Person ziemlich gut auf den Punkt bringt, oder nicht?
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#20 Nk231Anonym
  • 19.04.2020, 21:40h
  • Antwort auf #19 von Nk231
  • P.S.: übrigens gehen mir die letzten Sätze der Leseprobe auch ans Herz als das Mädchen zur Mutter sagt: "Ich bin gar nicht da."
    Man lebt die Gefühlswelt des Mädchens mit und das macht es authentisch, und so können Menschen, die mit dem Thema nichts anfangen können, lernen, was es bedeutet, Trans* zu sein.

    Man steht doch automatisch auf der Seite des Mädchens und nicht auf der Seite der Eltern, oder? Die Eltern werden ja eher als etwas ungeschickt dargestellt. Aber eben auf humorvolle Weise, so dass es jeder lesen kann, ohne das Buch wütend in die Ecke zu werfen - und darauf kommt es doch an. Es soll zu mehr Verständnis führen.
    Ich finde, mit diesem Buch ist das gelungen.
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#21 TheDadProfil
  • 20.04.2020, 08:28hHannover
  • Antwort auf #10 von Ith_
  • ""PS: Nach dem Überfliegen einiger Kommentare vermute ich mal, dass das direkte Übertragen auf die Homofeindlichkeit vielleicht echt etwas ist, das einige hier dringend brauchen, um Trans*-Konversion irgendwie zu begreifen. Traurig.""..

    Nach dem genauem Lesen etlicher Kommentare in Dutzenden Threads zur Thematik kann man auch auf die Idee kommen, die User leisten dieses "Übertragung" in Homo-und Lesbenfeindlichkeit längst um Diskriminierungserfahrungen vergleichbar zu machen..
    Und das alles passiert fast wie automatisch im Kopf, daran ist gar kein Zaubertrick..
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#22 TheDadProfil
  • 20.04.2020, 08:42hHannover
  • Antwort auf #17 von Selber Eindruck
  • ""Geld herbeispekulieren kann ich leider nicht. Wenn mir jemand die Vollversion bezahlen will, nehme ich das dankend an.""..

    Ich halte 13,--Euro nicht für wirklich teurer..
    Ich verstehe aber durchaus wenn Menschen sich solche Kosten nicht leisten können/wollen..

    Da muß man dann aber auch mal kreativ werden, denn auch solche Bücher werden in öffentlichen Bibliotheken bereit gehalten, die sind Online erreichbar, und man kann sich das zum Lesen wenigstens mal ausleihen..

    ""Ansonsten: Ich kann aufgrund einer Leseprobe durchaus spekulieren, was ich mir für den Rest erhoffe.""..

    Jepp..
    Aber ein "ich hoffe mir" liest sich dann doch ein bisschen anders als Deine verwendete Formulierung des """Es bleibt zu hoffen", welche als Appellationsebene gleich für andere mit-spricht..

    Ich kann mich dieser Hoffnung dann auch nicht anschließen, denn ich denke, die Autorin hat hier versucht in durchaus Kindgerechter Sprache eine Ist-Situation zu skizzieren, und keinen Ausblick darauf zu werfen wie es doch sein müßte..

    Denn wenn man Diskriminierungserfahrungen sichtbar macht und beschreibt kann man gleich beim zusammen lesen mit den Kindern die Frage klären, wie sie das eigentlich sehen, und so den Einstieg in ein Aufklärungs-Gespräch gestalten..
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#23 MeandreAnonym
  • 20.04.2020, 13:18h
  • Ich (selber trans) kann die Kritik aus beiden Richtungen gut nachvollziehen.

    Mir selber kamen beim Lesen der Leseprobe auch gemischte Gefühle hoch, wobei die negativen leider ein wenig stärker vertreten waren:

    Dass die Erwachsenen in Jennifer's Umfeld unterschiedlich und in erster Linie zunächst negativ auf ihr Coming-Out reagieren, finde ich gar nicht schlimm. Es ist nunmal leider immer noch so, dass so eine Reaktion häufig vorkommt. Kindern die Angst davor zu nehmen, indem gezeigt wird, dass die Protagonistin sich davon aber dauerhaft(!) nicht beeinflussen lässt, finde ich nicht nur realistisch, sondern auch sinnvoll.
    Der entscheidende Punkt ist dabeir, dass es am Ende des Buchs wirklich beim Namen Jennifer bleibt und es nicht nur als eine "Idee/Phase/o.ä." dargestellt wird. Kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber die Leseprobe gibt dazu natürlich kein Antwort.

    Auch dass das Kind sein Coming Out gegenüber der Mutter "zurücknimmt", ist nunmal nicht aus der Luft gegriffen, denn Kinder versuchen ja leider sehr oft, die eigenen Eltern zu schützen. Auch wenn es anders herum sein sollte.
    Wichtig ist auch dabei, wie die Haltung der Erwachsenen sich im Laufe der Geschichte von Skepsis oder Ablehnung hin zu Toleranz und Akzeptanz ändert. Das finde ich als "Moral von der Geschichte" gerade in einem Kinderbuch immens wichtig.
    Ohne den Kontext der vollen Geschichte hinterlässt die Leseprobe bei mir daher aber eher einen mauen Geschmack. Auch mit Vertrauensvorschuss gegenüber der Autorin, dass die Geschichte gut ausgehen wird, bin ich noch nicht zu einem Kauf überzeugt.

    Dass liegt vor allem daran, dass die Autorin in ihrer Rolle als quasi neutrale Erzählerin ebenfalls die Pronomen und Namen der Protagonistin hin- und her wechselt.
    Dadurch entstand mir beim Lesen zunächst etwas Verwirrung, da ich es von anderen (Kinder-)Büchern so kenne, dass der neue und richtige Name und Geschlechtsbezeichnung nach dem Coming Out konsequent verwendet werden. (Selbst wenn einzelne Figuren in der Handlung das noch nicht gelernt haben)
    Aber vielleicht haben Kinder, die nicht so im Thema drin stecken, beim Lesen der "Katze" damit gar kein Problem? :)

    Wiedemauchsei: Dadurch, dass die "Erzählstimme" hin- und her wechselt, entsteckt aber zumindest bei mir der Eindruck, dass die Autorin die Einstellung von Jennifer's Umfeld teilt: Jetzt ist die Figur also zunächst wieder ein Junge bzw. doch kein Mädchen. Dadurch entsteht auch Distanz zwischen den Lesenden und der Protagonistin, denn anstatt von anfang an klar Stellung zu Jennifer zu beziehen und ihre Geschlechtsidentät als authentisch darzustellen, wirkt die Erzählerin eher unschsicher.

    Falls die Protagonistin sich ihrer Identität selber noch gar nicht sicher ist oder sie eine nicht-binäre oder gender-fluide Person sein soll, dann wäre das natürlich eine gute Darstellung!
    Diese Fälle und auch Zweifel darzustellen ist natürlich völlig in Ordnung und sogar wichtig.
    Aber weder Leseprobe, noch Klappentext deuten darauf hin.
    Von daher bin ich mir nicht sicher, was die Autorin mit den wechselnden Pronomen und Namen bezwecken will, aber ich finde die Verwendung nicht sehr gelungen.

    Gerade weil es immer noch sehr, sehr viel Unverständnis, Missverständnisse und Ignoranz gegenüber der ganzen trans* Thematik gibt, finde ich es schade, denn auf mich wirkt die Leseprobe eher so, als würde diese stilistische Mittel mehr Verwirrung als Aufklärung stiften. Und auch wenn die Unterhaltung und nicht die AUfklärung vielleicht das oberste Ziel des Buches ist, so sollte das Fundament dafür meiner Ansicht nach trotzdem solide sein. Dann lässt sich auch besser damit umgehen.

    Schade, denn das Thema mal abseits von Tragik, Drama und Strenge anzugehen finde ich eine sehr schöne Idee!

    Hoffentlich ist die volle Geschichte in sich stimmig und kann den Ersteindruck der Leseprobe aufklären und widerlegen.:)
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#24 WahrheitIstRelativAnonym
  • 20.04.2020, 14:56h
  • @ Nk231

    Vielleicht hatte der Autor aber auch alle Sternzeichen gleich behandelt, du konntest über die Angelegenheiten anderer nur besser lachen als wenn es dich selber betrifft, sowas ist nämlich die Regel. Wir schaffen es nie, allen gegenüber die gleiche Empathie zu empfinden und die meiste Empathie haben wir immer für uns selbst....

    @ Ith_

    Ich glaube nicht, dass einem Transkind oder auch anderen Ciskindern mit einem Märchen geholfen ist, wo sich alle korrekt verhalten. Würde Jennifer immer weiblich betitelt werden und es würde heißen " nicht jede mit Penis ist ein Bub" würden Ciskinder, vielleicht auch nicht Transkinder verstehen, worum es geht und was hier die Kritik und der Fehler in unserer Gesellschaft ist. Es ginge dann nach Verstehen der Kinder um ein Cismädchen, dass nicht Mädchen sein darf und vielleicht so ein Geschwür zwischen den Beinen hat. Es würde aber nicht als ein Kind verstanden, dass alle als Junge betrachten. Wie sollte ein Kind, welches das gelesen hat und dann in der Schule auf ein Transmädchen trifft dann aus diesem Buch lernen? Es würde sagen : " In dem Buch ging es um ein Mädchen aber du bist ja gar keins...". Also macht es schon Sinn Hintergründe Kindgerecht verständlich zu machen und nicht Jennifer einfach von vornherein Mädchen zu nennen und zu ignorieren, dass Kinder Jennifer für einen Jungen halten würden. Dass sie Jennifer aber falsch lesen, müssen sie dann im Verlauf des Buches verstehen.
    Ein Roman ist dafür da, Erlebnisse und Gefühle wiederzuspiegeln, damit man sich damit auseinandersetzen kann. Ich finde weder dein Gewalt - noch dein Homo Beispiel erschreckend, so wie du es dir wohl erhofft hast. Ein Kind, dass Gewalt erfährt kann sich mit der Buchfigur identifizieren, wenn es erlebt wie dieses Kind hin und hergerissen ist, zwischen den eigenen Bedürfnissen und dem, der Mutter gefallen zu wollen und sich nach ihren Vorstellungen zu verhalten. Kennen wir das nicht alle? Darum geht es! Dies zu reflektieren. Der Verlauf der Geschichte ist dann der Prozess dieser Selbsterkenntnis und Entscheidend ist, wo es hinführt. Bei einem Buch für Erwachsene könnte es sogar so enden, dass Jennifer nicht sie selbst sein kann und die Empathielosen um sie herum siegen. Da stellt der Erwachsene nüchtern fest, wie es zugeht in der Welt und versteht sehr wohl die Gesellschaftskritik des Buches und meint nicht "Unrecht siegt - jippie!".
    Für Kinder müsste es dagegen schon um einen Ausweg aus dem was falsch ist, gehen und somit ein Happy End und Eltern, die merken, daß sie falsch lagen ( im Falle deines Gewaltbeispiels auch, wo man Hilfe findet - es gibt da auch Theaterstücke in Grundschulen, sie heißen "mein Körper gehört mir" und da geht es auch nicht darum, dass das allen Beteiligten sofort klar wäre...)
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#25 HelenaAnonym
  • 20.04.2020, 15:32h
  • Antwort auf #23 von Meandre
  • Hi, es ist mir ein ganz großes Anliegen, dir zu schreiben, ich hoffe, das ist ok. Ich bin selbst Trans und schon fast verzweifelt über die Reaktionen hier, denn es sind Reaktionen auf den Artikel plus Leseprobe und eindeutig nicht auf das Buch selbst, welches für mich wunderbar zu lesen war.
    Der Wechsel zwischen Leo und Jennifer ist ein Stilmuster, das kann man an der Leseprobe anscheinend noch nicht erkennen. Jennifer ist immer dann nach außen hin Leo, wenn sie ihr wahres Ich schützen muss, weil sie es kaum ertragen kann, dass ihre eigenen Eltern sie nicht verstehen. Sie zweifelt nicht an ihrer Identität sondern weiß nicht, wie sie sie tragen kann, ohne dass ihr etwas Wertvolles und Schönes weiter beschädigt wird.
    Erzählt wird von außen, was ich auch gut finde, weil so keiner davonkommt.
    Jennifer nimmt ihr Coming Out nicht zurück, sie sagt der Mutter ganz klar: "Ich bin nicht da". Auch finde ich nicht, dass man einen Anspruch an die Reaktion eines Kindes stellen kann, das in die Enge getrieben wird. Es ist geradezu klassisch, dass sich Kinder für die Eltern verantwortlich und sich schuldig fühlen. Natürlich ist das falsch herum, aber genauso passiert es doch.
    Ein Happy End gibt es soweit, dass Jennifer ihre neue Identität gegenüber ihrer Umwelt durchsetzt. Ein Happy End ist aber kein Qualitätsmerkmal einer Geschichte. Auch Mut zu machen ist keine Pflicht. Mir selbst hat es immer am meisten geholfen, wenn jemand nichts beschönigt hat. Das war immer wichtig für mein vertrauen und ohne Vertrauen gibt es keinen Mut. Ich habe ein kurzes Interview mit der Autorin gelesen, leider ging es nur ganz kurz um dieses Buch. Ich glaube, sie sieht das Ganze nicht so wie dieser Artikel, den ich aber in Ordnung finde, auch wenn er anscheinend in die Irre führt. Ihre Aussage war quasi so wie: Die Welt ist immer noch total intolerant (obwohl die Geschichte eher vor 15 oder sogar mehr Jahren zu spielen scheint) und dass es das Allerschlimmste ist, dass Menschen nicht einfach ohne Beschreibung oder Benennung ihrer Identität sein dürfen, wer sie jeweils nun mal sind. Sie kritisiert sogar, dass Jennifer ihrem wahren Ich einen Namen geben MUSS. Denn Jennifer tut das zwar gerne und lustvoll, ist aber gleichzeitig darauf angewiesen, damit ihre Umwelt auch nur zu verstehen beginnt, wer sie ist. Ich glaube jedenfalls, ihre Geschichte ist ein Statement und keine Beschönigung oder flache Mutmacherei. Das finde ich ganz wichtig, denn Mutmach-Bücher gibt es einige, nur glauben muss man sie auch erst mal können. Da lieber was, das in den sauren Apfel beißt und einem mal die Meinung geigt.

    Liebe Grüße und lest das ganze Buch!
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#26 Nk231Anonym
  • 20.04.2020, 20:35h
  • Antwort auf #24 von WahrheitIstRelativ
  • Das ist bei manchen Dingen so, allerdings war es bei diesen Büchern bei mir NICHT der Fall. Ich hatte mich bereits darüber gefreut, über mein eigenes Sternzeichen lachen zu können.
    Und ja, ich kann es differenzieren, ob alle Sternzeichen gleich behandelt wurden oder nicht. Ich habe ein gut funktionierendes Gehirn - gestehe mir das wenigstens zu. Es war halt nicht der Fall, dass alle Sternzeichen gleich behandelt wurden. Und das weiß ich, da ich die Bücher gelesen habe.
    Du spekulierst hier auf Wahrheit ist relativ, und hast diese Bücher gar nicht gelesen und weißt noch nicht mal, von welchen ich da überhaupt spreche. Fragen stellst du auch nicht.

    So kommen wir nicht ins Gespräch. Es geht hier nicht um Eventualitäten, sondern um Fakten.
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#27 TheDadProfil
  • 20.04.2020, 21:13hHannover
  • Antwort auf #26 von Nk231
  • ""Das ist bei manchen Dingen so, allerdings war es bei diesen Büchern bei mir NICHT der Fall. Ich hatte mich bereits darüber gefreut, über mein eigenes Sternzeichen lachen zu können.""..

    Was aber nicht funktionieren kann..

    Mal abgesehen von der Astrologie insgesamt..

    Wenn man über sich bestehende Vorurteile erfährt, und das wird ein Lachen darüber verhindert haben, weil man nämlich "denkt"
    "so bin ich doch aber gar nicht",
    dann ist dies eine Erfahrung die man sich ja auch schenken könnt..
    Man kauft das Buch gar nicht erst..

    Anders die Informationen über die anderen Sternzeichen..
    Hier lacht man, weil man bestehende Vorurteile bestätigt bekommt, und dabei nicht selten an jemanden denkt auf den dann genau das was dort steht, auch zutrifft..

    Doch beide Bücher zu beiden Sternzeichen haben die gleiche Qualität, sie enthalten den gleichen Unsinn, weil die gleichen zusammengefassten Vorurteile..
    Die über sich selbst will man nur nicht lesen, weil man darüber nicht lachen kann ?

    Wer über sich selbst nicht lachen kann muß dringend mal reflektieren, wieso eigentlich nicht ?
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#28 TheDadProfil
#29 Nk231Anonym
  • 20.04.2020, 21:34h
  • Antwort auf #27 von TheDad
  • Nein, so war es eben gar nicht.
    Deshalb ist es wichtig, dass man nachfragt und dass man bestenfalls die Bücher selbst gelesen hat.
    Dass in den Büchern typische Sternzeichen bedingte Verhalten lustig dargestellt sind, ist ja Sinn der Bücher.
    Allerdings war es bei meinem Sternzeichen so, dass der Autor einerseits Befindlichkeiten hatte und andererseits das Sternzeichen nicht so ganz kannte.
    Das stellte ich fest, als ich es gelesen hatte.

    Aber du spekulierst lieber. Bitte, viel Spaß damit. Ist nur nicht ganz sinnvoll, über Dinge zu schreiben, die du selbst noch nicht in Erfahrung gebracht hast. Denn solange du diese Bücher nicht kennst, weißt du es schlicht und ergreifend nicht. Punkt.
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#30 TheDadProfil
  • 20.04.2020, 21:58hHannover
  • Antwort auf #29 von Nk231
  • ""Allerdings war es bei meinem Sternzeichen so, dass der Autor einerseits Befindlichkeiten hatte und andererseits das Sternzeichen nicht so ganz kannte.""..

    Äh ?
    EIN Autor..
    Zwölf Sternzeichen !

    Ausgerechnet Dein Sternzeichen kommt dann dabei irgendwie "ungerecht weg" ?

    ""Nein, so war es eben gar nicht.""..

    Doch, es ist genau so wie ich es beschrieben habe..
    Über sich selbst liest man solche Sachen nicht gerne, weil man darüber nicht lachen kann..

    ""Aber du spekulierst lieber. Bitte, viel Spaß damit. Ist nur nicht ganz sinnvoll, über Dinge zu schreiben, die du selbst noch nicht in Erfahrung gebracht hast. Denn solange du diese Bücher nicht kennst, weißt du es schlicht und ergreifend nicht. Punkt.""..

    Ich habe schon Bücher über Sternzeichen gelesen, da warst Du noch nicht geboren..
    Und alle 5 Jahre kommt der gleiche Unfug von den gleichen Autoren in neuer Aufmachung und mit neuem Cover neu auf den Markt, doch am Inhalt hat sich seit 70 Jahren nichts geändert..

    Man lacht immer noch nicht über sich selbst..
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#31 Nk231Anonym
  • 20.04.2020, 22:15h
  • Antwort auf #28 von TheDad
  • A propos Reflexion:
    Wenn du nun darauf spekulieren möchtest, darüber zu reden wie man selbst ist und das zu reflektieren:
    Ich bin erwachsen, darauf musst du mich nicht aufmerksam machen - das mache ich von selbst.
    Das liegt übrigens an einer Sache, die du mittlerweile kennen solltest, da ich hier lange genug schreibe, dass du wissen kannst, dass Reflexion etwas ist, was ich kenne und umsetzen kann (Beruf).

    Stelle mich bitte nicht so hin, als sei ich jemand, der man den Spiegel vorhalten müsse. Ich kenne mich selbst immer noch am besten. Ich lasse mir virtuell garantiert nicht vorschreiben, wer ich angeblich sei, noch dazu von einer Person, die noch nie mir gegenüber saß und noch kein Wort mit mir in der Realität gesprochen hat.
    Ich habe da meine Grenzen und die mache ich deutlich. Sowas mag ich nicht.

    Aber um auf Reflexion zurück zu kommen: ja, ich weiß wie ich seit längerem bin. Ich kenne die Gründe und auch weiß ich wie ich das verbessern kann. Ich bin dabei, meine Situation zu verbessern und das dauert leider länger als geplant. Covid19 kommt mir da gerade zusätzlich in die Quere. Es braucht Geduld.
    Also wenn du geduldig bleibst und versuchst nachzuvollziehen, dass ich leider noch sehr belastet bin, dann muss ich keine Romane mehr schreiben und dann muss man mich auch nicht belehren.

    Andererseits muss ich ehrlich dazusagen, dass es selbstverständlich auch darauf ankommt, wie man mit mir in Kontakt tritt.
    Beispiel hier: du spekulierst hier und kennst die Bücher nicht, musst aber meine Aussagen anzweifeln, weil du nicht stehen lassen kannst, was da geschrieben steht. Das ist halt deine Art der Kommunikation - ich mag es eben nicht, weil es in diesem Fall nichts bringt und du hier suggerierst, als hätte ich da etwas nicht verstanden und du müsstest das klarstellen. Sorry, so ist es einfach nicht.
    Ich kann nur wiederholen: du kennst diese Bücher nicht - Spekulationen führen hier höchstens in die Irre.
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#32 WahrheitIstRelativAnonym
  • 20.04.2020, 22:39h
  • Antwort auf #31 von Nk231
  • Es geht nicht um die Bücher und egal was drin steht, man kann es immer relativ auslegen :-)
    Es geht darum, dass die ganze Menschheit immer wieder Spiegel vorgehalten bekommen muss und Selbstreflektion üben muss. Das geschieht ja auch immer aus verschiedenen Gründen und sei es nur, weil andere etwas in Frage stellen. Das praktisch keiner, was seine Reflektion betrifft, perfekt ist, ist nicht das Problem. Aber schon, wenn man meint hier über den Dingen zu stehen, noch dazu mit Verweis auf den Pädagogischen Beruf !
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#33 lesendannurteilenAnonym
  • 20.04.2020, 23:36h
  • Antwort auf #6 von Selber Eindruck
  • Natürlich hat das etwas bedrückendes, wenn ein Kind nicht verstanden wird, aber das ist doch erst der Anfang der Geschichte. Nur weil mit Humor erzählt wird, bedeutet das doch nicht, dass die Problematik verharmlost oder gar etwas Bedrückendes als etwas Positives begriffen oder darstellt wird! Man kriegt einfach zu lesen, dass sich die Erwachsenen erst mal lächerlich verhalten und das soll schon mal vorgekommen sein. So eine Erzählung macht tausendmal mehr Mut als heuchlerischer Kitsch oder realitätsferne "korrekte" Welt diktieren. Kinder sind doch nicht dumm, die wollen nicht verarscht oder gesensitivt werden bis der Arzt kommt.
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#34 lesendannurteilenAnonym
  • 20.04.2020, 23:59h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Deine Beispiele hast du sehr brav ausgeführt, nur belegen sie dein Argument hinsichtlich des Buches leider in keinster Weise, da überhaupt nicht behauptet wird, Jennifer würde harmlos behandelt. Fände ich also ziemlich peinlich, wenn du das in dem Kontext bloggst, vielleicht erst mal das Buch verstehen.
    Bei all deinem Aufzeigen von Gewalt gegen Transpersonen (finde ich grundsätzlich gut) scheinst du zu meinen, die Figur wäre eine Lusche, wenn sie sich ihrer Mutter gegenüber schuldig fühlt, obwohl genau das in Wahrheit leider nur zu häufig vorkommt. Wo bleibt da deine Trans-Sensitivity? Hat man die als Nicht-Cisse nicht nötig?
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#35 von was sprichst duAnonym
  • 21.04.2020, 00:34h
  • Antwort auf #10 von Ith_
  • lth, du verstehst dieses Buch sowas von falsch, da wird mir ganz schwindelig. Eigentlich stimmt wirklich kein einziger der von dir angeführten Punkten. Hattest du die schon mal zu etwas anderem geschrieben und jetzt hier reinkopiert? Ich hoffe, die Leute ziehen sich die Geschichte selbst rein und falls sie etwas dran scheiße finden, bezieht es sich hoffentlich auf was, das auch tatsächlich Inhalt oder Attitüde des Buches ist. Ich kann nur sagen, es ist eine richtig toll geschriebene Geschichte über ein großes Thema, das Leser verdient hat, die auch lesen können.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #10 springen »
#36 Nk231Anonym
  • 21.04.2020, 01:04h
  • Antwort auf #32 von WahrheitIstRelativ
  • Das ist eben das Problem bei dir oder euch beiden, dass ihr sofort denkt, ich wäre überheblich, nur weil ich mich sehr gut kenne und selbst weiß, was in meinem Leben los ist. Man kann ja nicht allen pauschal unterstellen, nicht reflektieren zu können. Bei mir trifft das nicht zu, ist das ein Problem für dich? Fühlst du dich etwa besser, wenn ich lügen würde und ich mich als hilflos darstellte? Brauchst du das, dass du hier den Seelenheiler spielen möchtest und andere so behandeln möchtest als seien sie kleine Kinder?
    Und ja, durch meine Ausbildung hab ich nun mal gelernt zu reflektieren und zwar nicht nur eine Situation, sondern auch mich selbst immer mal wieder. Dafür muss ich mich weder rechtfertigen noch entschuldigen. Wenn du dich dadurch abgewertet siehst, solltest du vielleicht dich mal reflektieren??
    Ich habe nicht ohne Grund öfters geschrieben, dass man einen Menschen erstmal kennen lernen muss um diese Person dann irgendwann verstehen zu können. Ferndiagnosen stellen ist erstens falsch und zweitens liegt man meistens daneben.
    Deswegen hab ich gleich selbst geschrieben, was los ist bevor ich viele Unterstellungen aus dem Weg räumen muss und es mir am Ende noch auf die Nerven geht.

    Ich bin nicht hier online um Beratung in Anspruch zu nehmen, sondern ich interessiere mich hier für die Artikel, wo es überwiegend um Politik geht und um LSBTTIQ. Ich bin lesbisch also interessiert mich das. Ich möchte wissen, was sich verbessert oder an welchen Stellen in der Gesellschaft es vielleicht schlechter wird. Deshalb lese ich die Artikel.
    Der Artikel hier handelt nicht von mir, also kehren wir bitte zum Buch zurück.

    Ich bin jetzt also ehrlich gewesen und habe erklärt, dass ich in einer nicht so guten Phase bin, die aber auch vorüber geht. Der Pfeil zeigt momentan wieder aufwärts.

    Gute Nacht.
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#37 lth read againAnonym
  • 21.04.2020, 02:52h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Schlaue, schöne, wahre Geschichte.
    Und nein lth, "wahr" nicht im wörtlichen sondern im metaphorischen Sinn.

    Folgende Abhandlung braucht sich niemand zu Gemüte führen, aber ich hasse Bullshit. Minderheitsrechte sind zu wichtig, als dass man sich hier ohne Grundlage produziert. Deshalb muss ich einfach auf lths Behauptungen eingehen.

    Zu "Sensitivity-Reading" einer anderen Person als der Autor*in selbst:
    Wenn du meinst, Zensur oder "Erziehung" führe zu wertvollen Werken, hast du nicht viel kapiert.

    Zu "nicht problematisierend":
    Dass das Buch insgesamt als keine Problemgeschichte beschrieben wird, bedeutet selbstredend nicht, dass es keinerlei problematischen Situationen schildert. Jennifer muss um ihre Identitätsanerkennung kämpfen, natürlich ist das für sie "problematisch", das ist doch wohl klar!

    "Nicht jeder mit Penis ist ein Bub" ist ein Zitat und genau deshalb so geschrieben und was daran hinkt, ist so sonnenklar, dass es der Artikel ohne Erklärung aufgegriffen hat - aber dann kamst du.
    (Ach ja, und nachdem dus nicht kapiert hattest, hattest du auch noch keine Lust, es zu erklären, ja ne is klar.)

    Du, Master of Sensitivity, maßt dir also an, zu wissen, was für eine "Person" das Buch geschrieben hat.

    Für dich, Master of Sensitivity, ist die Trans* perspektive also die Marginalisiertenrolle.

    Zu angeblich legitimierten Ansichten, Ausdrücken und Formulierungen:
    Nur weil etwas literarisch oder stilistisch verwendet wird, wird es nicht automatisch legitimiert. Ist dir der Umstand bekannt, dass problematische Situationen geschildert werden können, OHNE dass sie dadurch vom Erzählenden als moralisch in Ordnung verkauft oder gewertet werden? Vielleicht - call me crazy - soll sogar hervorgehoben werden, dass etwas falsch ist?

    Zu deiner Behauptung, dem Lesenden würde vermittelt werden, das Kind habe kein Problem damit, als Bub gesehen zu werden:
    Das ganze verdammte Buch handelt davon, wie Jennifer um ihre Identitätsanerkennung kämpft!

    Zu deinem angeblichen "Traum für Cissen":
    Jennifer setzt sich durch und wenn das ein Cissentraum ist, solls so sein.

    Dein Dumbledorevergleich: Das Kind ist dir also nicht Trans genug. Hat ihr Transsein nicht früh und heftig genug formuliert, hat Kleider aus der Jungsabteilung getragen. Selbst du, Master of Sensitivity, kannst hier noch dazulernen. Nicht jeder Mensch kann oder will seine Ich-Definition, sein inneres Befinden sofort äußern oder labeln. Jennifer ist so an die 9 Jahre alt. Give her a break. Und kapiere mal, dass Menschen verschieden sind. Was weißt du denn zur Vorgeschichte? Der wievielte Versuch es ihrerseits ist, den anderen ihre Identität klarzumachen?
    Außerdem: Der saloppe, stark verkürzte Einstieg der Geschichte ist echt unschwer als ebensolcher zu erkennen. Das ist ein stilistischer Behelf, ding dong, jemand zuhause? Er sagt einfach aus: Zu jeder Zeit und ohne Rechtfertigungen hat man das Recht zu definieren und entscheiden, wer man ist.

    "...die vollkommene Ignoranz ihres Trans*-Seins so gar nicht antagonisiert, sondern als gottgegebene Selbstverständlichkeit brav hinnimmt":
    Was weißt du denn, welche Kämpfe das Kind schon hinter sich hat? Vielleicht sind es nicht die Klamotten, die dabei an erster Stelle standen? Was für eine Tuss*enherangehensweise ist das denn? Und ja, manche Kinder sind introvertiert und wirken "brav" (du alter Master of Sensitivity, du). Wer so oberflächlich wahrnimmt wie du, sollte sich erst mal mit der menschlichen Natur allgemein vertrauter machen, bevor man sich auf Transmenschen einschießt. Die können weiß Gott mehr Tiefgang gebrauchen.

    "Das stets naive, uninformierte und unreflektierte Umfeld":
    Wer diesem tatsächlich beikommen möchte, muss es auch beschreiben dürfen, um es anzuklagen. Deine Kritik macht überhaupt keinen Sinn.
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#38 WahrheitIstRelativAnonym
  • 21.04.2020, 08:23h
  • Antwort auf #36 von Nk231
  • Erkenne dich selbst und wenn du weißt, dass du nichts weißt, weißt du schon eine ganze Menge... (Sokrates)

    Geht nicht darum, ob du mit deinen Büchern recht hast oder nicht, sondern um deine Einstellung, die du ja immer wieder offen darlegst. Und ja, ich habe ein Problem mit Pädagogen, die meinen das " Mensch sein" müssten nur Andere lernen... Du bewertest diesen Schriftsteller dieser Astrologischen Bücher, er hätte subjektive Befindlichkeiten bei deinem Sternzeichen gehabt und ein persönliches Problem und keiner darf sich anmaßen, auch nur als Idee, dich :" Hochwürden" in Frage zu stellen?

    Also nochmal:
    Pädagogen sind keine besseren Menschen als Eltern & Co!
    Homos sind keine besseren Menschen als Heteros!
    Es gibt garkeinen besseren und schlechteren Menschen und das ist ein zentrales LGBTI* Thema!!!
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#39 trans naysayerAnonym
  • 21.04.2020, 13:34h
  • Vielen Dank für die vielen Rezensionen, die meinen bereits (überraschend) positiven Eindruck aus der Leseprobe noch einmal bestätigt und ergänzt haben.

    Es hat mich neugierig genug gemacht, dass ich mir das Buch einfach mal bestellt habe.
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#40 Geiles BuchAnonym
  • 21.04.2020, 15:14h
  • Antwort auf #37 von lth read again
  • HAHA hau mich weg :D

    Liebe deine Antwort auf die am Ziel völlig vorbeischießenden Kommentare und liebe, was ich Dank der Leseprobe bisher zu lesen bekommen habe. War aber auch klar, dass sich da einige sofort an aus dem Zusammenhang (und Leser*innenverstand) gerissenen Punkten aufhängen.

    An alle Trans-Flüsterer und -Versteher*innen:
    Wir sind keine exotische Spezies, die man absondern und durch behauptete Eigenschaften einengen und eingrenzen muss. Damit tut ihr niemandem einen Gefallen, besonders nicht eurer eignen Trans-Seele. Wer Phänomene, Analysen und Verhaltensregeln diskutieren möchte, sollte seriös genug sein, das anhand eines passenden Beispiels zu tun. Wirkt billig, wenn man voreilig etwas heranzieht, das die Problematik nicht bietet, die man anklagen will.

    Ach ja und noch eines. So "falsch" sich Menschen zueinander nun einmal verhalten können, sind wir doch alle nur genau solche. Meine Eltern taten sich auch schwer, deshalb sind sie noch keine grausamen Unmenschen. Die Selbstgerechtigkeit, mit der Viele daherkommen, weil sie sich als etwas ach so Einzigartiges und Unverstandenes fühlen, kotzt mich an. Da merkt man, es geht nicht ums Zusammenkommen und einander Verstehen, sondern nur ums Anklagen und Richten als Sport.
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#41 Love itAnonym
  • 21.04.2020, 21:11h
  • Ich liebe dieses Buch.

    Ich möchte hier gerne einen Teil einer Rezension zitieren, der das Buch ziemlich gut beschreibt und für die, die es nicht verstehen (wollen), erklärt:

    "JenniferLeo ist wirklich anders. Sie fühlt das schon länger, unbestimmt. Mit Beginn der Frühpubertät begreift sie, was in ihr vorgeht, und kann sich so einen neuen Namen geben. Denn der Name steht für die persönliche Identität. Dazu gehört auch Geschlechtsidentität. Und die muss nicht festge-schrieben sein von Geburt an, sondern kann sich durchaus ändern. Franz Orghandl hat hervorra-gend beschrieben, dass es sich hierbei nicht um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt. Sondern um Identität. Das berührt die Seele. Die der Personen im Buch und auch die der LeserIn-nenSternchenUnterstrich!"
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#42 Ironie verstehenAnonym
  • 22.04.2020, 00:32h
  • Antwort auf #10 von Ith_
  • Völlig falsch analysiert und überhaupt nicht dem Text entsprechend. Ich weiß nicht, ob es ein Generationenproblem ist und möchte auch nichts unterstellen, aber mir fällt auf, dass Sprache und Formulierungen zwar gerne auf mehreren Ebenen kritisiert, aber total eindimensional gelesen/ausgelegt werden. Eine Schieflage, die ich mir am ehesten durch Verbortheit erkläre, also genau das, was angeblich nicht weiter hingenommen und bekämpft werden soll. Ich kannte das bisher eigentlich nur aus fascho-amerikanischen Kreisen.

    Alles, was von Ihnen, Ith, erläutert wird, ist allgemein durchaus eine Erwähnung wert, aber zeigt, dass Sie die Erzählung nicht verstehen. Sie rennen damit sozusagen offene Türen ein. Der Erzählende hat sich offensichtlich gezielt der Manier bedient, die eben leider noch viel zu üblich ist. Zwar schrullig und skuril geschrieben, aber eben so, wie Sie das kritisieren. Doch - und hier verstehe ich wirklich nicht Ihr blindes Auge - gerade deshalb, um die bloßzustellen, die sich missbräuchlich verhalten. Wobei ich den hier von Ihnen geliehenen Ausdruck deutlich am Ende eines vorhandenen Sprektrums platzieren möchte, denn einander nicht zu verstehen und die Konsequenzen sind ein weites Land.

    Genauso prangert man doch wirkunsgvoll und glaubhaft an - indem man aufzeigt, wie gebräuchlich etwas ist. In diesem Fall das nicht Sehen- und Hören-wollen eines Menschen. Muss heutzutage für die Generation Youtube alles wie in einem Kochrezept dargereicht werden? Ich hoffe nicht.

    Die von Ihnen kritisierte "voyeuristische Weise ÜBER" stimmt gerade in der Transliteratur nicht. Hier wird sehr gerne in Ich-Form erzählt, was auch wichtig ist. Aber dieses Buch nimmt nun mal das Umfeld aufs Korn und stellt die Dinge relativ gleichgewichtig gegenüber und das hat in diesem Genre inzwischen längst gefehlt. Das sollten Sie aushalten können. Außerdem kritisieren Sie, dass das Mädchen dies und das vermitteln würde, glauben sogar "da erzählt ein Trans*Mädchen" und bemängeln anscheinend zugleich, dass nicht aus der Ich-Perspektive sondern von außen erzählt wird. Darüber hinaus, dass es sich um Stoff handeln würde, wie ihn sich Menschen wünschen würden, die nicht unmittelbar "betroffen" sind. Ich lebe seit über vierzig Jahren mit einer wunderbaren Trans-Frau zusammen und wir sagen Ihnen hiermit beide, sie liegen völlig falsch. Da ich selbst "nur" homosexuell bin, weiß ich nicht einmal, ob meine Meinung ohne meine Partnerin bei Ihnen zählen würde, geschweige denn ich wäre, was Sie Cisse nennen.
    Verstehen Sie lieber, dass es tolaerante und intolerante Menschen gibt, Menschen, die persönliche Angelegenheiten als die ihren wahrnehmen, auch wenn sie sie nicht belangen, und Menschen, die das nicht tun. Sie wollen doch nicht im Ernst behaupten, dass diese Einstellungen an Identitätsausrichtungen oder gar Minderheiten oder Mehrheiten gebunden sind. Natürlich kann eine Mehrheit eine Minderheit leichter unterdrücken - insgesamt, wohlgemerkt - aber was bedeutet das bitte für den Einzelnen? Und kommt es nicht auf das Individuum an? Ist eine Figur in einer Geschichte den Ihnen gefälligen Galionsfiguren Ihrer persönlichen Definition von Emanzipation verpflichtet?

    Ich kann zu beinahe allen Ihren Argumenten sagen: Genau das kritisiert auch diese Erzählung. Wo ich es nicht sagen kann, ist immer dort, wo Sie nicht nur die Message missverstanden haben, sondern das Gras wachsen hören.
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#43 Ironie verstehenAnonym
  • 22.04.2020, 01:08h
  • Antwort auf #19 von Nk231
  • Ich kann Ihnen nur voll zustimmen.
    Das Beispiel mit der Homosexualität beweist nichts, sondern illustriert schlicht, was die Geschichte sowieso aussagt.

    Was sich die Geschichte laut der von lth geäußerten Kritik anscheinend zuschulden kommen lässt, ist, auch ein Herz für die hilflosen bis stur falsch liegenden Eltern zu haben, was in Schwarz-Weiß-Malerei wohl den Schluss zuließe, dass hier mit "Tätern" zu augenzwinkernd umgegangen werden würde. Zum Glück erlaubt unsere Gesellschaft trotz all ihrer Fehler einen etwas komplexeren Blick als diesen.

    Ich finde das Buch nicht nur bissig-witzig, sondern gerade deshalb wertvoll, weil es geschickt den Finger in Wunden legt, die sonst gerne nicht behandelt oder inzwischen abgedroschen abgehandelt werden. Es ist außerdem originell lehrreich (und zwar weit über die Trans-Thematik hinaus) und schrullig-rührend.
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#44 Nk231Anonym
  • 22.04.2020, 02:46h
  • Antwort auf #38 von WahrheitIstRelativ
  • Dein Sokrates-Zitat kannst du dir sparen, denn das trifft wohl eher auf dich zu?

    Und ich wiederhole es nochmal: hier geht es um das Buch der Autorin und nicht um mich! Wenn du das Gesprächsthema auf mich lenkst und meinst du müsstest Infos aus mir herausquetschen, dann wirst du ein Problem mit mir bekommen.

    Ich hab geschrieben, dass ich nicht überheblich bin. Und an keiner Stelle hab ich erwähnt, wer besser oder schlechter sei - das ist deine Dumbledore-Phantasie. Wenn du es nicht ertragen kannst, dass hier eine Frau schreibt, die Köpfchen hat, dann kümmere dich endlich mal um dich selbst und schaue in den Spiegel, anstatt hier scheinheilige Kämpfe zu produzieren.

    Und wenn du meinst, du musst diese Internetseite dazu nutzen, um User zu erziehen oder ihnen ihr Wissen absprechen, oder ihnen zu sagen wer sie angeblich seien, dann verhältst du dich fragwürdig!
    Also lass es bitte! Es ist unerträglich.

    Was die LSBTTIQ bedeutet musst du mir nicht vorbuchstabieren, ich gehöre dazu, Himmel nochmal!!

    Und nein, wenn mir hier der Umgang zu negativ wird, dann äußere ich mich, auch dann wenn es dir nicht in den Kram passt!

    Und was die Bücher betrifft: ja, solange sie nicht von euch gelesen wurden, nutzt es nichts Spekulationen zu äußern und so zu tun als sei das Blödsinn was ich da schreibe. Was soll das Theater von euch?!? Sind halt nicht alle Menschen eindimensional - es gibt auch noch welche die mehrdimensional wahrnehmen und denken!! Aber von deiner Blase aus betrachtet gibt es in deiner Welt außer PC, Technik sonst keine weitergehenden Erfahrungen mit vielfältigen Menschen, oder weshalb hast du so riesige Probleme damit, dass du hier einer Frau begegnest, die offensichtlich mehr Köpfchen hat als du sonst gewohnt bist?!?
    Ich sags mal so: erst informieren, dann denken und erst danach schreiben!!

    Ich zeige mich hier wie ich bin und das ist nicht überheblich, sondern authentisch.
    Die Dinge, die ich nicht haben möchte, die spreche ich an. Ich habe genauso meine Grenzen wie andere auch.

    Und jetzt lass mal dieses Gezicke, ich brauche meine Energie für mein Leben gerade!! Hab echt wichtigere Dinge zu tun, als dich zu beruhigen oder euren ewigen Unterstellungen hinterher zu schreiben!!
    Und nochmal: ICH.KENNE.MICH.UND.MEIN.LEBEN!

    Drucke es aus, hänge es dir übers Bett, wie auch immer: merke es dir endlich!!!
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#45 Nk231Anonym
  • 22.04.2020, 03:02h
  • Antwort auf #43 von Ironie verstehen
  • Ich finde, nach den vielen Antworten zu Ith_ sollte man ihm wieder die Möglichkeiten geben, darauf antworten zu können. Mir fällt auf, dass er hier gar nicht mehr schreibt.
    Mir war es wichtig, auf seine Empfindungen zu reagieren, die ich nachvollziehen kann, weil ich empathisch bin, aber nicht, dass man ihm einen shitstorm gibt.

    Und es ist schön zu sehen, dass die Autorin die Eltern nicht als Täter diffamiert, sondern eben erkannt hat, dass sie mit dem Thema Trans nicht vertraut sind und eben so handeln wie es ihrer Heterosexualität entspricht.

    Und man kann gerne du zu mir sagen, denn hier werden User gedutzt - es sei denn Sie bestehen auf Sie, dann werde ich das auch so machen.
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#46 Ironie verstehenAnonym
  • 22.04.2020, 04:43h
  • Antwort auf #45 von Nk231
  • Natürlich, das ist wahr. Ich habe zwar ein paar Gegenstimmen wahrgenommen, aber nicht realisiert, dass so viel Gegenwind weht. Ich kenne nämlich eher den Kanon der von mir kritisierten Beiträge, die ich als selbstgerecht und nicht zuletzt deshalb unfair, aber vor allem unrichtig empfand. Weil sie so ausführlich waren und anscheinend sogar gebloggt werden, habe ich mir keinen Zwang angetan. Aber wenn das jeder so macht, wird das in Summe zu viel, das sehe ich ein. Danke fürs aufmerksam machen.

    Genau, überhaupt ist es essentiell für eine gute Geschichte seine Protagonisten ernst zu nehmen und sie nicht in "gut" und "böse" oder sonstige Teams aufzuteilen. Genauso, wie mit Menschen im echten Leben. Ich möchte keinem gutgeheißenen Prototypen einer Gruppe entsprechen müssen, sondern mir selbst.

    Ich bin ein älteres Sememster und wir sind manchmal etwas schüchtern mit dem Dutzen, aber sehr gerne! Freut mich :)
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#47 Nk231Anonym
  • 22.04.2020, 14:08h
  • Antwort auf #46 von Ironie verstehen
  • Bitte, gerne :-)
    Wie meinst du das mit dem gebloggt? Also manche der hier geschriebenen Kommentare wurden von Ith_ woanders als Blog verwendet? Ich verfolge nicht, was andere Menschen in ihrer Freizeit machen. Wir sind hier keine Polizisten und kein Gericht. Und ich verstehe manche Leute nicht, die sich wie solche benehmen und eher Tsunamis auslösen als bei ihren Aufgaben zu bleiben. Wir sind hier auf einer Nachrichtenseite für LSBTTIQ - nicht mehr und auch nicht weniger.

    Na ja, in diesem Buch geht es um das Thema Trans* - selbstverständlich ist das ein ernstes Thema, solange diese Identität noch am schlechtesten behandelt wird. Aber im Buch wird das Thema durch Humor angesprochen um Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen. Es soll zu mehr Verständnis führen und gleichzeitig soll es bestimmt auch dazu beitragen, dass darüber gesprochen wird. Gleichzeitig klärt das Buch auch auf, ohne belehrend zu sein.

    Selbstverständlich machen die Eltern im Buch was falsch, aber sie scheinen es nicht besser zu wissen. Das ist oft auch in der Realität so. Deshalb ist es gut, dass das Buch was aufklärendes hat, damit aus Unwissen Wissen wird. Zusätzlich denke ich, braucht es in der Realität auch erweiterte Gesetze, damit sich Menschen daran halten und Trans* geschützt sind. Das gilt übrigens für die gesamte LSBTTIQ. Denn auch gegenüber der gesamten LSBTTIQ gibt es noch zu viele Diskriminierungen und Homophobie. Der Schaden, der dadurch ausgelöst wird, ist gar nicht wieder gut zu machen.
    Es gibt von der LSBTTIQ bereits frühzeitige Rentner oder Kranke, die es ohne Diskriminierung und ohne Homophobie gar nicht geben würde.
    Ernst ist das definitiv.

    Ich finde das Buch gut, weil es durch Humor hoffentlich von vielen gelesen wird und es eine Offenheit für ernste Gespräche schafft.

    Und von Täter kann man dann sprechen, wenn gegen Gesetze verstoßen wurden.
    Momentan gibt es keine erweiterten Gesetze, so dass es auch keine Täter gibt. Jetzt sind wir in juristischen Details angekommen. Da spielt dann auch eine Rolle, ob wissentlich falsch gegen Trans* gehandelt wurde, oder unwissentlich. Bei den Eltern im Buch würde ich aus meiner Sicht sagen, dass sie unwissentlich handeln. Das ist an der Reaktion der Mutter zu erkennen. Sie stellt nämlich bald fest, dass ihr Kind tatsächlich ein Mädchen ist und die Aussagen ihres Kindes eben kein Spiel ist.

    Es gibt in der Realität aber leider nicht wenige Menschen, die wissentlich Schaden bei Trans* und der gesamten LSBTTIQ anrichten. Das ist die ernste Realität hinter der Geschichte des Buches. Und das muss sich dringend verbessern, denn da stecken Menschenleben dahinter, die stark leiden und dadurch Suizid gefährdet sind. Ich spreche da jetzt nicht von mir, aber von denen, die es betrifft.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #46 springen »
#48 MeandreAnonym
  • 22.04.2020, 17:20h
  • Antwort auf #25 von Helena
  • Hi Helena,

    danke für deine Antwort! :)
    Es scheint also so zu sein, wie ich gehofft habe: Dass der Kontext der gesamten Geschichte ein besseres Verständnis dieses Stilmittels liefert.
    Freut mich, aber ich wünschte mir, für die Leseprobe wäre eine Stelle gewählt worden, die auch ohne Kontext nicht so viel (den Kommentaren hier nach zu urteilen) Irritation auslöst. :)
  • Antworten » | Direktlink » | zu #25 springen »
#49 Ironie verstehenAnonym
  • 22.04.2020, 19:27h
  • Antwort auf #47 von Nk231
  • Ebenfalls!

    Ich habe das mit dem Bloggen hier in lth_s Kommentaren gelesen, mehr weiß ich auch nicht. Ich wollte nur klar sagen, dass die Beispiele besser nicht so gebracht werden, als ob das Buch Fehlverhalten leugnen oder legitimieren würde, da es das nicht tut. Schließlich sollten Beiträge zu so wichtigen Themen auch ihre Richtigkeit haben.

    Absolut, die Diskriminierung von Transpersonen ist Thema und zwar ein ernstes. Das stellt das Buch aber auch nicht in Frage. Vielleicht pusht die Publicity darüber Buttons, wenn so sehr betont wird, es wäre keine Problemgeschichte oder was auch immer. So etwas formuliert meist der Verlag oder irgendwelche Presseleute. Wie dem aber auch sei, es bezieht sich lediglich auf den gewählten Erzählzugang und vielleicht auch darauf, wie souverän sich die Kinder zur Wehr setzen. Auch wenn mancher Leser der Hauptfigur anscheinend auch nicht die kleinste Verunsicherung durchgehen lässt. Allenfalls sollte man komplex genug denken und lesen, um zu erkennen, dass das Buch das Thema ernst nimmt und zwar trotz lockeren Erzählstils und Humor. Die sozusagen fatalsten Themen der Welt werden unter anderem mit Humor behandelt. Er beweist am besten, dass wir uns sehen und verstehen trauen. Und ohne das geht es wirklich nicht. Man sieht doch, wo Minderheitsrechte bleiben, wenn die Etikette vor dem Verstehen kommt, ja dieses ersetzen darf und soll.

    Ich bin selbst homosexuell und für alles, was Diskriminierung bekämpft. Meine Lebensgefährtin mit Transidentität war in jungen Jahren bereits nahe am Suizid. Was meiner Meinung nach oft in der Community übersehen wird, ist dass wir als Gesellschaft erst Schritt für Schritt erschließen, welche "Kategorien" wir überhaupt definieren können, um Ausrichtungen einen Namen zu geben und welchen Nutzen, aber auch welchen Schaden das jeweils hat. Deshalb stört es mich, dass es dann jedesmal sofort (eindimensionalste) Verhaltensregeln gibt, die sozusagen über die sinnvollen des Zwischenmenschlichen hinausgehen. Nicht, weil man den Leuten nicht zumuten kann, dass sie sich gefälligst benehmen sollen, sondern, weil das immer wieder Dinge unterschlägt und verzerrt. Wir sind jetzt gerade halbwegs bei Trans* angelangt, aber was ist zum Beispiel mit Intersexualität im weitesten Sinne? Ich finde, da wird gerade oft von Trans-Führsprecher*innen oder denen, die sich dafür halten, diskriminiert, wenn auch unbeabsichtigt. Es bleibt dabei, dass der Mensch anfällig für Diskriminierung ist und nur eine Auflösung von "du bist/du bist nicht und deshalb sollst du/musst du/darfst du nicht" hin zur schon lange bekannten wenn auch noch nicht ausreichend gelebten "Freiheit des Einzelnen..." wird alle unter uns mitnehmen. Ansonsten muss jeder abwarten, bis seine "Gattung" endlich mal drankommt und mit Rechten ausgestattet wird. Generell gibt es aber bestimmt Verbesserungsbedarf beim Opferschutz, ich glaube, da sind sich nicht nur wir, sondern mittlerweile auch viele Juristen einig.

    Moralischer Täter ist man im Handumdrehen und das sage ich nicht, weil ich das etwa gut finde, sondern, weil wir alle subjektiv denken und das seine Konsequenzen hat. Erst, wenn wir uns ausreichend bewusst sind, dass jede Identität ihre Berechtigung hat, wird sich da grundsätzlich etwas ändern. Ich finde es ja mutig und schön, dass das Buch auch den Schmerz der Eltern zeigt. Sie müssen sich in gewisser Weise von ihrem Kind verabschieden und es von Neuem kennenlernen. Sie verlieren etwas um etwas zu gewinnen.
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#50 Wild und SchönAnonym
  • 23.04.2020, 17:18h
  • Was für eine Geschichte. Wichtiges Thema, rabaukig und individuell erzählt, psychologisch bemerkenswert klug und einfühlend. Hier geht es eindeutig um mehr als das Thema Transgender. Es geht ums Kindsein und um Emanzipation.
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#51 LorenzAnonym
  • 24.04.2020, 18:17h
  • Liebe Leute, nun habe ich das Buch, dann die Leseprobe und dann noch einmal das Buch gelesen. Ich meine, da muss mal einiges dazu gesagt werden, um Missverständnisse auszuräumen.

    Die Geschichte arbeitet stark, teilweise plakativ, mit Klischees. Das ist also Absicht und Erzählstrategie. Gebrochen werden sie immer wieder an ungewöhnlicher Stelle. Der wertende Leser sollte also achtsam sein, denn die Geschichte provoziert, um aus der Reserve zu locken.
    Als Schauplatz wurde nicht nur das schrullige Wien, sondern vor allem auch eine noch deutlich unaufgeklärtere Zeit gewählt, was betont, dass es Kinder wie Jennifer nun mal bereits vor aufgearbeiteten Genderdiskursen gegeben hat. An ihr werden nicht die zur Aufklärung mittlerweile üblichen Gegenüberstellungen von Stereovorurteilen und den abgesegneten Antworten darauf abgehandelt. Etwas, das manchen Lesern anscheinend schon körperlich wehtut. Aber da müssen sie mit Jennifer durch, die sich durch eine politisch inkorrekte Welt schlägt. Es greift den vernachlässigten Punkt auf, dass wir zwar Verhaltensregeln schaffen und perfektionieren können, es aber immer wieder mit der durchaus fehlbaren und vor allem kleingeistigen Natur des Menschen zu tun haben werden. Besonders gefällt mir, als auch Jennifer selbst als Spießerin geoutet wird, als sie sich für ihre neue und unkonventionelle Freundin Stella schämt. Statt Vorurteile einfach nur zu entkräften, lässt sie die Autorin miteinander tanzen. Es wird nicht gewertet, sondern gezeigt. Dabei wird wenig Rücksicht auf Befindlichkeiten und Moden genommen, was unserer Gesellschaft in meinen Augen gut tut und vor allem gutes Schreiben ausmacht.
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#52 Gutes BuchAnonym
  • 29.04.2020, 21:31h
  • "Als Schauplatz wurde nicht nur das schrullige Wien, sondern vor allem auch eine noch deutlich unaufgeklärtere Zeit gewählt, was betont, dass es Kinder wie Jennifer nun mal bereits vor aufgearbeiteten Genderdiskursen gegeben hat. An ihr werden nicht die zur Aufklärung mittlerweile üblichen Gegenüberstellungen von Stereovorurteilen und den abgesegneten Antworten darauf abgehandelt."

    Ich meine, das fasst so ziemlich zusammen, was anscheinend übersehen oder ignoriert wird, wenn das Buch aufgrund angeblich fehlender Trans-Sensitivity oder Elternfiguren, die nicht sofort vorbildlich reagieren, kritisiert wird. Würde alles schon so dargestellt werden, wie es angeblich auf Strich und Komma zu sein hat, könnte doch niemand etwas lernen. Höchstens nachmachen. Keine Fragen würde aufgeworfen werden, Parallelen zu anderen Problematiken unterschlagen. Der Autor hat sich schon was gedacht bei dem, wie und was er hier erzählt. Besser das ganze Buch lesen und zwar unvoreingenommen!
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