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Heimkino

Musical! San Francisco! Und dann so wenig queer?

Ab heute auf Sky: Charme und flotte Musik hat die tragikomische Musical-Serie "Zoey's Extraordinary Playlist" durchaus zu bieten. Für's Queere muss allerdings "Glee"-Star Alex Newell im Alleingang sorgen.


Leider nur eine Nebenrolle: Alex Newell als genderfluide DJ-Person Mo (Bild: Sergei Bachlakov / NBC)
  • Von Patrick Heidmann
    19. April 2020, 15:07h, noch kein Kommentar

Während man sich hierzulande seit jeher ein wenig schwer tut mit dem Genre, sind Musicals in den USA einfach nicht totzukriegen. Und das nicht nur auf der Bühne und der Kinoleinwand, sondern auch in Serienform. Immer wieder sorgen nicht nur einzelne Musical-Episoden für Begeisterung, sondern auch ganze Shows wie etwa "Glee" oder jüngst "Crazy Ex-Girlfriend" (in Deutschland zunächst im Pay-TV versteckt, inzwischen aber auf Netflix zu finden).

In diese Kategorie gehört nun auch "Zoey's Extraordinary Playlist", ab dem 19. April jeden Sonntag mit zwei neuen Folgen auf Sky 1 zu sehen.

Wenn sich das Leben in ein Musical verwandelt


Jane Levy spielt die Programmierin Zoey Clarke, die plötzlich fremde Gedanken als Popsongs hört (Bild: Sergei Bachlakov / NBC)

Zoey Clarke (Jane Levy, zuletzt in der ersten Staffel "Castle Rock" sowie dem Renée Zellweger-Desaster "What/If" zu sehen) ist Programmiererin bei einer Software-Firma und führt ein ziemlich durchschnittliches Leben in San Francisco. Der eine Kollege (Skylar Astin aus "Pitch Perfect") ist ihr bester Freund, ein anderer ihr heimlicher Schwarm. Eine Beförderung steht im Raum, doch sich darauf zu konzentrieren fällt auch deswegen schwer, weil ihr Vater (Peter Gallagher) seit kurzem an einer Nervenkrankheit leidet und sich praktisch nicht mehr mitteilen kann. Dann allerdings geschieht Seltsames: nach einem Zwischenfall, an dem ein Erdbeben und eine MRT-Röhre beteiligt sind, hört Zoey plötzlich die Gedanken und Wünsche der Menschen in ihrem Umfeld als Popsongs in ihrem Kopf, Tanzeinlagen nicht selten inklusive.

Bis ins letzte durchdacht scheint es nicht immer zu sein, nach welchem Prinzip die Protagonistin der von Austin Winsberg erfundenen Serie wessen Lieder hören kann oder bis zu welchem Grad auch umstehende Passant*innen in die Choreografien vor Zoeys geistigem Auge eingebunden werden. Doch das ist natürlich auch zweitrangig, schließlich geht es vor allem darum, so viel Spaß wie möglich zu haben mit Coverversionen der größten Hits der Siebziger, Achtziger und Neunziger sowie dem Besten von heute. Dass es – anders als etwa bei "Glee" – weder gesanglich noch tänzerisch darauf ankommt, Perfektion zu erreicht, ist dabei natürlich der springende Punkt


Eine von vielen Tanzeinlagen in "Zoey's Extraordinary Playlist" (Bild: Sergei Bachlakov / NBC)

Hochkarätige Nebendarsteller*innen

Noch gelungener als die Musik ist an "Zoey's Extraordinary Playlist" das Ensemble: Levy fährt Charme im Überfluss auf, dazu gesellen sich hochkarätige Nebendarsteller*innen wie "Gilmore Girls"-Ikone Lauren Graham als Chefin oder Mary Steenburgen (die im echten Leben übrigens nach einer OP aus der Narkose aufwachte und plötzlich musikalisch so begabt war, dass sie seither auch als Songschreiberin Erfolge feiert) als Mutter. Und Alex Newell – in späteren Staffeln der heimliche Star von "Glee" – schafft es als Zoeys gender-fluide*r DJ-Nachbar*in Mo sogar, gegen das in dieser Figur lauernde Klischee des "magical negros" anzuspielen.

Ein bisschen mehr Queerness hätte der Serie trotzdem durchaus gut getan, schließlich gibt es kaum ein Genre, zu dem sie so essentiell dazugehört wie das Musical. Noch dazu einem, das in San Francisco spielt. Größtes Manko der insgesamt sympathischen Serie ist allerdings, dass sie nicht den Weg einer halbstündigen Sitcom eingeschlagen hat. Statt sich auf Humor und surreale Situationen zu konzentrieren, räumt "Zoey's Extraordinary" tränendrüsig-wohlfühligen Subplots à la "This Is Us" zu viel Platz sein – und schwächelt in genau diesem Momenten immer am meisten.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer