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"Blut ist nicht schwul oder hetero"

Wackelt das Blutspendeverbot für Schwule doch?

Vor zwei Wochen betonte das Gesundheitsministerium noch, dass man am Verbot der meisten Schwulen beim Blutspenden festhalte. Doch nun gab es offenbar ein Umdenken.


Das Ministerium von Jens Spahn will offenbar Schluss machen mit der unterschiedlichen Behandlung von Homo und Hetero beim Blutspenden (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Das von Jens Spahn (CDU) geführte Bundesgesundheitsministerium plant laut einem Bericht des "Tagesspiegels" eine Liberalisierung der Blutspenderegeln für schwule und bisexuelle Männer. Demnach bereitetet das Ministerium mit Unterstützung der Fraktionen von CDU/CSU und SPD einen Antrag über die Öffnung der Blutspende vor. Dieser soll voraussichtlich am 6. Mai in einer Ausschussanhörung beraten werden.

In dem Papier heiße es: "Die Bewertung des Risikos, das zu einem gruppenbezogenen Ausschluss oder einer gruppenbezogenen Rückstellung von der Spende führt, ist regelmäßig zu aktualisieren und daraufhin zu überprüfen, ob das angewandte Verfahren noch erforderlich ist, um ein hohes Gesundheitsschutzniveau von Empfängerinnen und Empfängern von Blutspenden sicherzustellen." Entscheiden muss am Ende aber die Bundesärztekammer, die das Spendeverbot aufgrund der sexuellen Orientierung in der "Richtlinie Hämotherapie" (PDF) verankert hat.

Wenn ein schwuler oder bisexueller Mann in Deutschland Blut spenden will, muss er gegenwärtig garantieren, dass er in den letzten zwölf Monaten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt hat, nicht einmal mit seinem eigenen Ehemann. Das Verbot betrifft nach den Ausschlusskritierien der Bundesärztekammer auch "Transsexuelle mit sexuellem Risikoverhalten". Die Ungleichbehandlung wird damit begründet, dass Schwule und Bisexuelle pauschal ein höheres HIV-Risiko hätten, unabhängig von ihrem tatsächlichen sexuellen Verhalten. Dies wird von LGBTI- und Aids-Organisationen als diskriminierend kritisiert (queer.de berichtete). Bei Heterosexuellen oder Lesben gibt es dagegen keine pauschale Sex-Karenzzeit.

Viel Protest gegen das Verbot

Zuletzt war der Druck gestiegen, das Spendeverbot zu lockern. So forderte der Landtag von Niedersachsen mit Unterstützung aller demokratischen Parteien, diese Diskriminierung zu beenden (queer.de berichtete). Erst vor wenigen Tagen unterzeichneten auch viele in Deutschland aktive Großkonzerne ein Schreiben, in dem sie die Regierung auffordern, das Verbot zu überdenken (queer.de berichtete). Auch die FDP-Bundestagsfraktion startete kürzlich eine Kampagne gegen die "lebensfremde Voraussetzung von zwölf Monaten Enthaltsamkeit" (queer.de berichtete).

Twitter / proutatwork | Konzerne wie der Versandhändler Otto halten das Blutspendeverbot für gaga

"Der Druck, den wir auf Jens Spahn und die Koalition ausgeübt haben, scheint zu wirken", erklärte FDP-Gesundheitsexpertin Katrin Helling-Plahr am Montag als Reaktion auf die Pläne der Bundesregierung. "Auch die GroKo hat es endlich zur Einsicht geschafft, dass der gruppenbezogene Ausschluss von homosexuellen Männern von der Blutspende überkommen ist", so die Bundestagsabgeordnete aus Hagen.

Zufrieden zeigte sich auch Jens Brandenburg, der LSBTI-politische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: "Die regelmäßige Überprüfung der Risikobewertung einzelner Spendergruppen ist eine wichtige Klarstellung. Medizinisch nicht notwendige Blutspendeverbote wie das für homo- und bisexuelle Männer müssen gelockert werden". Nun sei die Bundesärztekammer gefragt, ihre Richtlinie zeitnah zu überarbeiten. "Die vorgeschriebene Enthaltsamkeit von zwölf Monaten ist völlig überzogen. Blut ist nicht schwul oder hetero. Kein Patient soll sterben müssen, weil der mögliche Blutspender der Richtlinie zu schwul war", erklärte Brandenburg.


Jens Brandenburg ist seit 2017 für die FDP Mitglied des Bundestages (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die Blutspenderegeln sind international sehr uneinheitlich. Mehrere europäische Staaten, etwa Italien oder Spanien, befragen blutspendewillige Personen nicht wie in Deutschland nach ihrer sexuellen Orientierung, sondern nach ihrem tatsächlichen Risikoverhalten. Andere Staaten verlangen zwar auch Sex-Karenzzeiten, aber weit kürzere. Die USA haben etwa erst Anfang des Monats die sexfreie Zeit für schwule Spender von zwölf auf drei Monate verkürzt (queer.de berichtete). (dk)



#1 FliegenAnonym
#2 Ralph
  • 20.04.2020, 17:56h
  • Wenn man schon ernsthaft daran denkt, insoweit was zu ändern, dann muss man ganz weg von der sexuellen Orientierung als einem Kriterium und hin zum Verhalten, ganz unabhängig davon, ob jemand hetero, homo, bi oder sonst was ist.
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#3 LunaAnonym
  • 20.04.2020, 18:17h
  • Bin sehr gespannt ob das auch für trans Menschen geändert wird oder die wieder vergessen werden
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#4 ZebraAnonym
  • 20.04.2020, 19:09h
  • Da hatte ich erst letztens noch eine Diskussion mit einem Hetero-Freund drüber.
    Während er nach einer Blutspende theoretisch jeden Tag mit ner anderen Frau vögeln kann (im Moment nicht, aber mal so allgemein gesehen), im besten Falle ohne Kondom, denn "sie nimmt ja die Pille", kann es sein, dass er sich fast 60 mal eine neue oder andere Geschlechtskrankheit einholt. Wenn er jetzt das Kreuzchen auf dem Fragebogen bei "heterosexuell" setzt, ist das egal.
    Wenn ich, der ich eine seltene Blutgruppe habe und seit 5 Jahren in einer monogamen Beziehung lebe, mein Kreuzchen bei "MSM" setze, bin ich ein Risikofaktor, weil ich es gewagt habe, in den letzten 12 Monaten Sex mit meinem Freund gehabt zu haben; seltene Blutgruppe hin oder her.
    Nur weil der Gesellschaft miteinander Sex habende Schwule immer noch nicht zugetraut werden können. Das ist Diskriminierung der ganz alten Schule.
    Viele meiner (heterosexuellen) Freunde haben sich damals auf facebook unheimlich gefreut, als diese "Lockerung" der Regelung kam. Aber es hat niemand wirklich bedacht, dass sich auch nur ein einziger an die 12 Monate halten wird. Klar, es gibt Leute, die - aus welchen Gründen auch immer - seit 12 Monaten keinen Sex hatten, aber die werden wohl in der Minderheit sein.
    Andere Leute (vorwiegend ältere Personen, die wenig im Internet unterwegs sind) wussten bis zu einer gewissen Zeit nicht mal, dass es Schwulen nicht gestattet ist, Blut spenden zu gehen. Die waren nicht gerade wenig erstaunt darüber und haben sich auch sehr aufgeregt.
    Ich schließe mich auch den Vorsprecher*innen an und bin der Meinung, dass das individuelle Risikoverhalten betrachtet werden muss.
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#5 RealitätsabgleichAnonym
  • 20.04.2020, 19:28h
  • Antwort auf #4 von Zebra
  • "Wenn er jetzt das Kreuzchen auf dem Fragebogen bei "heterosexuell" setzt, ist das egal."

    Nein.
    Menschen "mit häufig wechselnden Partnern" werden als Risikogruppe eingestuft.
    Und ein Kästchen für "heterosexuell" gibt es nicht.
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#6 trans naysayerAnonym
  • 20.04.2020, 19:48h
  • Antwort auf #3 von Luna
  • "Bin sehr gespannt ob das auch für trans Menschen geändert wird oder die wieder vergessen werden"

    Trans Menschen werden in Deutschland nie "vergessen" und Richtlinien einer Bundesärztekammer werden nicht geändert, wenn man sich nicht aktiv politisch dafür einsetzt.

    In Deutschland werden trans Menschen nie "wieder vergessen", sondern der Staat kann es sich "immer wieder" leisten, sie zu ignorieren oder erst gar nicht wahrzunehmen.
    Wer seine Forderungen nicht politisch- und fachlich kompetent formuliert, der wird nicht "vergessen", sondern schlicht nicht wahrgenommen.
    Weder vom Staat - und erst recht nicht von einer Bundesärztekammer.

    Ein Jens Spahn denkt nicht mal an trans Menschen. Der befasst sich damit nicht einmal. Eine Bundesärztekammer noch weniger.

    Wer schweigt, wird nicht "vergessen" - sondern ignoriert und nicht wahrgenommen.

    BVT* und DGTI schweigen bislang zu dieser aufgekommenen Diskussion. Sie haben sich dazu weder bisher geäussert, noch haben sie sich aktiv in die Diskussion eingeschaltet.

    Sollte sich das nicht schnellstmöglich ändern, darf man sich am Ende nicht darüber wundern, wenn man "wieder" einmal "vergessen" (sic) wurde.
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#7 FinnAnonym
  • 20.04.2020, 20:48h
  • Wieso muss es immer erst Proteste geben?

    Wieso können nicht gleich die Vernunft und wissenschaftliche Fakten überzeugen?
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#8 WindheimerAnonym
  • 20.04.2020, 20:51h
  • Antwort auf #4 von Zebra
  • Du bist total desinformiert....und schreibst hier Blödsinn......auch heteroxuelle M@nner und auch Frauen,die häufig wechselne Geschlechtspartner/innen haben, dürfen nicht spenden....
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#9 NevermindAnonym
#10 NevermindAnonym
  • 21.04.2020, 06:13h
  • >>Zwölf Monate zurückgestellt werden:
    - Heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten (zum Beispiel Sex mit häufig wechselnden Partnern)

    - Personen, die Sex gegen Geld oder andere Leistungen anbieten (Sexarbeitende)

    - Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)

    - Transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten<<

    Den ersten, dritten und vierten Punkt könnte man zusammenfassen:
    - Personen mit sexuellem Risikoverhalten (zum Beispiel Sex mit häufig wechselnden Partnern)
    das würde die Diskriminierung beenden und das Risiko bliebe mMn akzeptabel. Die Diskriminierung wiegt hier mMn schwerer als das erhöhte Risiko. Das man überhaupt einen Unterschied macht, liegt u.a. daran, dass schwule Männer nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen, aber von 50 % der HIV-Neuinfektionen betroffen sind.
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