Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35967

"Top 10 Most Challenged Books"

Zensur in den USA: Queere Thematik in Büchern am meisten verhasst

Jahr für Jahr veröffentlicht die US-Biblothekenvereinigung eine Liste der Bücher, über die sich die Öffentlichkeit am meisten beschwert. Über Mord und Totschlag regt man sich dabei so gut wie gar nicht auf, über Homo- und Transsexualität dagegen sehr wohl.


Viele Homo-Hasser wünschen sich, dass der schwule Hase Marlon Bundo (li.) aus Büchereien verbannt wird (Bild: Abrams & Chronicle Books)

Die US-Bibliothekenvereinigung American Library Association (ALA) hat diese Woche erneut die Top-10 der Bücher veröffentlicht, über die es am meisten Beschwerden gegeben hat. Die Liste hat bereits Tradition – damit will die ALA aufzeigen, was manche Eiferer den Menschen am liebsten vorenthalten wollen. Die Vereinigung warnt, dass über bis zu 97 Prozent der Zensurversuche überhaupt nicht berichtet werde.

Auffällig ist, dass bei acht der zehn aufgelisteten Bücher – darunter alle auf den ersten sieben Rängen – der Grund für die Beschwerde "LGBTQIA-Inhalte" seien. Die Liste wird angeführt vom Kinderroman "George", der von der nichtbinären Person Alex Gino verfasst wurde. Das Buch, das auch im S.-Fischer-Verlag auf Deutsch erschienen ist, führte die Liste bereits letztes Jahr an. Es handelt vom Transmädchen Melissa, das von ihrer Umgebung als Junge wahrgenommen und George genannt wird. Platz zwei nimmt das Buch "Beyond Magenta" ein, in dem Trans-Teenager*innen von ihrem Leben erzählen. Auf Platz drei liegt "Ein Tag im Leben von Marlon Bundo", ein satirisches Comicbuch des amerikanisch-britischen Comedians John Oliver über den schwulen Hasen des homophoben Vizepräsidenten Mike Pence.

Schwule Pinguine sind Daueraufreger

Mehrere Bücher erregen die Gemüter bereits seit Jahren: So ist etwa wieder das Kinderbuch "And Tango Makes Three" auf der Liste vertreten; es handelt von einem schwulen Pinguin-Paar im New Yorker Zoo, das gemeinsam einen Baby-Pinguin großzieht. Dieses Buch führte von 2006 bis 2010 die Liste an und erregte auch danach Jahr für Jahr homophobe Sittenwächter.


(Bild: Little Simon)

"Dieses Jahr hat sich der Trend fortgesetzt, dass es mehr Beschwerden über LGBTQ-Bücher gab", erklärte Deborah Caldwell-Stone von der ALA gegenüber der "New York Times". Die meisten Beschwerden kämen von Eltern, Politikern und religiösen Anführern.

Die einzigen beiden Bücher, die nicht ausdrücklich wegen ihrer queeren Thematik auf der Top-10-Liste stehen, sind Margaret Atwoods "Der Report der Magd" und die Harry-Potter-Serie von J. K. Rowling. Aber auch diese beiden Bücher enthalten zumindest einen queeren Subtext: Das Buch "Der Report der Magd", das 1990 als Film unter dem Titel "Die Geschichte der Dienerin" und seit 2017 als TV-Serie unter dem Originaltitel "The Handmaid's Tale" verfilmt wurde, enthält lesbische Thematik. Und J. K. Rowling persönlich bestätigte bereits 2007, dass die "Harry Potter"-Figur Dumbledore schwul sei (queer.de berichtete). (dk)



#1 GerritAnonym
  • 24.04.2020, 15:13h
  • Wenn jemandem ein Buch nicht gefällt, braucht er es nicht lesen. So einfach ist das.

    Aber es zeigt wieder mal die totalitäre Seite von Religion, dass die auch allen anderen diktieren wollen, was sie zu lesen oder nicht zu lesen haben. Die wollen allen ihren Willen und ihre Meinung aufzwingen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 ben_Anonym
  • 24.04.2020, 15:15h
  • Das ist natürlich scheiße, aber ich denke wir sollten Beschwerden nicht mit Zensur gleichsetzen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PetterAnonym
  • 24.04.2020, 15:24h
  • "Die meisten Beschwerden kämen von Eltern, Politikern und religiösen Anführern."

    Alle Menschen, die autoritäres Gedankengut hegen, hatten schon immer das Ziel, alles, was nicht in ihr Weltbild passt zu unterdrücken und zu vernichten.

    Die wollen durch Zensur vertuschen, dass sie keine Gegenargumente haben. Denn wenn ein Thema aus der Diskussion rausgehalten wird, braucht man auch nicht darauf zu reagieren.

    Eigentlich sehr durchschaubar und ein peinliches Armutszeugnis. Das Problem ist nur, dass es genug Deppen gibt, die darauf reinfallen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FinnAnonym
  • 24.04.2020, 15:26h
  • Antwort auf #2 von ben_
  • Was meinst Du denn, warum die sich "beschweren"? Meinst Du deren Ziel ist, dass eine Bibliothek dann sagt "Oh, danke für dieses Meinungsbild." Nein, die wollen ja, dass die Bibliotheken diese Bücher nicht mehr anbieten.

    Und genau das nennt man eben Zensur.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Ralph
  • 24.04.2020, 15:52h
  • Antwort auf #2 von ben_
  • Na ja, aber was ist eine Beschwerde denn? Nach meinem Verständnis eine Unmutsäußerung, die aber auch eine Änderung des inkriminierten Sachverhalts zum Ziel hat. So bezweckt z.B. im juristischen Sprachgebrauch die Beschwerde die Aufhebung einer gerichtlichen Entscheidung bzw. den Erlass einer anderen, dem Beschwerdeführer günstigen Entscheidung. Fach- oder Dienstaufsichtsbeschwerde bezwecken in der Verwaltung ebenfalls die Änderung einer Entscheidung oder die Maßregelung eines Bediensteten. Wenn ich mich beschwere, will ich doch, dass irgendwas anders laufen soll als bisher, und zwar so, wie ich es für richtig halte. - Diese Leute haben ganz einfach ein schwerwiegendes Problem mit der Freiheit der Literatur und der Freiheit des Zugangs zu ihr. Nehmen wir zwei ganz einfache Beispiele: 1. Dass der kleine Pinguin Tango zwei Väter hat, ist Anlass zur Beschwerde. 2. Dass im 2. Buch der Könige (9, 30-37) Isebel auf Befehl Jehus aus dem Fenster gestürzt wird, dass ihr Blut die Wände bespritzt, und anschließend die Hunde ihre Leiche fressen - darüber hat sich wohl noch kein Christ beschwert.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 lindener1966Profil
  • 24.04.2020, 20:59hHannover
  • Antwort auf #2 von ben_
  • Wenn man sich den Artikel der New York Times durchliest, wird sehr deutlich , dass es darum geht, die Bücher zu entfernen. Und zwar unter Strafandrohung: "would subject public library employees to a fine or jail time "
  • Antworten » | Direktlink »
#7 DramaQueen24Profil
  • 25.04.2020, 09:26hBerlin
  • Fundichristen versuchen ALLES, um Einfluss zu gewinnen, um die USA "christlich" zu machen. Sie weigern sich, Fakten zu akzeptieren, wollen lieber ihren Vorurteilen und Ängsten nachgeben. Und leider ist es in vielen Staaten der USA so, dass sie damit durchkommen.
    In Utah war ich in den 80ern kurz zu Besuch an der BYU (Brigham Young Universität), In der dortigen Bibliothek fand ich kein Buch, das positiv über Homosexualität sprach (nicht einmal ein Buch von Kinsey oder Hooker), wohl aber ein gutes Dutzend Bücher evangelikaler Autoren, Mormonen wie Nichtmormonen, die Homosexualität verurteilen. Hier eine kleine Kostprobe:

    Homosexuality is an ugly sin, repugnant to those who find no temptation in it, as well as to many past offenders who are seeking a way out of its clutches. It is embarrassing and unpleasant as a subject for discussion but because of its prevalence, the need to warn the uninitiated, and the desire to help those who may already be involved in it, it is discussed in this chapter.
    - Prophet Spencer W. Kimball, The Miracle of Forgiveness, p. 78
  • Antworten » | Direktlink »
#8 daVinci6667
  • 25.04.2020, 14:07h
  • (Über Mord und Totschlag regt man sich dabei so gut wie gar nicht auf, über Homo- und Transsexualität dagegen sehr wohl.)

    Wundert mich nicht. Wenn in Kinderbüchern geschossen, ermordet und hingerichtet wird, passt das genau ins konservative US-amerikanische Selbstbild. Das sind dann ganz tolle Kinderbücher. Geschichten über zwei verliebte Jungs oder schwule/lesbische Eltern usw. passen natürlich so gar nicht in den Biblebelt.

    Das weitestgehende Teile der US-Gesellschaft durch und durch krank sind sah man beispielhaft in der Coronakrise: Während die übrige Welt massenweise anfing Toilettenpapier zu hamstern, stürmen die Amis Waffengeschäfte.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TheDadProfil
  • 26.04.2020, 13:34hHannover
  • Antwort auf #8 von daVinci6667
  • ""Das weitestgehende Teile der US-Gesellschaft durch und durch krank sind sah man beispielhaft in der Coronakrise: Während die übrige Welt massenweise anfing Toilettenpapier zu hamstern, stürmen die Amis Waffengeschäfte.""..

    Jepp..
    Die Spanier und die Franzosen deckten sich dagegen mit Wein ein, und die Niederländer stürmten die Coffeeshops um sich Cannabis für zu Hause zu sichern..
  • Antworten » | Direktlink »