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"Früher war ich in mir gefangen – heute bin ich frei"

Der schwule Leistungsschwimmer Florian berichtet von seinem Leben mit Schuppenflechte. Die Erkrankung ist behandelbar, doch er musste erst lernen, selbst aktiv zu werden.


Von der Schuppenflechte keine Spur: Florian am Startblock des Schwimmbeckens
  • 25. April 2020, 03:48h, noch kein Kommentar

Florian zieht kraftvoll seine Bahnen, sein Drachen-Tattoo auf dem Arm mit dem chinesischen Schriftzeichen für Freundschaft schimmert leuchtend durchs Wasser. "Ich fühle mich hier pudelwohl", sagt der fast 1,90 Meter große Hüne, streicht Tropfen aus dem Gesicht und lächelt den Fotografen an.

Sexualität, Haut, Partnerschaft und Beruf – Florian ist heute mit sich und seinem Leben im Gleichgewicht. Das war nicht immer so. Heute lebt er mit seinem Freund Jannick zusammen. Seine Erkrankung, die Schuppenflechte, gehört nach wie vor zu zu ihm, aber sie bestimmt nicht mehr wie früher sein Leben als schwuler Mann.

Die Krankheit übernimmt das Kommando


Florian und sein Partner Jannick: Früher hatte er sich keine Hoffnungen auf eine Beziehung gemacht

Unansehnliche rote, verdickte Hautstellen, die mit silbrig weißen Schuppen bedeckt sind – das sind die typischen Beschwerden der Schuppenflechte. Die Hauterkrankung ist nicht ansteckend, aber sehr belastend. Wer Florian sieht, wie er ins Wasser taucht und kraftvoll seine Bahnen zieht, kann nicht glauben, dass einmal 90 % seines Körpers von Schuppenflechte befallen waren.

"Die Schuppenflechte hat mich viele Jahre total fertig gemacht", sagt Florian. Ganz offen spricht er heute darüber. Niemand erzählte ihm damals woher die Krankheit kommt oder wie sie richtig angepackt wird. "Das war am Anfang sehr schrecklich", erinnert er sich. "Die Schuppenflechte bestimmte mein Äußeres – nicht nur ich habe es gesehen, alle anderen haben es auch gesehen. Schuppenflechte kann man nur schwer versecken." Handball, Leistungsschwimmen, aber auch ein Coming-out – alles, was ihm wichtig war, schien nicht mehr möglich.

Florian ist 15 Jahre alt, als die Krankheit richtig ausbricht. Er zieht sich daraufhin immer mehr zurück, versteckt sich hinter langen Haaren und einem sehr weiten Klamotten-Stil. "Nicht sehr sexy", wie er heute sagt. Auch in Sachen Liebe und schwulem Leben macht die Krankheit es ihm schwer: "Ein perfekter Körper, für viele in der Szene ist das sehr wichtig. Das habe ich auch zu spüren bekommen." Eine Beziehung? Undenkbar, auch weil er aus Angst vor Ablehnung, wenn er sich auszog, dann selbst einfach nicht mehr wollte.

Schöne Haut – endlich ohne Schuppen


Ein neuer Arzt machte Florian Mut, auf andere Betroffene zuzugehen

Statt aufzugeben, informiert sich Florian über die Schuppenflechte. Mit einem neuen Hautarzt, der sich auf Schuppenflechte spezialisiert hat, wendet sich schließlich das Blatt. "Der Arzt hat sich Zeit genommen, die richtigen Fragen gestellt und mir verschiedene Therapien aufgezeigt."

Vor allem macht er Florian Mut, auf andere Betroffene zuzugehen. So steht für ihn statt einer Coming-Out-Gruppe zunächst der Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten mit Schuppenflechte an. Für Florian ein echtes Aha-Erlebnis. Er weiß nun, dass er mit der Erkrankung nicht allein ist und lässt sich von der positiven Denke der anderen anstecken: Die beste Therapie einfordern, sich nicht zufriedengeben.

Wenn Du genauer wissen willst, wie Florian es schafft, die Schuppenflechte mit einem sogenannten Biologikum zu bekämpfen, dann lies "PSOUL – das Magazin über, mit und ohne Schuppenflechte".

Florian schwingt sich aus dem Schwimmbecken, sein muskulöser Rücken erhebt sich aus dem Wasser. Von der Schuppenflechte keine Spur. "Früher war ich in mir gefangen. Das ist heute anders", erklärt er. Selbst aktiv zu werden ist wichtig, die Erkrankung ist behandelbar.

Ein Making-of-Video vom Fotoshooting mit Florian im Schwimmbad findet ihr HIER.