https://queer.de/?35978
Stimmen aus der Community
"Lesben* werden meist nicht mitgedacht"
Zum Tag der lesbischen Sichtbarkeit am 26. April fordern LGBTI-Aktivist*innen mehr Sensibilität in der Community, Maßnahmen gegen Mehrfachdiskriminierung und besseren Schutz vor Gewalt.
- 26. April 2020, 06:04h 3 Min.
Zum dritten Mal wird am Sonntag in Deutschland der Tag der lesbischen Sichtbarkeit begangen. Ziel des Aktionstages ist es, Lesben im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, die Vielfalt des lesbischen Lebens zu zeigen und Diskriminierungen zu bekämpfen.
Ins Leben gerufen wurde der Tag der lesbischen Sichtbarkeit 2008 vom spanischen LGBTI-Verband FELGTB. Seitdem wird jährlich am 26. April in vielen spanischen Städten gefeiert, informiert und protestiert. In zahlreichen anderen Ländern wurde die Idee aufgegriffen. In Großbritannien und Dänemark findet in diesem Jahr sogar eine "Lesbian Visibility Week" statt.
"Lesben* werden meist nicht mitgedacht"
In einer Pressemitteilung zum Aktionstag beklagte der LesbenRing e.V. die Unsichtbarkeit lesbischer Frauen auch in Deutschland. "Lesben* werden meist nicht mitgedacht, wenn die Rede von Frauen oder Homosexuellen ist", erklärte Vorstandsfrau Hedy Gerstung. "Die Bezeichnung 'Homosexuelle' bezieht sich auf schwule Männer, der Begriff 'Frauen' auf heterosexuelle Frauen."
Lesben würden zwar häufig mitgemeint, etwa in Abkürzungen wie LGBTI, "doch ihre Interessen und ihre besondere Situation als mehrfachdiskriminierte Personen, also etwa als Frau und als Lesbe*, bleiben unberücksichtigt", so Gerstung. "Dies ergeht auch lesbischen Trans*-Frauen oder nicht-binären Lesben* so, sie kommen in der Regel nicht vor, werden nicht gesehen."
Mehr lesbenfeindliche Gewalt gemeldet
Der Berliner Antigewaltprojekt L-Support veröffentlichte zum Tag der lesbischen Sichtbarkeit aktuelle Fallzahlen. So registrierte es im vergangenen Jahr 36 Meldungen von homo- und transphober Gewalt gegen Frauen. Darin enthalten sind 23 Fälle, die sich im Jahr 2019 in Berlin ereignet haben.
Ein Großteil der Betroffenen berichtet von teilweise aggressiver verbaler Gewalt in Form von Beleidigungen, Anpöbeln und sexueller Belästigung wie zum Beispiel übergriffige Fragen oder Bemerkungen. In mehreren Fällen wurden die Betroffenen angespuckt. In nur drei der ausgewerteten 29 Fälle wurde Anzeige erstattet. Die meisten Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Raum, zum Beispiel im ÖPNV oder auf der Straße. Vereinzelte Vorfälle fanden im familiären oder beruflichen Umfeld statt.
"Viele lesbische, bisexuelle und queere Frauen erleben Gewalt im Alltag, doch es wird zu selten darüber gesprochen", erklärte Projektleiterin Sabine Beck. "Homophobe Gewalt wird häufig nur als Problem der schwulen Community wahrgenommen. Über lesbenfeindliche Gewalt zu sprechen trägt dazu bei, ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch Frauen betroffen sind. Gleichzeitig wird es für Betroffene leichter, Gewalterfahrungen zu verarbeiten, wenn sie wissen, dass sie damit nicht allein sind."
"Krisenzeiten verstärken Ungleichheiten"
Aufgrund der Corona-Krise wurde die ursprünglich am 24. April vorgesehene Verleihung des "Berliner Preises für Lesbische* Sichtbarkeit" verschoben (queer.de berichtete). Dennoch dürfe der Tag nicht vergessen, mahnte Berlins Justizsenator Dirk Behrend. "Krisenzeiten verstärken Ungleichheiten und Unsichtbarkeiten", erklärte der Grünen-Politiker in einer Pressemitteilung. "Es ist daher besonders wichtig, auch in diesem Jahr den Internationalen Tag für Lesbische* Sichtbarkeit zu markieren." (cw)
















Es stimmt, als lesbische Frau hat man es mit Mehrfachdiskriminierung zu tun. Nicht nur, dass hetero Männer einen hetero behandeln, auch manche hetero Frauen können ziemlich derb werden bishin zur Gewalt. Beispiel: eine ältere Frau wandte mir gegenüber mal Gewalt an. Ich erlebte Diskriminierung und Homophobie hauptsächlich beruflich, weniger im Alltag.