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Bremische Evangelische Kirche

Pastor Latzel darf weiter hetzen

Er sprach von den "Verbrechern vom Christopher Street Day", nannte Homosexualität "todeswürdig" – dennoch kommt der evangelische Bremer Pfarrer Olaf Latzel mit einem "Dienstgespräch" davon.


Wiederholt mit Hasspredigten aufgefallen: Pastor Olaf Latzel 2015 bei einem Interview mit dem Regionalmagazin "buten un binnen" von Radio Bremen

Keine Suspendierung, kein Disziplinarverfahren: Der bibeltreue Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde Olaf Latzel wird trotz seiner LGBTI-feindlichen Hetze vorerst nur zu einem "Dienstgespräch" zitiert. Dies bestätigte die Bremische Evangelische Kirche am Montag gegenüber dem Regionalmagazin "buten un binnen" von Radio Bremen.

Noch am Freitag hatte die Kirchenleitung angekündigt, dienstrechtliche Schritte gegen Latzel zu prüfen (queer.de berichtete). In einer Erklärung von Kirchenpräsidentin Edda Bosse hieß es, der Pastor habe Menschen herabgesetzt, beleidigt und in ihrer Würde verletzt. Die Kirchenleitung stehe "klar an der Seite homosexuell lebender Menschen".

Drei Tage später knickt Bosse ein: Olaf Latzel stehe in einem beamtenähnlichen Dienstverhältnis auf Lebenszeit, teilte die Kirche nun mit. Theoretisch könne er bei schweren Straftaten als Folge eines Disziplinarverfahrens aus dem Dienst entfernt werden. Man wolle jedoch zuvor das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen und eines möglichen Strafverfahrens abwarten.

Homosexualität als "Degeneration von Gesellschaftsformen"

Olaf Latzel wurde wegen Volksverhetzung angezeigt, weil er Mitte Oktober 2019 in seinem anderthalbstündigen Seminar "Biblische 'Fahrschule' zur Ehe" homosexuelle und trans Menschen aufs Übelste diffamiert hatte (queer.de berichtete). In dem auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde mittlerweile gelöschten Vortrag meinte der 52-Jährige unter anderem: "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day."

Darüber hinaus beklagte Latzel, dass "diese Homo-Lobby, dieses Teuflische" immer stärker werde. "Gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel", eine "Degeneration von Gesellschaftsformen" sowie "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur". Schuld an all diesen Entwicklungen sei die "zunehmende Gottlosigkeit".

Ob sich Olaf Latzel vor Gericht verantworten muss, ist derzeit noch unklar. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang, erklärte ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft gegenüber "buten un binnen". Eine Tendenz sei noch nicht erkennbar. Bremens Bürgermeister und Kirchensenator Andreas Bovenschulte (SPD) sagte dazu, die Strafverfolgungsorgane müssten jetzt klären, ob die Grenze der Religionsfreiheit überschritten sei.

Die AfD verteidigt Latzel

Der Pastor selbst zeigte sich uneinsichtig. Erst am Sonntag hatte er bei einem Online-Gottesdienst beklagt, dass er von Kirche, Politik und Medien "Ausgrenzung und Diffamierung" erfahre. Zugleich leugnete er trotz der Tonaufnahmen, Lesben und Schwule pauschal als Verbrecher bezeichnet zu haben, und bekräftigte seine Auffassung, dass Homosexualität eine "Sünde" sei (queer.de berichtete).

Aus der Politik sprang nur die AfD dem queerfeindlichen Pastor bei. Während Bremens CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp auf Twitter schrieb, dass ihn Latzels Äußerungen "an Mittelalter und Nationalsozialismus" erinnerten, meinte der aus der Hansestadt stammende Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz laut "buten un binnen", es würden viel zu selten "christliche Positionen" vertreten. (mize)

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#1 Svetlana LAnonym
  • 28.04.2020, 05:45h
  • "... es würden viel zu selten "christliche Positionen"
    vertreten."

    So so, es ist also eine christliche Position gegen andere Menschen zu hetzen. War da nicht irgendetwas mit Nächstenliebe? Oder verwechsel ich da jetzt was?

    Ich kann mir schon vorstellen, wie dieses "Dienstgespräch" ablaufen wird: "Bla bla bla Du, du, du (mit erhobenem Zeigefinger) bla bla, Halte dich wenigstens öffentlich etwas zurück bla bla bla usw usw etc etc." Bleibt nur zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft nicht auch wieder einknickt.
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#2 DudelAnonym
  • 28.04.2020, 07:38h
  • Ich werde immer wieder darin bestätigt, dass ich für meinen Glauben keine Personen im Ordensgewand benötige. Dass meiner Erkenntnis dann auch die Tatsache folgte, dass ich mir die Kirchensteuer 'spare', war nur der logische und in Folge richtige Schritt. Und wer bestätigt mich in dieser Sache immer wieder?: die Kirchen. Alle Kirchen!
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#3 Pink FlamingoAnonym
  • 28.04.2020, 09:12h
  • Antwort auf #2 von Dudel
  • Für wahr. Mich verwundert an diesem sogenannten Dienstgespräch rein gar nichts. Und ja, möge die irdische Instanz, sprich die Staatanwaltschaft, sein Verhalten komplett anders sehen und hier ein Verfahren einleiten.
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#4 Carsten ACAnonym
  • 28.04.2020, 09:26h
  • Die evangelische Kirche ist keinen Deut besser als die katholische: bei Hetze in den eigenen Reihen sieht man weg und fasst die Urheber mit Samthandschuhen an.

    Gegen Hassprediger hilft nur Kirchenaustritt:

    www.kirchenaustritt.de

    Nichts trifft die mehr, als wenn wenigstens ein Teil der Einnahmen und der Macht wegfallen...
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#5 Homonklin_NZAnonym
  • 28.04.2020, 09:26h
  • Da werden nicht "zu selten" christliche Positionen vertreten, sondern an sich in der Hauptsache. Das begreift man da wieder nicht, wenn man nur die Perspektive aus der modernen, weich gespülten Interpretierung vom Knuddel-Christen-Nächstenliebe-Quatsch aus drauf schaut. Rosinenpicker-Christentum mit Scheuklappe extra dicht.

    Diese Religion ist eine von innen heraus ausgrenzende, ausgewählte Menschen und Anteile der Natur, der Wirklichkeit Ausgrenzende! Es macht keinen Sinn sich das noch so oft passend zu deuten, es wäre sehr verwandt damit, wie sich die AfD die Dreißigerjahre passend zurecht bastelt, und Geschichtsverleugnung und -verdrehung betreibt.

    Okay, wenn der Typ also weiter hetzen darf, darf man wohl auch ganz offen sagen, dass es sich da um einen geistig beeinträchtigten, in seinem religiös wahnhaften, kruden Menschebild und geschmälerten Weltbild gefangenen Mann handelt. Das lässt nicht aus, dass man Mitleid haben kann, ( es hält sich in sehr geringen Grenzen) aber vielleicht wäre es gut, da dann auch auf Empfehlungen nicht zu verzichten, die eine therapeutische Behandlung beinhalten.
    Dass solche Leute eben wirklich enorm verbohrt sind, ja unter Verblendung stehen, davon zeugt die fehlende Einsichtsfähigkeit

    Der Typ ist wie einer, der sagt, Amerika wurde erfunden, alle, die von Amerika sprechen, sind Verbrecher, und Amerika in den Landkarten eimzuzeichnen ist seinem "Gott" ein Gräuel.
    Na sollte er mal besser nicht nach Neuseeland kommen!
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#6 FassungslosAnonym
  • 28.04.2020, 09:31h
  • Wenn eine Organisation (gleich welcher Art) in ihren Reihen Mitglieder oder gar Funktionäre duldet, die einvernehmliche Liebe zwischen Erwachsenen als "todeswürdig" bezeichnen, also indirekt zu Mord aufrufen, dann muss ich davon ausgehen, dass diese Organisation solches Gedankengut mindestens toleriert oder sogar derselben Meinung ist.
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#7 WarnsignalAnonym
  • 28.04.2020, 09:32h
  • "Die AfD verteidigt Latzel"

    Spätestens das sollte die evangelische Kirche sehr nachdenklich stimmen. Wenn alles bisherige die schon nicht interessiert hat.
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#8 JasperAnonym
  • 28.04.2020, 09:53h
  • Wenn schon die evangelische Kirche bei übelster Hetze an der Grenze zum Mordaufruf keinen Handlungsbedarf sieht, hoffe ich, dass wenigstens die Staatsanwaltschaft endlich mal Anklage wegen Volksverhetzung erhebt.

    Ansonsten muss man tatsächlich davon ausgehen, dass Deutschland ein Gottesstaat ist, wo die Kirchen das Sagen haben.
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#9 LaizismusAnonym
  • 28.04.2020, 10:07h
  • Es wird sowas von Zeit, dass es in Deutschland endlich eine echte Trennung von Staat und Kirche gibt.

    Der Staat sollte endlich aufhören, deren Mitgliedsbeiträge zur Steuer zu erklären und für die das Einziehen der Beiträge und das Sanktionieren von Säumnissen als Steuerhinterziehung zu übernehmen.

    Die sollen wie jeder andere Verein ihre Mitgliedsbeiträge selbst einziehen.

    Und neben den Kirchensteuern gibt es ja auch noch die sog. Staatsleistungen, die die Kirchen aus allgemeinen Steuern bekommen. Auch von den Bürgern, die da gar nicht Mitglied sind, die eine andere oder gar keine Religion haben.

    Auch das muss endlich beendet werden.

    www.kirchenaustritt.de/

    "Religion ist das Asyl der Dummen."
    (Spinoza)

    "Die beiden größten Gefahren für den Weltfrieden sind Waffenindustrie und Religion."
    (Albert Einstein)
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#10 goddamn liberalAnonym
  • 28.04.2020, 10:15h
  • Antwort auf #8 von Jasper
  • "Ansonsten muss man tatsächlich davon ausgehen, dass Deutschland ein Gottesstaat ist, wo die Kirchen das Sagen haben."

    Das ist so.

    Die deutschen (Staats-)Kirchen werden durch Milliarden an allgemeinen Steuergeldern (auch von Nicht-Christen) am Leben gehalten.

    Siehe z. B. aber auch die frommen Corona-Predigten von Merkel und Steinmeier zu Ostern.

    Ohne die Zustimmung des EKD-Vorsitzenden hätte es wohl auch die Ehe für unsereinen nicht gegeben.

    Insofern ist das jahrelange Gehetze von Latzel alles andere als eine innerkirchliche Angelegenheit. Die Bremer Kirche verweist ja selbst auf seinen Beamten-Status.

    Nun gibt es für Beamte aber auch ein Mäßigungs-Gebot und eine Verpflichtung auf das Grundgesetz.

    Das muss dann auch für den Beamten Latzel gelten.
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