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Bremische Evangelische Kirche

Pastor Latzel darf weiter hetzen

Er sprach von den "Verbrechern vom Christopher Street Day", nannte Homosexualität "todeswürdig" – dennoch kommt der evangelische Bremer Pfarrer Olaf Latzel mit einem "Dienstgespräch" davon.


Wiederholt mit Hasspredigten aufgefallen: Pastor Olaf Latzel 2015 bei einem Interview mit dem Regionalmagazin "buten un binnen" von Radio Bremen
  • 28. April 2020, 02:09h 23 3 Min.

Keine Suspendierung, kein Disziplinarverfahren: Der bibeltreue Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde Olaf Latzel wird trotz seiner LGBTI-feindlichen Hetze vorerst nur zu einem "Dienstgespräch" zitiert. Dies bestätigte die Bremische Evangelische Kirche am Montag gegenüber dem Regionalmagazin "buten un binnen" von Radio Bremen.

Noch am Freitag hatte die Kirchenleitung angekündigt, dienstrechtliche Schritte gegen Latzel zu prüfen (queer.de berichtete). In einer Erklärung von Kirchenpräsidentin Edda Bosse hieß es, der Pastor habe Menschen herabgesetzt, beleidigt und in ihrer Würde verletzt. Die Kirchenleitung stehe "klar an der Seite homo­sexuell lebender Menschen".

Drei Tage später knickt Bosse ein: Olaf Latzel stehe in einem beamtenähnlichen Dienstverhältnis auf Lebenszeit, teilte die Kirche nun mit. Theoretisch könne er bei schweren Straftaten als Folge eines Disziplinarverfahrens aus dem Dienst entfernt werden. Man wolle jedoch zuvor das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen und eines möglichen Strafverfahrens abwarten.

Homosexualität als "Degeneration von Gesellschaftsformen"

Olaf Latzel wurde wegen Volksverhetzung angezeigt, weil er Mitte Oktober 2019 in seinem anderthalbstündigen Seminar "Biblische 'Fahrschule' zur Ehe" homosexuelle und trans Menschen aufs Übelste diffamiert hatte (queer.de berichtete). In dem auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde mittlerweile gelöschten Vortrag meinte der 52-Jährige unter anderem: "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day."

Darüber hinaus beklagte Latzel, dass "diese Homo-Lobby, dieses Teuflische" immer stärker werde. "Gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel", eine "Degeneration von Gesellschaftsformen" sowie "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur". Schuld an all diesen Entwicklungen sei die "zunehmende Gottlosigkeit".

Ob sich Olaf Latzel vor Gericht verantworten muss, ist derzeit noch unklar. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang, erklärte ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft gegenüber "buten un binnen". Eine Tendenz sei noch nicht erkennbar. Bremens Bürgermeister und Kirchensenator Andreas Bovenschulte (SPD) sagte dazu, die Strafverfolgungsorgane müssten jetzt klären, ob die Grenze der Religionsfreiheit überschritten sei.

Die AfD verteidigt Latzel

Der Pastor selbst zeigte sich uneinsichtig. Erst am Sonntag hatte er bei einem Online-Gottesdienst beklagt, dass er von Kirche, Politik und Medien "Ausgrenzung und Diffamierung" erfahre. Zugleich leugnete er trotz der Tonaufnahmen, Lesben und Schwule pauschal als Verbrecher bezeichnet zu haben, und bekräftigte seine Auffassung, dass Homosexualität eine "Sünde" sei (queer.de berichtete).

Aus der Politik sprang nur die AfD dem queerfeindlichen Pastor bei. Während Bremens CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp auf Twitter schrieb, dass ihn Latzels Äußerungen "an Mittelalter und Nationalsozialismus" erinnerten, meinte der aus der Hansestadt stammende Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz laut "buten un binnen", es würden viel zu selten "christliche Positionen" vertreten. (mize)

-w-

#1 Svetlana LAnonym
  • 28.04.2020, 05:45h
  • "... es würden viel zu selten "christliche Positionen"
    vertreten."

    So so, es ist also eine christliche Position gegen andere Menschen zu hetzen. War da nicht irgendetwas mit Nächstenliebe? Oder verwechsel ich da jetzt was?

    Ich kann mir schon vorstellen, wie dieses "Dienstgespräch" ablaufen wird: "Bla bla bla Du, du, du (mit erhobenem Zeigefinger) bla bla, Halte dich wenigstens öffentlich etwas zurück bla bla bla usw usw etc etc." Bleibt nur zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft nicht auch wieder einknickt.
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#2 DudelAnonym
  • 28.04.2020, 07:38h
  • Ich werde immer wieder darin bestätigt, dass ich für meinen Glauben keine Personen im Ordensgewand benötige. Dass meiner Erkenntnis dann auch die Tatsache folgte, dass ich mir die Kirchensteuer 'spare', war nur der logische und in Folge richtige Schritt. Und wer bestätigt mich in dieser Sache immer wieder?: die Kirchen. Alle Kirchen!
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#3 Pink FlamingoAnonym
  • 28.04.2020, 09:12h
  • Antwort auf #2 von Dudel
  • Für wahr. Mich verwundert an diesem sogenannten Dienstgespräch rein gar nichts. Und ja, möge die irdische Instanz, sprich die Staatanwaltschaft, sein Verhalten komplett anders sehen und hier ein Verfahren einleiten.
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