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Homo-"Heiler" bei Helios-Klinik

Karlsruher Arzt bezeichnet Homosexualität als "Krankheit"

In einer badischen Helios-Klinik arbeitet ein Herzspezialist als Oberarzt, der im Internet gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten hetzt.


In Karlsruhe arbeitet ein Arzt, der Homo- und Transsexualität als "Krankheit" ansieht

Ein Karlsruher Oberarzt hat am Montag mit einem homo- und transphoben Tweet für Aufregung gesorgt. Der türkischstämmige Herzspezialist hatte in seiner Herkunftssprache folgenden Text getweetet: "Bir hekim olarak Eşcinselliğin, transsexuelliğin hastalık olduğunu belirtmek isterim." Zu Deutsch: "Als Arzt möchte ich feststellen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind." Für diesen Tweet hat der Arzt der Helios-Klinik für Herzchirurgie bereits mehr als 56.000 Likes erhalten, weit mehr als sonst bei ihm üblich. In Kommentaren empören sich viele Nutzer über die LGBTI-feindliche Haltung, er erhielt aber auch auf Türkisch Zuspruch.



Eine Sprecherin der Helios-Klinik erklärte gegenüber den "Badischen Neuesten Nachrichten", man wolle sich zu dem Fall erst später äußern. Angeblich sei der Chirurg den ganzen Tag im OP-Saal bei der Arbeit. Man wolle die Behandlung nicht unterbrechen, um mit ihm über die Äußerung zu sprechen.

Helios: "Äußerungen stimmen nicht mit unseren Handlungsgrundsätzen überein"

Via Twitter brachte die Unternehmenszentrale in Berlin am Dienstagmittag eine Erklärung heraus, nachdem sich ein Nutzer über den Arzt empört hatte. Darin heißt es: "Liebe Community, als Unternehmen fördern wir die Vielfalt unserer Mitarbeiter. Diversität und Inklusion sind uns sehr wichtig. Die fraglichen Äußerungen stimmen keineswegs mit den Handlungsgrundsätzen bei Helios überein. Wir prüfen den Fall intern und behalten uns ggf. rechtliche Schritte vor."

Twitter / Helios_Kliniken

Twitter / Helios_Kliniken

Experten halten die These, dass Homo- und Transsexualität "Krankheiten" sind, für Humbug, der Menschenleben kosten kann. Die Weltgesundheitsorganisation hatte etwa 2013 erklärt, dass Versuche einer "Heilung" von sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten mit der Ethik ärztlichen Handelns unvereinbar seien (queer.de berichtete). Deshalb arbeitet die Bundesregierung derzeit an einem Gesetzentwurf, der "Konversionstherapien" zumindest teilweise verbieten sollen (queer.de berichtete). Homo-"Heilung" treibt laut den Experten Homo- und Transsexuelle oft in die Depression oder gar den Selbstmord.

Anlass für den Tweet war offensichtlich eine Aussage des Chefs der staatlich-türkischen Religionsbehörde Diyanet, der am Freitag betont hatte, dass der Islam Homosexualität verurteile und diese Krankheiten mit sich bringe (queer.de berichtete). Diyanet hat auch Einfluss auf deutsche Muslime, da der deutsche Moscheeverband Ditib der Behörde indirekt untersteht. (dk)

Update: Karlsruher Herzchirurg nach LGBTI-feindlichem Tweet beurlaubt (29.04.2020)



#1 PinoAnonym
  • 28.04.2020, 15:16h
  • Jeder Arbeitgeber sollte sich überlegen, ob er Mitarbeiter beschäftigen will, die solches Gedankengut verbreiten und die als Wissenschaftler wissenschaftliche Fakten ignorieren. Kann der auch wirklich alle Patienten vorurteilsfrei und gleich behandeln?
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#2 Nk231Anonym
  • 28.04.2020, 16:08h
  • Antwort auf #1 von Pino
  • Abgesehen von Kliniken:

    Du sagst alle Arbeitgeber. Was wenn einige Arbeitgeber selbst homophob oder diskriminierend sind? Es geht darum die Ursache zu vermeiden und nicht bloß Symptome. Ich spreche hier jetzt nicht von dieser Klinik sondern von Arbeitgebern, die nachweislich diskriminierend oder homophob sind.
    Denn wer selbst Komplexe gegenüber der LSBTTIQ hat, stellt auch eher Leute ein, die auch so eingestellt sind.

    Bevor wieder ein shitstorm einbricht: ja, ich weiß wovon ich rede weil eigene Erfahrungen.
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#3 AndreasKAProfil
  • 28.04.2020, 16:33hKarlsruhe
  • 1992 hat die WHO Homosexualität aus dem Katalog psychischer Krankheiten gestrichen.

    2006 wurde das AGG in Deutschland erlassen, dass Diskriminierung auch nicht-heterosexuellen Menschen am Arbeitsplatz untersagt.

    Es gibt eine Bundesärztekammer als Kontrollinstanz, die auf Einhaltung des Standesrechts achtet und Missstände etwa hinsichtlich der Berufsethik und des Berufsrechtes ahndet.
    Ich denke mal, das wäre jetzt mal ein Fall für diese Kommission - so als Anfang ...
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#4 Ralph
  • 28.04.2020, 16:44h
  • Helios ist ein gewinnorientiertes Unternehmen, das mit seinen Kliniken Profite anstrebt. Das ist das Gegenteil von Daseinsvorsorge. Leider hat sich allgemein -unabhängig von der Trägerschaft von Gesundheitseinrichtungen- die Auffassung durchgesetzt, das das Gesundheitswesen in erster Linie der Gewinnmaximierung der Anteilseigner zu dienen habe. Insbesondere Helios steht in der Kritik, das Personal dauerhaft zu überlasten und den hygienischen Bedingungen nicht hinreichende Aufmerksamkeit zu widmen.
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#5 Nk231Anonym
  • 28.04.2020, 17:01h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • ... und der olle Lobbyismus hat dazu beigetragen, dass einige Unternehmen zu viel "Macht" besitzen. Da steckt einerseits viel Geld dahinter und zweitens ist es schwer, etablierte und große Unternehmen zu verklagen.

    Aber bevor es soweit kommt, ist es wichtig, dass die jeweiligen Personen oder eine Person ausfindig gemacht werden und Konsequenzen erleben.
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#6 ReneAnonym
#7 dellbronx51069Anonym
#8 Nk231Anonym
  • 28.04.2020, 18:48h
  • Antwort auf #6 von Rene
  • Ja, das stimmt in diesem Fall hier.

    Ich meinte die Ursache, dass einige Arbeitgeber, abgesehen von diesem Fall hier, selbst schon intolerant sind und deshalb dann auch entsprechend intolerante Mitarbeiter/innen haben.
    Wollte das nur erwähnen, weil das nicht selten vorzufinden ist, auch außerhalb des sogenannten kirchlichen Bereichs.

    So, jetzt zurück zum Artikel.

    Offenbar gibt es da eine Oberkappe, der gegen Schwule und gegen Lesben hetzt und das leider Leute dazu verleitet hat, dies nachzuahmen :-/ Das ist definitiv religiös motiviert. Und deshalb umso gefährlicher.
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#9 Nk231Anonym
#10 Roman BolligerAnonym
  • 28.04.2020, 19:13h
  • Antwort auf #1 von Pino
  • Nein, er kann nicht alle Patienten vorurteilsfrei behandeln, da er sich nicht an die offiziellen Krankheitsdiagnosekataloge der WHO (International Classification of Diseases ICD, aktuelle Version 10) hält, sondern einen eigenen privaten Krankheitskatalog unterhält.
    Die Helios-Klinik beschäftigt also einen Oberarzt, der sein eigenes, wohl sehr religiös versalzenes Diagnosesüppchen kocht.

    Beschäftigt ihn die Helios-Klnik weiter, so kann man nur sagen: Was für eine unprofessionelle Klinik!
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