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Homo-"Heiler" bei Helios-Klinik

Karlsruher Arzt bezeichnet Homosexualität als "Krankheit"

In einer badischen Helios-Klinik arbeitet ein Herzspezialist als Oberarzt, der im Internet gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten hetzt.


In Karlsruhe arbeitet ein Arzt, der Homo- und Transsexualität als "Krankheit" ansieht

  • 28. April 2020, 12:52h 11 2 Min.

Ein Karlsruher Oberarzt hat am Montag mit einem homo- und transphoben Tweet für Aufregung gesorgt. Der türkischstämmige Herzspezialist hatte in seiner Herkunftssprache folgenden Text getweetet: "Bir hekim olarak Eşcinselliğin, trans­sexuelliğin hastalık olduğunu belirtmek isterim." Zu Deutsch: "Als Arzt möchte ich feststellen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind." Für diesen Tweet hat der Arzt der Helios-Klinik für Herzchirurgie bereits mehr als 56.000 Likes erhalten, weit mehr als sonst bei ihm üblich. In Kommentaren empören sich viele Nutzer über die LGBTI-feindliche Haltung, er erhielt aber auch auf Türkisch Zuspruch.



Eine Sprecherin der Helios-Klinik erklärte gegenüber den "Badischen Neuesten Nachrichten", man wolle sich zu dem Fall erst später äußern. Angeblich sei der Chirurg den ganzen Tag im OP-Saal bei der Arbeit. Man wolle die Behandlung nicht unterbrechen, um mit ihm über die Äußerung zu sprechen.

Helios: "Äußerungen stimmen nicht mit unseren Handlungsgrundsätzen überein"

Via Twitter brachte die Unternehmenszentrale in Berlin am Dienstagmittag eine Erklärung heraus, nachdem sich ein Nutzer über den Arzt empört hatte. Darin heißt es: "Liebe Community, als Unternehmen fördern wir die Vielfalt unserer Mitarbeiter. Diversität und Inklusion sind uns sehr wichtig. Die fraglichen Äußerungen stimmen keineswegs mit den Handlungsgrundsätzen bei Helios überein. Wir prüfen den Fall intern und behalten uns ggf. rechtliche Schritte vor."

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Experten halten die These, dass Homo- und Transsexualität "Krankheiten" sind, für Humbug, der Menschenleben kosten kann. Die Weltgesundheitsorganisation hatte etwa 2013 erklärt, dass Versuche einer "Heilung" von sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten mit der Ethik ärztlichen Handelns unvereinbar seien (queer.de berichtete). Deshalb arbeitet die Bundesregierung derzeit an einem Gesetzentwurf, der "Konversionstherapien" zumindest teilweise verbieten sollen (queer.de berichtete). Homo-"Heilung" treibt laut den Experten Homo- und Transsexuelle oft in die Depression oder gar den Selbstmord.

Anlass für den Tweet war offensichtlich eine Aussage des Chefs der staatlich-türkischen Religionsbehörde Diyanet, der am Freitag betont hatte, dass der Islam Homosexualität verurteile und diese Krankheiten mit sich bringe (queer.de berichtete). Diyanet hat auch Einfluss auf deutsche Muslime, da der deutsche Moscheeverband Ditib der Behörde indirekt untersteht. (dk)

Update: Karlsruher Herzchirurg nach LGBTI-feindlichem Tweet beurlaubt (29.04.2020)

-w-

#1 PinoAnonym
  • 28.04.2020, 15:16h
  • Jeder Arbeitgeber sollte sich überlegen, ob er Mitarbeiter beschäftigen will, die solches Gedankengut verbreiten und die als Wissenschaftler wissenschaftliche Fakten ignorieren. Kann der auch wirklich alle Patienten vorurteilsfrei und gleich behandeln?
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#2 Nk231Anonym
  • 28.04.2020, 16:08h
  • Antwort auf #1 von Pino
  • Abgesehen von Kliniken:

    Du sagst alle Arbeitgeber. Was wenn einige Arbeitgeber selbst homophob oder diskriminierend sind? Es geht darum die Ursache zu vermeiden und nicht bloß Symptome. Ich spreche hier jetzt nicht von dieser Klinik sondern von Arbeitgebern, die nachweislich diskriminierend oder homophob sind.
    Denn wer selbst Komplexe gegenüber der LSBTTIQ hat, stellt auch eher Leute ein, die auch so eingestellt sind.

    Bevor wieder ein shitstorm einbricht: ja, ich weiß wovon ich rede weil eigene Erfahrungen.
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#3 AndreasKA
  • 28.04.2020, 16:33hKarlsruhe
  • 1992 hat die WHO Homosexualität aus dem Katalog psychischer Krankheiten gestrichen.

    2006 wurde das AGG in Deutschland erlassen, dass Diskriminierung auch nicht-heterosexuellen Menschen am Arbeitsplatz untersagt.

    Es gibt eine Bundesärztekammer als Kontrollinstanz, die auf Einhaltung des Standesrechts achtet und Missstände etwa hinsichtlich der Berufsethik und des Berufsrechtes ahndet.
    Ich denke mal, das wäre jetzt mal ein Fall für diese Kommission - so als Anfang ...
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