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"Homosexualität ist Krankheit"

Karlsruher Herzchirurg nach LGBTI-feindlichem Tweet beurlaubt

Die Helios-Klinik für Herzchirurgie zog schnell die richtigen Konsequenzen: Ein Arzt, der Homo- und Transsexualität für "Krankheiten" hält, darf vorerst nicht wieder in den Operationssaal.


Symbolbild: Ein Arzt, der Homo- und Transsexualität als "Krankheiten" ansieht, darf in der Karlsruhe Helios-Klinik für Herzchirurgie vorerst nicht weiter praktizieren (Bild: sasint / pixabay)

Null Toleranz für Homo- und Transphobie: Die Helios-Klinik für Herzchirurgie in Karlsruhe hat am Dienstag einen renommierten Funktionsoberarzt wegen eines LGBTI-feindlichen Tweets beurlaubt. "Wir haben uns gemeinsam mit dem Mitarbeiter entschieden, ihn vorläufig zu beurlauben", zitierten die "Badischen Neuesten Nachrichten" eine Sprecherin des Krankenhauses. "Wir werden den Sachverhalt unter Einbeziehung der zuständigen Ärztekammer prüfen und bewerten."

Gegenüber queer.de erklärte die Sprecherin, man habe am Dienstagnachmittag mit dem Arzt gesprochen, um ihm die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben und sich dann für die Beurlaubung entschieden. Als Reaktion auf den Vorfall werde man sich "auf jeden Fall" mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) "in Verbindung setzen und ein Gespräch anbieten". Sie verwies auch auf das Engagement der Klinik-Gruppe für LGBTI-Rechte, etwa beim CSD Berlin.

Direktlink | "Wir alle leben und erfahren jeden Tag in der Klinik ganz selbstverständlich Gleichberechtigung und Vielfalt": Video der Helios-Kliniken vom CSD Berlin 2019

Der türkischstämmige Arzt, der seit über 20 Jahren als Herzchirurg an der Karlsruher Klinik tätig ist, hatte am Montag in seiner Herkunftssprache folgenden Text getweetet: "Bir hekim olarak Eşcinselliğin, transsexuelliğin hastalık olduğunu belirtmek isterim." Zu Deutsch: "Als Arzt möchte ich feststellen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind" (queer.de berichtete).


Der mittlerweile gelöschte Tweet mit deutscher Übersetzung von Google

Anlass für den Tweet war offensichtlich eine Aussage des Chefs der staatlich-türkischen Religionsbehörde Diyanet, der am Freitag betont hatte, dass der Islam Homosexualität verurteile und diese Krankheiten mit sich bringe (queer.de berichtete). Für sein LGBTI-feindliches Statement erhielt der Arzt Zehntausende Likes, aber auch zunehmenden Widerspruch. Aufgrund der Proteste änderte er am Dienstag zunächst erst sein Profilbild auf Twitter und löschte schließlich, nach über 24 Stunden, seinen diffamierenden Post.

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Helios behält sich "rechtliche Schritte" vor

Bereits vor der Beurlaubung hatte sich die Helios-Kliniken-Gruppe, die in Deutschland über 86 Krankenhäuser betreibt, klar von dem Arzt distanziert. "Als Unternehmen fördern wir die Vielfalt unserer Mitarbeiter. Diversität und Inklusion sind uns sehr wichtig", schrieb der Konzern auf Twitter. "Die fraglichen Äußerungen stimmen keineswegs mit den Handlungsgrundsätzen bei Helios überein. Wir prüfen den Fall intern und behalten uns ggf. rechtliche Schritte vor."

Twitter / Helios_Kliniken

Twitter / Helios_Kliniken

Untersuchung der Landesärztekammer gefordert

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hatte die Äußerungen des Herzchirurgen am Montag als "verstörend und inakzeptabel" verurteilt. Für LSVD-Vorstand Axel Hochrein zeigten sie, wie wichtig ein effektives Verbot von Konversionsbehandlungen sei: "Offensichtlich muss man davor warnen, dass sich LSBTI dort in eine medizinische Behandlung geben. Es ist zutiefst verunsichernd, dass LSBTI nicht erwarten können, von ihm diskriminierungsfrei und professionell behandelt zu werden."

Der LSVD forderte die Landesärztekammer von Baden-Württemberg zu einer eigenständigen Untersuchung auf. Die Ansichten des Arztes "verstoßen auch gegen die medizinethischen Grundsätze, wie sie die Genfer Deklaration des Weltärztebundes und damit auch die Berufsordnung der Bundesärztekammer festschreibt", sagte Hochrein. "Darin ist ein explizites Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlecht festgelegt." (cw)

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#1 DR_GayAnonym
#2 XyzAAnonym
  • 29.04.2020, 09:23h
  • Ich finde gut, wie die Klinik reagiert hat. Ich finde nicht gut, die Twitter-Adresse zu veröffentlichen. Kommentare in dem Account zu veröffentlichen finde ich schlechten Stil und wird die Sichtweise des Arztes nicht verändern.
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#3 Girlygirl
  • 29.04.2020, 09:46h
  • Ich finde dieser Arzt gehört entlassen und nicht beurlaubt. Dass er diesen menschenverachtenden und homophoben Tweet in seiner Muttersprache türkisch geschrieben hat, finde ich besonders perfide. Und dann auch noch in den sozialen Medien, also mit einer wirklich hohen Reichweite. Er hatte scheinbar das Ziel, damit türkischstämmige Menschen anzusprechen. Und gerade einem Oberarzt trauen die Menschen mehr als irgendeinem Assi von der Straße. Es ist traurig, dass es in Deutschland immer noch Homophobe in autoritären Funktionen gibt. Es hat mich damals schon geärgert, dass ein Biologie Professor aus meiner Heimatstadt (Ulrich Kutschera) jahrelang gegen LGBT hetzen durfte.
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#4 stromboliProfil
  • 29.04.2020, 10:01hberlin
  • Antwort auf #2 von XyzA
  • twitter ist kein privater innenraum, kein schutzraum in dem man sich zurückzieht.
    Vielmehr ist es der unter die türmatte gelegte schlüssel für deine eigentlich sorgsam gehegten privatsphären.
    Wer dort schreibt will gehört werden.

    Also ist die weitergabe eben seines account genau das was twitterschreibende für ihr eigenes ego benötigen: aufmerksamkeit durch lesen.

    Lasst also dem twitterfreak eure meinung zufliegen wie digital geworfene torten, und freut euch über jeden aufschlag ...
    Vielleicht stopft es so manches stopfenswertes maul.
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#5 Religioten-WatchAnonym
  • 29.04.2020, 10:12h
  • Antwort auf #2 von XyzA
  • 1. Twitter ist das Gegenteil von privat.

    2. Der "Arzt" hat gezielt die auf Twitter die Öffentlichkeit für seinen Hass gesucht.

    3. Auf bereits Öffentliches hinzuweisen ist kein schlechter Stil; selbst wenn es das wäre, wäre schlechter Stil eine Kleinigkeit als Reaktion auf religiotischen Menschenhass.

    4. Helios hat vorbildlich reagiert, was man von den evangelischen Christ*innen in Bremen nicht sagen kann.
    www.queer.de/detail.php?article_id=35990
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#6 Richtig soAnonym
  • 29.04.2020, 10:24h
  • Absolut nachvollziehbare Entscheiden:
    nach solchen Aussagen muss man sich nicht nur fragen, ob so eine Person überhaupt den hippokratischen Eid achtet und wirklich alle Patienten gleich gut behandeln kann.

    Sondern man muss auch ganz grundsätzlich fragen, ob jemand, der wissenschaftliche Fakten leugnet überhaupt in einem wissenschaftlich geprägten Beruf tätig sein kann. Erst recht, wenn die Gesundheit und das Leben von Menschen davon abhängen.
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#7 Homonklin_NZAnonym
  • 29.04.2020, 10:25h
  • Man darf ja froh sein, dass da überhaupt was drauf folgt. Das hätte man früher einfach als Meinungsäußerung durchgewunken.
    So, wie es bei Kirchens & Co ja immer noch gehandhabt wird
    Nun arbeiten die Knilche nicht am Herz, sondern nur an den Psychen ihrer Opfer.
    Bei einem Chirurgen ist dann doch eine gewisse Gefahr, wenn der auch über Patient*Innen eventuell Details kennt, und das dann in seine Arbeit mit rein nimmt, was er da so alles glaubt..

    Die Religionsbehörde in der Türkei als Ratgeber für die Einschätzung medizinischer Kompetenz ist hier nicht gefragt. Es gibt eh schon genug Religioten, die sich überall einmischen, auch in D!
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#8 FinnAnonym
  • 29.04.2020, 10:30h
  • Antwort auf #2 von XyzA
  • Twitter ist ein öffentliches Medium. Wer da was veröffentlicht, will das öffentlich machen.

    Insofern wüsste ich nicht, wieso man das nicht veröffentlichen sollte. Ich würde sogar den Twitternamen kenntlich lassen, denn das ist ja offen im Netz abrufbar.

    Das ist ja so, als würde jemand sich auf den Marktplatz stellen und da eine Rede halten und Du würdest dann anderen vorwerfen, dass sie ihm zuhören oder anderen von der Rede erzählen.
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#9 Julian SAnonym
  • 29.04.2020, 10:40h
  • Antwort auf #2 von XyzA
  • Statt Dir Sorgen über die Anonymität des Urhebers zu machen, solltest Du Dir lieber Sorgen um die Opfer solcher Tweets machen.

    Denn ganz unabhängig von der Frage, ob er alle seine Patienten gleich behandeln kann, liefert er mit solchen Tweets natürlich auch manchen Leuten die Munition, um weiter gegen LGBTI zu hetzen, sie zu diskriminieren, sie zu mobben, etc.

    Damit trägt er direkt und indirekt zu einem Klima bei, wo selbst Gewalt gegen LGBTI möglich ist.
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#10 janxAnonym
  • 29.04.2020, 11:11h
  • Antwort auf #2 von XyzA
  • Gaaaaanz eigenartige Sichtweise. Er hätte da ja auch einen anonymen Account anlegen können. Also wenn sich hier jemand unverhüllt mitten in der Stadt auf den Marktplatz auf eine Kiste stellt und rausbrüllt dass die Erde flach ist, darf ich niemandem abends erzählen wem ich da begegnet bin, was derjenige behauptet und auch nichts entgegnen? Ähm, nein. Weder im Internet noch anderswo.
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