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"Homosexualität ist Krankheit"
Karlsruher Herzchirurg nach LGBTI-feindlichem Tweet beurlaubt
Die Helios-Klinik für Herzchirurgie zog schnell die richtigen Konsequenzen: Ein Arzt, der Homo- und Transsexualität für "Krankheiten" hält, darf vorerst nicht wieder in den Operationssaal.

Symbolbild: Ein Arzt, der Homo- und Transsexualität als "Krankheiten" ansieht, darf in der Karlsruhe Helios-Klinik für Herzchirurgie vorerst nicht weiter praktizieren (Bild: sasint / pixabay)
- 29. April 2020, 02:37h 3 Min.
Null Toleranz für Homo- und Transphobie: Die Helios-Klinik für Herzchirurgie in Karlsruhe hat am Dienstag einen renommierten Funktionsoberarzt wegen eines LGBTI-feindlichen Tweets beurlaubt. "Wir haben uns gemeinsam mit dem Mitarbeiter entschieden, ihn vorläufig zu beurlauben", zitierten die "Badischen Neuesten Nachrichten" eine Sprecherin des Krankenhauses. "Wir werden den Sachverhalt unter Einbeziehung der zuständigen Ärztekammer prüfen und bewerten."
Gegenüber queer.de erklärte die Sprecherin, man habe am Dienstagnachmittag mit dem Arzt gesprochen, um ihm die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben und sich dann für die Beurlaubung entschieden. Als Reaktion auf den Vorfall werde man sich "auf jeden Fall" mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) "in Verbindung setzen und ein Gespräch anbieten". Sie verwies auch auf das Engagement der Klinik-Gruppe für LGBTI-Rechte, etwa beim CSD Berlin.
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Der türkischstämmige Arzt, der seit über 20 Jahren als Herzchirurg an der Karlsruher Klinik tätig ist, hatte am Montag in seiner Herkunftssprache folgenden Text getweetet: "Bir hekim olarak Eşcinselliğin, transsexuelliğin hastalık olduğunu belirtmek isterim." Zu Deutsch: "Als Arzt möchte ich feststellen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind" (queer.de berichtete).

Der mittlerweile gelöschte Tweet mit deutscher Übersetzung von Google
Anlass für den Tweet war offensichtlich eine Aussage des Chefs der staatlich-türkischen Religionsbehörde Diyanet, der am Freitag betont hatte, dass der Islam Homosexualität verurteile und diese Krankheiten mit sich bringe (queer.de berichtete). Für sein LGBTI-feindliches Statement erhielt der Arzt Zehntausende Likes, aber auch zunehmenden Widerspruch. Aufgrund der Proteste änderte er am Dienstag zunächst erst sein Profilbild auf Twitter und löschte schließlich, nach über 24 Stunden, seinen diffamierenden Post.
Helios behält sich "rechtliche Schritte" vor
Bereits vor der Beurlaubung hatte sich die Helios-Kliniken-Gruppe, die in Deutschland über 86 Krankenhäuser betreibt, klar von dem Arzt distanziert. "Als Unternehmen fördern wir die Vielfalt unserer Mitarbeiter. Diversität und Inklusion sind uns sehr wichtig", schrieb der Konzern auf Twitter. "Die fraglichen Äußerungen stimmen keineswegs mit den Handlungsgrundsätzen bei Helios überein. Wir prüfen den Fall intern und behalten uns ggf. rechtliche Schritte vor."
/ Helios_Kliniken(1/2) Liebe Community, als Unternehmen fördern wir die Vielfalt unserer Mitarbeiter. Diversität und Inklusion sind uns sehr wichtig. Die fraglichen Äußerungen stimmen keineswegs mit den Handlungsgrundsätzen bei Helios überein.
Helios Gesundheit (@Helios_Kliniken) April 28, 2020
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/ Helios_Kliniken(2/2) Wir prüfen den Fall intern und behalten uns ggf. rechtliche Schritte vor.
Helios Gesundheit (@Helios_Kliniken) April 28, 2020
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Untersuchung der Landesärztekammer gefordert
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hatte die Äußerungen des Herzchirurgen am Montag als "verstörend und inakzeptabel" verurteilt. Für LSVD-Vorstand Axel Hochrein zeigten sie, wie wichtig ein effektives Verbot von Konversionsbehandlungen sei: "Offensichtlich muss man davor warnen, dass sich LSBTI dort in eine medizinische Behandlung geben. Es ist zutiefst verunsichernd, dass LSBTI nicht erwarten können, von ihm diskriminierungsfrei und professionell behandelt zu werden."
Der LSVD forderte die Landesärztekammer von Baden-Württemberg zu einer eigenständigen Untersuchung auf. Die Ansichten des Arztes "verstoßen auch gegen die medizinethischen Grundsätze, wie sie die Genfer Deklaration des Weltärztebundes und damit auch die Berufsordnung der Bundesärztekammer festschreibt", sagte Hochrein. "Darin ist ein explizites Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlecht festgelegt." (cw)













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