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Nordafrika

Angeblich gleichgeschlechtliche Ehe in Tunesien anerkannt

Erstmals soll eine Ehe zwischen zwei Männern in Tunesien von den Behörden offiziell eingetragen worden sein – das wäre ein Novum für ein arabisches Land. Ein Minister spricht aber bereits von einer Falschmeldung.


In Tunesien steht Homosexualität seit 1913 unter Strafe (Bild: Riyadh Al Balushi / flickr)

  • 29. April 2020, 08:34h, noch kein Kommentar

Die tunesische LGBTI-Organisation Shams hat vergangenen Freitag mitgeteilt, dass angeblich in Tunesien die Ehe eines gleichgeschlechtlichen Paares anerkannt worden ist. Demnach sei die Ehe in der Geburtsurkunde eines namentlich nicht genannten Tunesiers, der einen Franzosen in Frankreich geheiratet hatte, eingetragen worden. In Tunesien ist diese Eintragung der Nachweis einer Eheschließung.

Die Anerkennung wäre eine große Überraschung: Schließlich steht auf homosexuelles Verhalten in dem nordafrikanischen Land eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Ende 2018 gab es zudem Berichte, wonach Tunesien weiterhin mutmaßliche Schwule mit Analuntersuchungen foltern soll (queer.de berichtete).

"Neue Errungenschaft für homosexuelle Tunesier"

Laut dem Facebook-Eintrag von Shams handelt es sich bei der Anerkennung um eine "neue Errungenschaft für homosexuelle Tunesier". Erstmals "in der Geschichte der arabischen Welt" sei eine gleichgeschlechtliche Ehe offiziell anerkannt worden. Unter dem Eintrag gab es viele negative Kommentare, die von "moralischem Kollaps" sprachen oder die Autoren der Lüge bezichtigten.

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Gepostet von Shams – Pour la dépénalisation de l'homosexualité en Tunisie am Freitag, 24. April 2020
Facebook / Shams – Pour la dépénalisation de l'homosexualité en Tunisie

Eine ähnliche Meldung von der Anerkennung einer gleichgeschlechtlichen Ehe gab es 2018 bereits aus einem anderen homophoben Land: Ein russisches Bürgerbüro hatte damals die Ehe von zwei Männern eingetragen, die zuvor in Dänemark geheiratet hatten (queer.de berichtete). Kurze Zeit später erklärte die russische Regierung die Ehe für ungültig – die Männer mussten schließlich nach Drohungen aus ihrem Heimatland fliehen (queer.de berichtete).

Regionalminister dementiert

Der tunesische Regionalminister Lotfi Zitoun hat am Dienstag die Meldung einer gleichgeschlechtlichen Ehe demenentiert – in Tunesien würden derarige Ehen grundsätzlich nicht anerkannt. Es handle sich bei der Behauptung der LGBTI-Organisation um eine Falschmeldung. Der Minister hielt es für möglich, dass die lokalen Behörden wegen eines Übersetzungsfehlers einen falschen Eintrag gemacht hätten – man werde dies überprüfen und etwaige Fehler ändern.

Shams-Gründer Mounir Baatour hatte letztes Jahr in Tunesien für Aufregung gesorgt, als er als erster offen schwuler Mann bei der Präsidentschaftswahl antreten wollte (queer.de berichtete). Seine Kandidatur wurde aber unter fadenscheinigen Argumenten abgelehnt – angeblich hatte er zu wenige Unterschriften gesammelt. (dk)