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Kritik

LSVD: Bundesregierung will "Homoheiler"-Verbot "offenbar ins Leere laufen" lassen

Der führende LGBTI-Verband in Deutschland erhebt schwere Vorwürfe gegen die Regierung: Das "Gesetz zum Schutz vor Konversionshandlungen" enthalte große Mängel, die nur schwer zu erklären seien. Deshalb solle die Zustimmung verweigert werden.


Szene aus dem US-Film "Latter Days", in dem ein junger Schwuler mit Foltermethoden in einen Heterosexuellen verwandelt werden soll (Bild: TLA Releasing)

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat den kurz vor der Abstimmung stehenden Entwurf der Bundesregierung zum Verbot von "Homo-Heilung" (PDF) scharf kritisiert. In einem von LSVD-Vorstandsmitglied Gabriela Lünsmann und Rechtsanwalt Dirk Siegfried unterzeichneten Brief an die Bundestagsabgeordneten wird beklagt, dass der Entwurf trotz eines "geradezu mustergültigen demokratischen Prozesses" Mängel enthalte, "die diesen Prozess im Rückblick zu einer Farce verkommen lassen".

Weiter heißt es: "Diese Mängel sind nicht in dem demokratischen Prozess begründet. Sie sind nur dadurch zu erklären, dass das Gesetz offenbar ins Leere laufen soll." Die Abgeordneten werden deshalb gebeten, "diesem Gesetz mit diesen Mängeln Ihre Zustimmung zu verweigern". Der Brief wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule Juristen (BASJ) erstellt.

Konkret benennen die Aktivist*innen drei Gründe, woran sie ihre Kritik festmachen. So würde im Entwurf von "am Menschen durchgeführte Behandlungen" gesprochen. Das Wort "Behandlungen" sei hier unangemessen, weil dieser Begriff positiv besetzt sei. Auch sei unklar, welchen Grund die Einschränkung "am Menschen durchgeführt" haben soll.

Zweitens kritisiert der LSVD, dass mit dem Entwurf "Konversionstherapien" bei über 18-Jährigen ausdrücklich erlaubt werden, sofern diese zustimmen und die Einwilligung nicht "auf einem Willensmangel beruht". Allerdings werde die Einwilligung immer durch Täuschung erschlichen, so der LSVD. Die Begründung: Ärzteverbände wie der Weltärztebund haben bereits wiederholt festgestellt, dass Homo- oder Transsexualität nie "geheilt" werden könne, da es keine Krankheit sei. Vielmehr würden Menschen durch die "Behandlung" in die Depression oder den Selbstmord getrieben.

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Eltern sollen Kinder weiter zu "Homo-Heilern" schicken dürfen

Der dritte Kritikpunkt ist, dass Eltern laut dem Gesetzentwurf ausdrücklich keine Strafe befürchten müssten, wenn sie ihre homo-, bi- und transsexuellen Söhne oder Töchter zu einem "Heiler" schicken. Eine Strafe begrenze sich "auf Fälle der gröblichen Verletzung der Fürsorge oder Erziehungspflicht", heißt es konkret im Entwurf. Hier bemängelt der LSVD, dass "Konversionstherapien" stets eine unethische, untaugliche und schädliche Intervention darstellten – und deshalb immer als gröbliche Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu werten seien. Mit diesem expliziten Freibrief könnten "die an Konversionsmaßnahmen interessierten Strukturen ihren Druck auf Fürsorge- und Erziehungsberechtigte noch erhöhen", befürchten die Aktivist*innen.

Bereits vergangene Woche hatten die demokratischen Oppositionsfraktionen Verbesserungen beim Gesetzentwurf gefordert (queer.de berichtete). Die Regierungsfraktionen ignorierten diese Forderungen bei der abschließenden Ausschussberatung aber weitgehend (queer.de berichtete).

Der "Entwurf eines Gesetzes zum Schutz vor Konversionsbehandlungen" war nach einer Anfang 2019 von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestarteten Initiative erarbeitet worden. Das Papier soll kommende Woche abschließend im Bundestag beraten und beschlossen werden. (dk)



#1 Carsten ACAnonym
  • 29.04.2020, 12:03h
  • Es war doch von vornherein klar, dass Union und SPD nur Büttel der Kirchen sind. Das haben die immer wieder bewiesen.

    Die wollten unsere Forderungen, die auch unter Heteros immer mehr Anhänger gefunden haben, endlich loswerden, weil es ihnen lästig war, sich immer wieder und vor immer mehr Menschen dafür rechtfertigen zu müssen.

    Also haben sie das gemacht, was sie immer in solchen Fällen tun:
    sie kündigen eine "umfassende Reform" an, damit das Thema aus den Medien und dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet und dann lassen sie das ins Leere laufen oder verwässern es so sehr, dass man es gleich bleiben lassen kann.

    Die wenigen Informierten (wie z.B. Leser von queer.de) wissen es zwar besser, aber das sind zu wenig Leute, um relevant zu sein. Und die breiten Massen denken, das wäre jetzt geregelt.
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#2 InakzeptabelAnonym
  • 29.04.2020, 12:10h
  • Dieser Gesetzentwurf ist inakzeptabel.

    Das Verbot dieser Gehirnwäsche muss für ALLE Altersklassen gelten.

    1. Es ist wissenschaftlich belegt, dass diese Konversions-"Therapien" in ALLEN Altersklassen schwerste psychische Schäden verursachen und bis zum Selbstmord führen können.

    2. Auch Erwachsene machen solche Maßnahmen nicht freiwillig, sondern da geht jahrelanger Druck von Familie, Glaubensgemeinde oder sonstigem Umfeld voraus.

    3. Wenn man nur bis zu einem bestimmten Alter schützt, erreicht man letztlich das genaue Gegenteil des Schutzes. Dann wird der psychische Druck auf Jugendliche noch massiv zunehmen, so dass diese auch ja bei Erreichen der Altersgrenze sofort "freiwillig" zu irgendwelchen Scharlatanen gehen.

    4. Es gibt nichts zu therapieren, weil die sexuelle Orientierung und Identität keine Krankheit ist.

    5. Da wird Betroffenen zuerst Selbsthass und Selbstverachtung eingeredet und dann präsentieren dieselben Leute sich als "Heiler", die einen von Problemen befreien, die man ohne sie gar nicht hätte.
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#3 Nk231Anonym
  • 29.04.2020, 13:44h
  • Es gab doch das Argument, dass man Erwachsenen nicht verbieten könne, die Entscheidung zu treffen, so eine "Heilung" in Anspruch zu nehmen.

    Das fand ich von Beginn an fragwürdig. Welche Personen sollen das denn sein? Mir ist so jemand noch nie begegnet. Und wieviele sind das? Tatsache ist doch, dass manche christliche Eltern ihr homosexuelles Kind, meist schwul, dazu zwingen. Ich kenne von LSBTTIQ niemanden, der/die aus eigener Überzeugung diese "Therapie" möchte.

    Übrigens gibt es Institutionen und Beratungsstellen, die aufklären und genau das Gegenteil erklären, was das Gesetz zum Homo-Heilungsverbot festlegt. Ich kenne keine Beratungsstelle, die sagt: "Ja, Sie sind erwachsen, Sie können sich für die Homo-Heilung entscheiden."

    Aber nun soll es ein Gesetz geben, das im Prinzip das aussagt?
    Damit macht man die gesamte Arbeit von Beratungsstellen und Institutionen kaputt.
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#4 AusredeAnonym
  • 29.04.2020, 15:25h
  • Antwort auf #3 von Nk231
  • Natürlich ist dieses "Argument" Unsinn. Das ist eine reine Ausrede.

    Man macht auch mündigen Erwachsenen immer Vorschriften. Ansonsten wäre es ja auch eine Anarchie. Z.B. dass sie Steuern zahlen müssen. Auch Verbote gehören dazu, z.B. das Verbot von Drogen.

    Wehe, jemand fordert z.B. die Legalisierung von Marihuana. Da hat die Politik kein Problem damit, das zu verbieten und interessiert sich nicht dafür, ob das eine freie Entscheidung eines mündigen Erwachsenen ist.

    Oder bei der Vorschrift, Autobahnen nur in einer Richtung zu nutzen. Auch da steht das Wohl anderer über der individuellen Freiheit "mündiger Erwachsener".

    Aber sobald es um Konversions-"Therapien" geht, ist das plötzlich ein riesiges Problem und dann kommt man mit solchen hanebüchenen Ausreden.
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#5 RetroGayProfil
  • 29.04.2020, 15:34hDortmund
  • Hier offenbart sich der Respekt, den dieser Staat unserer unantastbaren Würde erweist!
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#6 TimonAnonym
  • 29.04.2020, 15:50h
  • Ich werde niemals verstehen, wieso die Regierung nur einen Teil der Opfer schützen will und wieso die anderen Opfer keinen Schutz verdienen.

    Damit stellt die Regierung sich wieder mal gegen die ausdrücklichen Forderungen aller unabhängigen Experten.
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#7 Nk231Anonym
  • 29.04.2020, 16:00h
  • Antwort auf #4 von Ausrede
  • Ja, es ist eine Ausrede. Und es kann auch noch zu mehr werden: manche können sich in diesem Firlefanz-Gesetz bestätigt sehen und ihre mündigen, volljährig gewordenen Kinder extra zu einer "Heilung" zwingen, so nach dem Motto: "Verboten ist das ja nicht, also machen wir das."
    Es gibt einige Familien, die keinen üblichen Lebensalltag haben: manche Kinder, die gerade erst volljährig geworden sind, leben meist noch bei ihren Eltern aus unterschiedlichen Gründen. In manchen Familien findet Gewalt statt und die Eltern erlauben den Auszug des Kindes nicht, in manchen christlichen Familien gibt es mehrere Generationen und ein Auszug ist nicht erwünscht, es gibt Patchwork-Familien, es gibt Kinder die zwischen Vater und Mutter hin und her pendeln und wo die Erziehungsfragen nicht eindeutig oder einheitlich abgestimmt sind.

    Es gibt so viele unterschiedliche Konstellationen, dass das Gesetz, was hoffentlich so wie es ist nicht in Kraft treten wird, nur auf die wenigsten zutrifft und deshalb nur wenige wirklich schützt.

    Da kann ich aus meinem ursprünglichen Beruf sprechen - es gibt einfach zu viele unterschiedliche Familienentwürfe, dass das Gesetz zur Homo-Heilung unbedingt überarbeitet werden- und viel mehr Schutz gewährleistet werden muss. Natürlich in Bezug auf Alter muss es überarbeitet werden, aber auch noch in manch anderer Hinsicht.
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#8 GerritAnonym
  • 29.04.2020, 16:56h
  • Antwort auf #6 von Timon
  • Im ursprünglichen Gesetzentwurf der SPD, der damals von Karl-Heinz Brunner vorgestellt wurde, war diese Gehirnwäsche generell und für alle Altersgruppen verboten. So wie es auch sein muss und wie alle neutralen Mediziner und Psychologen das fordern.

    Aber die SPD ist wieder mal auf ganzer Linie vor der Union eingeknickt.

    Dabei geht es hier um die Gesundheit und oft sogar das Leben von Menschen. Wo sonst will die SPD denn mal hart bleiben, wenn nicht bei Menschenleben?
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#9 GerritAnonym
  • 29.04.2020, 17:00h
  • "Eltern sollen Kinder weiter zu "Homo-Heilern" schicken dürfen"

    Mit anderen Worten:
    mittlerweile ist dieser Gesetzentwurf schon so weit abgeschwächt, dass es de facto für niemanden mehr verboten ist.

    Damit macht dieses Gesetz das genaue Gegenteil dessen, was es ursprünglich mal sollte: es verbietet nicht diese Gehirnwäsche religiöser Fanatiker, sondern erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik werden diese Machenschaften gesetzlich erlaubt.

    Dieses Gesetz muss verhindert werden !!!

    Es ist nicht mal ein kleiner Fortschritt oder gar kein Fortschritt, sondern es wäre sogar eine Verschlechterung des status quo.

    Ich wüsste gerne, womit diese Radikalen die Regierung in der Hand haben...
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#10 WeseraalProfil
  • 29.04.2020, 17:01hBremen
  • sogenannte "Homo-Heilung" ist nichts weiter als gefährliche Quacksalberei - und die kann man sehr wohl ohne jede Ausnahme verbieten. So einfach kann das sein!
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