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International Family Equality Day

Mehr Sichtbarkeit und gleiche Rechte für Regenbogenfamilien!

Am heutigen Sonntag wird weltweit der Regenbogenfamilientag gefeiert. Er steht unter dem Motto "Family Diversity in Education". LesbenRing und LSVD fordern eine Modernisierung des Abstammungsrechts.


Zwei-Mütter-Familien, Zwei-Väter-Familien, Mehrelternfamilien und Familien mit trans- und intergeschlechtlichen Eltern fordern gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche Absicherung der Vielfalt an gelebten Familienformen (Bild: Lighthouse)
  • 3. Mai 2020, 04:54h, noch kein Kommentar

Am Sonntag feiern Regenbogenfamilien weltweit den International Family Equality Day (IFED, auf Deutsch Regenbogenfamilientag), um sich als Familien stolz zu zeigen und auf die Vielfalt von Familien hinzuweisen. In diesem Jahr lautet das Motto "Family Diversity in Education", um darauf aufmerksam zu machen, dass Kinder zum Beispiel in Kindertagesstätten und Schulen diese Familienvielfalt erleben und entdecken können und Regenbogenfamilien in Materialien, Büchern und Aufgabenstellungen berücksichtigt werden müssen.

"Immer mehr Menschen, die sich der LSBTIQ*-Community zugehörig fühlen, gründen überall auf der Welt Familien. Doch längst werden sie nicht überall als gleichwertige Familien anerkannt", erklärte Constanze Körner, Leiterin des Berliner Projekts "Lesben Leben Familie (LesLeFam), zum Regenbogenfamilientag 2020. "Auch in Deutschland haben Regenbogenfamilien, die zu 90 Prozent lesbische Mütter-Familien sind, noch immer nicht die Rechte, die sie brauchen, um von Anfang an als Familien abgesichert zu sein", sagte LesbenRing-Vorstandsfrau Kathrin Schultz. "Wir fordern daher eine Änderung des Abstammungsrechts jetzt!"

Abstammungsrecht diskriminiert lesbische Mütter


Auf der IFED-Homepage gibt es Vorschläge, wie man den Regenbogenfamilientag auch in der Coronakreise feiern kann

Auch drei Jahre nach Öffnung der Ehe sind Regenbogenfamilien im so genannten Abstammungsrecht weiterhin nicht gleichgestellt. So muss die Partnerin der Frau, die das Kind auf die Welt gebracht hat, das eigene Kind auf dem umständlichen und diskriminierenden Weg der Stiefkindadoption wie ein fremdes Kind adoptieren. Auch die Möglichkeit der "Mutterschaftsanerkennung" analog zur Vaterschaftsanerkennung bei unverheirateten heterosexuellen Paaren bleibt den lesbischen Müttern verwehrt.

Das Stiefkindadoptionsverfahren erfordert die Offenlegung der eigenen Familienhistorie, der Finanzen, des Gesundheitszustands, Auskünfte über das Verhältnis zu den eigenen Eltern oder die Erziehungsziele, das Schreiben eines Lebensberichts sowie Hausbesuche durch das Jugendamt. "Dinge, die im Rahmen eines regulären Stiefkindadoptionsverfahrens sinnvoll sind, werden bei lesbischen Müttern in ihr Gegenteil verkehrt und stellen eine gravierende Diskriminierung dieser lesbischen Mütter und der betroffenen Kinder dar", kritisierte der LesbenRing.

LSVD befürchtet "dramatische Verschärfung der Situation"

Die Diskriminierung von Regenbogenfamilien im Abstammungs- und Familienrecht gehe "zu Lasten der Versorgung und Absicherung der Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen", beklagte auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Vorstandsfrau Gabriela Lünsmann warnte zugleich vor einer "dramatischen Verschärfung der Situation durch das geplante Adoptionshilfegesetz", mit dem die Bundesregierung das Verfahren der Stiefkindadoption erschweren wolle. In einem Brief an den Familien- und den Rechtsausschuss des Bundestags verlangte der LSVD, Zwei-Mütter-Familien vom Anwendungsbereich des Adoptionshilfegesetzes auszuklammern.

Durch die Coronakrise fallen in diesem Jahr öffentliche Aktionen zum Regenbogenfamilientag weitgehend aus. Das Münchner Regenbogenfamilienzentrum regte deshalb zusammen mit weiteren Projekten aus der bayerischen Landeshauptstadt dazu an, die Vielfalt der Familien im Internet sichtbar zu machen. Unter dem Hashtag #FamilyDiversityInEducation und #ifed2020 sollten (Familien-)Bilder mit Regenbogen in den sozialen Medien geteilt werden.


Im vergangenen Jahr wurde der Regenbogenfamilientag auch im Zoo der US-Hauptstadt Washington gefeiert (Bild: Smithsonian's National Zoo)

Der International Family Equality Day wurde zum ersten Mal im Jahr 2012 ausgerufen und immer auf den ersten Sonntag im Mai gelegt. Die Tatsache, dass weltweit immer mehr Regenbogenfamilien gegründet werden und sich Organisationen und Netzwerke für ihre Interessen einsetzen, hatte zum Wunsch nach einem Zusammenschluss geführt, um die Anliegen und Sichtbarkeit von Regenbogenfamilien hervorzuheben. Im vergangenen Jahr beteiligten sich bereits 117 Städte in 50 Ländern. (cw/pm)