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Bundestag

Johannes Kahrs legt Ämter nieder

Der schwule SPD-Politiker will "außerhalb der Politik einen Neuanfang" suchen, nachdem die Partei ihn nicht zum Wehrbeauftragten machte.


Joahnnes Kahrs war zwischen 2008 und 2019 SPD-Sprecher für die Belange von Schwulen und Lesben (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Nach seiner Nicht-Berücksichtigung als Wehrbeauftragter verlässt der SPD-Parlamentarier Johannes Kahrs nach 21 Jahren mit sofortiger Wirkung den Bundestag. Der 56-Jährige kündigte am Dienstag in Berlin an, dass er mit Ablauf des Tages von seinem Mandat und allen politischen Ämtern zurücktrete, so die dpa. Zuerst hatten die "Rheinische Post" und die "Bild"-Zeitung über den Rückzug berichtet.

Die Fraktionsspitze der Sozialdemokraten hatte die Berliner Abgeordnete Eva Högl als neue Wehrbeauftragte vorgeschlagen und sich damit gegen Kahrs entschieden. Kahrs räumte in seiner Erklärung ein, dass er als langjähriger Berichterstatter für das Verteidigungsministerium im Haushaltsausschuss gerne für das Amt des Wehrbeauftragten kandidiert hätte.

Die Fraktionsspitze habe sich jedoch für Högl entschieden. "Ich akzeptiere dies und wünsche ihr viel Erfolg", so Kahrs. Högl soll an diesem Donnerstag als Nachfolgerin von Hans-Peter Bartels (SPD) in das Amt gewählt werden. Der Wehrbeauftragte des Bundestags gilt als Anwalt der Bundeswehr-Soldaten.

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22 Jahre lang im Bundestag

Der 1963 in Bremen geborene Kahrs war Reserveoffizier der Bundeswehr im Rang eines Obersten. Er gehörte dem Bundestag seit 1998 als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Hamburg-Mitte an – in der Hansestadt hatte er zuvor Jura studiert. Seit 2008 bis 2019, als er den Posten an Karl-Heinz Brunner abgab, war er Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen seiner Fraktion. 2018 hatte Kahrs seinen langjährigen Partner Christoph Rohde geheiratet.

Der bisherige Sprecher des konservativen Seeheimer Kreis innerhalb der SPD, dem wiederholt Eigenmächtigkeiten in Haushaltsfragen sowie ein Hang zur Strippenzieherei und innerparteilichen Intrigen vorgeworfen wurden, war in der Partei nicht unumstritten. Zugleich hatte er sich in den letzten Jahren im Bundestag und in sozialen Netzwerken häufig mit scharfen Worten mit der AfD angelegt und war deswegen online stark angefeindet worden. Am Dienstagnachmittag waren seine zuvor viel genutzten Accounts bei Twitter und Facebook nicht mehr abrufbar.

"Ich danke all meinen Weggefährten, meinen Freunden und politischen Begleitern vieler Jahre", so Kahrs in seiner Erklärung. "Ich bin meiner Partei zutiefst verbunden und wünsche ihr von ganzem Herzen Glück und Erfolg." (cw/dpa/afp)



#1 Ralph
  • 05.05.2020, 17:19h
  • Wer alles hinschmeißt, weil er ein bestimmtes Amt nicht gekriegt hat, beweist, dass er zur Politik nicht taugt.
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#2 YannickAnonym
  • 05.05.2020, 18:38h
  • Finde ich zwar in dem Fall keinen Verlust. Aber man muss auch dazu sagen, warum die SPD jemand anderes statt ihm genommen hat: weil die Union es so wollte (siehe z.B. auf spiegel.de).

    Also auch in diesem Punkt hat die SPD brav vor der Union gekrochen.

    Gibt es überhaupt noch irgendwas, wo die SPD mal nicht reines Anhängsel der Union ist?
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#3 EdeltraudAnonym
  • 05.05.2020, 18:45h
  • Die blau-braune Fraktion jubelt. Offensichtlich hat man denen einen Gefallen getan. Und es sieht so aus, als ob da noch mehr dahinter steckt.
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#4 Ramon LAnonym
  • 05.05.2020, 18:52h
  • Antwort auf #2 von Yannick
  • "Gibt es überhaupt noch irgendwas, wo die SPD mal nicht reines Anhängsel der Union ist?"

    Nein.

    Das ist aber auch schon seit Jahren so.

    Die SPD ist doch nur noch 5. Kolonne der CDU/CSU. Das ist einfach nur noch ein deutschlandweit aktiver Ortsverband der CDU/CSU. So eine Art Tarnorganisation.
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#5 Nk231Anonym
  • 05.05.2020, 18:54h
  • Schade, es wäre gut gewesen, wenn eine homosexuelle Person das Amt erhalten hätte. Aber auch das Duo mit Herr Roth als Parteispitze wurde nicht mit genug Stimmen gewählt.
    Da AKK das Bundesministerium der Verteidigung leitet, wäre es umso wichtiger gewesen, dass ein homosexueller Anwalt für Soldaten*innen bereit steht.
    Das ist offensichtlich nicht gewünscht.

    Nach so vielen Jahren in der Politik, die sicherlich nicht einfach war und speziell für nicht-Heteros besondere Kraft erfordert, kann ich es nachvollziehen, wenn er zurücktreten möchte. Das ist seine ganz persönliche Entscheidung und die darf respektiert werden.

    Danke für Ihre Arbeit und dass Sie sich für uns eingesetzt haben :-)
    Ihr Satz: "Danke für nichts" wird noch lange im Bundestag nachhallen und das ist gut so.

    Wir können Ihnen jedenfalls für einiges bedanken.
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#6 tchantchesProfil
  • 05.05.2020, 19:01hSonstwo
  • Sag nochmal einer, es gäbe in diesen schweren Zeiten keine guten Nachrichten mehr. Ein intriganter Strippenzieher weniger in der deutschen Politik, ist doch schon was.
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#7 GerritAnonym
  • 05.05.2020, 19:05h
  • Antwort auf #4 von Ramon L
  • Die neuen Parteivorsitzenden der SPD, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, hatten ja versprochen, es gebe unter ihnen kein "Weiter so" und hatten den Fortbestand der Groko von weiteren Nachforderungen an die Union abhängig gemacht.

    Aber kaum hatten sie ihre Pöstchen, sind auch sie umgefallen und mittlerweile komplett abgetaucht.

    Jetzt gibt es auch unter ihnen ein "Weiter so".

    Die SPD wird sich niemals ändern...

    Wer hat uns verraten?
    Sozialdemokraten.
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#8 Oliver GreibaumAnonym
  • 05.05.2020, 19:08h
  • Antwort auf #3 von Edeltraud
  • Ich mochte diesen Mann noch nie muss ich zugeben! Wenn an diesen Vorwürfen ezwas dran ist wird es rauskommen, zu recht! gerade er hat sich doch immer als Saubermann aufgespielt! Von seinen Drohanrufen gegen eine SPD Genossin damals zeigt mir, das dieser Mann vieles macht um an sein Ziel zu gelangen...Der Wähler scheint alles zu vergessen...
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#9 HeckmeckAnonym
  • 05.05.2020, 19:33h
  • Ein erstaunlicher Vorgang, wenn ein machtbewusster Politiker wie J. Kahrs die Flinte ins Korn schmeißt.
    Wahrscheinlich wäre der Posten die letzte Möglichkeit für ihn gewesen, noch ein besonderes Amt zu bekommen. Wenn klar ist, dass Du das Ende Deiner Karriere bereits erreicht hast, wird ein Abschied zur gangbaren Option. Man hat dann nicht mehr viel zu verlieren.

    Sympathisch war er mir auch nie, aber ich muss zugeben, dass er mit seinen Ecken und Kanten etwas Farbe in das Abgeordneten-Einerlei gebracht hat. Er gehörte jedenfalls nicht zu den weichgespülten Ja-Sagern.

    Und sein an die Kanzlerin gerichtetes "Danke für nichts!" ist schon ein Highlight in der damaligen Debatte gewesen.

    Wir verlieren eine schwule Stimme im Parlament. Wenn wir auch längst nicht mit allem einverstanden waren, aber es war doch eine schwule Stimme.
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#10 FinnAnonym
  • 05.05.2020, 19:55h
  • Als wir das heute mittag gelesen haben, meinte mein WG-Mitbewohner nur:

    "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff."

    :D
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