Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36052

Kommentar

Welcher Teufel reitet Benedikt XVI.?

Joseph Ratzinger hat gläubige Schwule und Lesben sowie deren Angehörige in schwere religiöse Konflikte bis hin zum Suizid getrieben. Nun stilisiert er sich als Opfer, dessen "Stimme man ausschalten" wolle.


Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. war vom 19. April 2005 bis zu seinem Amtsverzicht am 28. Februar 2013 Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche (Bild: Lene / wikipedia)

Auch wenn es inzwischen eher wie eine frustrierte Resignation klingt, so haben katholische Lesben und Schwule die unentwegte Demütigung durch den "Alt-Papst", wie Radio Vatikan ihn nennt, satt. Er wird in der soeben erschienenen Benedikt-Biografie von Peter Seewald so zitiert: "Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen. Heute ist gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstellt" (queer.de berichtete).

Seit Jahrzehnten ist Joseph Ratzinger, erst als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom, dann als Papst Benedikt XVI. von dem Thema besessen, lesbischen Christinnen und schwulen Christen, ihre von Gott geschenkte homosexuelle Begabung madig und verachtenswürdig zu machen. Damit hat er viele gläubige Schwule und Lesben sowie deren Angehörige in schwere religiöse Konflikte bis hin zum Suizid getrieben.

Er verdammte und verbot die Benutzung von Kondomen, die die Ansteckung mit HIV eindämmen könnten und förderte dadurch die Ausbreitung von Aids-Erkrankungen weltweit. Er ist somit mitschuldig an Millionen von Aids-Toten, die inzwischen vor allem in Afrika südlich der Sahara zu beklagen sind.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Jahrzehnte lang Andersdenkende unterdrückt


Thomas Pöschl ist Vorstandsmitglied der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. (Bild: HuK)

Das ist die tatsächliche Bilanz des Lebens des Joseph Ratzinger. Sich heute larmoyant als Opfer von "bösartiger Verzerrung der Wirklichkeit" zu stilisieren, dessen "Stimme man ausschalten" wolle, wo er doch selbst Jahrzehnte lang Andersdenkende, u.a. (Moral-) Theologinnen und -Theologen und die Befreiungstheologie in Südamerika unterdrückt hat, ist erbärmlich. Joseph Ratzinger war Jahrzehnte lang die Speerspritze des homophoben Systems römisch-katholische Kirche. Wieder einmal vertauscht er Täter und Opfer statt Einsicht und Reue zu zeigen.

Ratzinger/Benedikt hat sich viele Jahrzehnte der ehrlichen inhaltlichen Diskussion mit der Moderne verweigert. Wer "die geistige Macht des Antichrists" an die Wand malt, wenn es um die gesellschaftliche und staatliche Anerkennung der Liebe zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts geht, kann sich nicht ernsthaft darüber wundern, wenn die ihm so verhasste "moderne Gesellschaft" ihn nicht mehr ernst nimmt.

Kein Grund zum Klagen, sondern zum Feiern!

Und er sieht dadurch gleich "die Kirche" von einer "weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien bedroht" – das Gegenteil ist der Fall: Seine Hardliner-Tradition ist es, die eher noch mehr Katholikinnen und Katholiken in Deutschland über einen Kirchenaustritt nachdenken lassen. Ratzinger schädigt in seinem Tun die römisch-katholische Kirche nachhaltig und befeuert deren Spaltung.

Der französische Journalist Frédéric Martel hat 2019 in seinem Buch "Sodom" Macht, homosexuelle Kultur und Doppelmoral innerhalb des Vatikans beschrieben (queer.de berichtete). Er sieht auch die bekannte psychologische Erkenntnis bestätigt, dass Homophobie häufig in verdrängter eigener Homosexualität wurzelt. Wenn diese homophobe katholische Kultur in der modernen Gesellschaft nicht mehr gehört wird, ist dies kein Grund zum Klagen, sondern zum Feiern!



#1 KritikerProfil
  • 06.05.2020, 07:07hFrankfurt
  • Benedikt wird mit diesem Trauma einfach ist Grab gehen. Hoffentlich kann er dann im Jenseits seine Neigungen ausleben und endlich glücklich und erfüllt sein.

    Dennoch finde ich etwas affig von von Gott geschenkte[r] homosexuelle[r] Begabung zu sprechen! Diese Ausdrucksweise ist nämlich das andere - unnötige - Extrem.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 stephan
  • 06.05.2020, 08:05h
  • Eine sehr treffende Überschrift und eine kurze Zusammenfassung von Ratzingers verfehlten Leben und Streben! Wenn ausgerechnet er sich nun als von der modernen Gesellschaft marginalisiert und als Opfer einer Diktatur sieht, ist das lächerlich und larmoyant!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 zundermxeAnonym
  • 06.05.2020, 09:17h
  • Der Glaube und die Lehre stehen über dem Menschen, über das Leben und natürlich vor allem über die Liebe und die Freiheit.
    So einfach ist das für die christlichen Ideolog*innen. Wertfrei betrachtet unterscheiden sich religiöse Ideologien in keinem Punkt signifikant von anderen Ideologien.
    Selbstlos ist dies dabei an keiner Stelle, sondern stets zielgerichtet und mit eigennützigen Absichten.

    Was Ihr dem Niedrigsten unter Euch tut, das tut Ihr mir oder wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein sind dabei die unverschämtesten Nebelkerzen, die immer wieder gerne postuliert werden.
    Seit Jahrtausenden bieten die Religionen (zumindest) die geistige Grundlage für Verfolgung, Folter und Mord. Nicht nur, aber vor allem auch, auf Queers bezogen.
    Kein Aufschrei oder öffentlich laut vernehmbarer Ruf nach Konsequenzen, wenn der faschistoide Ober-Katholike dies in 2020 genüsslich wiederholt, zelebriert um sich anschließend quasi die Rolle des verfolgten Christen gibt (das mit der Opfer-Täter-Umkehr kennen wir ja bestens).
    Wo sind nur all die demokratischen Gut-Menschen?

    Wenn die Populisten von heute, die Erfinder der fake news, je ein erfolgreiches Vorbild oder eine Inspiration gebraucht haben, dann waren die Religionen mit Sicherheit ihre Blaupause.
    Jeder Fakt, jede Wahrheit, selbst wenn es die eigenen Aussagen sind, werden so ins Gegenteil verkehrt oder dementiert, dass es wieder das eigene Verhalten und somit die eigene Lehre rechtfertigt. Und das funktioniert seit Jahrtausenden.

    In diesem Sinne ist der heilige Donald (Trump) ein Vorzeige-Christ unserer Zeit.
    Amen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 goddamn liberalAnonym
  • 06.05.2020, 09:33h
  • Antwort auf #2 von stephan
  • Ja, die Überschrift ist gut.

    Ein Hauptproblem ist aber, welches Verbreitungsmittel Menschen haben, die den Teufel an die Wand malen und damit Mitmenschen lebensgefährlich verteufeln.

    Auch jenseits des Tatbestands der Volksverhetzung sollte man ihnen keine repräsentativen Kirchen in Hansestädten und keine bekannten Verlage zur Verfügung stellen.

    Im Falle Ratzingers sollten sich also alle human gesinnten Menschen dreimal überlegen, ob sie in Zukunft noch ein Buch vom Droemer Knaur-Verlag kaufen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Ralph
  • 06.05.2020, 09:53h
  • Ich glaube nicht, dass es noch irgendwen gibt, der nicht weiß, dass Joseph Ratzinger unter moralischen, möglicherweise auch juristischen Gesichtspunkten ein Verbrecher ist. Ihn reitet nicht irgendein Teufel, sondern es ist ihm schlicht ein Bedürfnis, bis zum letzten Atemzug gegen schwule Männer und lesbische Frauen zu hetzen und gegen sie Hass zu predigen. Das ist aber nicht das Problem. Dieses findet sich vielmehr in der Tatsache, dass trotzdem weiter zahllose Schwule und Lesben dem Christentum oder einer mit ihm verwandten Religion anhängen und stur daran festhalten, man könne und müsse unterscheiden zwischen der Menschenfeindlichkeit und den Verbrechen des Klerus einerseits, dem vermeintlich wahren, weil liebenden Glauben andererseits. Diese Leute haben nie die Bibel gelesen und sich auch nie mit der zweitausenjährigen Verbrechensgeschichte des Christentums beschäftigt. Naivität kann nicht die Antwort auf Hass sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 snowAnonym
#7 AmurPrideProfil
  • 06.05.2020, 12:26hKöln
  • Antwort auf #5 von Ralph
  • ""..Diese Leute haben nie die Bibel gelesen und sich auch nie mit der zweitausenjährigen Verbrechensgeschichte des Christentums beschäftigt..""

    ODER sie haben für sich festgestellt/entschieden, das dies für sie/ihren Glauben nicht von Belang ist.

    ""..Naivität kann nicht die Antwort auf Hass sein..""
    Kann schon, sollte es aber besser nicht! Schon im ureigensten Interesse!
    Aber ist die pauschalisierender Verunglimpfung Andersdenkender nicht bereits auch eine Vorstufe des Hasses?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 kuesschen11Profil
  • 06.05.2020, 12:49hFrankfurt
  • Er stilisiert sich als Opfer der modernen Gesellschaft, indem er unsere moderne Demokratie als Diktatur bezeichnet.

    Ratzinger hat während seiner Zeit als Papst Hasstiraden gegen LGBTs weltweit in die Gesellschaft geschleudert und damit seine Opfer bis in den Suizid getrieben. Da kommt doch eher der Täter zum Vorschein und viele seiner katholischen Anhänger haben die Schattenseiten im Christentum unterstützt.

    Ich glaube, dieser Mann weiß mit seinen plakativen Vorstellungen überhaupt nicht was Liebe ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 AbsurdAnonym
  • 06.05.2020, 13:23h
  • ................................
    Nun stilisiert er sich als Opfer, dessen "Stimme man ausschalten" wolle.
    ..................................

    Absurd.

    Herr Ratzinger kann seine Meinung in einem Buch veröffentlichen, ohne dass es auf dem Index landet. Und das Buch wird vermutlich auch leider in den Bestsellerlisten landen.

    Es ist also absurd, dass solche Meinungen ausgeschaltet würden.

    Entweder vernebelt Religion tatsächlich die Sinne oder er stilisiert sich bewusst als Opfer um seinen perfiden Plan umzusetzen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Carsten ACAnonym
  • 06.05.2020, 14:31h
  • Stehen die nächsten größeren Enthüllungen über Kinderschänder in der Kirche an? Oder wieso versucht er wieder mal krampfhaft abzulenken, indem er mit Schmutz auf andere wirft?

    www.kirchenaustritt.de

    "Kirche ist das Asyl der Dummen."
    (Spinoza)
  • Antworten » | Direktlink »