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Heimkino

Starkes queeres Debüt-Doppelpack mit Max-Faktor

Das Max Ophüls Festival gilt als Talentschuppen für wildes Kino rigoroser Jungfilmer, ein Preis bei Max als Ritterschlag. Ein Gewinner-Duo mit "Bester Mann" und "Label Me" gibt es jetzt im Salzgeber-Club als VoD!


Szene aus "Bester Mann": Der Debütfilm von Florian Forsch erzählt vom Missbrauch eines schüchternden Jugendlichen durch einen älteren Mann. Parallel startet im Salzgeber Club das ebenfalls mittellange Debüt "Label Me" von Kai Kreuser über einen syrischen Flüchtling und seinen schwulen Freier (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Dieter Oßwald
    7. Mai 2020, 03:34h, noch kein Kommentar

Poster zu "Bester Mann": Den Film gibt es vom 7. Mai bis 3. Juni 2020 exklusiv als VoD auf salzgeber.de zu sehen

Bester Mann

Ein beklemmendes Psychodrama über Manipulation und Missbrauch präsentiert Florian Forsch mit seinem Diplomfilm "Bester Mann". Der schüchterne Teenager Kevin will seinen Mitschülern imponieren und hat im Darknet ein paar Gramm Gras bestellt, das er im Wald versteckt. Kevins Coup misslingt: Trotz Drogen-Angebot an seine Peiniger geht das Mobbing munter weiter. Diesmal lassen sie die Luft aus Kevins Fahrrad, der frustriert im Wald zurück bleibt.

Als Retter in der Not taucht überraschend ein Motorradfahrer auf und bietet seine Hilfe an. Bennie, so heißt er, ist gut doppelt so alt wie Kevin. Er wohnt in einem Bungalow im Wald und stellt sich als Talentscout und Fotograf vor. Kevin ist ziemlich begeistert von diesem coolen Typen, erst recht, als der ihm ein paar neue Nikes schenkt und anbietet, professionelle Fotos zu machen. Dass er beim Shooting sein Hemd immer weiter aufknöpfen soll, macht der Teenager zögerlich mit. Als er über Sex reden soll, wird es Kevin zuviel und er macht sich panisch aus dem Staub.

Am nächsten Tag kehrt er neugierig zurück in den einsamen Bungalow. Heimlich probiert er das coole T-Shirt seines neuen Kumpels an. Bennie lässt Kevin mit seinem Luftgewehr schießen, bietet harte Drinks. Später, so sagt der Fotograf, käme noch ein älterer Freund zum "gemeinsamen Chillen" vorbei. Beim Dart-Spielen ist schnell Schluss mit lustig. Der Besucher wird immer aufdringlicher. Der angetrunkene Teenie flieht spontan ins Freie. Dort holt ihn Bennie ein. Redet von Freundschaft und Loyalität. Der perfiden Manipulation samt psychologischem Druck ist der schüchterne Jungen kaum gewachsen.

Vimeo | Offizieller Trailer zu "Bester Mann" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Jungfilmer Florian Frosch inszeniert seine verstörende Geschichte wie einen packenden Psychothriller, der unter die Gänsehaut geht. Seine Ausbildung als Fotograf sowie das Studium der visuellen Kommunikation zahlt sich aus in einer atmosphärisch dichten Bildsprache, die für beklemmende Stimmung sorgt. Die Kamera ist stets ganz dicht dran an seinem Helden. Großaufnahmen der Gesichter sorgen effektvoll für die Vermessung der emotionalen Welt.

Adrian Grünewald (Jahrgang 1999) gibt den sensiblen Teenager mit psychologischer Präzision und großer Glaubwürdigkeit, die ihm den Darstellerpreis beim Max Ophüls Festival bescherte. (Eine Hauptrolle spielt Grünewald im kommenden Pandemie-Thriller "Sloborn", den Trailer gibt es hier.) Derweil Frederik Schmid (Jahrgang 1989) mit charismatischem Charme dem perfiden Rattenfänger ein sympathisches Gesicht verleiht, das ihn umso gefährlicher macht.

"Ich finde Auslassungen als Stilmittel unglaublich interessant!", sagt Regisseur Forsch über seine Methode. Tatsächlich erweist sich dieser dramaturgische Mut zur Lücke als gelungener Coup bei dem heiklen Thema des sexuellen Missbrauchs. Die Tat selbst bleibt konsequent ausgeblendet und damit auch jede Gefahr von Voyeurismus. Nach diesem furiosen Debüt, das zudem für den österreichischen Filmpreis nominiert wurde, kann man auf die Karriere von Florian Forsch gespannt sein.

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Poster zu "Label Me": Den Film gibt es ebenfalls vom 7. Mai bis 3. Juni 2020 exklusiv als VoD auf salzgeber.de zu sehen

Label Me

"I fuck you as long as you can take it. You cum. I get my money. I leave." Der syrische Flüchtling Waseem (Renato Schuch) macht bei seinem Stricher-Job klare Ansagen. Er setzt rigoros auf klare Distanz, Zärtlichkeiten kommen absolut nicht in Frage, schließlich mag der Student keine Schwulen. Er verabscheut sie – aber er braucht Geld.

Sein wohlhabender Freier Lars (Nikolaus Benda) lässt sich auf den Deal ein. Er findet den jungen Mann mit Vollbart nicht nur optisch attraktiv, mindestens ebenso sehr reizt ihn dessen Selbstbewusstsein und intellektuelle Gewandtheit. In seiner Luxus-Loft fühlt Lars sich überlegen. "20 Euro für jede Frage!", will er gönnerhaft ein Gespräch beginnen. "50 Euro für eine Antwort!", kontert sein Gegenüber cool und kassiert.

Als Lars zu einem dringenden Termin muss, lässt er Waseem wie selbstverständlich in der Wohnung zurück. Der nutzt die Gunst der Stunde und räumt den Kleiderschrank aus. Selbst Jockstrap samt Sex-Toys seines Kunden packt er in seine Tasche. Doch als er Zeichnungen von sich entdeckt, gerät er ins Zögern und bleibt im Loft. "Es ist einfacher, dich zu ficken, als dieses Zeug zu verkaufen", erklärt er lakonisch.

Im Wechselspiel von Dominanz und der Sehnsucht nach Nähe zieht Lars die Schrauben an. Bargeld lacht, wenn Waseem ihn in einen Gay-Club begleitet. "Jemand, der es hierher geschafft hat, sollte es durch eine Schwulensauna schaffen", gibt sich der reiche Freier mit gönnerhafter Siegessicherheit. "Hier ist alles angsteinflößend!", wird Wassem später sagen und seinen Kunden immer wieder zurückweisen und zappeln lassen.

Irgendwann kommt es schließlich doch spontan zu Zärtlichkeiten. Prompt folgt der große Eklat. Das jahrelang eingeimpfte Macho-Rollenbild samt Homophobie kann der junge Araber so schnell nicht ablegen – wenngleich er es wohl möchte.

Vimeo / Salzgeber Club | Offizieller Trailer zu "Label Me" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Gleichsam als Kammerspiel inszeniert Nachwuchsregisseur Kai Kreuser sein spannendes Psycho-Drama vom Suchen und Finden der eigenen Identität. Seinen beiden Hauptdarstellern Renato Schuch und Nikolaus Benda gelingt das Wechselspiel zwischen Dominanz und Sehnsucht nach Nähe mit psychologischer Präzision und großer Intensität.

Ein halbes Dutzend Festival-Preise hat das Debüt bereits kassiert, neben der Max-Trophäe gab es beim Festival Cinéma LGBT Montréal den Publikumspreis – der Premium-Ritterschlag im Filmfest-Zirkus! Keine schlechte Bilanz für einen Abschlussfilm der Filmhochschule.

Infos zu den Filmen

Bester Mann. Spielfilm Deutschland/Österreich 2018. Regie: Florian Forsch. Darsteller: Adrian Grünewald, Frederik Schmid, Thomas Bartholomäus. Laufzeit: 44 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Edition Salzgeber.

Label Me. Spielfilm. Deutschland 2019. Regie: Kai Kreuser. Darsteller: Renato Schuch, Nikolaus Benda. Laufzeit: 60 Minuten. Sprache: englisch-deutsch-arabische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Edition Salzgeber

Beide Filme gibt es vom 7. Mai bis 3. Juni 2020 exklusiv im Salzgeber Club als Video on Demand.