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8. Mai

75 Jahre Tag der Befreiung: Gedenken an queere Opfer des Naziregimes

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg – ein Dreivierteljahrhundert später erinnern Aktivist*innen auch an die LGBTI-Opfer. In Wien und Düsseldorf sollen künftig Denkmäler an die dunkle Zeit erinnern.


Am 8. Mai 1945 endete in Deutschland die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten (Bild: Ivan Radic / flickr)

  • 7. Mai 2020, 14:04h 13 3 Min.

LGBTI-Aktivist*innen gedenken am 8. Mai, dem 75. Jahrestag der Befreiung, in ganz Deutschland an die Verfolgung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten durch das Naziregime. Zusammen mit anderen Menschenrechtsorganisation planen sie auch Gedenkveranstaltungen an die Opfer der Nationalsozialisten, die allerdings wegen der Corona-Krise kleiner als geplant ausfallen werden. Unter anderem wollen mehrere Aktivisten vor der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer im ehemaligen KZ Sachsenhausen in Brandenburg einen Kranz niederlegen.

"Der 8. Mai 1945 bedeutete für die lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen die Befreiung von faschistischer Verhetzung, Unterdrückung und Terror. Ihre Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung ging jedoch nach 1945 weiter", erklärte etwa die Initiative "Bündnis Vielfalt für Alle". "Der 8. Mai führt uns vor Augen, was geschehen kann, wenn Hass und Hetze eine Gesellschaft vergiften, wenn Ausgrenzung, Abwertung und Entrechtung von Menschen und ganzer Menschengruppen hingenommen oder gar unterstützt werden."

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg rief dazu auf, an Stolpersteinen in Wohnnähe Blumen niederzulegen. Der Verband selbst habe einen Strauß vor dem Stolperstein für Albrecht von Krosigk (1892-1942) niedergelegt, der von den Nationalsozialisten wegen Verstoßes gegen den Antischwulenparagrafen 175 in "Schutzhaft" genommen wurde und in einer "Heil- und Pflegeanstalt" der Nazis unter nicht geklärten Umständen verstarb. Der Verband erinnerte auch daran, dass nach dem Ende des Naziregimes noch fast 70.000 Menschen von Ost und West wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilt worden sind. Bis 1969 galt im vermeintlich demokratischen Westdeutschland die Nazi-Fassung des Paragrafen 175, erst 1994 wurde er restlos abgeschafft.

Neue Denkmäler in Wien und Düsseldorf

In Wien und Düsseldorf werden derzeit Denkmäler geplant, die an die Verfolgung Homosexueller durch das Nazi-Regime erinnern sollen. Die österreichische Bundeshauptstadt hat kürzlich 300.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit ein entsprechendes Denkmal im Resselpark errichtet werden kann. Am Mittwoch wurde bekannt gegeben, dass acht internationale Künstler eingeladen worden seien, ein Konzept zu erstellen. Der Sieger soll im Juni bekannt gegeben werden.

"Die Verfolgung Homosexueller durch das Nazi-Regime wurde viel zu lange verdrängt und die Opfer nicht anerkannt. Jetzt entsteht an einem prominenten und zentralen Platz in Wien ein Denkmal für die Opfer dieser Verfolgung. Gedenken ist immer auch Mahnen für unsere gemeinsame Gegenwart und Zukunft", so begründete Gemeinderat Peter Kraus (Grüne) das Engagement für ein Denkmal.

Bereits weiter in der Planung ist man in Düsseldorf: Hier hat der städtische Kulturausschuss am 30. April mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP und Linken beschlossen, einen Entwurf des Kölner Künstlers Claus Richter am Rheinufer umzusetzen. Das Denkmal besteht aus vier Bronzefiguren, die auf einem Sockel stehen und ihre Fäuste in den Himmel strecken. Das Denkmal ist pauschaler angelegt als das Wiener Projekt – und generell queeren Opfern von Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung in Düsseldorf gewidmet. Es soll aber auch die Stärke der Community zeigen. Für die Umsetzung sind 200.000 Euro vorgesehen.

Kommunalpolitisch kam es auch zu einer kleinen Kontroverse: Die CDU fühlte sich an die Bildsprache von Kommunisten erinnert und verweigerte daher die Zustimmung im Ausschuss. (dk)

Gestern wurde das Denkmal für den ORT FÜR DIE ERINNERUNG UND AKZEPTANZ SEXUELLER UND GESCHLECHTLICHER VIELFALT im…

Gepostet von Christian Naumann am Freitag, 1. Mai 2020
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#1 Miguel53de
  • 07.05.2020, 18:27hOttawa
  • Im Artikel wird es angesprochen, wenn auch nicht vertieft. Der 8. Mai war in der Tat ein Tag der Befreiung von der faschistisch, nazistischen Tyrannei.

    Doch für die LGBT war es lediglich das Ende der der Gefahr, in einem KZ zu landen. Gefängnis drohte für weitere 25 Jahre. Und die gesellschaftliche Ächtung ging viele Jahrzehnte weiter.

    Die nur begrenzte Freiheit ist aber auch jetzt immer nur dünnes Eis, das jederzeit brechen kann. Das lässt sich vor allem in Polen in aller Deutlichkeit ablesen. Doch auch jüngste Anmerkungen einer jungen Union als ein Beispiel von vielen lassen das ahnen.

    Dennoch, der 8. Mai ist zu feiern und ich bin dafür, den Tag der Arbeit am 1. Mai gegen den Tag der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai als Feiertag auszutauschen.

    Nicht, dass ich den Arbeiter-Feiertag grundsätzlich für falsch halte. Doch eingeführt wurde er bei uns vom Nazi-Regime. Missbraucht später ebenso vom Regime der DDR.

    Ein Tag der Befreiung als ein wichtiges Zeichen gleichermaßen gegen Faschismus, Nationalismus, Rassismus, Anti-Semitismus und Homophobie. Für Frieden und gleiche Rechte jedes Individuums. Das hätte doch was.
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#2 Pink FlamingoAnonym
  • 07.05.2020, 20:11h
  • Antwort auf #1 von Miguel53de
  • Hatte heute bei einen Zahnarzttermin mit meiner ansonsten sehr sympathischen und unorthodoxen Ärztin, die ihre Praxis ganz alleine führt, wiedereinmal ein Gespräch über mein Schwulsein, da wir zuvor über den 8.Mai und seine Bedeutung sprachen. Dabei kam heraus, dass sie nicht einmal davon gewusst hat, das außer Juden, Sinti und Roma auch Homosexuelle ins KZ gesperrt und ermordet wurden. Sie war erst richtiggehend sprachlos, als ich sie darüber informierte, dass dieser unsägliche Paragraph 175 bis Anfang der 90er Jahre existierte. Aufklärung ist weiterhin sehr wichtig.
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#3 Nk231Anonym
  • 07.05.2020, 20:24h
  • Ich freue mich, dass wir mittlerweile schin so weit gekommen sind zu wissen, dass Lesben unsichtbar gemacht, in eine Hetero-Rolle gezwungen, und viele Frauen für medizinische Versuche herhalten mussten. Die Ermordeten Lesben, Frauen, sprechen eine stille Sprache, die endlich Gehör gefunden hat.
    Es gibt viele Opfer, und diese müssen benannt werden. Bisexuelle, Trans, Queer, non-binary, alle litten sie.
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