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Reaktionen

Lob und Kritik für deutsches "Homoheiler"-Verbot

Auch nach der Verabschiedung des Teilverbots von sogenannten Konversionstherapien gibt es unter LGBTI-Aktivisten Uneinigkeit darüber, ob das Gesetz "ungenügend" ist oder ob man den Champagner auspacken soll.


Dieses Bild stammt von Change.org-Petition, die sich für ein Verbot der "Konversionstherapien" einsetzte und von mehr als 130.000 Personen unterzeichnet wurde

Das am Donnerstagabend vom Bundestag beschlossene Teilverbot von "Konversionstherapien" zur "Heilung" von Homo- und Transsexualität ist von queeren Aktivist*innen größtenteils begrüßt worden. Allerdings sei dies nur ein erster Schritt.

Die harscheste Kritik war im Vorfeld vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland gekommen (queer.de berichtete). Auch nach der Verabschiedung beharrte der LSVD-Bundesverband darauf, dass das beschlossene Gesetz wegen der Ausnahmeregelungen die Lage teilweise verschlechtere. In einer Pressemitteilung wurde die Note "ungenügend" verteilt.

Dazu erklärte LSVD-Vorstandsmitglied Gabriela Lünsmann am Donnerstagabend: "Es ist zu befürchten, dass aufgrund erheblicher Mängel im Gesetz ein effektiver und konsequenter Schutz für Lesben, Schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen nicht erreicht werden kann." Für eine effektive Ächtung sei die Ausweitung der Schutzaltersgrenze auf mindestens 26 Jahre sowie eine generelle Strafbarkeit auch von Erziehungsberechtigten bei der Mitwirkung an diesen Umpolungsmaßnahmen erforderlich.

Die kritische Haltung des LSVD sorgte für Gegenreaktionen. Bereits Anfang der Woche hatte Karl-Heinz Brunner, der queerpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, die Aktivist*innen dafür ungewohnt scharf attackiert (queer.de berichtete).

Beißende Kritik am LSVD übte auch "Enough is Enough"-Mitbegründer Marco Schenk in einem Artikel für die "Bild"-Zeitung: Darin heißt es unter anderem, der LSVD habe sich in der Diskussion "blamiert", unter anderem weil er sich jahrelang für das Thema nicht interessiert und erst kurz vor der Bundestagsabstimmung klargemacht habe, "dass er mit den Regelungen in ihrer Form so gar nicht einverstanden sei".


Ausschnitt aus dem Artikel auf bild.de

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"Vater der Homo-Ehe" verteidigt LSVD

Verteidigt wurde der LSVD dagegen vom ehemaligen LSVD-Sprecher und Ex-Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne). Der 59-Jährige stellte bereits vor wenigen Tagen fest: "Der Verband muss auf konzeptionelle Schwächen hinweisen, damit aus der Kritik an der Gesetzespraxis ggf. schnell nachgebessert werden kann. Das ist die Aufgabe von effizienter LGBT-Interessensvertretung." Außerdem, so schrieb er in einem Facebook-Eintrag vom Donnerstagabend, hätte es ohne die stetige Lobbyarbeit des LSVD "den Erfolg von heute nicht gegeben!"

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Gepostet von Volker Beck am Donnerstag, 7. Mai 2020
Facebook / Volker Beck

Trans-Aktivist*innen zeigten sich froh, dass im Gesetz auch Geschlechtsidentität berücksichtigt wird, mahnten aber ebenfalls Verbesserungen an. Der Bundesverband Trans* (BVT*) begrüßte das Verbot etwa als "wichtigen Schritt in die richtige Richtung". Gleichwohl bleibe es "lückenhaft" und müsse bei der Altersgrenze und den Regelungen für Erziehungsberechtigte noch verbessert werden.

Ähnlich argumentierte die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) in einer deutschen und englischsprachigen Pressemitteilung (PDF). Man begrüße zwar das Gesetz, aber: "Wir sind erschüttert, dass die Empfehlungen der Sachverständigen im Gesundheitsausschuss fast vollständig unberücksichtigt blieben", so Vorstandsmitglied Julia Steenken.

LSU überglücklich, SPDqueer kritisch glücklich

Die queeren Organisationen der Koalitionsparteien begrüßten ebenfalls das Gesetz. Während die Lesben und Schwulen in der Union in einem Facebook-Eintrag nicht auf die Unzulänglichkeiten hinwiesen und als gute Parteisoldat*innen kritiklos glücklich waren, zeigte sich die SPDqueer zurückhaltender. Man habe sich ein höheres Schutzalter sowie das Verbot der "Homo-Heilung" für Eltern queerer Jugendlicher gewünscht, dies sei jedoch "auf Grund von Vorbehalten seitens des federführenden Gesundheitsministeriums unter Jens Spahn und der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nicht möglich" gewesen, beklagten die kommissarischen SPDqueer-Vorsitzenden Elia Scaramuzza und Carola Ebhardt.

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Bundestag beschließt Schutz vor gefährlichen Pseudotherapien Der Deutsche Bundestag hat heute ein von Verbot von…

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Facebook / SPDqueer

Im Ausland wird die Kritik an dem Entwurf dagegen eher ausgeblendet. ILGA World sieht in dem Beschluss "großartige Neuigkeiten". Internationale LGBTI-Seiten sind verwundert, wie fortschrittlich sich die Berliner Republik gibt. Die britische Nachrichtenseite pinknews.co.uk titelte einen Artikel über die Bundestagsabstimmung etwa mit den Worten: "Deutschland hat gerade traumatisierende Konversionstherapien für Minderjährige vollständig verboten und stellt damit Großbritannien und die USA in den Schatten."


Überschrift auf pinknews.co.uk

Twitter / ILGAWORLD

AfD macht sich Sorgen um "Homo-Heiler"

Deutsche Feinde der LGBTI-Bewegung kritisieren die Entscheidung des Bundestages. Die "Demo für alle" appellierte etwa kurz vor der Abstimmung an ihre Anhänger*innen, die Abgeordneten durch Anrufe in letzte Sekunde doch noch umzustimmen. Der AfD-Abgeordnete Robby Schlund machte sich – wie schon in seiner Rede am Donnerstagabend – auf Facebook eher Sorgen um "Homo-Heiler" ("Therapeuten, die Menschen mit Problemen der sexuellen Identität in ihrem Findungsprozess begleiten") als um das Schicksal sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. (dk)





#1 YannickAnonym
  • 08.05.2020, 14:17h
  • >>>>> Uneinigkeit darüber, ob das Gesetz "ungenügend" ist oder ob man den Champagner auspacken soll. <<<<<

    Sind diejenigen, die den Champagner auspacken wollen alles SPD-Mitglieder?

    Da gibt es doch nichts zu diskutieren:
    ein Gesetz, das wissenschaftliche Fakten und die Forderungen aller Experten ignoriert, damit die Homohasser weiterhin an einem Teil ihrer Opfer ihre Gehirnwäsche-Menschenversuche machen können, ist mangelhaft.

    Nicht nur, dass nur ein Teil der Opfer geschützt wird, sondern für die anderen wird erstmalig legalisiert, was vorher rechtliche Grauzone war.

    Und worauf schon öfters hingewiesen wurde:
    der Schutz Minderjähriger ist eh schon löchrig, aber jetzt wird der Druck auf sie noch massiv zunehmen, damit sie dann bei Erreichen der Altersgrenze "freiwillig" in die Arme dieser Scharlatane rennen.
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#2 FaktenAnonym
  • 08.05.2020, 14:39h
  • Fakt ist und bleibt:

    1. Es wird nur ein Teil der Opfer geschützt.

    Obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass diese Gehirnwäsche in allen Altersklassen schwerste psychische Schäden verursacht und bis zum Tod führen kann.

    2. Die SPD wollte ursprünglich ein Verbot für alle Alterstufen, ist aber wieder mal auf ganzer Linie und komplett vor der Union eingeknickt.

    So viel zu dem Märchen der neuen SPD-Vorsitzenden, es dürfe "kein Weiter so" geben.

    Wann will die SPD denn mal hart bleiben, wenn nicht bei Leben und Gesundheit von Menschen?
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#3 YannickAnonym
  • 08.05.2020, 14:43h
  • "Eltern dürfen weiterhin ihre queeren Kinder zu "heilen" versuchen, allerdings nur, wenn sie dabei ihre Fürsorge- oder Erziehungspflicht nicht gröblich verletzen, so das Gesetz kryptisch. "

    Mit anderen Worten:
    das Gesetz lässt "Homo-Heilung" an allen zu - auch an Kindern.

    Da wird dann einfach gesagt, die Eltern hätten ohne böse Absicht, nach "bestem Glauben" gehandelt und schon ist das straffrei.
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#4 Carsten ACAnonym
  • 08.05.2020, 14:45h
  • Die BILD-Zeitung schreibt:
    "So blamierte sich der LSVD in der Diskussion."

    Also mal ganz abgesehen, dass da in bester BILD-Manier Fehler und Halbwahrheiten verbreitet werden, kann man davon ausgehen, dass das genaue Gegenteil der Fall ist.

    Wenn die BILD von einem Gesetz begeistert ist und Kritik nicht versteht, ist das der beste Beleg dafür, dass da irgendwas ganz gehörig schief ist und dass man ganz genau hinsehen sollte.
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#5 Julian SAnonym
  • 08.05.2020, 15:12h
  • Dass selbst die ILGA, Pinknews, etc. darauf reinfallen, ist peinlich:
    die behaupten, das sei für Minderjährige jetzt komplett verboten.

    Das ist aber NICHT der Fall.

    Außerdem blenden die komplett aus, dass selbst ohne konkrete "Therapie" der Druck auf Minderjährige noch steigen wird, damit sie dann auch wirklich bei Erreichen der Altersgrenze zu solchen Quacksalbern rennen.
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#6 VerarscheAnonym
  • 08.05.2020, 15:32h
  • Es ist schon schlimm genug, dass nur ein Teil der Opfer geschützt werden soll - noch dazu sehr halbherzig.

    Dass die uns dann aber auch noch für dumm verkaufen wollen und behaupten, man könne Erwachsenen nicht verbieten, dass sie sich selbst schaden, macht mich richtig wütend.

    Halten die uns wirklich für komplett verblödet?

    Erstens geht auch bei Erwachsenen, die sich sowas unterziehen jahrelange Indoktrination voraus, wo ihnen Schuldgefühle, Selbsthass und Selbstverachtung eingetrichtert werden.

    Und zweitens kann man das bei Themen wie Sterbehilfe, Drogenkonsum, etc. alles, was hier plötzlich nicht möglich sein soll.

    Dann müsste man doch z.B. auch Drogen freigeben und legale Verkaufsmöglichkeiten schaffen mit dem Verweis, dass man als Erwachsene selbst wissen müsse, was man sich antut. Würde in dem Fall auch die ganze Beschaffungskriminalität, Drogenhandel, gepanschte Drogen, etc. verhindern.

    Aber nein, da kann man plötzlich auch Erwachsenen Dinge verbieten. Nur bei der Sicherheit und Gesundheit von LGBTI ist sowas immer ein riesiges Problem.

    Und dann meinen die auch noch, wir würden darauf reinfallen...
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#7 So ist die SPDAnonym
  • 08.05.2020, 15:38h
  • Antwort auf #2 von Fakten
  • Du hast doch hoffentlich nichts anderes von der SPD erwartet.

    Die letzten echten Sozialdemokraten haben die SPD doch spätestens unter Gerhard Schröder, Peer Steinbrück, Wolfgang Clement & Co verlassen.

    Das ist lange nicht mehr die Partei eines Willy Brandt, einer Regine Hildebrandt, eines Ottmar Schreiner oder eines Oskar Lafontaine (der ja nicht ohne Grund zur Linkspartei gewechselt ist).

    Die SPD hat sich doch als eigenständige Partei komplett aufgegeben und ist nur noch Anhängsel der Union.

    Klar muss man in einer Koalition Kompromisse machen. Aber Kompromiss bedeutet, dass man sich irgendwo in der Mitte trifft und nicht, dass man alle Forderungen komplett aufgibt und nur noch durchwinkt, was die Union vorsetzt.

    Wer SPD wählt, wählt 100% Union pur.

    Wer hat uns verraten?
    Sozialdemokraten.

    Ich hoffe nur, dass es diesmal die LGBTI-Wähler nicht vergessen...
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#8 LinusAnonym
  • 08.05.2020, 15:56h
  • Die religiösen Fundamentalisten haben die Union fest im Griff.

    Und die Union hat die SPD fest im Griff.

    Eine Regierung, die das Wohl ihrer Bürger zum Spielball parteitaktischer Interessen macht, sollte schnellstmöglich durch eine andere Regierung ersetzt werden.

    Hier geht es nämlich nicht darum, irgendwelche Kompromisse zwischen legitimen Positionen zu finden, sondern hier geht es ganz einfach nur darum, unschuldige Menschen vor den Machenschaften religiöser Fanatiker zu schützen.
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#9 Nk231Anonym
  • 08.05.2020, 17:24h
  • Antwort auf #8 von Linus
  • Erst informieren, dann schreiben.
    Mittlerweile ist es so, dass Lobbyisten und paar ganz Reiche die Union im Griff haben. Und die Union wiederum freut sich auf die Kohle und verstreut es für Profithaie oder private Interessenten. Ne Maschine, die schon gut funktioniert und an der Bevölkerung vorbei geht.
    Die religiösen Fundis sind oftmals Nachplapperer, die das sagen, für was sie Spenden erhalten.
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#10 PeerAnonym
  • 08.05.2020, 17:31h
  • Antwort auf #9 von Nk231
  • Hier war die Union aber Marionette der religiösen Fundamentlisten, die möglichst viele Ausnahmen wollten und nicht irgendwelcher Unternehmen o.ä., die sich teilweise selbst dagegen gestellt haben.

    Übrigens schadet das ja auch der Wirtschaft, weil solche Gehirnwäsche Folgeerkrankungen nach sich zieht, die nicht nur das Gesundheitssystem belasten, sondern durch Krankheitsausfälle, dauerhafte Arbeitsunfähigkeit, etc. auch die anderen Sozialkassen. Und das alles ganz ohne Grund.
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