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Roman "Royal Blue"

Wenn der US-Präsidentinnensohn den britischen Prinzen liebt

Was für ein Traum: Die USA werden von einer Demokratin regiert, ihr Sohn Alex ist bi. Der verliebt sich ausgerechnet in den schwulen Prinzen Henry. Das sorgt für einen Sexskandal, mitten im Wahlkampf.


Casey McQuiston lässt das Weiße Haus in ihrem Roman "Royal Blue" literarisch in Regenbogenfarben erstrahlen – wie hier 2015 unter US-Präsident Barack Obama nach der Öffnung der Ehe durch den Supreme Court (Bild: White House / wikipedia)

Die beiden begehrtesten Junggesellen der Welt haben Stress miteinander. Auf der einen Seite: Alex Clarmont-Diaz, 21, der Sohn der demokratischen US-Präsidentin. Auf der anderen: Prinz Henry, zwei Jahre älter, der an der zweiten Stelle der britischen Thronfolge steht. Irgendwas war da immer zwischen ihnen, eine unsichtbare Feindschaft. Die eskaliert bei der Hochzeit von Henrys Bruder Philip, es kommt zum Gerangel, am Ende ist die 75.000-Dollar-Hochzeitstorte nur noch Matsch – und die Klatschpresse übersät mit den Streithähnen. Eine teure Torte, die eine diplomatische Krise auslöst.

Zahra, die stellvertretende Stabschefin und rechte Hand der Präsidentin Ellen Clermont, hat daher die Idee: Die beiden sollen ein paar PR-Auftritte erledigen, nett in die Kamera lächeln, sich als Best Buddies verkaufen. Am besten so schnell wie möglich. Alex ist davon nicht begeistert, aber da seine Mutter um die Wiederwahl kämpft, tut er ihr den Gefallen.

Es entwickelt sich eine brandgefährliche Affäre


"Royal Blue" ist im Knaur Verlag erschienen und auch als E-Book erhältlich

Natürlich ist Alex schlecht gelaunt, von dem feinen britischen Prinzen hält er nichts, doch dann ändert sich Alex' Meinung, als Henry zum Gegenbesuch in die USA reist. So schlimm ist der Prinz dann doch nicht – im Gegenteil. Bei einer Party im Weißen Haus, die er mit seiner Schwester June und besten Freundin Nora ausrichtet, küssen sich die beiden schließlich betrunken im Garten. Es beginnt eine innige Affäre unter dem Deckmantel der diplomatischen Freundschaft.

Eine Affäre, durch die Alex überhaupt erst kapiert, dass er bi ist, und von der niemand erfahren darf. Was die beiden da treiben, scheint brandgefährlich, für beide Seiten. Alex', der Halbmexikaner aus Texas, dessen Mutter gegen einen Republikaner gewinnen will, und Henry, der – nun ja, Teil der britischen Königsfamilie ist.

Von Donald Trump keine Spur

Und so treffen die beiden sich auf irgendwelchen Events auf beiden Seiten des Atlantiks, und suchen sich dann eine ruhige Ecke, um sich näher zu kommen als es für die Kameras gut ist. Wer da einen Prinzen-Porno erwartet, wird enttäuscht – die Sexszenen sind äußerst zahm, unkonkret, unanstößig. Da ist ein "klebriger Kuss" schon der Höhepunkt der Erotik.
Doch es kommt, wie's kommen muss, und natürlich tauchen Papparazzi-Fotos der knutschenden Nachwuchs-Staatsoberhäupter auf. Ein handfester schwuler Sexskandal, der in beiden Ländern für Aufsehen sorgt.

Die besten Geschichten schreibt vielleicht doch nicht das Leben, sondern eine romantische Komödie. Denn das, was Autorin Casey McQuiston sich da in "Royal Blue" ausgedacht hat, ist einfach ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Und gerade deshalb macht es so viel Spaß, darin abzutauchen, sich in dieser Parallelwelt zu verlieren und daran zu glauben. Eine Welt, die funktioniert, weil Figuren wie Jay-Z oder Joe Biden auftauchen, aber – danke! – das Wort Trump kein einziges Mal fällt. Was für ein Himmel.

Ein Liebesroman, so süß wie Zuckerwatte

Die erste Liebe für Alex und Henry, die herzzerreißenden E-Mails, die sie sich hin und her schicken, die Zitate aus schwulen Liebesbriefen, die Leidenschaft, aber auch die Zweifel – über ihre Sexualität, die Beziehung, die Konsequenzen: Das ist wunderbar nachvollziehbar und selbstverständlich wahnsinnig süß – und doch selten zu kitschig – erzählt.

Dazu kommt eine gehörige Portion Humor, die durch die Nebencharaktere den ganzen Roman durchzieht. Die Überraschungen, die "Royal Blue" bereithält, sind überschaubar, und die Konflikte eher erwartbar, aber das ist für das Genre völlig okay, da braucht es eben wohl dosiertes Drama, und das ist gut so und funktioniert ganz wunderbar.

"Royal Blue" ist eine gelungene Mischung aus einer ein bisschen überdrehten romantischen Komödie mit Rebel Wilson, "House of Cards" mit seinen Hinterzimmer-Intrigen und Wahlkampfmanövern, den Adels-Verpflichtungen aus "The Crown" und dem Tratsch und dem Zauber der ersten Liebe aus "Gossip Girl". Ein romantischer Liebesroman, so süß wie Zuckerwatte und so pastellfarben wie sein Cover.

Infos zum Buch

Casey McQuiston: Royal Blue. Originaltitel: Red, White & Royal Blue. Übersetzt von: Hannah Brosch. Roman. 464 Seiten. Softcover. Format: 12,4 x 19,0 cm. Verlagsgruppe Droemer Knaur. München 2020. Taschenbuch: 12,99 € (ISBN: 978-3-426-52615-6). Ebook: 9,99 € (ISBN: 978-3-426-45859-4)


#1 Anna SchmidtAnonym
  • 10.05.2020, 10:37h
  • Das Buch trifft genau meinen Lesegeschmack. Ich muss mal beim großen A danach schauen und in meinen Einkaufskorb schmeißen.
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#2 einfachnursoAnonym