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1932 – 2020

Rock'n'Roll-Legende Little Richard ist tot

Der Sänger von "Tutti Frutti" lebte Homosexualität – und verdammte sie später.


Little Richard im Jahr 2007 (Bild: Anna Bleker / wikipedia)

Der Rock'n'Roll-Pionier Little Richard ist tot. Der amerikanische Musiker starb am Samstag im Alter von 87 Jahren, wie das Magazin "Rolling Stone" unter Berufung auf seinen Sohn Danny Penniman und die US-Nachrichtenagentur AP mit Verweis auf Pastor Bill Minson, einen engen Feund Richards, berichteten.

Die Todesursache von Little Richard, der mit bürgerlichem Namen Richard Wayne Penniman hieß, blieb zunächst unklar. Über seine Gesundheit war nach einer Hüftoperation bereits jahrelang spekuliert worden. Angeschlagen lebte er zurückgezogen im US-Bundesstaat Tennessee.

Stars wie Elvis Presley, die Beatles, Tina Turner, Prince, Mick Jagger, Rod Stewart, David Bowie, Elton John, Bob Dylan und Freddie Mercury bis hin zu Bruno Mars gaben Little Richard als ihr musikalisches Idol an.

Grundstein des Rock'n'Roll

Geboren wurde Penniman 1932 als Sohn einer armen afro-amerikanischen Familie im südlichen US-Bundesstaat Georgia. Sein Vater war Schmuggler und wurde ermordet, als Little Richard – das dritte Kind unter zwölf Geschwistern – 19 Jahre alt war.

1955 wurde Little Richard mit seinem längst legendären "Tutti Frutti" vom unbekannten Musiker zum Superstar und legte den Grundstein zum Rock'n'Roll. Das Lied habe "eine neue Ära der Musik" eingeleitet, heißt es sogar in der US-Nationalbibliothek.

Nach "Tutti Frutti" veröffentlichte er in den Jahren darauf Songs wie "Good Golly, Miss Molly" und "Lucille", die von Stars wie Elvis Presley gecovert und weiterentwickelt wurden. Seine Konzerte, bei denen Little Richard mit dünnem Schnurrbart, hochtoupierten Haaren, Schminke und wilden Kostümen auftrat, brachten mitten in der Zeit der sogenannten Rassentrennung Weiße und Schwarze zusammen – zum Entsetzen von Rassisten.

Von "Born this way" zu "Born again"

Der "Gott des Rock'n'Roll" tourte in jenen Jahren durch die Vereinigten Staaten und feierte wilde Partys mit Männern, Frauen und Alkohol. Nach seinen größten Erfolgen entschloss er sich 1957 überraschend dazu, die Musik vorläufig hinzuschmeißen und als "wiedergeborener Christ" Priester zu werden. Seitdem lebte Little Richard zwischen der Kirche und der Musik.

In Interviews erzählte er mehrfach, sein Vater habe ihn mit 15 aus dem Haus geworfen, weil er sich zu femininin verhalten habe. Manchmal identifizierte sich Little Richard in Interviews als schwul, mal als bi-, mal als omnisexuell. Eine Biographie über ihn berichtet von wilden Orgien, teilweise zusammen mit seiner Langzeitfreundin Lee Angel und mit Musiker Buddy Holly. Auch zeigte der Sänger großes Interesse an Voyeurismus. Bei einer evangelikalen Kundgebung lernte Little Richard in den 50ern zugleich seine einzige Ehefrau Ernestine Harvin kennen. Das Paar adoptierte den damals einjährigen Danny, die Ehe dauerte fünf Jahre.

Twitter / keithboykin

"Ich liebe schwule Menschen. Ich habe praktisch 'schwul' gegründet", sagte Little Richard 1987 in einem Gespräch mit dem schwulen Regisseur John Waters. In "evangelikaleren" Phasen der 80er nannte er Homosexualität aber auch mal "ansteckend" oder warnte: "Wenn dein Bruder homosexuell ist, musst du deinen Sohn vor ihm beschützen. Homosexuelle sind krank."

2017 sagte Richard schließlich gegenüber einem christlichen Radiosender, er sei nicht länger homosexuell, denn er wolle "gerettet" werden. Make-up oder Perücken habe er schon lange nicht mehr getragen und Homosexualität sei eine "unnatürliche Zuneigung". Man sollte stattdessen "so leben, wie es Gott vorgesehen hat" (queer.de berichtete). (dpa/cw)



#1 TuggerAnonym
#2 AnonymAnonym
  • 10.05.2020, 11:05h
  • Ganz so einfach wie mein Vorkommentator Nr. 1 würde ich es mir nicht machen. Little Richard war eine komplexe Persönlichkeit, die in einem Spannungsfeld zwischen seiner Homosexualität und seiner Religion gelitten hat - woraus möglicherweise auch seine Kreativität entstanden ist.

    Man muss bedenken, dass er in den 1940ern im tiefen Süden aufgewachsen ist und nur wegen seiner Effiminiertheit aus seiner Familie geworfen wurde. Und im Gegensatz zu heute gab es keine Schwulenbewegung, keine gesellschaftliche Akzeptanz etc., die einen auffangen konnte, sondern höchstens das Gefängnis und die Verdammnis durchs Christentum. Es ist traurig, aber menschlich, dass er als an den Rollstuhl gefesselter alter Mann an seinem Lebensende sich von (seiner) Homosexualität distanziert hat, nachdem er sein ganzes Leben vorgepredigt bekommen hat, dass diese zu leben eine Sünde sei.

    Auf jeden Fall bleibt Little Richards Einfluss als Musiker und spezieller als erster großer Musikkünstler, der das "Genderbending" gegen viele Anfeindungen einer homophoben Gesellschaft in den 50ern in die populäre Musik eingeführt hat - und damit vielen späteren Musikern wie Freddie Mercury, Marc Bolan, David Bowie, Boy George etc. oder auch dem Filmemacher John Waters ein Vorbild war, die wiederum viel für die gesellschaftliche Akzeptanz beitrugen.
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#3 Pink FlamingoAnonym
#4 audeasAnonym
#5 AhmadAnonym
  • 10.05.2020, 16:21h
  • ruhe in Frieden
    eine echte Legende ist von uns gegangen. so einflussreich seinerzeit gewesen. Hat auch in den 50ern und 60ern die Barriere durchbrochen und vor weissen zuschauern gespielt die ihn gefeiert haben

    und auch damals schon war er sehr kontrovers und hat die Leute schockiert.
    PRINCE wurde übrigens von ihm beeinflusst
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#6 TuggerAnonym
  • 10.05.2020, 18:42h
  • Antwort auf #2 von Anonym
  • "in einem Spannungsfeld zwischen seiner Homosexualität und seiner Religion gelitten hat - woraus möglicherweise auch seine Kreativität entstanden ist. " Quark! So´n Kommentar kann nur von jemand kommen der nicht weiß woher Kreativität kommt. Verlogen bleibt verlogen. Auch wenn er aus ener anderer Epoche stammt.
    Das ist die gleiche Entschuldigung wie für die biblische Untaten des Alten Testaments "Zu der Zeit war das eben so". Mir ist eh schleierhaft wie man eine Religion bzw. Kirche anhängen kann die einen nicht will.
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#7 AnonymAnonym
  • 11.05.2020, 01:02h
  • Antwort auf #6 von Tugger
  • Auch wenn es provokant oder düster klingt: Es hat schon einen Grund, warum viele große Künstler gepeinigte Personen sind - und auch, warum ein überproportionaler Anteil an Malern oder Schriftstellern in der Geschichte (latent) homosexuell waren oder anderen Minderheiten angehören. Wer sich in seiner eigenen Haut und in der Gesellschaft wohlfühlt, wird deutlich seltener das Ventil der Kunst/Kreativität suchen oder den Wunsch nach Veränderung und Aufbegehren ausdrücken. Natürlich Spekulation, aber plausibel: Wäre Little Richard nicht von seiner Familie verstoßen und gesellschaftlich ganz akzeptiert worden, so hätte er sich vielleicht nie so intensiv der Musik verschrieben und seine Kunst perfektioniert.

    Man folgt einer Religion oder Kirche, weil man an ihre Inhalte glaubt, dafür müssen sie einem noch nicht einmal gefallen. Nur wenn man die Inhalte einer Religion eh nicht glaubt, kann man diese leicht hinter sich lassen. Ich weiß, in Deutschland sind die meisten Menschen heute atheistisch oder kirchenfern (zum Glück, wie ich finde), aber in vielen Regionen der USA wird der streng christliche Glaube bis heute viel weniger hinterfragt. Little Richard speziell wird diesen Glauben mit der Muttermilch eingesogen haben, da seine halbe Familie aus Pfarrern besteht, und ihn nie wieder losgeworden sein. Man muss den Satz "Alle praktizierenden Homosexuellen kommen in die Hölle" nicht einmal mögen, sondern nur an ihn glauben - und schon ist man im Banne der Religion. Umso enger ist wahrscheinlich dieser Bann, wenn man gegen als LGTB-Person gegen diese "Regeln" sündigt und sich selbst schon mit dem halben Fuß in der Hölle sieht.
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