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Gegen "Schwulengeschichten"

Karl-May-Stiftung homophob?

Der Chef des Karl-May-Museums wirft entnervt hin, weil ihm der Stiftungsvorstand das Leben schwer macht. Unter anderem soll ihm untersagt worden sein, den "Winnetou"-Autor mit "Schwulengeschichten in Verbindung" zu bringen.


Der Bully-Herbig-Film "Der Schuh des Manitu" basiert (inoffiziell) auf den Werken von Karl May – und hat mit Winnetouch eine offen schwule Figur im Angebot (Bild: Constantin Film)

Christian Wacker ist zum 1. Juni als Direktor des Karl-May-Museums im sächsischen Radebeul zurückgetreten und beschreibt in einem Offenen Brief erschreckende Zustände in der Museumsstiftung.

Als einen der Gründe für seinen Rücktritt nennt Wacker auch die Homophobie seiner Vorgesetzten: "Ich bin nach wie schockiert darüber, dass ein Beitrag einer anerkannten amerikanischen Professorin für den letzten 'Beobachter' abgelehnt wurde, nur weil er 'dem Gerücht, May sei homosexuell gewesen, neue Nahrung geben' könnte." Der "Beobachter" war bis Dezember 2019 das halbjährliche Magazin des Karl-May-Museums. "Ein weiteres Mitglied des Vorstands der Stiftung unterstrich, May solle nicht mit 'Schwulengeschichten in Verbindung' gebracht werden. Solche Äußerungen vertragen sich nicht mit dem Stiftungszweck unserer Satzung §2.1 der "[…] erzieherische[n] Absicht der Ausbreitung von Toleranz […]", so Wacker.

Als weitere Gründe für seinen Rückzug nannte er die Einmischung des Vorstands in seinen Arbeitsalltag und "klassisches Mobbing, dem ich mich nicht weiter aussetzen werde". Er habe sich zur Veröffentlichung dieser angeblichen Missstände "aus Gründen der Transparenz" entschieden.

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Auch Museumsmitarbeiter über Homophobie "erschüttert"

Laut dem Bericht des unabhängigen Magazins "Karl May und Co." haben auch die Mitarbeiter*innen des Museums das Verhalten des Vorstandes kritisiert und seine Neubesetzung gefordert. Auch über die Homophobie zeigten sich die Angestellten entsetzt: "Dass der Artikel vom Vorstand mit der Begründung, er könne den Anschein erwecken, dass May homosexuell gewesen sein könnte, abgelehnt wurde, sorgt für uns als Team, das sich den Idealen Karl Mays von Weltoffenheit, Toleranz und freier Meinungsäußerung verpflichtet sieht, für absolutes Unverständnis", heißt es in der Erklärung. "Wir als Belegschaft des Museums (…) sind über das Verhalten des Vorstandes mehr als erschüttert. Das Verhalten des Vorstandes widerspricht in unseren Augen den Idealen der Karl-May-Stiftung, die als legitimer Erbe doch gerade für mehr Toleranz in der Gesellschaft eintreten sollte."

Immer wieder wurde über die Homosexualität von Karl May (1842-1912) spekuliert. Schriftsteller Arno Schmidt veröffentlichte etwa bereits im Jahr 1962 in "Sitara und der Weg dorthin" eine Studie über das Werk Mays, in der unbewusste Abbildungen von Homosexualität von Reiseerzählungen des "Schatz im Silbersee"-Autors dargestellt wurden. Seit Jahrzehnten wird über diese Thesen diskutiert. Zur öffentlichen Wahrnehmung über diese Thematik kam hinzu, dass mit "Der Schuh des Manitu" eine Schenkelklopfer-Komödie vor knapp 20 Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsfilmen wurde, die offensichtlich auf Karl Mays "Winnetou" basierte und in der die Homosexualität einer Figur (Winnetouch) zentrales Element war. (dk)



#1 Tante DrollAnonym
  • 11.05.2020, 23:35h
  • Ob Karl May schwul war, wird sich wohl nie wirklich aufklären lassen, dazu ist die Quellenlage zu dürftig, und er selbst hat sich nie dazu geäußert. Arno Schmidts Sichtweise hat sich in der Karl-May-Forschung nicht durchgesetzt. Was man aber sagen kann, ist, dass er für die damaligen Verhältnisse sehr tolerant war und z.B. ein freundschaftliches Verhältnis zu dem offen schwulen Maler Sascha Schneider pflegte. Von daher scheint die Vorgehensweise zumindest von Teilen des Vorstands der Karl-May-Stiftung nicht gerade im Sinne ihres Namensgebers zu sein.
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#2 Yeoj_Profil
  • 12.05.2020, 13:18hFFM
  • Respekt für den Mut, den der Betroffene aufbringt, um erstens diese Konsequenz zu zeigen und zweitens den offenen Brief zu formulieren. Richtig gut finde ich auch, dass andere Mitarbeiter seine Meinung bestätigen und nicht duckmäusern. Zum Glück kann man Vorstände immer wieder neu wählen...
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#3 TheDadProfil
  • 12.05.2020, 17:54hHannover
  • "" "Ein weiteres Mitglied des Vorstands der Stiftung unterstrich, May solle nicht mit 'Schwulengeschichten in Verbindung' gebracht werden. Solche Äußerungen vertragen sich nicht mit dem Stiftungszweck unserer Satzung §2.1 der "[] erzieherische[n] Absicht der Ausbreitung von Toleranz []", so Wacker.""..

    Da hat offensichtlich Jemand den Stiftungszweck nicht wirklich verstanden..
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#4 qwertzuiopüAnonym
  • 12.05.2020, 18:40h
  • ich fand "der Schuh des Manitu" immer einen furchtbaren Film.
    Aber vor dem Hintergrund dieser Stiftung ist er auf einmal ganz amüsant.

    Das ist aber auch iwie mal wieder typisch Sachsen. Gerade weil ich hier wohne und es hier im großen und ganzen toll ist, würde man manche Leute gerne einfach mal feste schütteln, damit sie klar kommen.

    und das ist selbstverständlich kein Gewaltaufruf :D
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#5 h9kiXAnonym
  • 13.05.2020, 01:49h
  • Antwort auf #4 von qwertzuiopü
  • Für wen ist es "hier im großen und ganzen toll" und woran stellst du das so stolz fest? Und, warum musst du so etwas überhaupt gleich hinterher schieben? Um die Zustände ein bisschen weniger schlimm klingen zu lassen?

    Mittlerweile dürften aber alle die Lage in Sachsen und die besonderen Probleme mit dem rechten Gedankengut, einem strukturellen Konservativismus der Institutionen und ihrer Unwilligkeit gegen diese anhaltenden Missstände vorzugehen kennen. Denn lang genug ist die Liste der Vorfälle aus den vergangenen Jahren. Deshalb kann man auch diese Geschichte nicht mehr als isoliertes Ereignis betrachten.

    Ich wohne übrigens auch in Sachsen und finde es überhaupt nicht "im Großen und Ganzen toll" hier. Solche Sprüche sind aber ein typischer Selbstlob, den man hier besonders oft hört. Und wenn es mal wieder hässlich wird in Dresden, Chemnitz, Freital, Bautzen usw. (wo eigentlich nicht in Sachsen?!), dann sind das in der Darstellung der Bürger und der staatlicher Organe (Institutionen, insb. Polizei Sachsen, und Politiker) ausschließlich "Einzelfälle". Und Sachsen - so hört man auch immer wieder aus diesen Ecken - ein Opfer der bösen Medien, die ungerecht und absichtlich schlecht über die Lage berichten würden.

    Nein, das sind nicht nur Einzelfälle und keine bösen Medien. Es gibt ein systemisches Problem in Sachsen und einen Mangel an der Fähigkeit, Kritik auszuhalten, Selbstkritik auszuüben und sich zu korrigieren - bei den Institutionen insbesondere, und bei vielen Bürgern ebenso, die es nicht schaffen sich klar und ohne Relativierung zu distanzieren. Stattdessen wird immer wieder versucht, solche Missstände in der Öffentlichkeit zu relativieren, die zum Glück aber und nur dank freier Medien ans Licht kommen können.

    Danke für den Bericht, queer.de!
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 13.05.2020, 11:34h
  • Antwort auf #5 von h9kiX
  • Für wen ist es "hier im großen und ganzen toll" und woran stellst du das so stolz fest?
    Für mich ist es hier im großen und ganzen toll, ich denke, das wird im gesamten Satzzusammenhang eigentlich klar. ;)

    Ich meinte damit übrigens sowas wie die Landschaft, Natur, die Städte, kulturelle Szene, meine Freunde hier, und nebenbei auch die Menschen allgemein. Ich bin vor gar nicht so langer Zeit nach Sachsen gezogen und ich habe das Gefühl, dass sie hier deutlich ehrlicher und herzlicher sind als in BaWü.
    Klar haben die auch kollektiv ne Macke, das sieht man schon daran, dass das Präfix "Sachsen-" vor dem Firmennamen für regionale Unternehmen scheinbar der beliebteste Marketingschachzug schlechthin ist. Und ja, ich weiß auch, dass es hier vermutlich deutlich unangenehmer wäre, wenn ich nicht weiß und deutsch wäre.
    Die Ablehnung von neuem scheint hier relativ fest verwurzelt, liegt vielleicht auch daran, dass die Menschen sich hier ziemlich mit dem Land Sachsen identifizieren, und die beste Zeit dieses Landes paar Jahrhunderte her ist.

    Dass die Naziszene hier stark verwurzelt ist und das von den Institutionen gerne ignoriert wird, musst du mir nicht erzählen, das weiß aber eigentlich auch ganz Deutschland inzwischen. Das wird noch seine Zeit dauern, es hat sich ja mit der Wiedervereinigung verstärkt und in der Zeit als hier nichts los war niemanden interessiert. Aber ich habe die Hoffnung, dass sich mit dem steigenden Wirtschaftswachstum auch das ändert. Dass Armut die Nährmutter von Extremismus ist, ist ebenfalls eine Plattitüde. Und ich wollte nebenbei gesagt auch Baden-Württemberg nicht sehen wollen ohne den Einfluss der Gastarbeiter aus den 60ern. In den Flecken, wo die nie hingekommen sind, ist auch BaWü ziemlich braun meliert.

    Und letztendlich will ich dem Vorstand des Karl-Mey-Museums nicht zu nahe treten, aber ich denke bei denen weniger an die organisierten Nazis als an ältere Männer, die wie der Großteil der Bevölkerung noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen ist. Also nicht unbedingt Nazis, aber auch kein Einzelfall, wie du mir unterstellst ;)
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