https://queer.de/?36093
Gegen "Schwulengeschichten"
Karl-May-Stiftung homophob?
Der Chef des Karl-May-Museums wirft entnervt hin, weil ihm der Stiftungsvorstand das Leben schwer macht. Unter anderem soll ihm untersagt worden sein, den "Winnetou"-Autor mit "Schwulengeschichten in Verbindung" zu bringen.

Der Bully-Herbig-Film "Der Schuh des Manitu" basiert (inoffiziell) auf den Werken von Karl May – und hat mit Winnetouch eine offen schwule Figur im Angebot (Bild: Constantin Film)
- 11. Mai 2020, 12:01h 3 Min.
Christian Wacker ist zum 1. Juni als Direktor des Karl-May-Museums im sächsischen Radebeul zurückgetreten und beschreibt in einem Offenen Brief erschreckende Zustände in der Museumsstiftung.
Als einen der Gründe für seinen Rücktritt nennt Wacker auch die Homophobie seiner Vorgesetzten: "Ich bin nach wie schockiert darüber, dass ein Beitrag einer anerkannten amerikanischen Professorin für den letzten 'Beobachter' abgelehnt wurde, nur weil er 'dem Gerücht, May sei homosexuell gewesen, neue Nahrung geben' könnte." Der "Beobachter" war bis Dezember 2019 das halbjährliche Magazin des Karl-May-Museums. "Ein weiteres Mitglied des Vorstands der Stiftung unterstrich, May solle nicht mit 'Schwulengeschichten in Verbindung' gebracht werden. Solche Äußerungen vertragen sich nicht mit dem Stiftungszweck unserer Satzung §2.1 der "[…] erzieherische[n] Absicht der Ausbreitung von Toleranz […]", so Wacker.
Als weitere Gründe für seinen Rückzug nannte er die Einmischung des Vorstands in seinen Arbeitsalltag und "klassisches Mobbing, dem ich mich nicht weiter aussetzen werde". Er habe sich zur Veröffentlichung dieser angeblichen Missstände "aus Gründen der Transparenz" entschieden.
Auch Museumsmitarbeiter über Homophobie "erschüttert"
Laut dem Bericht des unabhängigen Magazins "Karl May und Co." haben auch die Mitarbeiter*innen des Museums das Verhalten des Vorstandes kritisiert und seine Neubesetzung gefordert. Auch über die Homophobie zeigten sich die Angestellten entsetzt: "Dass der Artikel vom Vorstand mit der Begründung, er könne den Anschein erwecken, dass May homosexuell gewesen sein könnte, abgelehnt wurde, sorgt für uns als Team, das sich den Idealen Karl Mays von Weltoffenheit, Toleranz und freier Meinungsäußerung verpflichtet sieht, für absolutes Unverständnis", heißt es in der Erklärung. "Wir als Belegschaft des Museums (…) sind über das Verhalten des Vorstandes mehr als erschüttert. Das Verhalten des Vorstandes widerspricht in unseren Augen den Idealen der Karl-May-Stiftung, die als legitimer Erbe doch gerade für mehr Toleranz in der Gesellschaft eintreten sollte."
Immer wieder wurde über die Homosexualität von Karl May (1842-1912) spekuliert. Schriftsteller Arno Schmidt veröffentlichte etwa bereits im Jahr 1962 in "Sitara und der Weg dorthin" eine Studie über das Werk Mays, in der unbewusste Abbildungen von Homosexualität von Reiseerzählungen des "Schatz im Silbersee"-Autors dargestellt wurden. Seit Jahrzehnten wird über diese Thesen diskutiert. Zur öffentlichen Wahrnehmung über diese Thematik kam hinzu, dass mit "Der Schuh des Manitu" eine Schenkelklopfer-Komödie vor knapp 20 Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsfilmen wurde, die offensichtlich auf Karl Mays "Winnetou" basierte und in der die Homosexualität einer Figur (Winnetouch) zentrales Element war. (dk)











