Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36094

Massen-Outings befürchtet

Südkorea: Offene Homophobie nach neuen Corona-Fällen in queerer Community

Wie wichtig Datenschutz in Zeiten der Corona-Krise ist, zeigt ein Ausbruch in Südkorea: In dem relativ konservativen Land müssen Homosexuelle mit ihrem Outing rechnen.


Protestaktion von religiös motivierten Homohassern im Seoul des Jahres 2017 – und ein göttlicher Gegendemonstrant (Bild: Rachel Stine / flickr)

In Südkorea geht die Angst vor einer zweiten Welle der Corona-Infektion um – und weil der neue Ausbruch in einem queeren Partyviertel in Seoul begonnen haben soll, fürchten LGBTI-Aktivist*innen homophobe Reaktionen wie einst während der Aids-Epidemie in den Achtzigerjahren. Anlass ist die Absperrung der queeren Clubs "King", "Queen" und "Trunk" im sogenannten "Homo Hill" im Stadtviertel Itaewon am Freitag. Die nationale Infektionsbehörde gab bekannt, dass auf dieses Viertel rund 30 neue Fälle zurückzuführen seien. Man prüfe mit Kontaktdaten der Clubs und Überwachungsdaten bis zu 1.500 Personen, die in Kontakt mit dem Virus gekommen sein könnten.

Die Ansteckungen haben eine wahre Medienkampagne ausgelöst. Damit begonnen hatte "Kukmin Ilbo", eine Zeitung mit Verbindungen zu evangelikalen Kirchen, die über neue Fälle unter Homosexuellen berichtete. Evangelikale Kirchen hatten in den letzten Jahrzehnten mit einer aggressiven Missionierung viel Einfluss in Korea gewonnen und sehen Homosexualität grundsätzlich als inakzeptabel an.

Andere Zeitungen und Onlineportale folgten und verrieten unter anderem Namen und Arbeitsplätze von Besuchern der queeren Clubs. Viele Schwule, die wegen der homophoben Atmosphäre im Land versteckt leben, fürchteten sich laut LGBTI-Organisationen nun vor einem Outing. Eine regelrechte homophobe Medienkampagne begann, nachdem bekannt geworden war, dass einer der positiv Getesteten eine schwule Sauna im Stadtbezirk Gangnam besucht habe.

"Ich gebe ja zu, dass es ein großer Fehler war, ins schwule Viertel zu gehen, obwohl die Corona-Krise noch nicht vollständig beendet ist", erklärte etwa ein Mittdreißiger gegenüber der Londoner Tageszeitung "Guardian". "Aber das ist der einzige Ort, an dem ich ich sein und mit Leuten abhängen kann, die wie ich sind. Unter der Woche muss ich so tun, als ob ich Frauen mag." Der Mann erklärte, er sei von seiner Kreditkartenfirma informiert worden, dass diese Daten über seinen Besuch der queeren Clubs an die Behörden weitergeleitet habe.

"Panik" unter Homosexuellen in Seoul

Der queere Künstler Heezy Yang erklärte, dass jeder, den er kenne, gegenwärtig "regelrechte Panik" habe. "Wir wissen, welche Folgen die HIV-Epidemie in unserer Community hatte", so der 29-Jährige. Für ungeoutete Schwule sei es schwierig, sich bei den Behörden zu melden, so Yang. Schließlich würde jeder Neuinfizierte veröffentlicht – zwar anonymisiert, aber mit genug Daten wie Alter, Nationalität, Wohnbezirk und Bewegungsabläufen, dass diese Personen schnell identifiziert werden können. Die Geouteten könnten ihre sozialen Kontakte außerhalb der Community oder auch ihren Job wegen der gesellschaftlichen Homophobie verlieren. Andererseits droht möglichen Infizierten eine Geldstrafe von zwei Millionen Won (1.500 Euro) und ein Besuch der Polizei, wenn sie sich nicht testen lassen.

Der Medizinprofessor Kim Woo-joo erklärte, für den erneuten Ausbruch sei sexuelle Orientierung "irrelevant", allerdings würden die Medien diese nun hochspielen. "Es ist aber nicht gut für die Bekämpfung des Virus, wenn wir bestimmte Gruppe als Südenböcke behandeln, egal ob wir das absichtlich oder unabsichtlich tun", so Woo-joo. Auch Premierminister Chung Sye-kyun warnte, dass es "nicht hilfreich" sei, eine bestimmte Gruppe für den Virus verantwortlich zu machen.

In Südkorea war der erste SARS-CoV-2-Fall am 20. Januar nachgewiesen worden und breitete sich unter Mitgliedern einer sektenähnlichen Kirche in Daegu schnell aus. Die Regierung reagierte aber laut Seuchenexpert*innen vorbildlich und drängte die Ausbreitung zurück. Mit "nur" 256 Todesopfern ist die Zahl der Opfer im Vergleich zu den von Corona besonders betroffenen Kontinenten Europa und Nordamerika vernachlässigbar. Dieser Erfolg war allerdings nur möglich, weil die Regierung zur Überwachung möglicher Infektionsketten umfangreiche Daten von Bürgern auswertet, ohne dass diese ausdrücklich zustimmen müssen – Datenschutz spielt im Land so gut wie gar keine Rolle. (dk)



#1 KerzmanProfil
  • 12.05.2020, 03:11hPrinceton
  • >>> Protestaktion von religiös motivierten Homohassern im Seoul des Jahres 2017 und ein göttlicher Gegendemonstrant <<<

    Diese koreanischen Gelbmänner verkennen offenbar, daß es sich bei dem >göttlichen Gegendemonstranten< um einen schwulen Atheisten handelt, der auf der Südroute, auf seinem Moped aus Hannover kommend, via Peine, Moskau und Shenyang (Manschurei) in Seoul eingetroffen ist, um sie in seiner Glanzrolle als Jesus-Darsteller komplett zu verwirren (Kein Auge hat ihn kommen sehen). Ob es ihm gelangt, diese religiösen Fanatiker von den Vorzügen des Unglaubens und/oder des Schwulseins zu überzeugen, möchte ich bezweifeln. (Zum Ernst des Artikels kommen hoffentlich Besonnenere als ich zu Wort).
  • Antworten » | Direktlink »